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Artikel vom 24. November 2020

Jahresrückblick hei.gründerstorys 2020

Gründerstorys 2020

Optimistisch nach vorne blicken: Die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative fühlt sich durch den ungebrochenen Hamburger Gründergeist motiviert fürs neue Jahr. Foto: Morgan Sessions via Unsplash

Was für ein Jahr! Seit März hält uns alle die Corona-Pandemie auf Trab. Aber dennoch: den Willen zur Gründung in der Stadt Hamburg hat das nicht geschwächt. Ganz im Gegenteil. Er bleibt weiterhin stark. Auch 2020 konnten wir euch in unseren zahlreichen Gründerstorys wieder die unterschiedlichsten Gründer-Persönlichkeiten und ihren jeweiligen individuellen Weg in die Selbstständigkeit vorstellen. Und so sehr sich die Gründer_innen von ihren Ausrichtungen auch unterscheiden, eint sie alle: Mut, Ausdauer und der positive Blick nach vorn. Die Dinge in die Hand zu nehmen. Aus einer Idee Realität werden zu lassen. Und dabei auch Hürden und Herausforderungen in Kauf zu nehmen. Auch wenn wir euch am liebsten alle Storys nochmal ans Herz legen wollen würden, kommt hier unser Jahresrückblick hei.gründerstorys 2020 für euch. Durch den wir optimistisch nach vorne schauen…

hei. gründerstorys 2020

Ein lebenswertes Zuhause für Senioren – das ist die Motivation von besser zuhause, der Gründung von Hans Nolte (r.) und seinem Geschäftspartner Leif Lewinski. Foto: besser zuhause

besser zuhause

Die besser zuhause GmbH ist bereits die vierte Gründung von Hans Nolte. Seit seinem Startup Pflegebox, das er 2011 ins Leben rief, steht für ihn der „Social Impact“ im Fokus seiner Gründungen. Mit besser zuhause will er das Leben für pflegebedürftige Menschen in den eigenen vier Wänden so angenehm wie möglich gestalten. Mit Blick auf die Wohnungsgestaltung, soziale Kontakte und die Anbindung an smarte Technologien. Wie sein Service funktioniert und wie es ihm gelungen ist, ein harmonisches Team für seine Gründung zusammen zu stellen, verrät Nolte in seiner Gründerstory.

 

Gründerstorys 2020

Sonia Schilling-Dauvergne gründete die Sprachschule Cocorico, damit Kinder von klein auf Französisch auf Native-Speaker-Niveau erlernen können. Foto: Cocorico

Cocorico

Aufgewachsen in Frankreich mit Wurzeln in Deutschland. Sonia Schilling-Dauvergne kennt das Gefühl in zwei Sprachheimaten zu Hause zu sein. Dies zu vermitteln und kleinen Menschen im besonders aufnahmefähigen Alter die französische Sprache auf Native-Speaker-Niveau beizubringen, das ist das Ziel ihrer vor drei Jahren gegründeten Sprachschule Cocorico. Das Besondere: Cocorico ist mobil unterwegs und findet in der gewohnten Umgebung der Kinder im Kindergarten oder in der Schule statt. Wie Sonia selbst zur Sprachlehrerin wurde und ihre Idee in die Tat umgesetzt hat, erzählt sie in ihrem Interview.

Gründerstorys 2020

Die Gründerin Lisett Kretzschmann von Between Waves fühlt sich auf dem Wasser am wohlsten und sticht für unterschiedliche Forschungsprojekte in See. Foto: Lisett Kretzschmann, Between Waves.

Between Waves

Lisett Kretzschmann hat keine Angst vor hohen Wellen. Und weder der Seegang noch die Herausforderungen einer Selbstständigkeit schreckten sie ab, ihre eigene Idee Between Waves umzusetzen. Ihr neuer Schreibtisch ist seitdem mit Blick aufs Meer. Mit wechselnden Crews sticht sie für unterschiedliche Forschungsprojekte in See und untersucht beispielsweise Ursachen und Folgen von Umweltverschmutzung. Wie Lisett zur Seefahrt kam und was sie am Meer fasziniert, erfahrt ihr in ihrer Gründerstory.

Gründerstorys 2020

Gründerin Abina Ntim von JONA findet, es sollte keine Modefrage sein, ob man seinen Afro zeigt. Dafür setzt sie sich mit ihren Produkten und Workshops ein. Foto: Laura von Troschke

JONA

„Mein Ziel ist, dass Afrohaare zur Norm werden und das Exotische verlieren.“ Dieses Ziel motiviert Abina Ntim jeden Tag auf Neue, Ihre Gründung JONA weiter voran zu bringen. Sie hat mit JONA einen Space erschaffen, in dem es um Beratung, Austausch und das gemeinsame Ausprobieren von Produkten für naturkrauses Haar geht. Und darum, gemeinsam eine Haltung einzunehmen. Mit ihren Produkten und ihren Workshops will Abina das Selbstbewusstsein von Menschen mit naturkrausen Haaren stärken. Und da sie noch keine eigene Website hat, nutzt sie Plattformen wie Etsy und Instagram für Verkauf und Networking. Ihr Interview findet ihr hier.

