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Artikel vom 25. September 2020

Gründerstory: „Diversity bringt Unternehmen weiter“

Schwerpunkt Diversity

Gründerin Michelle Euzet arbeitet mit Unternehmen an den Themen „Kulturwandel“ und „Vielfalt“. Foto: René Sievert

Michelle Euzet kommt aus einer Männerwelt und weiß, „dass wir nur gemeinsam weiterkommen, mit Stärke und Selbstverantwortung, nicht mit erhobenem Zeigefinger“. Für die 48-jährige sind Kulturwandel und die Förderung von Frauen kein Zeichen von Gutmenschentum, sondern einfach kluge unternehmerische Haltungen: „Studien belegen, dass Frauen in Führungspositionen und Diversity die Unternehmen weiterbringen.“ Als Unternehmensberaterin, Keynote-Speakerin und Sparringspartnerin mit Schwerpunkt Diversity arbeitet die Gründerin von EUZET CONSULTING mit Unternehmen an einem grundlegenden Kulturwandel. Die Grundvoraussetzung: Sie müssen es wirklich wollen. Weiterlesen

Artikel vom 26. August 2020

Gründerstory: Psychologischer Lotse durch stürmische Zeiten

Selbstständigkeit als Psychologe

Daniel Will bietet psychologische Beratung in Hamburg und hilft Menschen in „stürmischen Zeiten wieder in fahrbares Wasser zu gelangen“. Er selbst sieht sich dabei als ein „Lotse auf einem Schiff“. Foto: Privat

Nicht jeder braucht eine Therapie, vieles lässt sich auch mit einer psychologischen Beratung klären, findet Daniel Will. Gerade jetzt, wo die Corona-Pandemie auf breiter Front zu seelischen Nöten führe. Nach seinem Master in Psychologie sammelte der 34-Jährige u.a. als Schulpsychologe so viel Erfahrung, dass er sich im Mai 2019 gut gewappnet sah für den Schritt in die Selbstständigkeit. Als psychologischer Berater sieht er sich als ein „Lotse“ auf dem Schiff: „Steuern muss der Klient selbst, aber ich führe ihn aus dem Sturm wieder in fahrbare Gewässer.“

In einer Art Vorstufe zur Psychotherapie bietet Daniel in einer Praxis- und Bürogemeinschaft in Hamburg-Eilbek – und auch online – einen geschützten Raum, um Menschen durch stürmische Zeiten zu helfen. Sei es Stress am Arbeitsplatz, Partnerschaftsprobleme oder der Verlust eines Menschen. „Sich zu allgemeinen Lebensfragen Hilfe zu holen, gehört in Amerika zum guten Ton, wird aber hierzulande noch immer stigmatisiert“, wundert sich der Hamburger.

Mangelware Einzelberatung

Seine Klienten indes konnten in sechs Jahren Berufstätigkeit nicht unterschiedlicher sein: Während seines studienbegleitenden Praxisteils am Deutschen Herzzentrum in Berlin betreute er Patienten vor und nach einer Herz- oder Lungentransplantation. In einer Eltern-Kind-Klinik an der Nordsee arbeitete er dann eineinhalb Jahre mit Menschen, die an Haut-, Atem- und Stresserkrankungen litten – mit Schwerpunkt Familiendynamik. Nach einem halben Jahr in der Ambulanten Sozialpsychiatrie in Hamburg übernahm er schließlich als Schulpsychologe an einem ReBBZ die Beratung für gleich 45 Schulen. „Hier merkte ich, wie groß der Bedarf an Einzelberatung, Fortbildung und Supervision ist“, sagt Daniel, „letztlich gab das den Ausschlag für die Gründung.“

Klar war aber auch: Seine Ausbildung zum Psychotherapeuten, die er gerade begonnen hatte, würde noch lange dauern. Zugleich fühlte er sich durch mehrere fachliche Aus- und Weiterbildungen, wie die zwei-jährige Ausbildung zum systemischen Berater, gut gerüstet für den ersten Schritt in die Selbstständigkeit. Über einen Berliner Freund hatte er „Talk Now“ kennengelernt, eine Online-Beratungsplattform für mentales Wohlbefinden. Um einsteigen zu können, musste er zumindest nebenberuflich selbstständig sein. „Also schrieb ich in drei Wochen meinen Businessplan, sicherte mir parallel den Gründungszuschuss und einen ersten Honorarauftrag an einer Klinik.“

Selbstständigkeit als Psychologe

Zu Beginn seiner Sitzungen nutzt Daniel Will die „Seekarte der Befindlichkeiten“, um die Erwartungshaltung seiner Klienten zu klären – und welche Anstrengungen sie auf sich nehmen würden, um ihr Ziel zu erreichen. Foto: Privat

Starthilfe durch die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative und das Gründerkompetenzzentrum

Bei seinen Recherchen stieß er auf die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative und bekam zusätzlich gleich einen Termin am Gründerkompetenzzentrum, um den Business-Plan prüfen zu lassen. „Rita Mirliauntas ist mit ihren über 80 Jahren eine echte Koryphäe, ich fühlte mich super aufgehoben – immerhin ging es darum, den Gründungszuschuss für die ersten 6 Monate zu beantragen und ihn später nochmal zu verlängern. Bei dieser Tragfähigkeitsprüfung war sie eine große Hilfe.“ Über das hei.scheckheft machte er sich fit in Akquisestrategie, Empfehlungsmanagement und Suchmaschinenoptimierung. Logo und Visitenkarte überließ er einem Grafiker, die Website erstellte er mit WordPress in eigener Regie.

