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Artikel vom 26. Oktober 2020

Gründerstory: Ein Pizzawagen als zweite Bühne

Gründung Pizzawagen

Bei „Chriss Kross Pizza“ geht es nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Zudem stehen außergewöhnliche Eigenkreationen auf dem Programm der „Pizzawagen-Bühne“. Christopher Ammann selbst ist Schauspieler, seine zweite Pizzabäckerin auch Musicaldarstellerin. Foto: Privat

Christopher Ammanns Pizzakreationen tragen Namen wie „Ätna, die Sonnige“ oder „Großglockner, die Alpine“. Seine Gründung „Chriss Kross Pizza“ hat er nach dem (fast) gleichnamigen Rap-Duo benannt. Und damit ist schon eine Menge gesagt über den geborenen Kärntner, Bergliebhaber und bekennenden 90er Jahre-Fan. Dabei ist sein Pizzawagen mehr als eine Snackbar: Er ist seine Bühne. Denn eigentlich ist der 37-jährige Schauspieler, stand unlängst für den „Tatort“ und  die „SOKO Kitzbühel“ vor der Kamera, und seine Gründung sollte „nur“ sein zweites Standbein sein. Doch dann kam Corona.

Christopher, dein Timing ist erstaunlich: Kaum hattest du die ersten Schritte in die Wege geleitet, kam der Shutdown. Und aus dem zweiten Standbein wurde eine Vollzeitbeschäftigung.

Stimmt! Im März hatte ich noch eine Theaterproduktion in Österreich, dann wurde alles abgesagt. Am 10. Juli gründete ich offiziell als Cateringunternehmer. Die Zeit davor nutzte ich, um alles startklar zu machen: Pferdewagen fertig umbauen, Logo und Website erstellen, Hängerführerschein machen. Im Moment arbeite ich in Vollzeit, es hätte nicht besser anlaufen können. Aber die Geschäftsidee hatte mit Corona nichts zu tun. Als freischaffender Künstler habe ich schon lange überlegt, wie ich ein zweites Standbein aufbauen und die spielfreie Zeit nutzen kann.

Wie bist du auf die Gastronomie gekommen?

Mein Vorbild ist der Wiener Schauspieler und Gastronom Hanno Pöschl. Der hat sich eine Kneipe gekauft und beides wunderbar miteinander verbunden. Meine Großeltern hatten auf dem Land ein Gasthaus, da habe ich oft gekellnert, mir war die Gastro also nie fremd. Zur Pizza kam ich über einen 25 kg schweren Steinofen, den ich mir vor 4 Jahren mehr aus Spaß gekauft habe. Im Internet habe ich einen Caterer in Portugal gefunden, der Pizza aus dem Pferdeanhänger verkauft. Genau so wollte ich das auch machen.

Gründung Pizzawagen

Schauspieler Christopher Ammann hat mit seinem Pizzawagen ein zweites Standbein gegründet – und sich eine zweite Bühne geschaffen. Foto: Privat

Wie hebst du dich als Seiteneinsteiger, der mit 19 seine erste Pizza probiert hat, von der – gerade im Pizzasegment – stattlichen Konkurrenz ab?

Bei mir geht es nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Ich backe auf neopolitanische Art, da fliegt der Teig auch mal, meine Mitarbeiterin ist Musicaldarstellerin. Statt des Vorhangs geht jetzt eben die Klappe auf. Und es gibt außergewöhnliche Eigenkreationen. Im Wagen ist wenig Platz, da muss ich vereinfachen. Meine Sommerpizza hatte z.B. nur vier Zutaten: gebratenen Salbei, Caciocavallokäse, frisch gemahlenen Pfeffer und Zitronenabrieb. In Kombination mit den aufwendigeren Pizzen war das ein perfektes Programm. Am Ende ist es wie im Theater: Viele Dinge passen plötzlich extrem gut zusammen.

Wie hast du dich für die geschäftlichen Dinge fit gemacht?

Der Motivationsschub schlechthin war der Hamburger Gründertag. Du triffst dort Förderer, Experten und natürlich auch andere Gründer_innen, die dir erzählen, wie sie es geschafft haben. Jennie von Rho Kombucha z.B. oder Phillip von FirstLoveCoffee, die waren total offen, ich habe denen Löcher in den Bauch gefragt. Im Vorfeld hatte ich auch einen 30-minütigen Time Slot gebucht, um meine Idee den Gründungsberaterinnen von der hei. zu präsentieren. Das Feedback war positiv! Ich wurde nicht als kleiner Fisch betrachtet, sondern absolut ernst genommen. Für spezifische Fragen haben sie mich an Expert_innen verwiesen, die sich z.B. mit Hygienevorschriften auskannten, dazu gab es sogar einen Workshop der Handelskammer Hamburg. Auch das hei.scheckheft war toll, ich habe gleich ein Seminar zu Steuern gemacht. Davon hatte ich keine Ahnung.

Gründung Pizzawagen

Auf beiden Bühnen stehen: Christopher Ammann will zwar weiterhin auch Schauspieler bleiben, aber seine Gründung „Chriss Kross Pizza“ um einen zusätzlichen Pizzawagen vergrößern. Foto: Privat

Hast du einen Gründerzuschuss in Anspruch genommen?

Nein. Deshalb war es großartig, dass ich im Budget geblieben bin und die Annahmen aus dem Business-Plan 1:1 gepasst haben. Das habe ich der unglaublichen Hilfe meiner Freunde und Bekannten zu verdanken. Für den Pferdeanhänger habe ich 500 Euro bezahlt – ein Foodtruck hätte mich 25.000 Euro gekostet.

Wie geht es weiter?

Dieses Jahr sammle ich Erfahrungen und optimiere Arbeitsabläufe, teste Standorte und übe mich in der Kunst des neapolitanischen Pizzabackens. Die möchte ich auch an meine Mitarbeiter_innen weitergeben. Gerade habe ich die ersten beiden auf 450-Euro-Basis angemeldet. Mein Ziel ist es, zu wachsen und einen zweiten Wagen auszubauen. Dann könnte ich einen für Märkte und vor Cafés einsetzen und den anderen flexibel für Caterings verplanen. Und zum echten 90er-Pferdeanhänger gehört natürlich auch eine Konsole, auf der man Super Mario spielen kann…

Was rätst du anderen Gründer_innen?

Innehalten und schauen, was man geschafft hat. Das vergisst man immer, weil noch so viel zu tun ist. Man braucht Freunde oder Familie, die einen unterstützen, weil der Arbeitsumfang immer größer ist, als gedacht. Abends bin ich oft erst um 22 Uhr zu Hause und muss dann noch den Wagen fit machen für den nächsten Einsatz. Aber wenn du das für dein eigenes Geschäft machst, fühlt sich das trotzdem gut an. Eins ist aber klar: Im nächsten Jahr möchte ich wieder auf beiden Bühnen stehen!

 

 

 

Artikel vom 19. Oktober 2020

Gründen in der Kreativwirtschaft: Interview mit Andreas Rautenberg von der Hamburg Kreativ Gesellschaft

Kreativ gründen

Seit der Gründung im Jahr 2010 versteht sich die Hamburg Kreativ Gesellschaft mit ihren vielfältigen Angeboten als zentrale Anlaufstelle für alle Akteur_innen der Hamburger Kreativwirtschaft. Foto: James Pond via Unsplash

Wie bist du zur Hamburg Kreativ Gesellschaft gekommen?

