Sie möchten ein kostenfreies Beratungsgespräch?
Bitte füllen Sie unser Kontaktformular aus!

Bei Fragen rufen Sie uns gern an: Tel 040 611 7000

Artikel vom 07. September 2021

Podcast „Gründung in Sicht“: Interview mit Finanz- und Versicherungsexpertin Monika Borchert

Welche Versicherungen sind für mich als Gründer_in absolut notwendig?

Monika Borchert

Finanz- und Versicherungsexpertin Monika Borchert bringt über 30 Jahre Berufserfahrung in ihrem Themenfeld mit – und berät mit einem perfekten Mix aus Empathie und fachlicher Kompetenz. Foto: Privat

In dieser Folge spricht die Finanz- und Versicherungsexpertin Monika Borchert über das Thema Versicherungen und Vorsorge für Gründer_innen. Welche Versicherungen sind schon zu Beginn der Gründung existenziell? Und was wird zu einem späteren Zeitpunkt wichtig? Wie entscheide ich als Selbstständige_r, ob ich mich privat oder freiwillig gesetzlich krankenversichere? Warum ist die persönliche Altersvorsorge so relevant? Monika Borchert bringt über 30 Jahre Erfahrung auf diesem Themenfeld mit. Und sie erklärt im Gespräch, worauf es ankommt. Welche Möglichkeiten es gibt.

Wenn ihr mehr über Monika Borchert und ihre Beratung erfahren wollt, dann schaut doch auch auf ihrer Website vorbei. Und einen guten Überblick zum Thema „Sozialversicherung vs. Privatversicherung“ findet ihr in einem Gastbeitrag von ihr hier auf unserem Blog.

Podcast „Gründung in Sicht“

In unserem Podcast geben regelmäßig bereits erfolgreiche Hamburger Gründer_innen Einblicke in ihren Unternehmensalltag. Sie berichten ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen und ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Glücksmomenten. Denn wir wollen wissen: Wie fühlt es sich an, selbstständig zu sein, komplett eigenverantwortlich, aber selbstbestimmt? Wie sind die Gründer_innen durch gestartet? Welche Unterstützung und Angebote bietet das Hamburger Gründungsnetzwerk? Außerdem kommen in manchen Folgen Expert_innen zu Wort, um wichtige Infos und Tipps rund um alle Themen der Gründung zu geben. So wie in dieser Folge Monika Borchert uns Rede und Antwort gestanden hat.

DANKE an Monika Borchert für dieses aufschlussreiche Interview! Und die vielen ersten Tipps für mehr Klarheit rund ums Thema Versicherungen und Vorsorge.

Wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden spannenden Gespräche mit Gründer_innen und Expert_innen rund um alle wichtigen Themen der Existenzgründung! Stay tuned 🙂

Artikel vom 25. August 2021

Gründerstory: Intelligente Finanzstrategie und Geldanlage für die zweite Lebenshälfte

Geldanlage

Aus einer Buchidee wurde eine Existenzgründung. Christine Schremb ist nicht nur Autorin von „Geldanlage 40+“, sondern berät als Mentorin Frauen und Männer in dieser Altersgruppe mit einer zielgruppenspezifischen Investitionsstrategie. Foto: Christine Schremb

Wie investiert man clever, wenn man über 40 ist? Und wovor sollte man sich hüten? Selbst ausgebuffte Finanzexpert_innen verlieren im Anlagedschungel schon mal den Überblick. Doch Christine Schremb wollte sich mit halbgaren Tipps nicht zufrieden geben. Mit ihrem Buch „Geldanlage 40+: Wie Sie sicher und intelligent investieren“ ermutigt die Diplom-Kauffrau nicht nur ihre Altersgenoss_innen, die Vermögensentwicklung selbst in die Hand zu nehmen. Für die 53-Jährige war das Werk viel mehr. Das Sprungbrett in die Selbstständigkeit.

Nach 20 Jahren Berufs- und Führungserfahrung im Controlling bei einem der weltweit größten IT-Dienstleister war die Betriebswirtin zwar mit der Steuerung der Firmenfinanzen sehr erfahren. Doch die private Geldanlage hatte sie über Jahre nicht aktiv gemanagt. Ein großer Teil des Ersparten lag auf wenig lukrativen Tagesgeldkonten. Und mit Aktien hatte sie nicht nur gute Erfahrungen gemacht. „Oft war ich gutgläubig eingestiegen, hatte aber den rechtzeitigen Ausstieg verpasst. Mir fehlte einfach die Zeit, mich darum zu kümmern.“ 2016 begann sie dann, ihre eigene Strategie zu erarbeiten. Und stieß dabei auf die Bloggerin Madamemoneypenny, die sie inspirierte mehr aus der Recherche zu machen. „Ihre Zielgruppe waren die Jüngeren. Für meine Generation gab es aber rein gar nichts.“ In ihr reifte ein Plan: Warum diese Lücke nicht mit einem Praxisleitfaden füllen und andere von ihren Erfahrungen profitieren lassen?

Schließlich wusste sie genau, was ihr vorschwebte. Eine zielgruppenspezifische Investitionsstrategie. Die berücksichtigte, dass Einsteiger_innen über 40 ein vergleichsweise kurzer Zeitraum zum Vermögensaufbau bleibt und Rückschläge schwerer wettgemacht werden können. Denn an einem Ideal hielt die Finanzexpertin unbeirrbar fest. Dass es mit einer klugen Anlagetaktik möglich sein sollte, auch mit wenig Aufwand eine möglichst hohe Rendite bei vergleichsweise niedrigem Risiko zu erzielen. Sie beobachtete den Markt. Prüfte die Pros und Contras verschiedener Anlageformen. Und entwickelte eine eigene Strategie. Dafür erweiterte sie den bekannten „Buy & Hold-Ansatz“ – kaufen und im Depot liegen lassen – auf „Buy, Hold und Rebalance – Benefit“. Die Möglichkeit also, die Anlage punktuell anzupassen und dabei regelmäßig Geldbeträge entnehmen zu können. Ohne das Vermögen zur verringern.