Präsent sein ist das A & O für die Selbstständigkeit

Den ersten Aufträgen folgte schnell die Weiterempfehlung. „Durch die Selbstständigkeit positioniere ich mich unabhängig vom Schulsystem, weiß aber trotzdem genau, über welches Tätigkeitsfeld wir sprechen“, freut sich der Gründer. Inzwischen supervidiert er drei Gruppen an Schulen, auch Einzelberatungen und ein Lehrauftrag kamen darüber zustande. Bei der Akquise, so sein vorläufiges Fazit, zählt vor allem eins: präsent sein. „Das war für mich anfangs schwer und ich musste an mir arbeiten, es ist aber hilfreich, wenn einem Andere Türen öffnen. Aber das braucht Zeit und Geduld. Das muss man einkalkulieren.“

Sobald seine Ausbildung zum Psychotherapeuten abgeschlossen ist, will Daniel ein breites Portfolio anbieten: Von der psychologischen Beratung und Supervision über die psychotherapeutische Einzel- und Gruppentherapie bis zur Psychoanalyse. Außerdem will er mit Fachvorträgen zu Themen wie „Psychotraumatologie“, „schwierige Elterngespräche führen“ oder „Stressbewältigung für Lehrkräfte“ eine Mischung aus kollegialer Fachberatung und klassischer Lehrtätigkeit anbieten. Über die Kooperation mit einer Kollegin, die als Hebamme arbeitet, plant er gerade eine Vortragsreihe zu frühkindlicher Erziehung und Partnerschaft.

Hilfe annehmen – und auch mal Abstand gewinnen

„Ob man gleich in die Vollen geht, weil man schon Aufträge hat oder erstmal die Teil-Selbstständigkeit wählt, um mehr Zeit für die Akquise zu haben, muss jeder selbst entscheiden“, findet Daniel. Was er allen Gründern rät: Gründungszuschuss beantragen und Unterstützung wie die der hei. in Anspruch nehmen, und sich an entscheidenden Stellen fragen: „Lerne ich das selbst und investiere Zeit oder beauftrage ich jemanden und investiere Geld?“ Und, hier spricht der Psychologe: „Geduld, Ausdauer und einen guten Ausgleich finden – lieber mal gezielt ein Wochenende loslassen und dann den Faden wieder aufnehmen, das bringt oft mehr als durcharbeiten.“

Artikel vom 27. Juli 2020

Gründerstory: Ein Afro ist mehr als nur eine Frisur

Gründerstory mit Abina Ntim von JONA curly hair care

JONA steht für „Join Our Natural Association“ – mit ihren Produkten und ihren Workshops will Abina Ntim das Selbstbewusstsein von Menschen mit naturkrausen Haaren stärken. Foto: Laura von Troschke

Es sollte keine Modefrage sein, ob man seinen Afro zeigt, findet Abina Ntim. Weltweit entscheiden sich Black People of Color mittlerweile selbstbewusst, ihre Haare nicht mehr chemisch zu glätten. Doch der Weg dorthin ist alles andere als einfach. Das weiß die 31jährige Hamburgerin, die eine kulturanthropologische Masterarbeit über das Thema schrieb, auch aus eigenem Erleben. Mit „JONA curly hair care“ schafft die Gründerin ein Forum für Menschen mit naturkrausem Haar, in dem es nicht nur um Pflege geht, sondern um Haltung.

Abina, du hast deine eigenen Haare jahrelang chemisch geglättet. Was war der Anlass, damit aufzuhören?

Das Thema Haarpflege war für mich immer präsent. Da keines meiner Elternteile meine Haarstruktur hat, fiel der Umgang damit nicht leicht. Ich habe mein Haar bis 2011 mit so genannten Relaxern chemisch geglättet, das ist eine Art umgekehrte Dauerwelle und bei Schwarzen Frauen eine gängige Praxis. Zusätzlich habe ich meine Haare noch hellbraun gefärbt. Als sie begannen auszufallen, wurde mir klar, dass ich umdenken muss. Doch bei meinen Recherchen merkte ich, dass es in Deutschland erschreckend wenig Know-how dazu gab.

War der Schritt umso größer, weil dein Umfeld so ahnungslos war?

Es war ein emotionaler Prozess, ein neues Schönheitsideal anzunehmen. Im ersten Schritt musst du die geglätteten Haare wegschneiden. Und mit kurzen Haaren herumzulaufen, ist erstmal nicht easy. Medien und Gesellschaft vermitteln ja ein völlig anderes Ideal. In den USA und Afrika ist die Stigmatisierung noch stärker. Afrohaare in ihrer natürlichen, krausen Struktur galten immer als minderwertig und behinderten die Chancen, respektiert zu werden. Erst im letzten Jahr ist in den USA ein Gesetz in Kraft getreten, das die Diskriminierung von Haaren verbietet. Das Natural Hair Movement – eine Bewegung, die es seit 2000 in den USA gibt, kommt seit 2011 langsam nach Europa.

Du bist mit JONA also eine Vorreiterin?

Das war vor 10 Jahren: Es gab noch keine Blogger, wie wir sie heute kennen, aber das geteilte Wissen hat mich total inspiriert. Nachdem ich mir Wissen angeeignet hatte, startete ich eine Art Mini-Movement in meinem Umfeld. Für meine Masterarbeit habe ich Interviews in Deutschland und den USA geführt. Und dann habe ich die ersten Workshops beim Verband binationaler Familien und Partnerschaften gehalten. Da merkte ich, dass ich andere empowern kann! Neben meiner freiberuflichen Arbeit in der qualitativen Markt- und Trendforschung habe ich 2018 dann nebenberuflich gegründet.

Gründerstory mit Abina Ntim von JONA curly hair care

Die Satin Cap, eine Schlafhaube, die man nachts trägt, um das Haar vor Austrocknung zu schützen, ist eines der Topprodukte von JONA curly hair care. Derzeit verkauft Abina Ntim ihre Produkte über Etsy, ein eigener Online-Shop ist in Planung. Foto: privat

Welche Erfahrungen machen Frauen in deinen Workshops und Beratungen?