Durch meine vorherigen Tätigkeiten in der Musikwirtschaft hatte ich seit der Gründung Kontakt zur Kreativ Gesellschaft. Von Beginn an habe ich als Berater die Hamburger Labelförderung der Behörde für Kultur und Medien betreut. Dann wurde diese zur organisatorischen Abwicklung an die Hamburg Kreativ Gesellschaft übertragen und es intensivierte sich unser Kontakt. Es bot sich dann schließlich die Möglichkeit, für die Kreativ Gesellschaft im Bereich Beratung und Qualifizierung zu arbeiten. Und diese habe ich dann gern wahrgenommen.

Was verbindet dich mit der Kreativgesellschaft und was mit dem Thema „Existenzgründung“?

Das Ziel der Kreativ Gesellschaft, die Bereiche der Kreativen und der Wirtschaft enger zu verzahnen. Ein Bewusstsein bei den Kreativen für die Ökonomie und gleichzeitig ein Bewusstsein bei der Ökonomie für die Kreativen zu schaffen, ist aus meiner Sicht eine interessante Aufgabe. Bei der ich gern mitwirke. Nach der Universität und auch in späteren Phasen in meinem Berufsleben stand ich auch vor der Entscheidung, ob ich eine Selbständigkeit verfolge oder mir doch lieber einen Job suche. Ich habe in beiden Feldern Erfahrungen gesammelt. Und kann die Situationen, in denen sich Gründer_innen befinden, gut nachvollziehen.

Wie sieht dein genauer Tätigkeitsbereich aus?

Hauptsächlich biete ich Beratungen an, sowohl telefonisch als auch persönlich. Zur ersten Orientierung können sich Interessierte zur Fragestunde anmelden. Bei dieser können wir in einer Gruppe erste Fragen zur Selbständigkeit und Gründung klären. Ergänzend bin ich für ein Coachingprogramm zuständig. Hierbei können Kreative zu günstigen Konditionen alle Fragen rund um ihr Geschäftsmodell und ihr unternehmerisches Handeln mit einem Business-Coach klären.

Was sind eure besonderen Programme für Gründer?

Neben der Fragestunde und den Einzelgesprächen bieten wir vor allem das Programm „Butter bei die Fische“ an. Dieses wird von meiner Kollegin Isabel Jansen betreut. Hier vermitteln Expert_innen in kurzen Vorträgen und Gesprächen Grundlagenwissen an Gründer_innen und Interessierte.

Wie habt ihr auf die Corona-Krise reagiert? Und was hat sich dadurch in eurem Angebot geändert?

Uns haben die Pandemiemaßnahmen genauso unvorbereitet getroffen, wie wahrscheinlich die gesamte Gesellschaft. Zunächst haben wir alle verfügbaren Informationen zusammen getragen. Um Kreative möglichst umfassend beraten zu können. Dafür wurde zusätzlich eine Hotline eingerichtet. Wir mussten uns sehr schnell an die digitalen Werkzeuge gewöhnen, damit wir unsere Angebote auf dem virtuellen Weg aufrecht erhalten konnten. Aber es wurden auch neue Formate etabliert. Podcasts, neue Förderprogramme wie die Crowdfunding-Kampagnenförderung oder auch das Emergency Lab, bei dem wir Kreative und traditionelle Unternehmen zusammengebracht haben, um an neuen Lösungen zur Krisenbewältigung zu arbeiten.

Welche Berufsgruppen aus der Kreativwirtschaft trifft die Krise aus eurer Sicht besonders hart? Und was könnt ihr für diese gerade tun?

Ich habe den Eindruck, dass es neben den Kreativen, deren Aktivitäten in öffentlichen Räumen stattfinden – wie zum Beispiel Musiker_innen und Schauspieler_innen – vor allem diejenigen trifft, die als Selbständige durch ihre Arbeit Impulse bei vielen Projekten größerer Firmen gesetzt haben. Wie zum Beispiel Designer_innen, die zur Zeit kaum Aufträge bekommen.

Ihnen bieten wir unser Wissen und unser Netzwerk an, um ihnen mögliche Alternativen und weitere Optionen aufzuzeigen. Viele unserer Angebote zielen darauf, neue Qualifikationen zu erwerben. Und im besten Fall neue Ideen in eine Gründung münden zu lassen. Zuletzt haben wir in Zusammenarbeit mit dem Designxport den „Silberstreifen-Award“ vergeben. Damit waren Designer_innen eingeladen, Konzepte, Methoden und Produkte zu entwickeln, die Lösungsansätze für Herausforderungen wie Pandemien, Klimawandel oder gesellschaftspolitische Missstände bieten.

Was ist dein Ratschlag, den du Gründern aus der Kreativwirtschaft am häufigsten mitgibst und hast du einen besonderen Ratschlag auf die aktuelle Krise?

Kreativ gründen

Seit 2015 betreut Andreas Rautenberg die Labelförderung für die Hamburg Kreativ Gesellschaft. Außerdem ist er für den Coach- und Expertenpool sowie Beratungen bei der Hamburg Kreativ Gesellschaft zuständig. Foto: Hamburg Kreativ Gesellschaft

Ein genereller Ratschlag würde womöglich die besondere Situation jedes einzelnen nicht genügend berücksichtigen. Ich möchte vor allem aber dazu ermutigen, sich von den formalen Anforderungen einer Selbständigkeit nicht abhalten zu lassen, seine Geschäftsidee zu verwirklichen. Neben den individuellen Hilfestellungen, die ich in meinen Gesprächen gebe, möchte ich eigentlich alle auffordern, neue Perspektiven einzunehmen. Neues Wissen zu erarbeiten und neue Netzwerke aufzubauen, um zu erkennen, wo ihre Kreativität in diesem Umbruch am besten einzusetzen ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch, lieber Andreas!

Artikel vom 13. Oktober 2020

Podcast „Gründung in Sicht“: Interview mit Nadine Herbrich von recyclehero

Wie gründet man eigentlich ein Unternehmen mit Social Impact?

Im neuen Podcast Format der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative „Gründung in Sicht“ spricht Nadine Herbrich mit uns über ihr eigenes Unternehmen recyclehero – Deutschlands erstem Abholservice für recyclebare Wertstoffe. Eine Gründung mit vielschichtigem Social Impact. Denn die Abholtouren werden mit Ebikes gefahren und die Mitarbeiter von recyclehero sind sozial Benachteiligte – Langzeitarbeitslose, Flüchtlinge und Obdachlose.

Nadine hat zusammen mit ihrem Partner Alessandro gegründet. Wie ist es plötzlich, nicht nur Liebespaar, sondern auch Geschäftspartner zu sein? Wie fühlt es sich an, seinen sicheren Job in der Immobilienbranche gegen eine sozial orientierte Selbstständigkeit einzutauschen? Warum ist Hamburg genau der richtige Gründungsstandort für recyclehero?

Auf all diese Fragen gibt Nadine im Interview Einblicke in ihre ganz persönlichen Erfahrungen.

Podcast Gründung in Sicht

Nadine Herbrich, Gründerin von recyclehero auf dem Weg zum Podcast-Interview mit einem ihrer Ebikes. Foto: Privat

Mehr Infos zum Unternehmen findet ihr hier: www.recyclehero.de
Und wenn ihr Lust habt, noch mehr über recyclehero zu erfahren, dann findet ihr hier auch noch einen Blogbeitrag über die Held_innen.