Gründerstory

Aus Christine Schrembs Sachbuch „Geldanlage 40+“ ist mittlerweile ein ganzes Unternehmen geworden, das Coachingprogramme rund um die richtige Investitionsstrategien anbietet. Neben Social Media Marketing und online Anzeigenschaltungen plant Christine Schremb einen eigenen Podcast zur Bewerbung ihres Angebots. Foto: Christine Schremb

Keimzelle für die Gründung: ein Sachbuch

Dass die Buchidee in eine Phase der Neuorientierung fiel, war kein Zufall. Christine Schrembs Vertrag als Geschäftsführerin eines Franchise-Unternehmens für Erwachsenenbildung lief gerade aus. Das in Eigenregie kreierte Buch sollte den Weg in die Selbstständigkeit bahnen. Die allerdings auch für sie Neuland war. Ein Beratungstermin bei der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative stand deshalb auf der To-do-Liste ganz oben. „Frau Bachmann ermutigte mich sofort“, erinnert sie sich. Zugleich gab die Gründungsberaterin zu bedenken, dass man vom Buchverkauf allein kaum leben konnte. So entstand die Idee eines Mentorings. Das ihr erlaubte, noch gezielter auf die Bedürfnisse der Anleger_innen einzugehen. „Aus Sicht des(r) Privatanleger_in sollte man interdisziplinär arbeiten“, erläutert die Betriebswirtin. „Im ersten Schritt geht es um die persönlichen Voraussetzungen. Dann um die Zielsetzung und zuletzt um die konkrete Umsetzung.“

Was unterscheidet mich von anderen Expert_innen?

Mit dem hei.scheckheft in der Tasche begann die Gründerin außerdem, ihr Profil zu schärfen. Dem Seminar „Personal Branding: Wie Sie als Coach oder Experte selbst zur Marke werden“ folgten weitere hei.seminare zu Steuern und PR. „Die Learnings aus dem Marketing-Seminar konnte ich direkt umsetzen. Die PR übergab ich lieber einem Profi“, gesteht die Gründerin. Sich von anderen Angeboten abzugrenzen und das eigene Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten erfordert allerdings nicht nur betriebswirtschaftliches, sondern auch psychologisches Gespür. „Die größte Herausforderung ist es, meine Zielgruppe auf mich aufmerksam zu machen“, sagt Christine Schremb.

Seit der offiziellen Gründung von „Geldanlage40+“ am 1. Februar 2021 hat sie deshalb erstmal ein Ziel: bekannter zu werden. Werbung auf einschlägigen Plattformen wie Linkedin und Xing, Anzeigen auf Amazon, aber auch Vorträge zählen dazu. Ihr im Mai 2021 in aktualisierter Ausgabe erschienenes Sachbuch ist mittlerweile auch als E-Book erhältlich. Ein Podcast soll folgen , „weil ich hier mehr in die Tiefe gehen kann als mit einem kurzen Post auf Social Media“.

Passt mein Businessplan noch?

Als erfahrene Geschäftsfrau weiß Christine Schremb genau, dass bei der Existenzgründung Besonnenheit gefragt ist. „Dieser Prozess verlangt Zeit. Und einen langen Atem“, sagt sie. Daneben empfiehlt die Controllerin, den eigenen Businessplan anhand einer Checkliste immer wieder zu prüfen. Stimmen Plan und Realität noch überein? Kurz: Ist der eingeschlagene Weg der richtige? Sie selbst kann das mit einem klaren „Ja“ beantworten, wenn sie merkt, wie sehr ihr das unabhängige Arbeiten gefällt. Und wie befriedigend es ist, wenn Klienten ihrem Vorbild folgen. Und selbstbewusst die Verantwortung für sich und ihre Finanzen übernehmen.

Artikel vom 27. Juli 2021

Gründerstory: Personal Training für die Generation 50+

Personal Training

Alles andere als ruhig im Ruhestand: Sportwissenschaftler Michael Matthies hat sich mit 67 selbstständig gemacht und bietet Personal Training für die Generation 50+ an. Foto: WHY Nadja Hansen

Seit Februar 2020 ist Michael Matthies im Ruhestand – allerdings müsste man „Ruhe“ bei ihm eher durch „Bewegung“ ersetzen. Nach 25 Jahren als angestellter Sportwissenschaftler beim Verein Sportspaß und 35 Jahren nebenberuflicher Selbstständigkeit als Trainer und Referent lag es für den 67-Jährigen nahe, seinen großen Erfahrungsschatz in die Waagschale zu werfen und einfach weiterzumachen. Mit personaltraining-50plus.de wendet sich der Gründer an eine Zielgruppe, deren Bedürfnisse er bestens kennt.

Im Grunde sei seine Zielgruppe mit ihm alt geworden, lacht Michael Matthies. Er nennt sie die „Ikea-Generation“, die mit den Stones aufgewachsen, offen für Neues ist und auch in fortgeschrittenem Alter hohe Erwartungen an das Leben hat. Das Wort „Senior“ sucht man deshalb auf seiner Website vergebens. „Ich gründe gerade ein Unternehmen, mache 5 Mal die Woche Sport und habe eine Lebensleistung erbracht, ich bin kein Senior“, stellt er klar.

Doch „einfach machen“ kam für den Sportwissenschaftler nicht in Frage. Seiner Gründung liegt ein gut durchdachtes Konzept zugrunde. Vier Schwerpunkte – Kraft und Muskulatur, Ausdauer (zur Verhinderung von Herz-Kreislauferkrankungen), Koordination (für die Gedächtnisleistung und zur Vorbeugung von Stürzen) und Entspannung – gehen mit unterschiedlicher Gewichtung in verschiedene Trainingseinheiten ein. Die unter Stichworten wie „Rückentraining“, „Koordination und Beweglichkeit“ oder auch „Bewegungstraining 70plus“ firmieren.

Personal Training

Beim Personal Training mit Michael Matthies wird nicht nur Bewegung und Kraft aufgebaut – sondern auch das Selbstbewusstsein. Keine(r) muss sich verstecken, Trainingsplan und Ziele werden individuell ausgearbeitet. Foto: WHY Nadja Hansen

Selbstbewusstsein aufbauen – und ohne Druck in Bewegung kommen

Eine ausführliche Anamnese steht in der Regel am Anfang des kostenlosen Erstgesprächs. Dann definiert Michael mit seinen Kund_innen das Ziel und einen Plan, wie man es erreicht. Trainiert wird 1:1 oder in Kleingruppen mit bis zu vier Personen. „Gerade bei älteren Menschen gibt es eine Hemmschwelle, ins Fitnessstudio zu gehen“, weiß der Trainer. „Bei der Arbeit mit mir muss man sich nicht verstecken und kann erstmal Selbstbewusstsein aufbauen. Das ist in jedem Fall ein guter Einstieg, um wieder in Bewegung zu kommen.“ Denn der erste Schritt, weiß Michael, ist immer der schwerste. Wo der Sport ausgeübt wird, ob zu Hause, im Park oder im Studio, kann sich der/ die Kund_in aussuchen.