JONA steht für „Join Our Natural Association“. Die Frauen lernen nicht nur alles über die bestmögliche Pflege von Afrohaaren, ich biete einen Space für Erfahrungsaustausch. Manche mögen anfangs ihre Haare nicht anfassen. Dabei braucht es nur das richtige Wissen, um sich schön zu fühlen. Als eine Kundin sagte „du hast mir neuen Aufschwung für mein Leben gegeben“, war das das schönste Kompliment. Und das war kein Teenager, sondern eine gestandene Frau. Über meinen Etsy-Shop verkaufe ich außerdem Produkte. Die Satin Cap, eine Schlafhaube, die man nachts trägt, um das Haar vor Austrocknung zu schützen, läuft super, aber auch die Bürsten und die Applikatorflaschen für Öl.

Spricht sich dein Space mittlerweile herum?

In Deutschland bin ich die Einzige, die eine Kombination aus Workshops, Beratung und Produkten anbietet. Einiges läuft über Word-of-Mouth, meine Kunden werben neue Kunden, indem sie von JONA erzählen. Total wichtig ist Social Media! Wenn ich auf Instagram etwas poste, z.B. Kurzvideos von Workshops, komme ich häufig erst auf den Radar der Menschen. Aufgrund der aktuell geführten Debatten um Rassismus, werde ich auf Social Media derzeit auch von Initiativen und Bloggern vermehrt verlinkt. Im Anschluss an jede Bestellung gebe ich meinen Kunden den Hinweis auf den Hashtag #jonataughtme. Viele posten dann ein Unpackaging oder zeigen ihre Haare und helfen so der Community.

Gründerstory mit Abina Ntim von JONA curly hair care

Abina Ntim hat mit JONA einen Space erschaffen, in dem es um Beratung, Austausch und das gemeinsame Ausprobieren von Produkten für naturkrauses Haar geht. Und darum gemeinsam eine Haltung einzunehmen. Foto: Anissa Carrington

Hast du dich vor der Gründung beraten lassen?

Ja, über die Lawaetz-Stiftung kam ich zur hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Meine Idee wurde gleich ernst genommen und ich bekam das hei.scheckheft. Vom WordPress Seminar, einem Online Handel-Seminar bei Stefan Knecht, einem Vertriebsseminar und Seminaren zu Newsletter, Geschäftsmodell, Steuern und Buchführung habe ich ganz viel mitgenommen. Extrem wichtig war auch das dreistündige Sparring mit anderen Gründern zum hei.ideenplan. Da habe ich gemerkt, wie weit ich schon war.

Wie weit willst du noch kommen – und was können andere von dir lernen?

Mein Ziel ist, dass Afrohaare zur Norm werden und das Exotische verlieren. Mittelfristig brauche ich einen eigenen Onlineshop, in dem es alles für Menschen mit Afrohaaren gibt – einen Spot für Beratung, Austausch und Produkte. Und Mitarbeiter, die mich unterstützen.

Man muss an seine Idee glauben und sich trauen, rauszugehen und sein Produkt zu testen. Die Zielgruppe zu kennen ist total wichtig, so wird das Produkt immer besser. Perfektionismus hält einen eher auf, daher rate ich, sich mit einer guten Idee nicht allzu viel Zeit zu lassen. Besonders, wenn man merkt, dass es eine hohe Nachfrage gibt.

Artikel vom 26. Juni 2020

Gründerstory: In der Corona-Zeit „trotz Krise nicht zu weit vom eigenen Weg abgehen“

Kunst in der Corona-Zeit

Heike Baltruweit hat eine eigene Galerie im Hamburger Karoviertel und schlägt in der Corona-Zeit verstärkt digitale Wege mit ihrer Kunst ein. Foto: Pure Photography

Als „natürlichen Ausstellungsraum“ betrachtet Galeristin Heike Baltruweit ihre Umgebung. Straßenpflaster, Fabrikmauern oder Wasserspiegelungen – was andere im Vorbeigehen leicht übersehen, ist für die 66-jährige Fotografin eine abstrakte Komposition. Dass sie das, was sie entdeckt, nicht arrangiert, verändert oder nachträglich am Computer bearbeitet, ist in Fake-News-Zeiten ein echtes Statement und besonderes Kennzeichen ihrer „Pure Photography“. Seit einem Jahr betreibt die ehemalige IT-Projektmanagerin im Karoviertel ihre eigene Galerie. Doch in der Corona-Zeit bleiben die Kunden aus – und neue Konzepte sind gefragt.

Heike, was sind für Dich als Künstlerin und Galeristin in der Corona-Zeit gerade die größten Herausforderungen?

Meine Galerie ist Anfang des Jahres richtig zum Laufen gekommen. Ich habe viele Bilder verkauft und bin aus dem Ausland angeschrieben worden, mich an Ausstellungen zu beteiligen: Eine Ausstellung in Venedig, der Woman Art Award in Bologna und zahlreiche Ausstellungen in Deutschland waren fest geplant. Nach und nach sind alle abgesagt oder verschoben worden. Im März musste die Galerie schließen und die Einnahmen tendieren seitdem gegen Null. Das Geschäft lebt vom direkten Kontakt. Nach dem 20. März durften wir zwar wieder öffnen, aber es ist einfach zu wenig los. Die Messe-, Dom-, St. Pauli-Besucher und vor allem die Touristen fehlen. Und die, die vorbeikommen, haben wenig Lust auf geschlossene Räume.

Wie reagierst Du darauf?

Ich versuche, das Innen nach außen zu bringen und durch Mitmach-Kunst im Kiez die Auseinandersetzung mit der Kunst zu fördern: Aus der natürlichen Umgebung gefilterte Kunstwerke sollen gefunden und ihren Fundorten zugeordnet werden, wer das schafft, bekommt ein Geschenk. Ein anderer Schwerpunkt liegt auf den Online-Aktivitäten. Ich habe meine Website DSGVO-konform gestaltet, Gutscheinsysteme integriert, den Shop überarbeitet und mache mich in Google Ads fit, um den Traffic zu erhöhen und mehr über den Shop zu verkaufen. Und ich probiere neue Formate aus: Auf Instagram habe ich das „Picture of the week“ ins Leben gerufen, dort präsentiere ich eine abstrakte Fotografie und teile sie auch via Facebook. Daneben beteilige ich mich an kostenlosen Netzaktivitäten wie „Support your own business“, „kaufnebenan.de“ oder Gutscheinaktionen. Der Erfolg ist noch nicht abzusehen. Aber ich bin mir bewusst, dass die Zeit für eine Bewertung zu kurz ist – auch wenn sie mir selbst ziemlich lang vorkommt.