Podcast „Gründung in Sicht“

In unserem Podcast geben regelmäßig bereits erfolgreiche Hamburger Gründer_innen Einblicke in ihren Unternehmensalltag. Sie berichten ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen und ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Glücksmomenten. Denn wir wollen wissen: Wie fühlt es sich an, selbstständig zu sein, komplett eigenverantwortlich, aber selbstbestimmt? Wie sind die Gründer_innen durch gestartet, welche Unterstützung und Angebote bietet das Hamburger Gründungsnetzwerk? Außerdem kommen in manchen Folgen Experten zu Wort, um wichtige Infos und Tipps rund um alle Themen der Gründung zu geben.

Stay tuned – wir freuen uns schon auf das nächste Interview, das wir für unseren Podcast führen dürfen!

Artikel vom 25. September 2020

Gründerstory: „Diversity bringt Unternehmen weiter“

Schwerpunkt Diversity

Gründerin Michelle Euzet arbeitet mit Unternehmen an den Themen „Kulturwandel“ und „Vielfalt“. Foto: René Sievert

Michelle Euzet kommt aus einer Männerwelt und weiß, „dass wir nur gemeinsam weiterkommen, mit Stärke und Selbstverantwortung, nicht mit erhobenem Zeigefinger“. Für die 48-jährige sind Kulturwandel und die Förderung von Frauen kein Zeichen von Gutmenschentum, sondern einfach kluge unternehmerische Haltungen: „Studien belegen, dass Frauen in Führungspositionen und Diversity die Unternehmen weiterbringen.“ Als Unternehmensberaterin, Keynote-Speakerin und Sparringspartnerin mit Schwerpunkt Diversity arbeitet die Gründerin von EUZET CONSULTING mit Unternehmen an einem grundlegenden Kulturwandel. Die Grundvoraussetzung: Sie müssen es wirklich wollen. Weiterlesen

Artikel vom 26. August 2020

Gründerstory: Psychologischer Lotse durch stürmische Zeiten

Selbstständigkeit als Psychologe

Daniel Will bietet psychologische Beratung in Hamburg und hilft Menschen in „stürmischen Zeiten wieder in fahrbares Wasser zu gelangen“. Er selbst sieht sich dabei als ein „Lotse auf einem Schiff“. Foto: Privat

Nicht jeder braucht eine Therapie, vieles lässt sich auch mit einer psychologischen Beratung klären, findet Daniel Will. Gerade jetzt, wo die Corona-Pandemie auf breiter Front zu seelischen Nöten führe. Nach seinem Master in Psychologie sammelte der 34-Jährige u.a. als Schulpsychologe so viel Erfahrung, dass er sich im Mai 2019 gut gewappnet sah für den Schritt in die Selbstständigkeit. Als psychologischer Berater sieht er sich als ein „Lotse“ auf dem Schiff: „Steuern muss der Klient selbst, aber ich führe ihn aus dem Sturm wieder in fahrbare Gewässer.“

In einer Art Vorstufe zur Psychotherapie bietet Daniel in einer Praxis- und Bürogemeinschaft in Hamburg-Eilbek – und auch online – einen geschützten Raum, um Menschen durch stürmische Zeiten zu helfen. Sei es Stress am Arbeitsplatz, Partnerschaftsprobleme oder der Verlust eines Menschen. „Sich zu allgemeinen Lebensfragen Hilfe zu holen, gehört in Amerika zum guten Ton, wird aber hierzulande noch immer stigmatisiert“, wundert sich der Hamburger.

Mangelware Einzelberatung

Seine Klienten indes konnten in sechs Jahren Berufstätigkeit nicht unterschiedlicher sein: Während seines studienbegleitenden Praxisteils am Deutschen Herzzentrum in Berlin betreute er Patienten vor und nach einer Herz- oder Lungentransplantation. In einer Eltern-Kind-Klinik an der Nordsee arbeitete er dann eineinhalb Jahre mit Menschen, die an Haut-, Atem- und Stresserkrankungen litten – mit Schwerpunkt Familiendynamik. Nach einem halben Jahr in der Ambulanten Sozialpsychiatrie in Hamburg übernahm er schließlich als Schulpsychologe an einem ReBBZ die Beratung für gleich 45 Schulen. „Hier merkte ich, wie groß der Bedarf an Einzelberatung, Fortbildung und Supervision ist“, sagt Daniel, „letztlich gab das den Ausschlag für die Gründung.“

Klar war aber auch: Seine Ausbildung zum Psychotherapeuten, die er gerade begonnen hatte, würde noch lange dauern. Zugleich fühlte er sich durch mehrere fachliche Aus- und Weiterbildungen, wie die zwei-jährige Ausbildung zum systemischen Berater, gut gerüstet für den ersten Schritt in die Selbstständigkeit. Über einen Berliner Freund hatte er „Talk Now“ kennengelernt, eine Online-Beratungsplattform für mentales Wohlbefinden. Um einsteigen zu können, musste er zumindest nebenberuflich selbstständig sein. „Also schrieb ich in drei Wochen meinen Businessplan, sicherte mir parallel den Gründungszuschuss und einen ersten Honorarauftrag an einer Klinik.“

Selbstständigkeit als Psychologe

Zu Beginn seiner Sitzungen nutzt Daniel Will die „Seekarte der Befindlichkeiten“, um die Erwartungshaltung seiner Klienten zu klären – und welche Anstrengungen sie auf sich nehmen würden, um ihr Ziel zu erreichen. Foto: Privat

Starthilfe durch die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative und das Gründerkompetenzzentrum

Bei seinen Recherchen stieß er auf die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative und bekam zusätzlich gleich einen Termin am Gründerkompetenzzentrum, um den Business-Plan prüfen zu lassen. „Rita Mirliauntas ist mit ihren über 80 Jahren eine echte Koryphäe, ich fühlte mich super aufgehoben – immerhin ging es darum, den Gründungszuschuss für die ersten 6 Monate zu beantragen und ihn später nochmal zu verlängern. Bei dieser Tragfähigkeitsprüfung war sie eine große Hilfe.“ Über das hei.scheckheft machte er sich fit in Akquisestrategie, Empfehlungsmanagement und Suchmaschinenoptimierung. Logo und Visitenkarte überließ er einem Grafiker, die Website erstellte er mit WordPress in eigener Regie.

Präsent sein ist das A & O für die Selbstständigkeit

Den ersten Aufträgen folgte schnell die Weiterempfehlung. „Durch die Selbstständigkeit positioniere ich mich unabhängig vom Schulsystem, weiß aber trotzdem genau, über welches Tätigkeitsfeld wir sprechen“, freut sich der Gründer. Inzwischen supervidiert er drei Gruppen an Schulen, auch Einzelberatungen und ein Lehrauftrag kamen darüber zustande. Bei der Akquise, so sein vorläufiges Fazit, zählt vor allem eins: präsent sein. „Das war für mich anfangs schwer und ich musste an mir arbeiten, es ist aber hilfreich, wenn einem Andere Türen öffnen. Aber das braucht Zeit und Geduld. Das muss man einkalkulieren.“

Sobald seine Ausbildung zum Psychotherapeuten abgeschlossen ist, will Daniel ein breites Portfolio anbieten: Von der psychologischen Beratung und Supervision über die psychotherapeutische Einzel- und Gruppentherapie bis zur Psychoanalyse. Außerdem will er mit Fachvorträgen zu Themen wie „Psychotraumatologie“, „schwierige Elterngespräche führen“ oder „Stressbewältigung für Lehrkräfte“ eine Mischung aus kollegialer Fachberatung und klassischer Lehrtätigkeit anbieten. Über die Kooperation mit einer Kollegin, die als Hebamme arbeitet, plant er gerade eine Vortragsreihe zu frühkindlicher Erziehung und Partnerschaft.