Das individuelle Coaching hat seinen Preis: Eine 60-minütige Einzelstunde kostet 90 Euro, 45 Minuten 70 Euro, bei einer Stunde zu viert ist jeder mit 30 Euro dabei. Zum Einstieg gibt es Trainingspakete mit 12 Einheiten. „Das ist Geld“, sagt Michael, „aber dafür bekommen meine Kund_innen eine hohe Qualität. Und sie investieren ja in ihre Gesundheit.“ Und dabei gilt es durchaus verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Für das Trainingspaket „G“ wie Gewicht arbeitet der gut vernetzte Sportexperte mit einer Ernährungswissenschaftlerin zusammen. Beim Trainingspaket „Rücken“ werden auch Arbeitsplätze und Matratze begutachtet.

Dort werben, wo die Zielgruppe ist

Die Pandemie hat Michaels Start in die Selbstständigkeit verzögert, doch er nutzte die Zeit, um sich gut vorzubereiten. Seinen Businessplan erstellte er über die Plattform fuergruender.de. „Die vorformulierten Fragen helfen sehr, die eigene Idee zu konkretisieren und Themen wie Finanzen, Werbung usw. komplett zu durchdenken.“ Ein Bekannter hatte ihn auch auf die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative aufmerksam gemacht. Beim Beratungsgespräch erhielt er das hei.scheckheft. Obwohl er als Selbstständiger schon erfahren sei, seien für ihn Seminare zu den Fragen „Wo vernetze ich mich?“ oder „Wie komme ich an den Kunden heran“ enorm wichtig, sagt der Gründer.

Aktuell macht er Werbung über seine Internetpräsenz personaltraining-50plus.de. Beim Aufbau der Seite unterstützte ihn sein Sohn, der Werbekaufmann ist und sein Fachwissen einbringen konnte. „Wichtig war im Google Ranking aufzutauchen, aber auch Anzeigen auf nachbarschaftshilfe.de und in Wochenblättern sind geplant. “Mit Flyern wirbt er dort, wo er seine Zielgruppe trifft: bei Ärzt_innen, in Senioreneinrichtungen, ebenso in Supermärkten. Auch kostenfreie Vorträge in Senioreneinrichtungen zu Themen wie „Gesund älter werden“ helfen beim Netzwerken. Besonders viele Kontakte seien bei einem über ein Jahr angelegten Firmenseminar zum Thema „Was mache ich, wenn ich in Rente gehe“ geknüpft worden, freut sich Michael.

Personal Training

Über die eigene Internetpräsenz personaltraining-50plus.de bewirbt Michael Matthies sein Personal Training. Ein gutes Google Ranking war ihm beim Aufbau der Seite besonders wichtig. Foto: WHY Nadja Hansen

„Zeigt, was Ihr geleistet habt und leisten könnt“

Sein Ziel ist es, von Harvestehude aus auch andere Stadtteile zu erschließen. Langfristig möchte er gar ein Netzwerk für ältere Menschen aufbauen. „Eine Art Facebook für Ältere, die einen Trainingspartner_in suchen oder etwas zusammen erleben möchten“. Als Franchise, glaubt er, könne man ein solches Netzwerk auch an andere Trainer_innen in anderen Städten weitergeben.

Sein wichtigster Rat für Gründer_innen: Sich einfach mal fragen, was man gut kann und das nutzbar machen. „Gerade von der Lebensleistung älterer Menschen können andere profitieren. Da möchte ich Mut machen. Traut euch, zeigt, was ihr geleistet habt und leisten könnt.“ Und, nicht weniger wichtig: „Sport und Bewegung verbinden einfach. Es geht auch darum, neue Kontakte zu knüpfen, niemand in meiner Generation muss alleine sein.“ Michael Matthies ist dafür wohl das beste Beispiel.

Artikel vom 14. Juli 2021

hei.gründerinnen: Interview mit Nicole Bachmann & Silke Eschrich-Steidle von der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative

Frauennetzwerk

FRAUENPOWER: die hei.Hamburger ExistenzgründungsInitivative hat ein eigenes Netzwerk – die hei.gründerinnen – für Frauen ins Leben gerufen. Als Plattform, damit Frauen die Möglichkeit haben, sich gezielt zu den Themen auszutauschen, die sie besonders bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit bewegen. Foto: Cowomen via Unsplash

Die hei.Hamburger ExistenzgründungsInitiative bietet im eigenen Veranstaltungsangebot ein neues Netzwerk an – die hei.gründerinnen. Ein – derzeit noch digitaler – Ort, an dem Gründerinnen die Möglichkeit haben, sich schon während ihrer Vorbereitung oder in der Anfangsphase ihrer Gründung gezielt miteinander zu vernetzen. Nicole Bachmann und Silke Eschrich-Steidle sind Beraterinnen bei der hei. Auf die Nachfrage und den Wunsch vieler Gründerinnen aus ihren Beratungsgesprächen nach einem Netzwerk, das sich ausschließlich an Frauen richtet, haben die zwei direkt reagiert. Und die hei.gründerinnen ins Leben gerufen. Als Plattform, damit Frauen die Möglichkeit haben, sich gezielt zu den Themen auszutauschen, die sie besonders bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit bewegen.

Wir haben Nicole und Silke zu einem kurzen Interview getroffen.

Wenn man sagt „Frauen gründen anders“ – was heißt das konkret? Inwiefern unterscheiden sich Gründerinnen und Gründer aus eurer Sicht in ihrer Art, sich selbstständig zu machen?

Silke: Obwohl die generellen Fragestellungen zum Thema Gründen letztlich für die meisten Gründer_innen die gleichen sind, stellen wir bei den Gründerinnen eine andere Art der Herangehensweise fest. Sie sind oft vorsichtiger in ihren ersten unternehmerischen Entscheidungen wie bspw. der Preisfindung oder auch der Auslagerung von Aufgaben. Wollen alles möglichst zu 100% „richtig“ vorbereiten und umsetzen. Und  treten in der Kundenakquise oder Verhandlungen deutlich zurückhaltender auf als männliche Gründer. Zudem lassen sie sich vermehrt von außen verunsichern. Sei es von vermeintlichen Rückschlägen oder kritischen Bemerkungen anderer. Zusammengefasst kann man vielleicht sagen, dass sie sich insgesamt immer noch mehr zurücknehmen.

Nicole: Die meisten Gründerinnen schrecken vor Krediten zurück und versuchen, ihre Gründung dann eher im Nebenerwerb auf die Beine zu stellen. Oder, wenn sie aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen, mit Hilfe des Gründungszuschusses der Agentur für Arbeit.

Was genau bietet mir das Netzwerk?

Silke: Die hei.gründerinnen sollen Gründerinnen und gründungsinteressierten Frauen die Möglichkeit bieten, sich untereinander mit ihrem Know-how und ihren Fähigkeiten zu vernetzen. Und sich auf diese Weise gegenseitig zu unterstützen. Der Austausch, das geballte Wissen, aber auch die Erkenntnis, nicht allein mit verschiedenen Fragestellungen und Entscheidungen konfrontiert zu sein, hilft dabei, den Weg in die eigene Gründung ein Stück weit gelassener zu gehen. Wir als hei. unterstützen die Teilnehmerinnen dabei natürlich auch mit unserem Gründungswissen. Und sorgen für den organisatorischen Rahmen.