Kunst in der Corona-Zeit

Triptychon: Colour in motion 1 – 3, 2018. Foto: Pure Photography

Dafür, dass Du als Galeristin neu im Geschäft bist, bist Du bewundernswert umtriebig. Hilft Dir dabei dein Hintergrund als IT-Projektmanagerin?

Bestimmt. Als Multi-Projektmanagerin bin ich ständig – quasi berufsmäßig – mit jeder Menge Unwägbarkeiten konfrontiert gewesen. Zu einem meiner Bereiche gehörte – neben E-Learning-Projekten und der Neugestaltung von Arbeitsräumen zum flexiblen Arbeiten – auch die Digitalisierung im Kulturbereich.

Und wie bist Du darauf gekommen, eine Galerie zu eröffnen?

Ich hatte meinen Übergang in die nachberufliche Phase schon einige Jahre vorbereitet: Da ich meine Coaching-Aktivitäten intensivieren und medial ergänzen wollte, habe ich einen zweiten Uniabschluss als Master of Educational Media sowie eine Ausbildung zum Business Coach absolviert. Parallel begann ich meine künstlerische Karriere als Fotografin und beteiligte mich an Ausstellungen. Dann eröffnete einer der Ausstellungsorganisatoren eine Galerie im Karoviertel, in der ich seitdem vertreten bin. Als dann Anfang 2019 Gewerberäume in der gleichen Straße frei wurden und ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte, selbst eine Galerie zu eröffnen und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, habe ich sofort zugesagt. Der Zeitpunkt war perfekt: Nach 40 Jahren Berufsleben stand ich kurz vor dem regulären Ausstieg und hatte noch einen Monat Resturlaub Zeit, um meinen Neuanfang als Galeristin zu organisieren.

Kunst in der Corona-Zeit

Fototeller Hamburger Fleet. Keramischer Druck, gebrannt auf Fine Bone China. Foto: Pure Photography

Als seltene Mischung aus Coach, Künstlerin und IT-Fachfrau kannst Du in Deiner Galerie ja ein ziemlich breites Feld aufmachen?

Stimmt. Meine beruflichen Ausbildungen – Diplom-Pädagogin, Master of Educational Media und Business Coach – verbinde ich in der Galerie mit meiner künstlerischen Arbeit, indem ich mediale und pädagogische Ansätze in das Veranstaltungskonzept integriere. Die Verbindung von Medien und Kunst, z.B. Augmented Reality, ist für mich ein Herzensanliegen. Mich faszinieren die Möglichkeiten, die Realität meiner Bilder mit einer erweiterten virtuellen Realität zu verschmelzen und zu zeigen, wie ich „die Welt“ sehe und welchen gemalten Kunstwerken sie ähneln. Die Ausstellungen „Storytelling“ und „Ceci n’est pas …“ zeigen die ersten Umsetzungsschritte in diese Richtung. Der Sender Tide TV hat dazu sogar einen Film gedreht.

In dem millionenfach angeklickten Aufsatz von Zukunftsforscher Matthias Horx ist zu lesen, gerade der Bruch mit Routinen setze einen „Zukunfts-Sinn“ frei – also die „Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren“. Kann man in der Krise auch eine Chance sehen – gerade mit Blick auf das kreative Um-die-Ecke-Denken?

Natürlich. Die Auszeit ist auch eine Chance, bisherige Strategien zu überdenken und über den Tellerrand zu gucken. Stehen Aufwand und Resonanz im richtigen Verhältnis? Wie kann ich Ausstellungs- oder Workshop-Konzepte verbessern? Mit wem kann ich kooperieren? Ein Ergebnis im Sinne des „Um-die-Ecke-Denkens“ ist für mich, verschiedene Themen zu neuen Konzepten zu verbinden. Ich plane zum Beispiel gerade ein Projekt, das Modedesign mit Kunst verbindet, ein Buchprojekt mit einer Krimiautorin und weitere Aktivitäten zu Augmented Reality. Eine Inspiration sind auch andere Gründerinnen, die ich in den hei.Workshops oder beim Gründerfrühstück kennengelernt habe. Daraus haben sich interessante gemeinsame Projekte und Freundschaften ergeben.

Wie schaffst du es, jetzt den Kopf frei zu haben für neue Konzepte?

Ich habe mich stark auf das fokussiert, was mir wichtig ist – und was erfolgsversprechend ist. Themen, die auch nach der Corona-Zeit relevant sind. Um mich nicht zu verzetteln, habe ich einen Großteil der digitalen Beteiligungs-Möglichkeiten, die in der Anfangszeit auf mich hereingeprasselt sind, schnell ausgeblendet. Da die Galerie zunächst geschlossen bleiben musste, habe ich den Schwerpunkt schnell auf Onlinemarketing gesetzt, Fachliteratur besorgt und meinen Tag geplant. Mich motiviert es, ein Schwerpunktthema zu haben und strukturiert daran zu arbeiten – und auch wenn sich nicht gleich der Erfolg einstellt, versuche ich Lösungen zu finden, die mich insgesamt weiterbringen.

Kunst in der Corona-Zeit

A touch of manga. Foto: Pure Photography

Also bereitest Du Dich schon jetzt auf die Zeit nach der Corona-Zeit vor?

Ich denke, es ist wichtig, digital professioneller zu werden. Die verstärkte Nutzung digitaler Medien wird auch nach der Krise bleiben, weil sich dann viele daran gewöhnt und das Digitale in ihr Leben integriert haben werden. Bezogen auf die Kunst werden der Besuch digitaler Ausstellungen, Online-Beratungen, Einkaufen im Online-Shop etc. wichtiger. Deshalb setze ich mich damit auseinander, wie ich gute Filme für meine Web-Präsenz drehe, interessanten Content erstelle und insgesamt meine Marketingaktionen verbessern kann.