Gründerstorys 2020

Gründerin Michelle Euzet arbeitet mit Unternehmen an den Themen „Kulturwandel“ und „Vielfalt“. Foto: René Sievert

EUZET CONSULTING

Für Michelle Euzet sind Kulturwandel und die Förderung von Frauen kein Zeichen von Gutmenschentum. Sondern einfach kluge unternehmerische Haltungen. „Studien belegen, dass Frauen in Führungspositionen und Diversity die Unternehmen weiterbringen.“ Deshalb entschied sie sich, EUZET CONSULTING zu gründen. Und als Unternehmensberaterin, Keynote-Speakerin und Sparringspartnerin mit Schwerpunkt Diversity mit Unternehmen an einem grundlegenden Kulturwandel zu arbeiten. Ein sehr wichtiges Thema, das deshalb auch in unserem Jahresrückblick hei.gründerstorys 2020 nicht fehlen darf. Wie der Kulturwandel gelingen kann und welche Ansätze Michelle mit ihrer Selbstständigkeit verfolgt, lest ihr hier.

Gründerstorys 2020

Schauspieler und Gründer von Chriss Kross Pizza Christopher Ammann mit seiner zweiten Pizzabäckerin, die auch Musicaldarstellerin ist. Foto: Privat

Chriss Kross Pizza

Christopher Ammann stand als Schauspieler schon auf vielen Bühnen. Mit seinem zweiten Standbein und seiner Gründung von Chriss Kross Pizza nutzt er nun einen Pizzawagen für ein ganz besonderes Schauspiel. Bei Chriss Kross Pizza geht es nämlich nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Zudem stehen außergewöhnliche Eigenkreationen auf dem Programm der „Pizzawagen-Bühne“. Als krönender, Appetit-machender Abschluss für unseren Jahresrückblick findet ihr hier das Interview mit Christoph.

Artikel vom 18. November 2020

Start in den Onlinehandel – „Ausprobieren und Ergebnisse überprüfen“

Onlinehandel funktioniert über den eigenen Shop - oder über Marktplätze wie Amazon und Ebay

Im Vergleich zum eigenen Online-Shop bieten Marktplätze wie Amazon oder Ebay eine viel größere Reichweite. Foto: visuals via Unsplash

Das Thema Onlinehandel ist in den aktuellen Zeiten relevanter denn je. Wer erfolgreich seine Produkte verkaufen möchte, sollte aber nicht nur einen eigenen Online-Shop planen, sondern auch an den Verkauf über gängige Marktplätze wie Amazon und Ebay denken. Und auch Social Commerce – also der Verkauf über Social Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram – nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Torsten Sollitzer und Florian Knust von Fit für Erfolg sind E-Commerce- und Strategieberater und bieten ab Januar 2021 im hei.scheckheft ein Seminar zum Thema „Erfolgreich online verkaufen“ an. Denn sie wissen: Gerade der Schritt auf den Marktplatz Amazon erzeugt bei manchen Gründer_innen viele Fragezeichen im Kopf. Wir haben vor Start in das neue Scheckheft-Jahr schon einmal nachgefragt, worauf es beim Onlinehandel als Existenzgründer_in ankommt. Weiterlesen

Artikel vom 09. November 2020

Podcast „Gründung in Sicht“: Interview mit Andreas Kirsch von „Die Eselei“

Wie ist es statt in Rente in den „aktiven Ruhestand“ zu gehen und neu zu gründen?

In dieser Folge des neuen Podcast Formats „Gründung in Sicht“ der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative berichtet Andreas Kirsch, Gründer von „Die Eselei“ über seine Selbstständigkeit. Nach vielen Jahren der Festanstellung entschied er sich 2016 für den „aktiven Ruhestand“ und den Schritt in die Existenzgründung. Der ehemalige Schiffbauingenieur bietet heute geführte Wanderungen mit Eseln in Hamburg-Bergedorf an. Er erzählt uns im Interview, wie er auf die Idee mit den Eselwanderungen kam, welche Überlegungen bei der Entscheidung für die Gründung eine Rolle spielten und wie sich das Leben mit den grauhaarigen Langohren heute für ihn anfühlt. Außerdem gibt er Tipps zum Thema Gründung und Einblicke in außergewöhnliche Erlebnisse mit Eseln.

Mehr Informationen zur Gründung findet ihr hier: https://www.dieeselei.de/
Und wenn ihr noch mehr über „Die Eselei“ lesen und nicht nur hören möchtet, dann findet ihr hier auch noch einen Gründerstory-Blogbeitrag mit Andreas Kirsch.

Podcast Gründung in Sicht

Andreas Kirsch von „die Eselei“ zu Besuch bei der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative für sein Podcast-Interview. Foto: privat

Podcast „Gründung in Sicht“

In unserem Podcast geben regelmäßig bereits erfolgreiche Hamburger Gründer_innen Einblicke in ihren Unternehmensalltag. Sie berichten ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen und ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Glücksmomenten. Denn wir wollen wissen: Wie fühlt es sich an, selbstständig zu sein, komplett eigenverantwortlich, aber selbstbestimmt? Wie sind die Gründer_innen durch gestartet, welche Unterstützung und Angebote bietet das Hamburger Gründungsnetzwerk? Außerdem kommen in manchen Folgen Experten zu Wort, um wichtige Infos und Tipps rund um alle Themen der Gründung zu geben.

Wir freuen uns schon auf die nächsten Interviews und über jeden neuen Audio-Follower 😉

Artikel vom 26. Oktober 2020

Gründerstory: Ein Pizzawagen als zweite Bühne

Gründung Pizzawagen

Bei „Chriss Kross Pizza“ geht es nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Zudem stehen außergewöhnliche Eigenkreationen auf dem Programm der „Pizzawagen-Bühne“. Christopher Ammann selbst ist Schauspieler, seine zweite Pizzabäckerin auch Musicaldarstellerin. Foto: Privat

Christopher Ammanns Pizzakreationen tragen Namen wie „Ätna, die Sonnige“ oder „Großglockner, die Alpine“. Seine Gründung „Chriss Kross Pizza“ hat er nach dem (fast) gleichnamigen Rap-Duo benannt. Und damit ist schon eine Menge gesagt über den geborenen Kärntner, Bergliebhaber und bekennenden 90er Jahre-Fan. Dabei ist sein Pizzawagen mehr als eine Snackbar: Er ist seine Bühne. Denn eigentlich ist der 37-jährige Schauspieler, stand unlängst für den „Tatort“ und die „SOKO Kitzbühel“ vor der Kamera, und seine Gründung sollte „nur“ sein zweites Standbein sein. Doch dann kam Corona.