Hilfe annehmen – und auch mal Abstand gewinnen

„Ob man gleich in die Vollen geht, weil man schon Aufträge hat oder erstmal die Teil-Selbstständigkeit wählt, um mehr Zeit für die Akquise zu haben, muss jeder selbst entscheiden“, findet Daniel. Was er allen Gründern rät: Gründungszuschuss beantragen und Unterstützung wie die der hei. in Anspruch nehmen, und sich an entscheidenden Stellen fragen: „Lerne ich das selbst und investiere Zeit oder beauftrage ich jemanden und investiere Geld?“ Und, hier spricht der Psychologe: „Geduld, Ausdauer und einen guten Ausgleich finden – lieber mal gezielt ein Wochenende loslassen und dann den Faden wieder aufnehmen, das bringt oft mehr als durcharbeiten.“

Artikel vom 14. August 2020

Hamburger Gründertag digital – 3 Fragen an Claudia-Marie Dittrich, hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative

Hamburger Gründertag digital

Der Hamburger Gründertag digital findet vom 7. bis 11. September statt und bietet Gründer_innen kompaktes Wissen rund um die Selbstständigkeit. Foto: hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative

Was genau plant die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative zum Hamburger Gründertag digital?

Für den Hamburger Gründertag digital planen wir eine vielfältige Mischung aus Infos, Tipps und Inspiration für Gründerinnen und Gründer. Dafür haben wir drei digitale Formate ausgewählt, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern größtmögliche Flexibilität bieten – aber auch aktive Teilnahme ermöglichen.

Zum einen haben wir mit Expertinnen aus unserem Hamburger Gründungsnetzwerk vorab Videovorträge aufgezeichnet. Diese kann man sich im Zeitraum 7. bis 11. September zu jeder Tages- und Nachtzeit anschauen. Darin beleuchten wir Themen wie die ersten Schritte in die Gründung, erfolgreiches Preismanagement und Preiskalkulation, souveränes Verhandeln und Projektmanagement. Außerdem wird es im geplanten Zeitraum an jedem Tag mindestens einen Live-Chat mit einer Expertin oder einem Experten geben. Heißt konkret: Registrierte Teilnehmer bekommen per Email vorab ein Login zugeschickt, können sich dann in den Videochat einwählen, einen kurzen Impulsvortrag anhören und anschließend ihre Fragen stellen. Hier behandeln wir Themen wie die rechtlichen Grundlagen einer Existenzgründung, digitale Buchhaltung, Tipps für den Businessplan, SEO und andere.

Als letztes Format starten wir ganz neu den hei.podcast „Gründung in Sicht“. Hier sprechen wir als hei. Team zunächst mit verschiedenen Gründerinnen und Gründern aus Hamburg. Wir fragen nach ihren Gründerstorys, ihren Erfolgserlebnissen, Stolpersteinen, Fehlern, aus denen sie gelernt haben und ihren Tipps für alle Gründungsinteressierten. Später werden wir dann auch Expertinnen und Experten vor das Mikro holen und planen so, auch längerfristig einen interessanten und inspirierenden Podcast zu etablieren.

Warum habt ihr euch entschieden, eine digitale Veranstaltung zu organisieren?

Wir haben uns aus zwei Gründen entschieden, den Hamburger Gründertag in diesem Jahr als Digitalversion anzubieten. Erstens, weil wir in unseren vielen Beratungsgesprächen in den letzten Monaten immer wieder gehört haben, wie dringend nach Informationen und Angeboten dieser Art im Netz gesucht wird. Corona hat uns ja alle innerhalb kürzester Zeit quasi dazu „gezwungen“, neue Wege einzuschlagen und neue Dinge auszuprobieren – da lag es für uns auf der Hand, das auch mit Blick auf den Hamburger Gründertag zu tun. Zweitens feiern wir in diesem Jahr das 25. Jubiläum des Hamburger Gründertags und der hei. … Und ehrlich gesagt wollten wir uns da durch diese Krise auch keinen Strich durch die Rechnung machen lassen. Wir probieren eben gern auch neue Dinge aus und hoffen, dass möglichst viele Gründungsinteressierte sowie Gründerinnen und Gründer von unserem Angebot profitieren können.

Wie nehmt ihr selbst derzeit die Gründerstimmung in Hamburg wahr? Ist da ein großer Bedarf an Beratungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten?

Hamburger Gründertag digital

Claudia-Marie Dittrich ist Leiterin der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Die branchenübergreifende Erstanlaufstelle für Gründer_innen gibt es bereits seit 25 Jahren. Foto: privat

Die Nachfrage nach Beratungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten ist ungebrochen hoch. Natürlich gibt es aufgrund der aktuellen Situation auch zweifelnde Stimmen und der ein oder andere Gründungsplan ist durch Corona erstmal durchkreuzt oder ganz auf Eis gelegt worden. Gleichzeitig erleben wir aber täglich einen unbändigen Gründungswillen. Das hat uns gerade zu Beginn der Pandemie im Februar und März selbst ein bisschen überrascht. Sei es, weil sich eine Arbeitssituation verändert hat und nun das Thema Selbstständigkeit als konkrete Option wieder in den Vordergrund rückt, oder, weil aufgrund der Corona-Krise auch neue Ideen, Geschäftsmodelle und Gründungsansätze entwickelt werden. Wir als branchenübergreifende Erstanlaufstelle für Existenzgründerinnen und -gründer in Hamburg können keinen Rückgang in der Nachfrage feststellen. Im Gegenteil!

Alle Infos sowie die kostenfreie Registrierung für den Hamburger Gründertag digital 2020 auf www.gruendertag.hamburg

 

Artikel vom 05. August 2020

Gründen mit Wissenschaft und Technologie: Interview mit Wiebke Brandt der Startup-Unit von Hamburg Invest

Gründen mit Wissenschaft und Technologie

Für wissens- und technologie-orientierte Gründungen gibt es in Hamburg seit Januar 2018 die Startup-Unit von Hamburg Invest als zentrale Anlaufstelle. Foto: Remy Loz via Unsplash.

Seit gut zweieinhalb Jahren gibt es die Startup-Unit von Hamburg Invest. Als zentrale, öffentliche Einrichtung ist sie eine wichtige Anlaufstelle für wissens- und technologie-orientierte Gründungen in unserer Hansestadt. Gleichzeitig soll die Unit die Stadt Hamburg als attraktiven Standort für internationale Gründer noch sichtbarer machen. Ein Teil des zweiköpfigen Teams ist Wiebke Brandt. Wir haben mit Wiebke gesprochen: Über ihren Job als Projekt-Managerin bei der Start-up Unit. Über die Herausforderungen, die die Corona-Zeit für Startups mit sich bringt. Und sie wirft für uns einen Blick in die Startup-Zukunft von Hamburg und zeigt Trends auf.

Was bietet die Startup-Unit von Hamburg Invest und was ist das ganz Besondere an dieser Anlaufstelle für Gründer_innen?