Einmal im Monat treffen wir uns für zwei Stunden – aktuell noch in einem virtuellen Rahmen – mit den hei.gründerinnen. Zunächst tauschen wir uns alle gemeinsam aus. Dann geht es in Kleingruppen mit maximal zehn Teilnehmerinnen, in denen Raum und Zeit für intensiveren Austausch ist. Zum Ende werden dann in der großen Gruppe noch einmal Tipps und Insights ausgetauscht. Neben diesen Treffen ermuntern wir unsere hei.gründerinnen natürlich auch, sich privat weiter miteinander zu vernetzen. Und stellen mit großer Freude fest, dass das auch fleißig getan wird und sich dadurch schon tolle Kontakte gefunden haben. So soll es sein!

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, das Netzwerk ins Leben zu rufen?

Nicole: Frauen sind oft an uns herangetreten mit der Frage, ob wir auch ein Netzwerk für Frauen anbieten. Natürlich gibt es auch einige andere Frauennetzwerke, die sehr gut sind. Aber wir wollten bewusst den Frauen, die sich in den ersten Schritten ihrer Gründung befinden, die Möglichkeit geben, sich in kleinen Gruppen gegenseitig zu unterstützen.

Silke: Genau. Und die Corona-Pandemie hat einmal mehr gezeigt, wie notwendig Austausch, Unterstützung und Netzwerken mit anderen Gründer_innen ist. Viele Präsenzformate sind weggefallen, die meisten Gründer_innen haben plötzlich allein vor ihrer Gründungsidee gesessen. Vor allem Frauen haben den fehlenden Austausch als erschwerend für ihren Start in eine mögliche Selbstständigkeit empfunden. Zudem ähnelten sich die Fragestellungen der Frauen immer mehr. Für uns wurde es schnell offensichtlich, dass wir hier möglichst zügig eine Möglichkeit schaffen möchten, die den potenziellen Gründerinnen eine gemeinsame, unkomplizierte Austauschplattform bietet. So sind die hei.gründerinnen mitten in der Pandemie entstanden. Und die regelmäßigen Treffen erfreuen sich einer großen Beliebtheit!

Und aus eurem eigenen Beratungsschatz: Welchen Rat gebt ihr besonders Frauen häufig mit auf den Weg in die Selbstständigkeit?

Nicole Bachmann und Silke Eschrich-Steidle von der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative beraten und begleiten Hamburger Existenzgründer_innen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit

Nicole: Nutzt die Kontakte, die ihr sammeln könnt! Andere Gründer_innen sind nicht immer Konkurrent_innen, nur weil sie vielleicht in der gleichen Branche gründen. Empfehlungsmarketing ist das halbe Leben. Und analysiert die Zielgruppe möglichst genau. Vor allem: Legt irgendwann auch los und lasst euch nicht durch innere Widerstände daran hindern.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Nicole und Silke.

 

Wenn euer Interesse geweckt wurde bei den hei.gründerinnen selbst dabei zu sein, dann nutzt am besten unser Kontaktformular oder ruft uns an. Wir freuen uns auf den Austausch mit euch!

 

Artikel vom 08. Juli 2021

Podcast „Gründung in Sicht“: Interview mit Gründungsberaterin Brit Tiedemann zum Umgang mit inneren Widerständen

Wie löse ich innere Widerstände, um mit voller Überzeugung den Weg der Existenzgründung zu wagen?

Podcast Gründung in Sicht

Manchmal blockieren innere Widerstände den Weg in die Selbstständigkeit. Brit Tiedemann erzählt im Interview wie man diese aber auch als positive Warnsignale sehen kann. Foto: hello i`m nik via unsplash

In dieser Folge spricht Gründungsberaterin & Coach Brit Tiedemann über den Umgang mit inneren Widerständen im Laufe der Existenzgründung. Wie findet man als Gründer_in überhaupt heraus, ob es etwas gibt, das einen blockiert oder zurückhält? Und woher weiß man, was es genau ist? Wie kann man lernen, innere Widerstände zu überwinden? Und welche Methoden gibt es hierfür? Brit Tiedemann erklärt auch, warum innere Widerstände als Warnsignale auch positiv gesehen werden können. Und warum die Auseinandersetzung mit den eigenen Widerständen den Gründzungsprozess bereichert.

Wenn ihr mehr über Brit Tiedemann, ihr Angebot und ihre Beratung erfahren wollt, dann schaut doch auch auf ihrer Website vorbei. Und wenn ihr Interesse habt, ein Interview mit Brit Tiedemann zu lesen, dann findet ihr in diesem Blogbeitrag hilfreiche Tipps von ihr zum Start in die Selbstständigkeit.

Podcast Gründung in Sicht

Brit Tiedemann ist Unternehmenscoach und Gründungsberaterin seit über 18 Jahren. Foto: Brit Tiedemann

Podcast „Gründung in Sicht“

In unserem Podcast geben regelmäßig bereits erfolgreiche Hamburger Gründer_innen Einblicke in ihren Unternehmensalltag. Sie berichten ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen und ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Glücksmomenten. Denn wir wollen wissen: Wie fühlt es sich an, selbstständig zu sein, komplett eigenverantwortlich, aber selbstbestimmt? Wie sind die Gründer_innen durch gestartet, welche Unterstützung und Angebote bietet das Hamburger Gründungsnetzwerk? Außerdem kommen in manchen Folgen Expert_innen zu Wort, um wichtige Infos und Tipps rund um alle Themen der Gründung zu geben. So wie in dieser Folge Brit Tiedemann uns Rede und Antwort gestanden hat.

DANKE an Brit Tiedemann für dieses spannende Interview und den richtigen Motivationsschub, sich von den eigenen Gründungsplänen durch innere Blockaden nicht abbringen zu lassen. Sondern diese zu lösen und dran zu bleiben an den eigentlichen Plänen.

Wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden spannenden Gespräche mit Gründer_innen und Expert_innen rund um alle wichtigen Themen der Existenzgründung! Stay tuned 🙂

Artikel vom 27. Mai 2021

Gründerstory: In lässiger Atmosphäre Keramik bemalen

Malbucht

Zusammen mit seiner Frau Kerstin betreibt Det Martens seit Ende 2017 einen eigenen Laden, in dem man Keramik selbst bemalen kann – die Malbucht in Hamburg-Hamm. Foto: Lucas Martens

Für Det Martens war es genau der richtige Zeitpunkt: Nach 30 Jahren in der IT konnte er mit einer Abfindung aus seiner alten Firma aussteigen. Die Idee, einen eigenen Laden zu eröffnen, in dem Keramik bemalt wird, hatte er schon länger. Und durch die Abfindung war auch die Finanzierung gesichert. Seit September 2017 betreibt der Hamburger in HH-Hamm “Die Malbucht – Keramik selbst bemalen“, mittlerweile ist auch seine Frau Kerstin eingestiegen. Doch kreativ sein muss der Gründer jetzt in vielerlei Hinsicht, denn die Corona-Pandemie setzt auch seinem Geschäftsmodell zu.

Am Anfang stand die Lust, etwas zu machen, das sie vorher noch nicht gemacht hatten, erklärt Det. „Nach dem Motto: Du weißt erst, ob es funktioniert, wenn du es ausprobiert hast. Das Keramikmalen anders zu machen als andere, das trieb mich an.“ „Anders“ hieß: Dem Gewerbe das typisch Weibliche zu nehmen. „Dass ein Kerl hinter dem Tresen steht und wir rustikal mit Paletten eingerichtet sind, ist schon ein Unterschied“, grinst Det. „Wir nehmen den Männern die Schwellenangst und ermutigen auch die, die nicht aus kreativen Berufen kommen, den Pinsel zu schwingen.“

Offenbar gelingt ihm das. Ob Junggessell_innen-Abschied oder Kindergeburtstag, Team-Event oder Malstunde mit Freund_innen – in der Malbucht gibt es jede Menge Raum zum Ausprobieren. „Viele sind erstmal skeptisch und sagen, sie hätten zuletzt in der Schule gemalt. Aber wenn wir sehen, wie glücklich sie am Ende sind und sich freuen, dass sie eine neue Seite an sich kennengelernt haben, ist das total erfüllend“, findet Kerstin, die die ersten gemeinsamen Malerfahrungen mit ihrem Mann während einer Reha gemacht hat. Dass sie ausgerechnet kurz vor dem ersten Corona-Lockdown ihren Job in einer Kita aufgab, um Vollzeit bei ihrem Mann einzusteigen, macht die aktuelle Situation allerdings zu einer echten Bewährungsprobe.

Gründerstory

Ob Junggesell_innen-Abschied oder Kindergeburtstag, Team-Event oder Malstunde mit Freund_innen – in der Malbucht gibt es jede Menge Raum zum Ausprobieren. Det war von Anfang an besonders wichtig, alle und jeden anzusprechen – das Keramikmalen anders zu machen als andere und dem Gewerbe das „typisch Weibliche“ zu nehmen. Foto: Lucas Martens

„Die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative legt den Finger in die Wunde“

„Wäre Corona nicht gewesen, hätten wir unseren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr sicher noch gesteigert“, glaubt Det. Allein die zentrale Lage des Ladens an einer großen Kreuzung in Hamm-Mitte brachte von Anfang an jede Menge Laufkundschaft und Kunden aus dem Quartier. Doch ohne eine gründliche Beratung im Vorfeld, da ist sich der Jungunternehmer sicher, hätte das solide Wirtschaften kaum geklappt. „Bei der hei. wird man mit offenen Armen aufgenommen, man kümmert sich. Und die legen den Finger in die Wunde, wenn sie sehen, dass etwas noch nicht ausgereift ist – das war vor der Gründung extrem wichtig“, sagt Det.

Auch für das „Monstrum Businessplan“ und die Beantragung des Gründerzuschusses stand ihm eine Beraterin von der hei. zur Seite. „Ich rate jedem, seinen Businessplan zu nutzen. Mir half das, alles zu strukturieren, von der Markt- über die Wettbewerbsanalyse bis hin zu den erwarteten Zahlen. Daraus habe ich die Sicherheit gewonnen, dass es funktioniert“, sagt der Gründer. Viel Unsicherheit steckte vor allem in den unbekannten Faktoren: Wie groß muss das Studio sein, damit es den Lebensunterhalt trägt? Wie viele Sitzplätze braucht man? Welchen Brennofen? Wie hoch sind die Energiekosten? Wieviel Geld lässt der Durchschnittskunde im Laden? „Dieses Wissen früh an die Hand zu bekommen, ist super wichtig“, sagt er, „aber weil man das nicht googeln kann, habe ich vor der Gründung ein mehrtägiges Seminar für angehende Studiobesitzer besucht.“ Mit dem hei.scheckheft erarbeitete er sich zusätzliches Wissen in den Bereichen „Finanzplan“, „Businessplan“ und „Papierloses Büro”.

Kreativ durch den Lockdown

Rücklagen helfen dem Paar momentan, durch die Lockdown-Zeit zu kommen. Kerstin und eine weitere Mitarbeiterin, die in Teilzeit angestellt wurde, um das Paar in Stoßzeiten zu entlasten, sind in Kurzarbeit. Aber die unternehmerische Kreativität ist ungebrochen. Mit einer To go-Tüte, Click & Collect und dem Aufbau eines Online-Shops entwickeln sie ihr Geschäftsmodell weiter.

„Bestimmt führen wir das ein oder andere auch nach der Pandemie fort“, so Det. Bei Google ist die Website der Malbucht, die ein Grafikbüro entwickelt hat, unter den Top 3 im Bereich Keramikmalen in Hamburg gelistet. „Das ist meine Werbung nach außen, deshalb lohnt es sich, dafür Geld in die Hand zu nehmen“, findet er. Die Pflege der Seite übernimmt der Gründer allerdings inzwischen selbst, so bleibt er flexibel und spart weitere Kosten. Kontakt zur Kundschaft hält er über Instagram. Und das Telefon ist mittlerweile nach Hause umgeleitet, so dass Interessent_innen sie jederzeit erreichen. Dass sie nach wie vor hinter ihrem Laden stehen, ist für das Paar keine Frage.

Gründerstory

In Corona-Zeiten ist unternehmerische Kreativität besonders gefragt: Mit einer To go-Tüte, dem „Malbüdel“, Click & Collect und dem Aufbau eines Online-Shops entwickeln Det und Kerstin ihr Geschäftsmodell weiter. Foto: WHY / Nadja Hansen

Auch in Krisenzeiten dran bleiben

„Uns kommt zugute, dass wir für unsere Sache brennen und das Feuer haben, das durchzuziehen“, sagt Det. „Und dass wir keine Höhenflüge machen, uns erden und der Zukunft ins Gesicht gucken.“ Dass man sich als Paar so gut versteht, dass man es 24 Stunden 7 Tage die Woche miteinander aushält und die ganze Familie dahinter steht, war für beide die Voraussetzung. „Unsere Kinder sind schon 25 und 22, das gibt uns Freiraum – neben der Tatsache, dass wir das Startkapital zur Verfügung hatten“, ergänzt Kerstin. Gibt es ein Rezept für eine gute Zusammenarbeit? Kerstin lacht: „Es ist wichtig, dass es mit Det einen Chef gibt. Aber wir entscheiden trotzdem alles zusammen, so dass wir zu 100 Prozent dahinter stehen. Das war von vornherein klar.“

Artikel vom 08. April 2021

Podcast „Gründung in Sicht“: Interview mit Judith Glatzer von Milk Made Ice Cream

Sollte man als Gründer_in mit Freunden zusammen arbeiten oder besser strikt Privates und Berufliches trennen?