Christopher, dein Timing ist erstaunlich: Kaum hattest du die ersten Schritte in die Wege geleitet, kam der Shutdown. Und aus dem zweiten Standbein wurde eine Vollzeitbeschäftigung.

Stimmt! Im März hatte ich noch eine Theaterproduktion in Österreich, dann wurde alles abgesagt. Am 10. Juli gründete ich offiziell als Cateringunternehmer. Die Zeit davor nutzte ich, um alles startklar zu machen: Pferdewagen fertig umbauen, Logo und Website erstellen, Hängerführerschein machen. Im Moment arbeite ich in Vollzeit, es hätte nicht besser anlaufen können. Aber die Geschäftsidee hatte mit Corona nichts zu tun. Als freischaffender Künstler habe ich schon lange überlegt, wie ich ein zweites Standbein aufbauen und die spielfreie Zeit nutzen kann.

Wie bist du auf die Gastronomie gekommen?

Mein Vorbild ist der Wiener Schauspieler und Gastronom Hanno Pöschl. Der hat sich eine Kneipe gekauft und beides wunderbar miteinander verbunden. Meine Großeltern hatten auf dem Land ein Gasthaus, da habe ich oft gekellnert, mir war die Gastro also nie fremd. Zur Pizza kam ich über einen 25 kg schweren Steinofen, den ich mir vor 4 Jahren mehr aus Spaß gekauft habe. Im Internet habe ich einen Caterer in Portugal gefunden, der Pizza aus dem Pferdeanhänger verkauft. Genau so wollte ich das auch machen.

Gründung Pizzawagen

Schauspieler Christopher Ammann hat mit seinem Pizzawagen ein zweites Standbein gegründet – und sich eine zweite Bühne geschaffen. Foto: Privat

Wie hebst du dich als Seiteneinsteiger, der mit 19 seine erste Pizza probiert hat, von der – gerade im Pizzasegment – stattlichen Konkurrenz ab?

Bei mir geht es nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Ich backe auf neopolitanische Art, da fliegt der Teig auch mal, meine Mitarbeiterin ist Musicaldarstellerin. Statt des Vorhangs geht jetzt eben die Klappe auf. Und es gibt außergewöhnliche Eigenkreationen. Im Wagen ist wenig Platz, da muss ich vereinfachen. Meine Sommerpizza hatte z.B. nur vier Zutaten: gebratenen Salbei, Caciocavallokäse, frisch gemahlenen Pfeffer und Zitronenabrieb. In Kombination mit den aufwendigeren Pizzen war das ein perfektes Programm. Am Ende ist es wie im Theater: Viele Dinge passen plötzlich extrem gut zusammen.

Wie hast du dich für die geschäftlichen Dinge fit gemacht?

Der Motivationsschub schlechthin war der Hamburger Gründertag. Du triffst dort Förderer, Experten und natürlich auch andere Gründer_innen, die dir erzählen, wie sie es geschafft haben. Jennie von Rho Kombucha z.B. oder Phillip von FirstLoveCoffee, die waren total offen, ich habe denen Löcher in den Bauch gefragt. Im Vorfeld hatte ich auch einen 30-minütigen Time Slot gebucht, um meine Idee den Gründungsberaterinnen von der hei. zu präsentieren. Das Feedback war positiv! Ich wurde nicht als kleiner Fisch betrachtet, sondern absolut ernst genommen. Für spezifische Fragen haben sie mich an Expert_innen verwiesen, die sich z.B. mit Hygienevorschriften auskannten, dazu gab es sogar einen Workshop der Handelskammer Hamburg. Auch das hei.scheckheft war toll, ich habe gleich ein Seminar zu Steuern gemacht. Davon hatte ich keine Ahnung.

Gründung Pizzawagen

Auf beiden Bühnen stehen: Christopher Ammann will zwar weiterhin auch Schauspieler bleiben, aber seine Gründung „Chriss Kross Pizza“ um einen zusätzlichen Pizzawagen vergrößern. Foto: Privat

Hast du einen Gründerzuschuss in Anspruch genommen?

Nein. Deshalb war es großartig, dass ich im Budget geblieben bin und die Annahmen aus dem Business-Plan 1:1 gepasst haben. Das habe ich der unglaublichen Hilfe meiner Freunde und Bekannten zu verdanken. Für den Pferdeanhänger habe ich 500 Euro bezahlt – ein Foodtruck hätte mich 25.000 Euro gekostet.

Wie geht es weiter?

Dieses Jahr sammle ich Erfahrungen und optimiere Arbeitsabläufe, teste Standorte und übe mich in der Kunst des neapolitanischen Pizzabackens. Die möchte ich auch an meine Mitarbeiter_innen weitergeben. Gerade habe ich die ersten beiden auf 450-Euro-Basis angemeldet. Mein Ziel ist es, zu wachsen und einen zweiten Wagen auszubauen. Dann könnte ich einen für Märkte und vor Cafés einsetzen und den anderen flexibel für Caterings verplanen. Und zum echten 90er-Pferdeanhänger gehört natürlich auch eine Konsole, auf der man Super Mario spielen kann…

Was rätst du anderen Gründer_innen?