Wer Informationen zu innovativen Startups, Events & Konferenzen, Hochschulen, öffentlichen Fördereinrichtungen, Clustern, Inkubatoren und Acceleratoren sucht, ist bei uns genau richtig. In unserer regelmäßigen und kostenlosen Startup-Sprechstunde, die alle zwei Wochen stattfindet, erhalten alle Gründungswilligen einen ersten und immer auch individuellen Überblick zu den Angeboten der Startup-Unit sowie zu städtischen und privaten Initiativen und relevanten Netzwerken. Natürlich gilt dies auch für internationale Gründerinnen und Gründer, die sich für den Standort interessieren. Zudem vertritt die Unit den Startup-Standort Hamburg international durch die Teilnahme an internationalen Konferenzen.

Wie bist du selbst zur Startup-Unit als Projektmanagerin gekommen?

Bis vor rund zwei Jahren war ich in einem Startup beschäftigt und habe dort von Unternehmensgründung an selbst sehr viele Erfahrungen machen können. Dabei standen wir, wie viele junge Unternehmen, oft vor großen Herausforderungen. An einem Punkt ging es für mich dort nicht weiter und ich wollte meine Erfahrungen aus dem Startup „weitergeben“. Als Projektmanagerin der Startup-Unit Hamburg kann ich genau das machen. Denn der Gründungsstandort Hamburg bietet wirklich viele Unterstützungsangebote. Diese an junge Unternehmerinnen und Unternehmer weiterzugeben und ihnen den Weg dadurch erleichtern zu können, ist einfach ein gutes Gefühl. Denn, wenn wir im Startup damals gewusst hätten, was die Stadt Hamburg alles zu bieten hat, wären einige Herausforderungen vielleicht auch leichter zu meistern gewesen.

Wie nimmt die aktuelle Corona-Krise – aus deinen persönlichen Erfahrungen durch Gespräche mit den Gründern_innen – Einfluss auf die Startup-Szene in Hamburg?

Wir bemerken einen tollen Solidaritätsgedanken bei vielen Startups. Untereinander werden schnell Infos zu neuen Finanzhilfen oder auch relevanten Webinaren und digitalen Events ausgetauscht. Auch wir sind neue Kooperationen eingegangen und so entstand zum ersten Mal ein nationales Startup-Event mit den Wirtschafsförderungen der Städte Berlin, Köln und München, bei dem wir alle zusammen für den Startup-Standort Deutschland standen.

Wo liegen aus deiner Sicht derzeit die größten Herausforderungen für Startups in Hamburg?

Diese werden wahrscheinlich die Finanzierung betreffen. Besonders herausfordernd ist es für Unternehmen, denen die geplante Finanzierung aufgrund der Corona-Krise weggebrochen ist. Die Förderlotsen der IFB informieren zu allen aktuellen Finanzierungshilfen. Dies kann ich nur jedem Unternehmen empfehlen, sich dort einmal beraten zu lassen.

Was sind die größten Themen, mit denen sich Startups derzeit beschäftigen? Kannst du derzeit einen Themenfeld- / oder Branchentrend erkennen, dem viele Startups in Hamburg folgen?

In den letzten Monaten zeichnete sich unter anderem ein Trend Richtung Gesundheitswirtschaft ab. Ideen, wie zum Beispiel mentales Training oder auch psychologische Betreuung, nicht nur in Krisenzeiten, sondern natürlich auch darüber hinaus, digital vermittelt werden kann, sind auch schon vorher entstanden. Aktuell erhalten diese Ideen aber einen größeren Stellenwert als bisher und dies kann für einige Startups eine echte Chance sein.

Und wenn du einen Blick in die Zukunft wagst – was wird aus deiner Sicht immer wichtiger für Startups und welche Startups werden wichtig für Hamburg?

Gründen mit Wissenschaft und Technologie

Wiebke Brandt, Projektmanagerin bei der Startup-Unit von Hamburg Invest, berät Gründer_innen aus den Bereichen Wissenschaft und Technologie. Foto: Privat

Hamburg schafft bereits mit seinen starken Wirtschaftsbereichen wie zum Beispiel Logistik oder Life Science ein gutes Fundament für Neugründungen. Allerdings legt der Standort auch bei Querschnittstechnologien wie KI bzw. AI zu. So entstehen immer mehr Angebote und Institutionen wie beispielsweise der Health AI Hub. Von dieser Entwicklung können viele Branchen profitieren.

Ganz lieben Dank für das Gespräch und die Einblicke in die Startup-Szene, liebe Wiebke!

Artikel vom 27. Juli 2020

Gründerstory: Ein Afro ist mehr als nur eine Frisur

Gründerstory mit Abina Ntim von JONA curly hair care

JONA steht für „Join Our Natural Association“ – mit ihren Produkten und ihren Workshops will Abina Ntim das Selbstbewusstsein von Menschen mit naturkrausen Haaren stärken. Foto: Laura von Troschke

Es sollte keine Modefrage sein, ob man seinen Afro zeigt, findet Abina Ntim. Weltweit entscheiden sich Black People of Color mittlerweile selbstbewusst, ihre Haare nicht mehr chemisch zu glätten. Doch der Weg dorthin ist alles andere als einfach. Das weiß die 31jährige Hamburgerin, die eine kulturanthropologische Masterarbeit über das Thema schrieb, auch aus eigenem Erleben. Mit „JONA curly hair care“ schafft die Gründerin ein Forum für Menschen mit naturkrausem Haar, in dem es nicht nur um Pflege geht, sondern um Haltung.

Abina, du hast deine eigenen Haare jahrelang chemisch geglättet. Was war der Anlass, damit aufzuhören?

Das Thema Haarpflege war für mich immer präsent. Da keines meiner Elternteile meine Haarstruktur hat, fiel der Umgang damit nicht leicht. Ich habe mein Haar bis 2011 mit so genannten Relaxern chemisch geglättet, das ist eine Art umgekehrte Dauerwelle und bei Schwarzen Frauen eine gängige Praxis. Zusätzlich habe ich meine Haare noch hellbraun gefärbt. Als sie begannen auszufallen, wurde mir klar, dass ich umdenken muss. Doch bei meinen Recherchen merkte ich, dass es in Deutschland erschreckend wenig Know-how dazu gab.

War der Schritt umso größer, weil dein Umfeld so ahnungslos war?

Es war ein emotionaler Prozess, ein neues Schönheitsideal anzunehmen. Im ersten Schritt musst du die geglätteten Haare wegschneiden. Und mit kurzen Haaren herumzulaufen, ist erstmal nicht easy. Medien und Gesellschaft vermitteln ja ein völlig anderes Ideal. In den USA und Afrika ist die Stigmatisierung noch stärker. Afrohaare in ihrer natürlichen, krausen Struktur galten immer als minderwertig und behinderten die Chancen, respektiert zu werden. Erst im letzten Jahr ist in den USA ein Gesetz in Kraft getreten, das die Diskriminierung von Haaren verbietet. Das Natural Hair Movement – eine Bewegung, die es seit 2000 in den USA gibt, kommt seit 2011 langsam nach Europa.

Du bist mit JONA also eine Vorreiterin?

Das war vor 10 Jahren: Es gab noch keine Blogger, wie wir sie heute kennen, aber das geteilte Wissen hat mich total inspiriert. Nachdem ich mir Wissen angeeignet hatte, startete ich eine Art Mini-Movement in meinem Umfeld. Für meine Masterarbeit habe ich Interviews in Deutschland und den USA geführt. Und dann habe ich die ersten Workshops beim Verband binationaler Familien und Partnerschaften gehalten. Da merkte ich, dass ich andere empowern kann! Neben meiner freiberuflichen Arbeit in der qualitativen Markt- und Trendforschung habe ich 2018 dann nebenberuflich gegründet.