Hast Du einen Plan B, wenn Deine Gründung in schwieriges Fahrwasser gerät?

Dann werde ich auf mein Ursprungskonzept zurückgehen und meine Coaching-Aktivitäten intensivieren. Die Galerie ist dafür gut geeignet, da ich dort bereits Coachings und Mentoring durchführe, gibt es auch ein Whiteboard. Zusätzlich würde ich Workspace für andere Coaches oder Workshops anbieten und Kooperationen verstärken.

Bekommst Du aktuell finanzielle Unterstützung?

Ja, ich erhalte die Soforthilfe, damit ich die hohen Mietkosten trotz fehlender Einnahmen schultern kann. Mentale Unterstützung bekomme ich durch meine Kooperationspartner, Familie und Freunde.

Wie können sich die Gründer jetzt gegenseitig unterstützen?

Indem sie weiter in Kontakt bleiben, Ideen zur Krisenbewältigung teilen, über gemeinsame Projekte sprechen, Unterstützer suchen, sich kollegial beraten und sich gegenseitig ermutigen, am Ball zu bleiben. Und auch mal zusammen lachen! Ganz wichtig finde ich aber auch, seinen Ideen treu zu bleiben und trotz Krise nicht zu weit vom eigenen Weg abzugehen. Ich verstehe schon, dass alle jetzt Masken nähen. Aber ich empfehle allen Gründern ganz dringend, auch weiterhin das zu machen, wofür sie brennen.

Artikel vom 25. Mai 2020

Gründerstory: Keine Angst vor hohen Wellen

Mit Wind und Wellen gründen

Gründerin Lisett Kretzschmann sticht für unterschiedliche Forschungsprojekte in See, um u.a. Wasserproben zu entnehmen und diese zu analysieren. Foto: Lisett Kretzschmann, Between Waves

Dass eine Seefahrt mit starken Wellen nicht immer lustig ist, schreckt Lisett Kretzschmann nicht ab. Seit fünf Jahren ist die 33-Jährige für das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie auf der Nord- und Ostsee unterwegs, nimmt Wasserproben und analysiert sie im Labor. Als die Arbeit an Land immer mehr Zeit in Anspruch nahm, gründete sie nebenberuflich „Between Waves“ – und sticht nun, wann immer es geht, mit wechselnden Crews in See.

Minus 5 Grad, schräger Wind, hohe Wellen – bei Deinem Job muss man ganz schön tough sein. Wie kommt jemand, der wie Du im Erzgebirge aufgewachsen ist, zur Seefahrt?

Nachdem ich in Dresden Chemie-Ingenieurwesen studiert hatte, wollte ich eigentlich zum Landeskriminalamt, aber das hat nicht geklappt. Meine erste berufliche Station war dann beim Institut für Biogeochemie und Meereschemie der Universität Hamburg. Wasserproben nehmen, Huminstoffe, gelöster organischer Kohlenstoff und Isotopenbestimmung an Meerwasser – das war fünf Jahre lang mein Job. Das Beste daran: Ich entdeckte meine Faszination für die Seefahrt. Als ich dann zum Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie wechselte, verbrachte ich aber immer mehr Zeit im Labor und vermisste total die Zeit auf dem Wasser zwischen Wind und Wellen.

Also hast Du Dich umorientiert?

Nur teilweise. Meinen festen Job beim BSH wollte ich behalten. Über die niederländische Organisation „By the Ocean we Unite“ fand ich aber eine Gelegenheit, nebenberuflich in See zu stechen: Um auf die Plastikverschmutzung in den Meeren aufmerksam zu machen, nimmt ein Team aus Wissenschaftlern immer wieder Interessierte auf längere Törns mit. Dabei werden u.a. Wasserproben genommen und Wissen über Ursachen und Folgen der Verschmutzung vermittelt. Nachdem ich 14 Tage lang im wissenschaftlichen Team von Rotterdam nach Kopenhagen mitgesegelt war, stand für mich fest: Das will ich öfter machen. Aber ich musste einen Weg finden, meine Ausgaben zu finanzieren.

Mit Wind und Wellen gründen

Mit Blick aufs Meer – so kann man sich Lisett Kretzschmanns „Schreibtisch“ zwischen den Wellen vorstellen. Foto: Lisett Kretzschmann, Between Waves

Ausgaben?

Für Hochseereisen muss man je nach Einsatzgebiet mehrere Offshore-Sicherheitstrainings vorweisen, sonst bekommt man keine Aufträge. Außerdem braucht man etwas Ausrüstung. Aber durch die ersten Aufträge habe ich das schnell wieder hereinbekommen.

Was genau bietet „Between Waves“ an?

„By the Ocean we Unite“ war für mich der Anstoß, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Durch meine Ausbildung bin ich ja sehr flexibel als technische Unterstützung einsetzbar. Meine Gründung bietet drei Schwerpunkte: Der erste sind Offshore-Tätigkeiten wie z.B. die Probenahme von Luft-, Sediment- oder Wasserproben für verschiedene Forschungsprojekte. Der zweite ist die Erfassung von Zug- und Rastvögeln durch Sichtbeobachtungen und Radarmessungen auf dem Wasser und der dritte Schwerpunkt ist der Bereich Umweltbildung. Hier begleite ich studentische Ausbildungsseefahrten oder Naturschutzorganisationen im Bereich Meereswissenschaften.

War Dir schon vor der Gründung klar, welchen Kurs Du nehmen wolltest oder hast Du Dir Rat gesucht?