Innehalten und schauen, was man geschafft hat. Das vergisst man immer, weil noch so viel zu tun ist. Man braucht Freunde oder Familie, die einen unterstützen, weil der Arbeitsumfang immer größer ist, als gedacht. Abends bin ich oft erst um 22 Uhr zu Hause und muss dann noch den Wagen fit machen für den nächsten Einsatz. Aber wenn du das für dein eigenes Geschäft machst, fühlt sich das trotzdem gut an. Eins ist aber klar: Im nächsten Jahr möchte ich wieder auf beiden Bühnen stehen!

 

 

 

Artikel vom 19. Oktober 2020

Gründen in der Kreativwirtschaft: Interview mit Andreas Rautenberg von der Hamburg Kreativ Gesellschaft

Kreativ gründen

Seit der Gründung im Jahr 2010 versteht sich die Hamburg Kreativ Gesellschaft mit ihren vielfältigen Angeboten als zentrale Anlaufstelle für alle Akteur_innen der Hamburger Kreativwirtschaft. Foto: James Pond via Unsplash

Wie bist du zur Hamburg Kreativ Gesellschaft gekommen?

Durch meine vorherigen Tätigkeiten in der Musikwirtschaft hatte ich seit der Gründung Kontakt zur Kreativ Gesellschaft. Von Beginn an habe ich als Berater die Hamburger Labelförderung der Behörde für Kultur und Medien betreut. Dann wurde diese zur organisatorischen Abwicklung an die Hamburg Kreativ Gesellschaft übertragen und es intensivierte sich unser Kontakt. Es bot sich dann schließlich die Möglichkeit, für die Kreativ Gesellschaft im Bereich Beratung und Qualifizierung zu arbeiten. Und diese habe ich dann gern wahrgenommen.

Was verbindet dich mit der Kreativgesellschaft und was mit dem Thema „Existenzgründung“?

Das Ziel der Kreativ Gesellschaft, die Bereiche der Kreativen und der Wirtschaft enger zu verzahnen. Ein Bewusstsein bei den Kreativen für die Ökonomie und gleichzeitig ein Bewusstsein bei der Ökonomie für die Kreativen zu schaffen, ist aus meiner Sicht eine interessante Aufgabe. Bei der ich gern mitwirke. Nach der Universität und auch in späteren Phasen in meinem Berufsleben stand ich auch vor der Entscheidung, ob ich eine Selbständigkeit verfolge oder mir doch lieber einen Job suche. Ich habe in beiden Feldern Erfahrungen gesammelt. Und kann die Situationen, in denen sich Gründer_innen befinden, gut nachvollziehen.

Wie sieht dein genauer Tätigkeitsbereich aus?

Hauptsächlich biete ich Beratungen an, sowohl telefonisch als auch persönlich. Zur ersten Orientierung können sich Interessierte zur Fragestunde anmelden. Bei dieser können wir in einer Gruppe erste Fragen zur Selbständigkeit und Gründung klären. Ergänzend bin ich für ein Coachingprogramm zuständig. Hierbei können Kreative zu günstigen Konditionen alle Fragen rund um ihr Geschäftsmodell und ihr unternehmerisches Handeln mit einem Business-Coach klären.

Was sind eure besonderen Programme für Gründer?

Neben der Fragestunde und den Einzelgesprächen bieten wir vor allem das Programm „Butter bei die Fische“ an. Dieses wird von meiner Kollegin Isabel Jansen betreut. Hier vermitteln Expert_innen in kurzen Vorträgen und Gesprächen Grundlagenwissen an Gründer_innen und Interessierte.

Wie habt ihr auf die Corona-Krise reagiert? Und was hat sich dadurch in eurem Angebot geändert?

Uns haben die Pandemiemaßnahmen genauso unvorbereitet getroffen, wie wahrscheinlich die gesamte Gesellschaft. Zunächst haben wir alle verfügbaren Informationen zusammen getragen. Um Kreative möglichst umfassend beraten zu können. Dafür wurde zusätzlich eine Hotline eingerichtet. Wir mussten uns sehr schnell an die digitalen Werkzeuge gewöhnen, damit wir unsere Angebote auf dem virtuellen Weg aufrecht erhalten konnten. Aber es wurden auch neue Formate etabliert. Podcasts, neue Förderprogramme wie die Crowdfunding-Kampagnenförderung oder auch das Emergency Lab, bei dem wir Kreative und traditionelle Unternehmen zusammengebracht haben, um an neuen Lösungen zur Krisenbewältigung zu arbeiten.

Welche Berufsgruppen aus der Kreativwirtschaft trifft die Krise aus eurer Sicht besonders hart? Und was könnt ihr für diese gerade tun?

Ich habe den Eindruck, dass es neben den Kreativen, deren Aktivitäten in öffentlichen Räumen stattfinden – wie zum Beispiel Musiker_innen und Schauspieler_innen – vor allem diejenigen trifft, die als Selbständige durch ihre Arbeit Impulse bei vielen Projekten größerer Firmen gesetzt haben. Wie zum Beispiel Designer_innen, die zur Zeit kaum Aufträge bekommen.

Ihnen bieten wir unser Wissen und unser Netzwerk an, um ihnen mögliche Alternativen und weitere Optionen aufzuzeigen. Viele unserer Angebote zielen darauf, neue Qualifikationen zu erwerben. Und im besten Fall neue Ideen in eine Gründung münden zu lassen. Zuletzt haben wir in Zusammenarbeit mit dem Designxport den „Silberstreifen-Award“ vergeben. Damit waren Designer_innen eingeladen, Konzepte, Methoden und Produkte zu entwickeln, die Lösungsansätze für Herausforderungen wie Pandemien, Klimawandel oder gesellschaftspolitische Missstände bieten.