Gründerstory mit Abina Ntim von JONA curly hair care

Die Satin Cap, eine Schlafhaube, die man nachts trägt, um das Haar vor Austrocknung zu schützen, ist eines der Topprodukte von JONA curly hair care. Derzeit verkauft Abina Ntim ihre Produkte über Etsy, ein eigener Online-Shop ist in Planung. Foto: privat

Welche Erfahrungen machen Frauen in deinen Workshops und Beratungen?

JONA steht für „Join Our Natural Association“. Die Frauen lernen nicht nur alles über die bestmögliche Pflege von Afrohaaren, ich biete einen Space für Erfahrungsaustausch. Manche mögen anfangs ihre Haare nicht anfassen. Dabei braucht es nur das richtige Wissen, um sich schön zu fühlen. Als eine Kundin sagte „du hast mir neuen Aufschwung für mein Leben gegeben“, war das das schönste Kompliment. Und das war kein Teenager, sondern eine gestandene Frau. Über meinen Etsy-Shop verkaufe ich außerdem Produkte. Die Satin Cap, eine Schlafhaube, die man nachts trägt, um das Haar vor Austrocknung zu schützen, läuft super, aber auch die Bürsten und die Applikatorflaschen für Öl.

Spricht sich dein Space mittlerweile herum?

In Deutschland bin ich die Einzige, die eine Kombination aus Workshops, Beratung und Produkten anbietet. Einiges läuft über Word-of-Mouth, meine Kunden werben neue Kunden, indem sie von JONA erzählen. Total wichtig ist Social Media! Wenn ich auf Instagram etwas poste, z.B. Kurzvideos von Workshops, komme ich häufig erst auf den Radar der Menschen. Aufgrund der aktuell geführten Debatten um Rassismus, werde ich auf Social Media derzeit auch von Initiativen und Bloggern vermehrt verlinkt. Im Anschluss an jede Bestellung gebe ich meinen Kunden den Hinweis auf den Hashtag #jonataughtme. Viele posten dann ein Unpackaging oder zeigen ihre Haare und helfen so der Community.

Gründerstory mit Abina Ntim von JONA curly hair care

Abina Ntim hat mit JONA einen Space erschaffen, in dem es um Beratung, Austausch und das gemeinsame Ausprobieren von Produkten für naturkrauses Haar geht. Und darum gemeinsam eine Haltung einzunehmen. Foto: Anissa Carrington

Hast du dich vor der Gründung beraten lassen?

Ja, über die Lawaetz-Stiftung kam ich zur hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Meine Idee wurde gleich ernst genommen und ich bekam das hei.scheckheft. Vom WordPress Seminar, einem Online Handel-Seminar bei Stefan Knecht, einem Vertriebsseminar und Seminaren zu Newsletter, Geschäftsmodell, Steuern und Buchführung habe ich ganz viel mitgenommen. Extrem wichtig war auch das dreistündige Sparring mit anderen Gründern zum hei.ideenplan. Da habe ich gemerkt, wie weit ich schon war.

Wie weit willst du noch kommen – und was können andere von dir lernen?

Mein Ziel ist, dass Afrohaare zur Norm werden und das Exotische verlieren. Mittelfristig brauche ich einen eigenen Onlineshop, in dem es alles für Menschen mit Afrohaaren gibt – einen Spot für Beratung, Austausch und Produkte. Und Mitarbeiter, die mich unterstützen.

Man muss an seine Idee glauben und sich trauen, rauszugehen und sein Produkt zu testen. Die Zielgruppe zu kennen ist total wichtig, so wird das Produkt immer besser. Perfektionismus hält einen eher auf, daher rate ich, sich mit einer guten Idee nicht allzu viel Zeit zu lassen. Besonders, wenn man merkt, dass es eine hohe Nachfrage gibt.

Artikel vom 10. Juli 2020

Gründen mit Migrationshintergrund – 3 Fragen an Katarzyna Rogacka-Michels, ASM Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten e.V.

Existenzgründung mit Migrationshintergrund

Individuelle Beratung und Unterstützung für Menschen mit Migrationshintergrund, die sich selbstständig machen möchten: Das bietet die „Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten“, kurz ASM. Foto: via Unsplash

Nicht nur die Hamburger Gründerszene ist vielseitig und bietet unterschiedlichsten Gründungen ein Zuhause. Ebenso vielseitig ist auch das Netzwerk an Einrichtungen und Institutionen, die Existenzgründer_innen beraten und ihnen zur Seite stehen, um mit ihrer individuellen Idee an den Start zu gehen. Seit über zehn Jahren unterstützt die „Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten“, kurz ASM, Unternehmen und Existenzgründungen von Menschen mit Migrationshintergrund. Mehrsprachige Beratung und Qualifizierungsangebote sowie Unterstützung bei der Erstellung des Businessplans gehören zum Angebot des Vereins. Katarzyna Rogacka-Michels setzt sich seit Jahren mit Engagement und Leidenschaft für Existenzgründer_innen unterschiedlicher Nationalitäten ein. Um mehr über die besonderen Herausforderungen für das Gründen mit Migrationshintergrund zu erfahren, haben wir ihr drei Fragen gestellt:

Wie würden Sie Hamburgs Gründerszene beschreiben – vor allem mit Blick auf das Gründen mit Migrationshintergrund?
Hamburgs Gründerszene ist groß und vielschichtig. Ich kann nur von den Gründer_innen, ihren Ideen und Vorhaben sprechen, mit denen ich in meiner Beratung bei ASM im Projekt IQ Hamburg Servicestelle Migrantenökonomie in Berührung komme. In der Regel kommen zu uns Menschen, die für sich auf dem Arbeitsmarkt eine bessere Chance als Selbstständiger sehen als im Angestelltenverhältnis. Auch wenn sie dabei große Risiken auf sich nehmen müssen. Die Vielfalt der Geschäftsideen ist groß – von unterschiedlichen freiberuflichen Tätigkeiten über diverse Angebote in Gastronomie, Einzelhandel, Import/Export, im sozialen und zunehmend auch digitalen Bereich. Die Migrant_innen, die für sich eine Selbstständigkeit erwägen, haben einen unterschiedlichen Werdegang. Es wird aus unterschiedlichen Lebenslagen gegründet. Es sind Menschen, die bereits eine Anstellung haben und mit der Selbstständigkeit für sich bessere Chancen sehen. Wie auch Menschen, die gerade den Arbeitsplatz verloren haben oder aus der Langzeitarbeitslosigkeit heraus gründen. Oder aber Studenten und Azubis, die schon für die Zukunft planen, weil sie Ideen haben für ein selbstbestimmtes Agieren auf dem Arbeitsmarkt. Einen nicht so geringen Teil machen ebenfalls Menschen aus, die weder arbeiten noch Leistungen beziehen. Und die sich in einer Lebensphase befinden, wo sie mit einem eigenen Unternehmen den Schritt auf den Arbeitsmarkt wagen. Insgesamt wurden bei uns im vergangenen Jahr 119 Personen beraten, die aus 47 Herkunftsländern stammen bzw. Migrationshintergrund haben. Zu den gründungsaktivsten Gruppen von Einwanderern, die bei uns in der Beratung waren, gehören Menschen aus Polen, dem Iran, Syrien, Afghanistan und der Türkei. Wenn man das zur Kenntnis nimmt, könnte man schon sagen, dass Hamburg  für eine Vielfalt von Geschäftsvorhaben sowie für Menschen aus der ganzen Welt sehr attraktiv ist. Die Finanzierung des Geschäftsvorhabens stellt dabei allerdings oft eine Hürde dar.