Diese Fragen hat sich auch Judith Glatzer während ihrer Gründung gestellt und arbeitet mittlerweile mit einigen Freunden in ihrem Team täglich und eng zusammen. Und es funktioniert!

In dieser Folge von unserem Podcast „Gründung in Sicht“ berichtet Judith von Milk Made Ice Cream über ihre Selbstständigkeit. Neben einer eigenen Eismanufaktur und einem Eis-Catering betreibt sie seit März 2020 auch ihren eigenen Eisladen in der Eppendorfer Landstraße in Hamburg. Neu hinzugekommen ist gerade kürzlich ein zweiter Ice Cream Shop im Stadtteil Ottensen.

Die studierte Sozialpädagogin erzählt uns, wie es zu ihrer beruflichen Wendung hin zum Eis kam. Wie es ist, mit Freunden zu arbeiten. Wie es sich anfühlt, wenn die Geschäftspartnerin aussteigt und man allein weitermacht und an der Idee festhält. Und welche Herausforderungen, aber auch welche ganz besonderen Glücksmomente eine eigene Gründung mit sich bringt.

Alle weiteren Informationen zu Judiths Gründung findet ihr unter milkmadeicecream.de
Und wenn ihr Interesse habt, ein Interview mit Judith zu lesen und zu erfahren, wie sie durch die Corona-Krise kommt, findet ihr hier einen Blogbeitrag mit ihr.

Milk Made Ice Cream

Claudia-Marie Dittrich, Julia Penkert und Judith Glatzer (v.l.n.r.) nach dem Podcast-Interview bei der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Alle hatten sichtlich Spaß! Foto: Privat

Podcast „Gründung in Sicht“

In unserem Podcast geben regelmäßig bereits erfolgreiche Hamburger Gründer_innen Einblicke in ihren Unternehmensalltag. Sie berichten ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen und ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Glücksmomenten. Denn wir wollen wissen: Wie fühlt es sich an, selbstständig zu sein, komplett eigenverantwortlich, aber selbstbestimmt? Wie sind die Gründer_innen durch gestartet, welche Unterstützung und Angebote bietet das Hamburger Gründungsnetzwerk? Außerdem kommen in manchen Folgen Experten zu Wort, um wichtige Infos und Tipps rund um alle Themen der Gründung zu geben.

DANKE an Judith für dieses spannende Interview! Und allen Leser_innen, die sich bald in Judiths Läden auf ein Eis blicken lassen – lasst es euch schmecken 🙂

Wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden spannenden Gespräche mit Gründer_innen und Expert_innen in diesem Jahr! Zu unserem Hamburger Gründertag digital, der vom 3. bis 7. Mai 2021 stattfinden wird, erwarten euch ebenfalls brandneue Folgen!

Artikel vom 26. März 2021

Gründerstory: Edle Bohnen und eine große Portion Mindfulness

Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas

Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas ist Gründer von “Leo´s Mindful Beans”. Deutschlands erstem klimaneutral hergestellten und plastikfrei verpackten Kaffee. Foto: Nadja Hansen WHY

Kaffee und Achtsamkeit? Das gehört einfach zusammen, findet Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas. Mit “Leo´s Mindful Beans” möchte der studierte Geologe aus Salvador de Bahia nicht nur den besten Bio-Kaffee der Welt anbieten. Er will auch zu einem bewussteren Kaffeegenuss inspirieren. Und mit dem ersten klimaneutral hergestellten und plastikfrei verpackten Kaffee Deutschlands eine Marke aufbauen, die für soziale und ökologische Verantwortung steht.

Sein Anspruch ist hoch. Dennoch gelingt es Leonardo, Ehrgeiz und Tiefenentspannung irgendwie zusammenzubringen. Als der Sohn eines Brasilianers und einer Deutschen 2017 mit Frau und zwei Kindern nach Hamburg zog, war das eine harte Entscheidung. Doch mit Meditation lernte er, wieder Klarheit und einen Fokus für sein Leben zu gewinnen – die er jetzt auch für sein Unternehmertum nutzt. “`Leo’s Mindful Beans` bringt mein Wissen und meine Lebenserfahrung in einem Projekt zusammen“, sagt er.

Dabei schien zunächst nichts auf eine Karriere im Kaffeemarkt hinzudeuten. Nach dem Geologie-Studium in Bahia hatte er für NGOs im Umweltbereich gearbeitet. 2007 setzte er in Bonn noch seinen Master in Landwirtschaft- und Naturresourcenmanagement drauf und arbeitete in Brasilien im Bereich nachhaltige Entwicklung. „Da wurde viel geplant, aber wenig umgesetzt. Das war enttäuschend, weil ich mit meinem Wissen etwas Konkretes bewirken wollte“, so Leonardo. Seine Liebe zum Kaffee hatte er zu dieser Zeit gerade entdeckt – in Bonn. „Meinen ersten guten Kaffee trank ich tatsächlich in Deutschland. In Brasilien schmeckte er bitter und verbrannt, die besten Qualitäten werden ja exportiert.“

Kaffeeanbau

In seinem Heimatland Brasilien hat Leonardo 2009 selbst Bio-Kaffee angebaut. Bis die größte Dürre des Jahrhunderts kam und Leonardo dazu veranlasste nach Hamburg umzusiedeln. Foto: Privat / Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas

Erste Erfolge in Brasilien – mit Verkostungen

2009 überzeugte er seinen Vater, auf einem Stück Land in der Region Chapada Diamantina, das der Familie gehörte, Bio-Kaffee anzubauen. Bis nach drei Jahren die erste Ernte anstand, kaufte er die Bohnen bei anderen Farmern. Wurde Röster. Erhielt den Q-Grader, das internationale Zertifikat für Verkoster_innen und machte sich in der Branche einen Namen. Und er beriet die Bauern, wie sie die Qualität ihrer Ernten verbessern konnten. Als seine ersten eigenen Bohnen erntereif waren, galt Leonardo bei den Spitzenköchen und Feinschmeckern des Landes bereits als Geheimtipp. Doch die schlimmste Dürre des Jahrhunderts, gefolgt von einer Familienkrise, machte dem Jungunternehmer zu schaffen. Schweren Herzens siedelte er nach Hamburg über und nahm eine Stelle bei einem Kaffeehändler an.