Was ist dein Ratschlag, den du Gründern aus der Kreativwirtschaft am häufigsten mitgibst und hast du einen besonderen Ratschlag auf die aktuelle Krise?

Kreativ gründen

Seit 2015 betreut Andreas Rautenberg die Labelförderung für die Hamburg Kreativ Gesellschaft. Außerdem ist er für den Coach- und Expertenpool sowie Beratungen bei der Hamburg Kreativ Gesellschaft zuständig. Foto: Hamburg Kreativ Gesellschaft

Ein genereller Ratschlag würde womöglich die besondere Situation jedes einzelnen nicht genügend berücksichtigen. Ich möchte vor allem aber dazu ermutigen, sich von den formalen Anforderungen einer Selbständigkeit nicht abhalten zu lassen, seine Geschäftsidee zu verwirklichen. Neben den individuellen Hilfestellungen, die ich in meinen Gesprächen gebe, möchte ich eigentlich alle auffordern, neue Perspektiven einzunehmen. Neues Wissen zu erarbeiten und neue Netzwerke aufzubauen, um zu erkennen, wo ihre Kreativität in diesem Umbruch am besten einzusetzen ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch, lieber Andreas!

Artikel vom 13. Oktober 2020

Podcast „Gründung in Sicht“: Interview mit Nadine Herbrich von recyclehero

Wie gründet man eigentlich ein Unternehmen mit Social Impact?

Im neuen Podcast Format der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative „Gründung in Sicht“ spricht Nadine Herbrich mit uns über ihr eigenes Unternehmen recyclehero – Deutschlands erstem Abholservice für recyclebare Wertstoffe. Eine Gründung mit vielschichtigem Social Impact. Denn die Abholtouren werden mit Ebikes gefahren und die Mitarbeiter von recyclehero sind sozial Benachteiligte – Langzeitarbeitslose, Flüchtlinge und Obdachlose.

Nadine hat zusammen mit ihrem Partner Alessandro gegründet. Wie ist es plötzlich, nicht nur Liebespaar, sondern auch Geschäftspartner zu sein? Wie fühlt es sich an, seinen sicheren Job in der Immobilienbranche gegen eine sozial orientierte Selbstständigkeit einzutauschen? Warum ist Hamburg genau der richtige Gründungsstandort für recyclehero?

Auf all diese Fragen gibt Nadine im Interview Einblicke in ihre ganz persönlichen Erfahrungen.

Podcast Gründung in Sicht

Nadine Herbrich, Gründerin von recyclehero auf dem Weg zum Podcast-Interview mit einem ihrer Ebikes. Foto: Privat

Mehr Infos zum Unternehmen findet ihr hier: www.recyclehero.de
Und wenn ihr Lust habt, noch mehr über recyclehero zu erfahren, dann findet ihr hier auch noch einen Blogbeitrag über die Held_innen.

Podcast „Gründung in Sicht“

In unserem Podcast geben regelmäßig bereits erfolgreiche Hamburger Gründer_innen Einblicke in ihren Unternehmensalltag. Sie berichten ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen und ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Glücksmomenten. Denn wir wollen wissen: Wie fühlt es sich an, selbstständig zu sein, komplett eigenverantwortlich, aber selbstbestimmt? Wie sind die Gründer_innen durch gestartet, welche Unterstützung und Angebote bietet das Hamburger Gründungsnetzwerk? Außerdem kommen in manchen Folgen Experten zu Wort, um wichtige Infos und Tipps rund um alle Themen der Gründung zu geben.

Stay tuned – wir freuen uns schon auf das nächste Interview, das wir für unseren Podcast führen dürfen!

Artikel vom 25. September 2020

Gründerstory: „Diversity bringt Unternehmen weiter“

Schwerpunkt Diversity

Gründerin Michelle Euzet arbeitet mit Unternehmen an den Themen „Kulturwandel“ und „Vielfalt“. Foto: René Sievert

Michelle Euzet kommt aus einer Männerwelt und weiß, „dass wir nur gemeinsam weiterkommen, mit Stärke und Selbstverantwortung, nicht mit erhobenem Zeigefinger“. Für die 48-jährige sind Kulturwandel und die Förderung von Frauen kein Zeichen von Gutmenschentum, sondern einfach kluge unternehmerische Haltungen: „Studien belegen, dass Frauen in Führungspositionen und Diversity die Unternehmen weiterbringen.“ Als Unternehmensberaterin, Keynote-Speakerin und Sparringspartnerin mit Schwerpunkt Diversity arbeitet die Gründerin von EUZET CONSULTING mit Unternehmen an einem grundlegenden Kulturwandel. Die Grundvoraussetzung: Sie müssen es wirklich wollen. Weiterlesen

Artikel vom 26. August 2020

Gründerstory: Psychologischer Lotse durch stürmische Zeiten

Selbstständigkeit als Psychologe

Daniel Will bietet psychologische Beratung in Hamburg und hilft Menschen in „stürmischen Zeiten wieder in fahrbares Wasser zu gelangen“. Er selbst sieht sich dabei als ein „Lotse auf einem Schiff“. Foto: Privat