Als ich „Gründungsberatung“ gegoogelt habe, bin ich gleich bei der hei. gelandet. Vor der Erstberatung dachte ich noch „ohne coole App schicken die mich gleich wieder nach Hause“. Im Gegenteil! Meine Gesprächspartnerin hat genau zugehört, geholfen, die Gedanken zu sortieren und sogar erste Kontakte hergestellt. Und dann habe ich gleich zwei Seminare besucht: „Nebenberufliche Selbstständigkeit“ und „Rechtlich sicher auftreten“ mit Blick auf Logo, Social Media und Bildrechte. Auf das Programm des hei. scheckheftes komme ich sicher wieder zurück. Oft merkt man erst nach einer gewissen Zeit, wo es hakt, Steuern zum Beispiel. Und bei Social Media und Akquise könnte ich auch Hilfe brauchen.

Mit Wind und Wellen gründen

Auch die Erfassung von Zug- und Rastvögeln durch Sichtbeobachtungen gehört zu Lisetts Tätigkeiten mit ihrer Gründung „Between Waves“. Foto: Lisett Kretzschmann

Wie findest Du Deine Kunden? Und hat Deine Chefin den Zweitjob gleich akzeptiert?

Ich komme ja aus dem Bereich und hatte schon viele Kontakte. Wenn man auf engstem Raum miteinander arbeitet, nimmt man gerne jemanden, der ins Team passt; viel läuft deshalb über Empfehlung. Zuerst hatte ich schon Bedenken, meine Chefin anzusprechen. Aber der Arbeitgeber hat ja auch etwas davon, wenn man motiviert ist. In meinem Job bin ich zwischen sechs Tagen und sechs Wochen auf See, da sammelt sich Einiges an Überstunden an – die ich dann für meine freiberuflichen Projekte nutze.

Welche Ziele steuerst Du in den nächsten Jahren an?

So, wie es ist, bin ich zufrieden und freue mich über jeden neuen Auftrag – ich würde gerne mal für ein Projekt in die Antarktis.

Hast Du Tipps für Menschen, die in Hamburg gründen wollen?

Dranbleiben, auch wenn noch keine klare Linie für die Umsetzung da ist. Es gibt viele Anlaufstellen wie die hei. oder die Lawaetz-Stiftung, wo man gemeinsam eine Lösung finden kann. Außerdem: Mut, gutes Bauchgefühl und nicht zu viel Perfektionismus – sonst bleibt man womöglich für immer an Land.

Artikel vom 11. Mai 2020

Existenzgründung in der Corona-Krise

Gründen in Corona-Zeiten

Verliert auch in Zeiten der Corona-Krise nicht die Zuversicht: Gründerin Judith Glatzer von Milk Made Ice Cream. Foto: Maischa Souaga

„Ich bin über jede verkaufte Eiskugel und jeden Sonnenstrahl glücklich“ – Judith Glatzers erster Eisladen war ein umgebauter Pferdewagen, mit dem sie als mobile Eisverkäuferin durch ganz Hamburg zog. Heute ist die Dreißigjährige sesshaft geworden. Mitten in Eppendorf kann man seit März ihre „Milk Made Ice Cream“ genießen. Alles handgemacht, alles regional. Und selbst in Corona-Zeiten gehen der studierten Sonderschulpädagogin, die beim Jobben ihre Liebe zum Eis entdeckte, die kreativen Ideen nicht aus. Die allerdings braucht es im Moment auch.

Judith, die Eröffnung deines Ladens, die beginnende Eissaison und der Anfang der Corona-Krise sind fast unmittelbar zusammengefallen. Was ist im Moment die größte Herausforderung für dich?

Für mich ist es jetzt eine große Herausforderung, kreativ umzudenken – und mich in Geduld zu üben. Kaum war der Laden eröffnet, begann die Corona-Krise und wir mussten erstmal für zwei Wochen schließen, das war Anfang März. Also haben wir einen Lieferservice entwickelt, der super angenommen wurde. Zum Glück hatte ich mit dem mobilen Verkauf ja schon Erfahrungen gesammelt. Jetzt, wo wir den Laden wieder aufmachen dürfen, lernen wir erneut, uns in Geduld zu üben. Einfach, weil es sehr viele Auflagen gibt, die wir beachten müssen. Aber ich bin trotzdem sehr froh, dass wir überhaupt Eis verkaufen dürfen. Und ich glaube, unsere Kunden sind das auch.

Gründen in Zeiten Corona-Krise

Das Eis von Milk Made Ice Cream im Laden in Hamburg-Eppendorf wird jeden Tag frisch produziert. Foto: Maischa Souaga

Ambitionierte Eisläden liegen ja voll im Trend – ihr wart da vor ein paar Jahren fast ein bisschen eurer Zeit voraus. Wie ist die Idee zu „Milk Made Ice Cream“ entstanden?

Während des Studiums habe ich im „Eisladen“ gejobbt, den gibt es heute nicht mehr. Nach dem Studium stieg ich ins „richtige“ Arbeitsleben ein, merkte aber schnell, dass mir das Handwerk und der Laden fehlten. Als dann die Chefin des „Eisladens“ schwanger wurde und sich die Möglichkeit ergab, sie in der Elternzeit zu vertreten, zögerte ich keine Sekunde. Zwei Jahre leitete ich den Eisladen, doch als sie zurückkam, war mir klar, dass ich allen Mut zusammen nehmen und mich selbstständig machen wollte. Eis herstellen konnte ich zu dieser Zeit ja schon!

2016 hast du mit einer Partnerin gegründet. Seitdem hat sich einiges getan: 2018 ist deine Mitgründerin ausgestiegen, und nur ein Jahr später hast du zusätzlich zu Eiswagen und Catering einen Laden in der Eppendorfer Landstraße eröffnet. Wie schaffst du das alles?

Viel Arbeiten und die besten Freunde sowie die beste Familie an meiner Seite haben, die man sich vorstellen kann. Ohne den bedingungslosen Rückhalt meiner Familie und meiner Freunde hätte ich den großen Schritt nicht geschafft. Ich glaube an Milk Made und bin bereit, dafür mehr zu arbeiten und vieles hintenanzustellen. Mein Job macht mich glücklich – das macht vieles leichter.

Warum ist euer Eis so beliebt? Was macht ihr anders als andere?