Doch im März letzten Jahres kam wieder die Gründerlust durch. Die Geschäftsidee: Ein exklusiver, aber fairer Kaffeehandel. Bei dem die brasilianischen Landwirte, mit denen er dank guter Kontakte direkt verhandelt, dreimal mehr verdienen, weil unter anderem die Zwischenhändler wegfallen. Der frisch geröstete Kaffee wird in kleinen Mengen in einer 100% plastikfreien Papierverpackung verkauft und kommt dann – wie bei Oma – in die wiederverwendbare Dose. Und für jedes verkaufte Kilo Röstkaffee wird ein Baum gepflanzt. Klimaneutraler Less Waste-Kaffee vom Feinsten also.

Über die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative zum Crowdfunding

Aber wie etabliert man sich im deutschen Markt? Beim ersten Googeln stieß Leonardo auf die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Besorgte sich das hei.scheckheft und besuchte Seminare zu Buchführung, Steuer, PR und Videoproduktion mit dem Smartphone. Über die hei. kam auch der Kontakt zu Unternehmensberaterin Brit Tiedemann zustande. Sie riet zum Crowdfunding. „Das war für mich der Sprung in die Öffentlichkeit. Ich fing ja bei Null an und hatte keinerlei Startkapital. Ohne ihren Rat hätte ich das nicht geschafft“, sagt der Gründer. Für den Start der Kampagne und das notwendige Marketing erhielt er außerdem 5.000 Euro von der Hamburger Kreativgesellschaft. Und der Gründungszuschuss, den er seit August 2020 bekam, hielt ihm erstmal den Rücken frei.

Gründerstory

Der frisch geröstete Kaffee von „Leo`s Mindful Beans“ wird in kleinen Mengen in einer 100% plastikfreien Papierverpackung verkauft. Foto: Nadja Hansen WHY

Die gezielt umgesetzten Tipps zahlten sich aus. 15.000 Euro kamen durch das Crowdfunding zusammen. „Einen Teil investiere ich in Design und Kommunikation, in Aktionen zum Launch des Shops, bei dem mich eine Agentur unterstützt, und natürlich in den Rohkaffee. Aber das Geld ist schnell weg“, sagt Leonardo. Den Online-Shop stellt er deshalb mit „Shopify“ selbst auf die Beine. Vertrieb und Kommunikationskanäle müssen aufgebaut werden – aber mit Mindfulness. „Wichtig ist mir Klarheit, was ich anbiete. Wie die Verpackung aussehen soll. Wie wir die Bäume pflanzen. Mein Ziel ist es, erst die Marke aufzubauen. Und wenn die Nachfrage da ist, kann ich weiter wachsen und Mitarbeiter_innen einstellen.“

„Suche ein Ziel, das auch für andere sinnvoll ist“

„Unternehmertum hat mit dem inneren Mindset zu tun“, sagt der begeisterte Yogi, der genau weiß, wie sich mutlose Phasen anfühlen. Aber auch, wie man sich aus ihnen befreit. „Glaube an dich selbst. Suche ein Ziel, das auch für andere Menschen sinnvoll ist und verfolge deinen Traum“, rät er anderen Gründer_innen. „Ich kann die Welt nicht komplett ändern, aber mein Produkt kann etwas dazu beitragen, dass die Welt besser wird. Ich kann dann sagen, ich habe etwas Vernünftiges in meinem Leben gemacht. Das motiviert mich.“

Artikel vom 10. März 2021

Podcast „Gründung in Sicht“: Interview mit Heike Baltruweit von Pure Photography

Vor welchen besonderen Herausforderungen stehen Gründer_innen, wenn sie sich mit ihrer eigenen Kunst selbstständig machen?

In dieser Folge sprechen wir mit der Künstlerin und Galeristin Heike Baltruweit von „Pure Photography“. Nach Jahren in der Festanstellung wollte Heike Baltruweit eigentlich selbstständig als Business-Coach durchstarten – entschied sich dann aber kurzerhand doch für die Eröffnung einer eigenen Galerie. Hier stellt sie nicht nur ihre eigenen Fotografien und Kunstwerke aus, sondern experimentiert auch mit Augmented Reality und bietet diverse andere Formate zur Entdeckung von Kunst an. Warum ihr das Verkaufen ihrer eigenen Bilder oft noch schwerfällt, welche Herausforderungen sie in der Existenzgründung generell sieht und was sie trotzdem täglich motiviert, immer weiterzumachen, erzählt sie uns im Podcast.

hei.Podcast

Heike Baltruweit ist die Künstlerin und Galeristin von „Pure Photography“. Foto: Pure Photography

Wenn ihr die Kunst von Heike Baltruweit entdecken wollt, dann bekommt ihr einen ersten Eindruck auf der Website ihrer Galerie.Und wenn ihr noch etwas mehr über Heike erfahren und über sie etwas lesen möcht – dann findet ihr hier ein Interview, das wir mit der Künsterlin und Galeristin für unseren hei.blog geführt haben.

Podcast „Gründung in Sicht“

In unserem Podcast geben regelmäßig bereits erfolgreiche Hamburger Gründer_innen Einblicke in ihren Unternehmensalltag. Sie berichten ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen und ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Glücksmomenten. Denn wir wollen wissen: Wie fühlt es sich an, selbstständig zu sein, komplett eigenverantwortlich, aber selbstbestimmt? Wie sind die Gründer_innen durch gestartet, welche Unterstützung und Angebote bietet das Hamburger Gründungsnetzwerk? Außerdem kommen in manchen Folgen Experten zu Wort, um wichtige Infos und Tipps rund um alle Themen der Gründung zu geben.

Podcast-Produktion

Heike Baltruweit von „Pure Photography“ beim Podcast-Interview mit der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Für einen besseren Sound wurde der Raum mit Yogamatten getunt 😉 Foto: Privat

DANKE an Heike für dieses spannende Interview und ihre Einblicke in die Welt der Künste.

Wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden spannenden Gespräche mit Gründer_innen und Expert_innen in diesem Jahr! Zu unserem Hamburger Gründertag digital, der vom 3. bis 7. Mai 2021 stattfinden wird, erwarten euch ebenfalls brandneue Folgen!