Nicht jeder braucht eine Therapie, vieles lässt sich auch mit einer psychologischen Beratung klären, findet Daniel Will. Gerade jetzt, wo die Corona-Pandemie auf breiter Front zu seelischen Nöten führe. Nach seinem Master in Psychologie sammelte der 34-Jährige u.a. als Schulpsychologe so viel Erfahrung, dass er sich im Mai 2019 gut gewappnet sah für den Schritt in die Selbstständigkeit. Als psychologischer Berater sieht er sich als ein „Lotse“ auf dem Schiff: „Steuern muss der Klient selbst, aber ich führe ihn aus dem Sturm wieder in fahrbare Gewässer.“

In einer Art Vorstufe zur Psychotherapie bietet Daniel in einer Praxis- und Bürogemeinschaft in Hamburg-Eilbek – und auch online – einen geschützten Raum, um Menschen durch stürmische Zeiten zu helfen. Sei es Stress am Arbeitsplatz, Partnerschaftsprobleme oder der Verlust eines Menschen. „Sich zu allgemeinen Lebensfragen Hilfe zu holen, gehört in Amerika zum guten Ton, wird aber hierzulande noch immer stigmatisiert“, wundert sich der Hamburger.

Mangelware Einzelberatung

Seine Klienten indes konnten in sechs Jahren Berufstätigkeit nicht unterschiedlicher sein: Während seines studienbegleitenden Praxisteils am Deutschen Herzzentrum in Berlin betreute er Patienten vor und nach einer Herz- oder Lungentransplantation. In einer Eltern-Kind-Klinik an der Nordsee arbeitete er dann eineinhalb Jahre mit Menschen, die an Haut-, Atem- und Stresserkrankungen litten – mit Schwerpunkt Familiendynamik. Nach einem halben Jahr in der Ambulanten Sozialpsychiatrie in Hamburg übernahm er schließlich als Schulpsychologe an einem ReBBZ die Beratung für gleich 45 Schulen. „Hier merkte ich, wie groß der Bedarf an Einzelberatung, Fortbildung und Supervision ist“, sagt Daniel, „letztlich gab das den Ausschlag für die Gründung.“

Klar war aber auch: Seine Ausbildung zum Psychotherapeuten, die er gerade begonnen hatte, würde noch lange dauern. Zugleich fühlte er sich durch mehrere fachliche Aus- und Weiterbildungen, wie die zwei-jährige Ausbildung zum systemischen Berater, gut gerüstet für den ersten Schritt in die Selbstständigkeit. Über einen Berliner Freund hatte er „Talk Now“ kennengelernt, eine Online-Beratungsplattform für mentales Wohlbefinden. Um einsteigen zu können, musste er zumindest nebenberuflich selbstständig sein. „Also schrieb ich in drei Wochen meinen Businessplan, sicherte mir parallel den Gründungszuschuss und einen ersten Honorarauftrag an einer Klinik.“

Selbstständigkeit als Psychologe

Zu Beginn seiner Sitzungen nutzt Daniel Will die „Seekarte der Befindlichkeiten“, um die Erwartungshaltung seiner Klienten zu klären – und welche Anstrengungen sie auf sich nehmen würden, um ihr Ziel zu erreichen. Foto: Privat

Starthilfe durch die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative und das Gründerkompetenzzentrum

Bei seinen Recherchen stieß er auf die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative und bekam zusätzlich gleich einen Termin am Gründerkompetenzzentrum, um den Business-Plan prüfen zu lassen. „Rita Mirliauntas ist mit ihren über 80 Jahren eine echte Koryphäe, ich fühlte mich super aufgehoben – immerhin ging es darum, den Gründungszuschuss für die ersten 6 Monate zu beantragen und ihn später nochmal zu verlängern. Bei dieser Tragfähigkeitsprüfung war sie eine große Hilfe.“ Über das hei.scheckheft machte er sich fit in Akquisestrategie, Empfehlungsmanagement und Suchmaschinenoptimierung. Logo und Visitenkarte überließ er einem Grafiker, die Website erstellte er mit WordPress in eigener Regie.

Präsent sein ist das A & O für die Selbstständigkeit

Den ersten Aufträgen folgte schnell die Weiterempfehlung. „Durch die Selbstständigkeit positioniere ich mich unabhängig vom Schulsystem, weiß aber trotzdem genau, über welches Tätigkeitsfeld wir sprechen“, freut sich der Gründer. Inzwischen supervidiert er drei Gruppen an Schulen, auch Einzelberatungen und ein Lehrauftrag kamen darüber zustande. Bei der Akquise, so sein vorläufiges Fazit, zählt vor allem eins: präsent sein. „Das war für mich anfangs schwer und ich musste an mir arbeiten, es ist aber hilfreich, wenn einem Andere Türen öffnen. Aber das braucht Zeit und Geduld. Das muss man einkalkulieren.“

Sobald seine Ausbildung zum Psychotherapeuten abgeschlossen ist, will Daniel ein breites Portfolio anbieten: Von der psychologischen Beratung und Supervision über die psychotherapeutische Einzel- und Gruppentherapie bis zur Psychoanalyse. Außerdem will er mit Fachvorträgen zu Themen wie „Psychotraumatologie“, „schwierige Elterngespräche führen“ oder „Stressbewältigung für Lehrkräfte“ eine Mischung aus kollegialer Fachberatung und klassischer Lehrtätigkeit anbieten. Über die Kooperation mit einer Kollegin, die als Hebamme arbeitet, plant er gerade eine Vortragsreihe zu frühkindlicher Erziehung und Partnerschaft.