Ich produziere das Eis jeden Tag frisch. Die Rezepte habe ich alle im Kopf und passe sie regelmäßig den Produkten an. Im Sommer sind die Erdbeeren zum Beispiel süßer als im Winter, deswegen kommt im Sommer weniger Zucker ins Eis. Außerdem ist alles selbstgemacht. Die Soßen werden eingekocht, sogar die Brownies und Cookies für das Eis backe ich selbst. Milch, Sahne, Quark, Joghurt, Kaffee und vieles mehr beziehen wir regional und meistens direkt vom Hersteller. Und die wichtigste Zutat: eine riesen Portion Liebe!

Gründen in Corona-Zeiten

In Krisenzeiten wird klar, dass man Erwartungen und Ansprüche anpassen muss. Foto: Maischa Souaga

Haben die Hamburger eine Lieblingssorte?

Sie sind auf jeden Fall viel experimentierfreudiger, als ich dachte! Vor allem mögen sie es gerne cremig. Sehr beliebt ist unser Franzbrötcheneis, White Chocolate Brownie und die veganen Sorten wie Kokos-Himbeere oder Hafer-Haselnuss.

Du hattest ja sicher schon einige Stammkunden, bevor du den Laden eröffnet hast. Wie hältst du im Moment den Kontakt zu deinen Kunden?

Das wird leider von Auflage zu Auflage schwieriger. Die Wartezeiten sind im Moment viel länger als sonst, weil wir nur ganz wenige Leute in den Laden hineinlassen dürfen, aber das meistern zum Glück alle mit großer Geduld. Und wir versuchen natürlich trotz Mundschutz, einen kurzen Schnack mit unseren Kunden zu halten. Gute Laune und Humor helfen uns gerade sehr dabei, mit den ganzen Widrigkeiten umzugehen.

In dem millionenfach angeklickten Aufsatz von Zukunftsforscher Matthias Horx heißt es, gerade der Bruch mit dem Gewohnten setze einen „Zukunfts-Sinn“ frei – die „Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren“. Kann in der Krise auch eine Chance stecken, weil unsere Kreativität gefordert ist?

Ich denke, dass in jeder Krise für den Einzelnen auch etwas Positives steckt, da stimme ich ihm zu. Bezogen auf die Gastronomie ist das allerdings schwierig. Ich befürchte, dass trotz vieler kreativer Umdenkprozesse in diesem Bereich die große Vielfalt, die wir vor Corona in Hamburg hatten, nicht mehr da sein wird. Als Gastronom ist es besonders schwierig, eine Krise ohne finanzielle Unterstützung zu überleben, weil wir stark vom direkten Kaufverhalten unserer Kunden abhängig sind.

Gründen in Zeiten der Corona-Krise

Gründerinnen und Gründer können in Hamburg die Hamburger Corona Soforthilfe beantragen. Foto: Maischa Souag

Bekommst du aktuell finanzielle Unterstützung?

Finanzielle Rücklagen sind gerade am Anfang nicht unbedingt da. Aber wir haben unser zweites Standbein – die Belieferung von Gastronomiebetrieben läuft weiter, das hilft uns im Moment. Wir haben uns über die Jahre ein tolles Netzwerk aufgebaut, auch das kommt uns nun zugute. Den Antrag auf Soforthilfe habe ich gestellt, das Geld ist allerdings noch nicht ausgezahlt worden. Zum Glück habe ich noch meine Familie: Ich bin sehr froh, dass mich meine Eltern finanziell bei der Eröffnung des Ladens unterstützt haben.

Wie schafft man es, sich in diesen Tagen trotzdem immer wieder neu zu motivieren und wie können sich die Gründer gegenseitig unterstützen?

Indem man sich ein Eis gönnt. Nein, im Ernst: Wir haben einfach Glück im Unglück, dass wir den Laden nicht lange geschlossen halten mussten und uns das Wetter in die Karten spielt. Deswegen bin ich jeden Tag über jede verkaufte Eiskugel und jeden Sonnenstrahl glücklich. Im Moment versuche ich, geduldiger mit mir und meinen Mitmenschen zu sein und die Ansprüche, die ich vor der Krise an den Laden hatte, herunterzuschrauben. Wichtig ist erstmal, dass wir dieses Jahr überstehen. Dass der Hamburger Gründertag, an dem ich als Ausstellerin teilgenommen hätte, nun ausfallen muss, ist natürlich schade. Aber auch wenn diese Events erst wieder im nächsten Jahr stattfinden, ist es wichtig, dass wir Gründer uns in unseren kreativen Ideen unterstützen und uns gegenseitig promoten. Dass wir uns Zeit nehmen, miteinander zu reden und vielleicht sogar gemeinsame Aktionen zu planen. Alles ist jetzt besser als Stillstand.

Artikel vom 29. April 2020

Gründerstory: Französisch sprechen wie ein Muttersprachler

Sprachschule

Wollte nicht „nur nebenbei“ gründen: Sonia Schilling-Dauvergne, Gründerin der Sprachschule „Cocorico“. Foto: Cocorico

Sonia Schilling-Dauvergne weiß, wie es sich anfühlt, in zwei Sprachheimaten zu Hause zu sein. In Frankreich aufgewachsen, besuchte sie schon als Kind mehrmals im Jahr ihre deutsche Großmutter. Ihre Ehe brachte die heute 50jährige dann endgültig nach Deutschland; ihre drei Kinder wachsen selbstverständlich zweisprachig auf. Kleinen Menschen im besonders aufnahmefähigen Alter die französische Sprache auf Native-Speaker-Niveau beizubringen, das ist das Ziel von „Cocorico“, ihrer vor drei Jahren gegründeten Sprachschule. Weiterlesen

Artikel vom 30. März 2020

Gründerstory: Barrierefrei kommunizieren

Barrierefreie Kommunikation

Leichte Sprache im Rahmen einer barrierefreien Kommunikation ist für Gründerin Diane Mönch eine Herzensangelenheit. Foto: Nadja Hansen WHY

Dass sich jeder Mensch mit seiner Besonderheit einbringen kann, ist Diane Mönch ein Herzensanliegen. Über zehn Jahre lang arbeitete die 42-jährige in verschiedenen Bereichen der Inklusion. Dann entschloss sie sich, als Gründerin für jene Menschen eine Brücke zu schlagen, die aus unterschiedlichen Ursachen über eine nur geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen: Mit ihrem Eine-Frau-Unternehmen „Fette Fahrt und leichte Beute“ übersetzt sie Texte in die sogenannte Leichte Sprache und unterstützt beim Thema barrierefreie Kommunikation.