Gibt es besondere Herausforderungen, denen sich Neuzugewanderte oder Gründende mit Migrationshintergrund  gegenübersehen? Welche ersten Schritte können Gründer_innen (in Hamburg) gehen, um diese zu meistern?

Gründungsinteressierte mit einer Einwanderungsgeschichte oder Migrationshintergrund haben oft multiple Hürden zu bewältigen. Zu den größten Herausforderungen gehören der Aufenthaltstitel, die Finanzierung – hiermit hängen die weiteren Herausforderungen oft zusammen – kommunikative Fähigkeiten in der deutschen Sprache sowie Kenntnisse des Wirtschaftssystems und des Marktes.

Wenn der Aufenthaltstitel für eine begrenzte Zeit ausgestellt wurde und eine Selbstständigkeit erlaubt, können Gründende kein Darlehen mit einer längeren Laufzeit beantragen. Ähnlich verhält es sich mit den gewerblichen Mietverträgen, die oftmals 5 Jahre Laufzeit haben. Der Aufenthaltstitel muss mindestens für diese Zeit gültig sein.
Die Deutschkenntnisse können für die Kommunikation mit Kunden ausreichend gut sein, aber um die Formalitäten zu bewältigen, stehen viele Gründer_innen vor einer sehr großen Hürde, die sie allein, ohne fachliche und enge Unterstützung oftmals nicht bewältigen könnten.

Um all das zu meistern, braucht es eine gute migrationssensible Beratung, eine fachliche und professionelle Unterstützungsstruktur. Wenn erforderlich, eine erläuternde Beratung in der Muttersprache, um das Fachliche und Bürokratische zu verstehen. Hamburger öffentlich geförderte Beratungseinrichtungen haben zusammen einen Flyer erstellt, „Gemeinsam für Hamburg. Beratung und Förderung für Gründungen und Unternehmen von Menschen mit Migrationshintergrund“, der Gründungsinteressierten mit Einwanderungsgeschichte und auch Unternehmen mögliche Wege der Unterstützung aufzeigt. Gern verweise ich auch in unserer Beratung an Kooperationspartner wie die Kammern, die IFB oder die hei. – oder diese verweisen Menschen mit Einwanderungsgeschichte an uns.

Die Corona-Krise hat uns erneut sehr deutlich gezeigt, wie wichtig unsere migrationssensible Beratung und Unterstützungsarbeit ist. Herausfordernd sind für Gründerinnen und Gründer sowie Unternehmen die Hürden rund um das Verstehen von amtlichen Informationen oder das Beantragen von wirtschaftlichen Soforthilfen. Unsere Unterstützung in Form von (oftmals  mehrsprachiger) Weitergabe von Informationen, zeitaufwändiger Beratung, Hilfe beim Zusammenstellen von Unterlagen wird bei Gründer_innen sowie Unternehmen stark nachgefragt.

Unabhängig von Herkunftsland oder Gründungsvorhaben: Welchen Tipp möchten Sie jedem auf dem Weg in die Selbstständigkeit mitgeben?

Existenzgründung mit Migrationshintergrund

Katarzyna Rogacka-Michels setzt sich seit Jahren bei ASM mit Engagement und Leidenschaft für Existenzgründer_innen unterschiedlicher Nationalitäten ein. Foto: Privat

Alle Gründer_innen haben ein Ziel: sie wollen mit ihrem Geschäftsvorhaben erfolgreich sein. Es wird manchmal sehr auf die Idee geschaut und weniger auf die Kalkulation und die Zahlen. Aus der Erfahrung würde ich daher jedem und jeder empfehlen, sich Hilfe zu nehmen und einen gründlichen Businessplan zu erstellen. Hier kann die Geschäftsidee in Zahlen aufgehen und unter dem Strich kann man seinen Lebensunterhalt finanzieren. Die visionäre, rosa Brille darf hier kurz zur Seite gelegt werden. Und es wird sich auf die Welt der Zahlen eingelassen, die so oder so das Unternehmertum wesentlich bestimmen.

Vielen Dank, Katarzyna Rogacka-Michels!

Artikel vom 26. Juni 2020

Gründerstory: In der Corona-Zeit „trotz Krise nicht zu weit vom eigenen Weg abgehen“

Kunst in der Corona-Zeit

Heike Baltruweit hat eine eigene Galerie im Hamburger Karoviertel und schlägt in der Corona-Zeit verstärkt digitale Wege mit ihrer Kunst ein. Foto: Pure Photography

Als „natürlichen Ausstellungsraum“ betrachtet Galeristin Heike Baltruweit ihre Umgebung. Straßenpflaster, Fabrikmauern oder Wasserspiegelungen – was andere im Vorbeigehen leicht übersehen, ist für die 66-jährige Fotografin eine abstrakte Komposition. Dass sie das, was sie entdeckt, nicht arrangiert, verändert oder nachträglich am Computer bearbeitet, ist in Fake-News-Zeiten ein echtes Statement und besonderes Kennzeichen ihrer „Pure Photography“. Seit einem Jahr betreibt die ehemalige IT-Projektmanagerin im Karoviertel ihre eigene Galerie. Doch in der Corona-Zeit bleiben die Kunden aus – und neue Konzepte sind gefragt.

Heike, was sind für Dich als Künstlerin und Galeristin in der Corona-Zeit gerade die größten Herausforderungen?

Meine Galerie ist Anfang des Jahres richtig zum Laufen gekommen. Ich habe viele Bilder verkauft und bin aus dem Ausland angeschrieben worden, mich an Ausstellungen zu beteiligen: Eine Ausstellung in Venedig, der Woman Art Award in Bologna und zahlreiche Ausstellungen in Deutschland waren fest geplant. Nach und nach sind alle abgesagt oder verschoben worden. Im März musste die Galerie schließen und die Einnahmen tendieren seitdem gegen Null. Das Geschäft lebt vom direkten Kontakt. Nach dem 20. März durften wir zwar wieder öffnen, aber es ist einfach zu wenig los. Die Messe-, Dom-, St. Pauli-Besucher und vor allem die Touristen fehlen. Und die, die vorbeikommen, haben wenig Lust auf geschlossene Räume.

Wie reagierst Du darauf?

Ich versuche, das Innen nach außen zu bringen und durch Mitmach-Kunst im Kiez die Auseinandersetzung mit der Kunst zu fördern: Aus der natürlichen Umgebung gefilterte Kunstwerke sollen gefunden und ihren Fundorten zugeordnet werden, wer das schafft, bekommt ein Geschenk. Ein anderer Schwerpunkt liegt auf den Online-Aktivitäten. Ich habe meine Website DSGVO-konform gestaltet, Gutscheinsysteme integriert, den Shop überarbeitet und mache mich in Google Ads fit, um den Traffic zu erhöhen und mehr über den Shop zu verkaufen. Und ich probiere neue Formate aus: Auf Instagram habe ich das „Picture of the week“ ins Leben gerufen, dort präsentiere ich eine abstrakte Fotografie und teile sie auch via Facebook. Daneben beteilige ich mich an kostenlosen Netzaktivitäten wie „Support your own business“, „kaufnebenan.de“ oder Gutscheinaktionen. Der Erfolg ist noch nicht abzusehen. Aber ich bin mir bewusst, dass die Zeit für eine Bewertung zu kurz ist – auch wenn sie mir selbst ziemlich lang vorkommt.