Hilfe annehmen – und auch mal Abstand gewinnen

„Ob man gleich in die Vollen geht, weil man schon Aufträge hat oder erstmal die Teil-Selbstständigkeit wählt, um mehr Zeit für die Akquise zu haben, muss jeder selbst entscheiden“, findet Daniel. Was er allen Gründern rät: Gründungszuschuss beantragen und Unterstützung wie die der hei. in Anspruch nehmen, und sich an entscheidenden Stellen fragen: „Lerne ich das selbst und investiere Zeit oder beauftrage ich jemanden und investiere Geld?“ Und, hier spricht der Psychologe: „Geduld, Ausdauer und einen guten Ausgleich finden – lieber mal gezielt ein Wochenende loslassen und dann den Faden wieder aufnehmen, das bringt oft mehr als durcharbeiten.“

Artikel vom 14. August 2020

Hamburger Gründertag digital – 3 Fragen an Claudia-Marie Dittrich, hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative

Hamburger Gründertag digital

Der Hamburger Gründertag digital findet vom 7. bis 11. September statt und bietet Gründer_innen kompaktes Wissen rund um die Selbstständigkeit. Foto: hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative

Was genau plant die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative zum Hamburger Gründertag digital?

Für den Hamburger Gründertag digital planen wir eine vielfältige Mischung aus Infos, Tipps und Inspiration für Gründerinnen und Gründer. Dafür haben wir drei digitale Formate ausgewählt, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern größtmögliche Flexibilität bieten – aber auch aktive Teilnahme ermöglichen.

Zum einen haben wir mit Expertinnen aus unserem Hamburger Gründungsnetzwerk vorab Videovorträge aufgezeichnet. Diese kann man sich im Zeitraum 7. bis 11. September zu jeder Tages- und Nachtzeit anschauen. Darin beleuchten wir Themen wie die ersten Schritte in die Gründung, erfolgreiches Preismanagement und Preiskalkulation, souveränes Verhandeln und Projektmanagement. Außerdem wird es im geplanten Zeitraum an jedem Tag mindestens einen Live-Chat mit einer Expertin oder einem Experten geben. Heißt konkret: Registrierte Teilnehmer bekommen per Email vorab ein Login zugeschickt, können sich dann in den Videochat einwählen, einen kurzen Impulsvortrag anhören und anschließend ihre Fragen stellen. Hier behandeln wir Themen wie die rechtlichen Grundlagen einer Existenzgründung, digitale Buchhaltung, Tipps für den Businessplan, SEO und andere.

Als letztes Format starten wir ganz neu den hei.podcast „Gründung in Sicht“. Hier sprechen wir als hei. Team zunächst mit verschiedenen Gründerinnen und Gründern aus Hamburg. Wir fragen nach ihren Gründerstorys, ihren Erfolgserlebnissen, Stolpersteinen, Fehlern, aus denen sie gelernt haben und ihren Tipps für alle Gründungsinteressierten. Später werden wir dann auch Expertinnen und Experten vor das Mikro holen und planen so, auch längerfristig einen interessanten und inspirierenden Podcast zu etablieren.

Warum habt ihr euch entschieden, eine digitale Veranstaltung zu organisieren?

Wir haben uns aus zwei Gründen entschieden, den Hamburger Gründertag in diesem Jahr als Digitalversion anzubieten. Erstens, weil wir in unseren vielen Beratungsgesprächen in den letzten Monaten immer wieder gehört haben, wie dringend nach Informationen und Angeboten dieser Art im Netz gesucht wird. Corona hat uns ja alle innerhalb kürzester Zeit quasi dazu „gezwungen“, neue Wege einzuschlagen und neue Dinge auszuprobieren – da lag es für uns auf der Hand, das auch mit Blick auf den Hamburger Gründertag zu tun. Zweitens feiern wir in diesem Jahr das 25. Jubiläum des Hamburger Gründertags und der hei. … Und ehrlich gesagt wollten wir uns da durch diese Krise auch keinen Strich durch die Rechnung machen lassen. Wir probieren eben gern auch neue Dinge aus und hoffen, dass möglichst viele Gründungsinteressierte sowie Gründerinnen und Gründer von unserem Angebot profitieren können.

Wie nehmt ihr selbst derzeit die Gründerstimmung in Hamburg wahr? Ist da ein großer Bedarf an Beratungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten?

Hamburger Gründertag digital

Claudia-Marie Dittrich ist Leiterin der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Die branchenübergreifende Erstanlaufstelle für Gründer_innen gibt es bereits seit 25 Jahren. Foto: privat

Die Nachfrage nach Beratungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten ist ungebrochen hoch. Natürlich gibt es aufgrund der aktuellen Situation auch zweifelnde Stimmen und der ein oder andere Gründungsplan ist durch Corona erstmal durchkreuzt oder ganz auf Eis gelegt worden. Gleichzeitig erleben wir aber täglich einen unbändigen Gründungswillen. Das hat uns gerade zu Beginn der Pandemie im Februar und März selbst ein bisschen überrascht. Sei es, weil sich eine Arbeitssituation verändert hat und nun das Thema Selbstständigkeit als konkrete Option wieder in den Vordergrund rückt, oder, weil aufgrund der Corona-Krise auch neue Ideen, Geschäftsmodelle und Gründungsansätze entwickelt werden. Wir als branchenübergreifende Erstanlaufstelle für Existenzgründerinnen und -gründer in Hamburg können keinen Rückgang in der Nachfrage feststellen. Im Gegenteil!

Alle Infos sowie die kostenfreie Registrierung für den Hamburger Gründertag digital 2020 auf www.gruendertag.hamburg

 

Artikel vom 05. August 2020

Gründen mit Wissenschaft und Technologie: Interview mit Wiebke Brandt der Startup-Unit von Hamburg Invest

Gründen mit Wissenschaft und Technologie

Für wissens- und technologie-orientierte Gründungen gibt es in Hamburg seit Januar 2018 die Startup-Unit von Hamburg Invest als zentrale Anlaufstelle. Foto: Remy Loz via Unsplash.