Frau Mönch, erklären Sie uns, was genau hinter dem Begriff Leichte Sprache und einer barrierefreien Kommunikation steckt?

Ich übersetze zum Teil komplexe Sachverhalte nach den vom Netzwerk Leichte Sprache festgelegten Regeln in leicht verständliche Formulierungen, also: kurze Sätze, keine Fremdwörter, eine Aussage pro Satz. Das ist ungeheuer wichtig, um zum Beispiel Demenzkranken, Geflüchteten oder Menschen mit Lernschwierigkeiten sowie gehörlosen Menschen den Anschluss an die Kommunikationsgesellschaft zu ermöglichen. Im Sinne des Gleichstellungsgesetzes unterstützen wir so die selbstständige Informationssuche aller Menschen, die Probleme mit komplexen Sätzen und Wörtern haben – und letztlich ihre Selbstbestimmung.

Wie sind Sie darauf gekommen, daraus ein Geschäftsmodell zu stricken?

Es kommt mir sicher zugute, dass ich bereits in den unterschiedlichsten Bereichen der Inklusion Erfahrungen gesammelt habe und gut vernetzt bin. Parallel zu meinen Festanstellungen – u.a. betreute ich das soziale Netzwerk www.behinder-mich-nicht.de der Diakonie Schleswig-Holstein und leitete die Europäische Akademie für Inklusion des Instituts für berufliche Aus- und Fortbildung in Rendsburg – habe ich seit 2012 nebenberuflich Seminare und Moderationen zu den Themen Inklusion, Barrierefreiheit und Leichte Sprache angeboten. Vor fünf Jahren begann ich für das Projekt „Vernetzt!“ Texte in Leichte Sprache zu übersetzen. Dabei wurde mir klar, dass dieser Bereich absolut ausbaufähig ist. Im September 2019 war dann der Startschuss für „Fette Fahrt und leichte Beute“.

Was genau umfasst Ihr Angebot – und was macht es so besonders?

Mit der Namensgebung wollte ich mich klar vom Wettbewerb abheben. Die meisten Übersetzungsbüros haben keinen Agenturcharakter. Mir war wichtig, ein umfassendes Paket anzubieten. Das beginnt mit der Übersetzung von Webseiten, die barrierefreier sind, wenn die Inhalte auch in Leichter Sprache zur Verfügung stehen, und geht über verschiedene Medien wie z.B. Flyer bis hin zu Moderationen und Mitarbeiterschulungen – denn auch bei gesprochener Sprache müssen die Formulierungen angepasst werden. Dafür kann zum Beispiel die rote Karte genutzt werden, die Menschen mit Behinderung bei Vorträgen ziehen können, wenn sie fürchten, nicht mehr mitzukommen.

Leichte Sprache

„Absolut ausbaufähig“ sei der Bereich der barrierefreien Kommunikation und leichten Sprache, so Diane Mönch, Gründerin von „Fette Fahrt und leichte Beute“. Foto: Nadja Hansen WHY

Hat Ihnen Ihre gute Vernetzung bei der Kundenakquise geholfen?

Ja, durchaus. Seminare zu Barrierefreiheit und Leichter Sprache habe ich bisher u.a. im Personalamt der Stadt Hamburg, bei der BASFI, beim Deutschen Kinderschutzbund oder bei der VHS Hamburg angeboten. Mit der richtigen Akquise habe ich erst Anfang Januar begonnen, aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass ich mit meinem Angebot auf offene Ohren stoße. Aktuell übersetze ich einen Bericht für den Schleswig-Holsteinischen Landtag. Für eine große NGO werde ich im nächsten Jahr die Webseite und eine Ausstellung in Leichte Sprache übersetzen. Auch ein Hamburger Museum will seine Webseite anpassen und Mitarbeiter schulen. Mein Ziel ist es, weitere öffentliche Stellen und Kultureinrichtungen bei der barrierefreien Kommunikation zu unterstützen.

Haben Sie sich vor der Gründung Tipps geholt?

Über das Internet bin ich auf die hei. gestoßen – das war in jeder Hinsicht hilfreich. Schon bei der Erstberatung hat Frau Bachmann mein Konzept gelobt und gesagt, das sei ein riesiger Markt, der noch gar nicht erschlossen sei. Mit dem hei.ideenplan konnte ich meinen Businessplan konkretisieren. Und das hei.gründerfrühstück ist extrem wertvoll für Kontakte, ich habe dort eine Grafikerin gefunden, mit der ich immer wieder zusammenarbeite. Man kann dort alle Fragen stellen und findet Gleichgesinnte. Offenbar bin ich beim letzten Gründertreffen der hei. so positiv aufgefallen, dass ich gebeten wurde, im September auf dem Gründertag das Gründer Panel zu moderieren. Das freut mich ganz besonders!

Also stimmt der Kurs in Richtung „fette Fahrt“. Was empfehlen Sie anderen Gründern?

Es war mein Herzenswunsch, nicht mehr für jemanden arbeiten zu müssen. Ein Riesengewinn ist die persönliche Entwicklung, ich habe eine ungeheure Lernkurve. Auch die Freiheit, selbst zu gestalten, ist toll. Ich habe spannende Kontakte geknüpft, die sonst nie zustande gekommen wären. Mein Tipp: Prioritäten setzen und nicht alles gleichzeitig machen. Auch Perfektionismus hilft häufig nicht weiter – irgendwann muss man es einfach gut sein lassen.

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