Kunst in der Corona-Zeit

Triptychon: Colour in motion 1 – 3, 2018. Foto: Pure Photography

Dafür, dass Du als Galeristin neu im Geschäft bist, bist Du bewundernswert umtriebig. Hilft Dir dabei dein Hintergrund als IT-Projektmanagerin?

Bestimmt. Als Multi-Projektmanagerin bin ich ständig – quasi berufsmäßig – mit jeder Menge Unwägbarkeiten konfrontiert gewesen. Zu einem meiner Bereiche gehörte – neben E-Learning-Projekten und der Neugestaltung von Arbeitsräumen zum flexiblen Arbeiten – auch die Digitalisierung im Kulturbereich.

Und wie bist Du darauf gekommen, eine Galerie zu eröffnen?

Ich hatte meinen Übergang in die nachberufliche Phase schon einige Jahre vorbereitet: Da ich meine Coaching-Aktivitäten intensivieren und medial ergänzen wollte, habe ich einen zweiten Uniabschluss als Master of Educational Media sowie eine Ausbildung zum Business Coach absolviert. Parallel begann ich meine künstlerische Karriere als Fotografin und beteiligte mich an Ausstellungen. Dann eröffnete einer der Ausstellungsorganisatoren eine Galerie im Karoviertel, in der ich seitdem vertreten bin. Als dann Anfang 2019 Gewerberäume in der gleichen Straße frei wurden und ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte, selbst eine Galerie zu eröffnen und partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, habe ich sofort zugesagt. Der Zeitpunkt war perfekt: Nach 40 Jahren Berufsleben stand ich kurz vor dem regulären Ausstieg und hatte noch einen Monat Resturlaub Zeit, um meinen Neuanfang als Galeristin zu organisieren.

Kunst in der Corona-Zeit

Fototeller Hamburger Fleet. Keramischer Druck, gebrannt auf Fine Bone China. Foto: Pure Photography

Als seltene Mischung aus Coach, Künstlerin und IT-Fachfrau kannst Du in Deiner Galerie ja ein ziemlich breites Feld aufmachen?

Stimmt. Meine beruflichen Ausbildungen – Diplom-Pädagogin, Master of Educational Media und Business Coach – verbinde ich in der Galerie mit meiner künstlerischen Arbeit, indem ich mediale und pädagogische Ansätze in das Veranstaltungskonzept integriere. Die Verbindung von Medien und Kunst, z.B. Augmented Reality, ist für mich ein Herzensanliegen. Mich faszinieren die Möglichkeiten, die Realität meiner Bilder mit einer erweiterten virtuellen Realität zu verschmelzen und zu zeigen, wie ich „die Welt“ sehe und welchen gemalten Kunstwerken sie ähneln. Die Ausstellungen „Storytelling“ und „Ceci n’est pas …“ zeigen die ersten Umsetzungsschritte in diese Richtung. Der Sender Tide TV hat dazu sogar einen Film gedreht.

In dem millionenfach angeklickten Aufsatz von Zukunftsforscher Matthias Horx ist zu lesen, gerade der Bruch mit Routinen setze einen „Zukunfts-Sinn“ frei – also die „Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren“. Kann man in der Krise auch eine Chance sehen – gerade mit Blick auf das kreative Um-die-Ecke-Denken?

Natürlich. Die Auszeit ist auch eine Chance, bisherige Strategien zu überdenken und über den Tellerrand zu gucken. Stehen Aufwand und Resonanz im richtigen Verhältnis? Wie kann ich Ausstellungs- oder Workshop-Konzepte verbessern? Mit wem kann ich kooperieren? Ein Ergebnis im Sinne des „Um-die-Ecke-Denkens“ ist für mich, verschiedene Themen zu neuen Konzepten zu verbinden. Ich plane zum Beispiel gerade ein Projekt, das Modedesign mit Kunst verbindet, ein Buchprojekt mit einer Krimiautorin und weitere Aktivitäten zu Augmented Reality. Eine Inspiration sind auch andere Gründerinnen, die ich in den hei.Workshops oder beim Gründerfrühstück kennengelernt habe. Daraus haben sich interessante gemeinsame Projekte und Freundschaften ergeben.

Wie schaffst du es, jetzt den Kopf frei zu haben für neue Konzepte?

Ich habe mich stark auf das fokussiert, was mir wichtig ist – und was erfolgsversprechend ist. Themen, die auch nach der Corona-Zeit relevant sind. Um mich nicht zu verzetteln, habe ich einen Großteil der digitalen Beteiligungs-Möglichkeiten, die in der Anfangszeit auf mich hereingeprasselt sind, schnell ausgeblendet. Da die Galerie zunächst geschlossen bleiben musste, habe ich den Schwerpunkt schnell auf Onlinemarketing gesetzt, Fachliteratur besorgt und meinen Tag geplant. Mich motiviert es, ein Schwerpunktthema zu haben und strukturiert daran zu arbeiten – und auch wenn sich nicht gleich der Erfolg einstellt, versuche ich Lösungen zu finden, die mich insgesamt weiterbringen.

Kunst in der Corona-Zeit

A touch of manga. Foto: Pure Photography

Also bereitest Du Dich schon jetzt auf die Zeit nach der Corona-Zeit vor?

Ich denke, es ist wichtig, digital professioneller zu werden. Die verstärkte Nutzung digitaler Medien wird auch nach der Krise bleiben, weil sich dann viele daran gewöhnt und das Digitale in ihr Leben integriert haben werden. Bezogen auf die Kunst werden der Besuch digitaler Ausstellungen, Online-Beratungen, Einkaufen im Online-Shop etc. wichtiger. Deshalb setze ich mich damit auseinander, wie ich gute Filme für meine Web-Präsenz drehe, interessanten Content erstelle und insgesamt meine Marketingaktionen verbessern kann.

Hast Du einen Plan B, wenn Deine Gründung in schwieriges Fahrwasser gerät?

Dann werde ich auf mein Ursprungskonzept zurückgehen und meine Coaching-Aktivitäten intensivieren. Die Galerie ist dafür gut geeignet, da ich dort bereits Coachings und Mentoring durchführe, gibt es auch ein Whiteboard. Zusätzlich würde ich Workspace für andere Coaches oder Workshops anbieten und Kooperationen verstärken.

Bekommst Du aktuell finanzielle Unterstützung?

Ja, ich erhalte die Soforthilfe, damit ich die hohen Mietkosten trotz fehlender Einnahmen schultern kann. Mentale Unterstützung bekomme ich durch meine Kooperationspartner, Familie und Freunde.

Wie können sich die Gründer jetzt gegenseitig unterstützen?

Indem sie weiter in Kontakt bleiben, Ideen zur Krisenbewältigung teilen, über gemeinsame Projekte sprechen, Unterstützer suchen, sich kollegial beraten und sich gegenseitig ermutigen, am Ball zu bleiben. Und auch mal zusammen lachen! Ganz wichtig finde ich aber auch, seinen Ideen treu zu bleiben und trotz Krise nicht zu weit vom eigenen Weg abzugehen. Ich verstehe schon, dass alle jetzt Masken nähen. Aber ich empfehle allen Gründern ganz dringend, auch weiterhin das zu machen, wofür sie brennen.

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