Seit gut zweieinhalb Jahren gibt es die Startup-Unit von Hamburg Invest. Als zentrale, öffentliche Einrichtung ist sie eine wichtige Anlaufstelle für wissens- und technologie-orientierte Gründungen in unserer Hansestadt. Gleichzeitig soll die Unit die Stadt Hamburg als attraktiven Standort für internationale Gründer noch sichtbarer machen. Ein Teil des zweiköpfigen Teams ist Wiebke Brandt. Wir haben mit Wiebke gesprochen: Über ihren Job als Projekt-Managerin bei der Start-up Unit. Über die Herausforderungen, die die Corona-Zeit für Startups mit sich bringt. Und sie wirft für uns einen Blick in die Startup-Zukunft von Hamburg und zeigt Trends auf.

Was bietet die Startup-Unit von Hamburg Invest und was ist das ganz Besondere an dieser Anlaufstelle für Gründer_innen?

Wer Informationen zu innovativen Startups, Events & Konferenzen, Hochschulen, öffentlichen Fördereinrichtungen, Clustern, Inkubatoren und Acceleratoren sucht, ist bei uns genau richtig. In unserer regelmäßigen und kostenlosen Startup-Sprechstunde, die alle zwei Wochen stattfindet, erhalten alle Gründungswilligen einen ersten und immer auch individuellen Überblick zu den Angeboten der Startup-Unit sowie zu städtischen und privaten Initiativen und relevanten Netzwerken. Natürlich gilt dies auch für internationale Gründerinnen und Gründer, die sich für den Standort interessieren. Zudem vertritt die Unit den Startup-Standort Hamburg international durch die Teilnahme an internationalen Konferenzen.

Wie bist du selbst zur Startup-Unit als Projektmanagerin gekommen?

Bis vor rund zwei Jahren war ich in einem Startup beschäftigt und habe dort von Unternehmensgründung an selbst sehr viele Erfahrungen machen können. Dabei standen wir, wie viele junge Unternehmen, oft vor großen Herausforderungen. An einem Punkt ging es für mich dort nicht weiter und ich wollte meine Erfahrungen aus dem Startup „weitergeben“. Als Projektmanagerin der Startup-Unit Hamburg kann ich genau das machen. Denn der Gründungsstandort Hamburg bietet wirklich viele Unterstützungsangebote. Diese an junge Unternehmerinnen und Unternehmer weiterzugeben und ihnen den Weg dadurch erleichtern zu können, ist einfach ein gutes Gefühl. Denn, wenn wir im Startup damals gewusst hätten, was die Stadt Hamburg alles zu bieten hat, wären einige Herausforderungen vielleicht auch leichter zu meistern gewesen.

Wie nimmt die aktuelle Corona-Krise – aus deinen persönlichen Erfahrungen durch Gespräche mit den Gründern_innen – Einfluss auf die Startup-Szene in Hamburg?

Wir bemerken einen tollen Solidaritätsgedanken bei vielen Startups. Untereinander werden schnell Infos zu neuen Finanzhilfen oder auch relevanten Webinaren und digitalen Events ausgetauscht. Auch wir sind neue Kooperationen eingegangen und so entstand zum ersten Mal ein nationales Startup-Event mit den Wirtschafsförderungen der Städte Berlin, Köln und München, bei dem wir alle zusammen für den Startup-Standort Deutschland standen.

Wo liegen aus deiner Sicht derzeit die größten Herausforderungen für Startups in Hamburg?

Diese werden wahrscheinlich die Finanzierung betreffen. Besonders herausfordernd ist es für Unternehmen, denen die geplante Finanzierung aufgrund der Corona-Krise weggebrochen ist. Die Förderlotsen der IFB informieren zu allen aktuellen Finanzierungshilfen. Dies kann ich nur jedem Unternehmen empfehlen, sich dort einmal beraten zu lassen.

Was sind die größten Themen, mit denen sich Startups derzeit beschäftigen? Kannst du derzeit einen Themenfeld- / oder Branchentrend erkennen, dem viele Startups in Hamburg folgen?

In den letzten Monaten zeichnete sich unter anderem ein Trend Richtung Gesundheitswirtschaft ab. Ideen, wie zum Beispiel mentales Training oder auch psychologische Betreuung, nicht nur in Krisenzeiten, sondern natürlich auch darüber hinaus, digital vermittelt werden kann, sind auch schon vorher entstanden. Aktuell erhalten diese Ideen aber einen größeren Stellenwert als bisher und dies kann für einige Startups eine echte Chance sein.

Und wenn du einen Blick in die Zukunft wagst – was wird aus deiner Sicht immer wichtiger für Startups und welche Startups werden wichtig für Hamburg?

Gründen mit Wissenschaft und Technologie

Wiebke Brandt, Projektmanagerin bei der Startup-Unit von Hamburg Invest, berät Gründer_innen aus den Bereichen Wissenschaft und Technologie. Foto: Privat

Hamburg schafft bereits mit seinen starken Wirtschaftsbereichen wie zum Beispiel Logistik oder Life Science ein gutes Fundament für Neugründungen. Allerdings legt der Standort auch bei Querschnittstechnologien wie KI bzw. AI zu. So entstehen immer mehr Angebote und Institutionen wie beispielsweise der Health AI Hub. Von dieser Entwicklung können viele Branchen profitieren.

Ganz lieben Dank für das Gespräch und die Einblicke in die Startup-Szene, liebe Wiebke!

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