Artikel vom 23. Februar 2021

Gründerstory: Umstandsmode zum Mieten

Mutterkleid

Jantje Warnken und Kathrin Ingelmann von Mutterkleid vermieten Umstandsmode für den besonderen Anlass – in hoher Qualität, aber zu fairen Preisen. Foto: melaniehammerphotography

Jantje Warnken und Kathrin Ingelmann sind nicht nur seit 25 Jahren befreundet, die PR-Beraterinnen wurden auch zeitgleich schwanger. Und fragten sich beide, wie sie ihrem Stil treu bleiben konnten, ohne ein Vermögen für Kleider auszugeben, die maximal vier Wochen passten. Die Lösung: Mutterkleid. Ein Online-Shop, der Umstandsmode für den besonderen Anlass vermietet – in hoher Qualität, aber zu fairen Preisen.

Ihr beide habt ja offenbar ein ziemlich gutes Timing, was eure Lebensplanung angeht. Trotzdem ist es ungewöhnlich, in der Elternzeit zu gründen. Wie kam es dazu?

Kathrin: Die Grundidee für Mutterkleid entstand, als wir beide – ich mit meinem ersten, Jantje mit ihrem zweiten Kind schwanger – auf drei Hochzeiten im gleichen Freundeskreis eingeladen waren. Trotz Babybauch wollten wir gut angezogen sein und nicht immer das Gleiche tragen. Aber wir merkten, dass uns 1. die Auswahl fehlte und dass es 2. sehr teuer und nicht nachhaltig ist, für Abendmode, die einen so kurzen Lebenszyklus hat, viel Geld auszugeben. So eine Art von Umstandsmode müsste man doch auch mieten können, dachten wir. Haben aber nichts Passendes gefunden. Deshalb haben wir kurzerhand entschieden: Dann machen wir das selbst!

Wie sahen die ersten Schritte aus?

Jantje: Von der Idee bis zur Gründung der GbR am 1. August 2020 verging immerhin ein Jahr. Am 25. November ging Mutterkleid.de dann live. Klar, es gab viel Vorarbeit. Das Miet-Modell kannten wir zwar von hochwertiger Kinderkleidung, aber einer der ersten Schritte war eine klassische Marktrecherche, um den Bedarf abzulesen. Bis Konzept und Businessplan standen, haben wir viel recherchiert, den Austausch mit anderen Gründern gesucht. So sind wir auch auf die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative aufmerksam geworden.

Wie konnte euch die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative unterstützen?

Jantje: Das hei. Beratungsgespräch zum Auftakt war super hilfreich, weil uns mit dem hei.ideenplan ein Schema aufgezeigt wurde, eine Art großes Brainstorming-Board, mit dem wir unsere Ideen strukturieren und das Konzept professionalisieren konnten. Außerdem erhielten wir das hei.scheckheft und besuchten jede Menge Seminare. Zum Thema Recht, was im E-Commerce wirklich wichtig ist, um nicht gleich an einer Abmahnung zu scheitern. „Keine Angst vor Zahlen“ und „Wie erstelle ich einen Finanzplan“ waren ebenfalls super. Und natürlich „Onlinehandel“ bei Stefan Knecht von Fleet [40], da haben wir wichtige Impulse bekommen. Eine andere Teilnehmerin riet uns zum Beispiel, erstmal die Labels zu kontaktieren, um zu schauen, wie unser Konzept bei potentiellen Partnern ankommt. Denn ohne die geht es ja nicht.

Online-Shop

Selbstständig und unabhängig. Jantje und Kathrin von Mutterkleid haben sich zum Start ihrer Gründung auch technisch fit gemacht – um ihren Online-Shop selbst zu erstellen und zu betreuen. Fotos: inlytics | LinkedIn Analytics Tool via Unsplash; melaniehammerphotography

Und? Wie war die Reaktion der Modemarken?

Kathrin: Wir haben drei Marken ausgewählt, die uns besonders gefielen. Die haben wir angesprochen und superpositives Feedback bekommen. Alle drei waren offen für die Vermietung. Wichtig war uns, dass die Qualität stimmt – umso höher ist auch der Lebenszyklus. Und natürlich ein außergewöhnlicher Stil, denn wir setzen nicht auf Basics, die man überall bekommt, sondern auf kuratierte Einzelstücke. Da muss man sich nicht erst durch 20 Seiten klicken. Wegen Corona haben wir unser Angebot etwas angepasst in Richtung hohe Qualität und Office-Mode, auf Events wie Hochzeiten kann man ja gerade nicht setzen.

Unabhängigkeit ist euch offenbar besonders wichtig – gilt das auch für Technik und Finanzen?

Kathrin: Absolut. Wir wollten den Shop selbst erstellen, einfach um uns mit dem Produkt in ganzer Tiefe auseinanderzusetzen und später nicht vom Support anderer abhängig zu sein. Als wir den Shop aufbauten, waren das viele Nachtschichten. Ein guter Freund, den wir aus Abi-Zeiten kennen, hat uns toll unterstützt. Wenn es jetzt Probleme gibt – wie den Fehler 404, der Albtraum aller Shopbetreiber – können wir das selbst lösen. Das spart Geld, Zeit und Nerven. Auch zu finanziellen Förderungen haben wir uns beraten lassen, aber gemerkt, dass wir lieber mit Eigenkapital gründen und auf organisches Wachstum setzen.

Versandverpackung

Dass Mutterkleid keine Basics verleiht, sondern kuratierte Einzelstücke mit außergewöhnlichem Stil, merkt man auch an der liebevoll gestalteten Verpackung, mit der die Umstandsmode verschickt wird. Foto: Mutterkleid

Wo steht ihr jetzt mit Mutterkleid – und wie geht es weiter?

Jantje: Seit Januar sind wir im klassischen Order-Zyklus, Bestellungen haben ja 6 bis 10 Monate Vorlauf. Wir haben jetzt 40 bis 50 Artikel im Shop, er wächst. Werbung läuft vor allem Mund-zu-Mund über die Mama-Community, aber natürlich planen wir auch Social Media Kooperationen, posten Stories auf Instagram, machen PR in Elternmagazinen. Und verteilen Flyer in Praxen und Familienbildungsstätten, wo wir unsere Zielgruppe gut erreichen. Dass wir in Hamburg in der gleichen Straße wohnen, macht vieles einfacher. Ein Riesenvorteil der Selbstständigkeit ist ja, dass man die Termine so legen kann, wie es passt. Und wenn eine ausfällt, ist die andere da. Mit kleinen Kindern ist das enorm wichtig.

Habt ihr Tipps für andere Gründer_innen?

Kathrin: Ideal ist natürlich, wenn man zu zweit gründet. Man braucht jemanden, der ein echter Sparringspartner ist und einen auch mal schubst, wenn man zu viel grübelt. Wir sind zwischendurch an unserem Perfektionismus fast verzweifelt. Irgendwann muss man einfach raus und live gehen mit seinem Angebot. Marktrecherche im Vorfeld ist zwar wichtig, aber für das Finetuning braucht man das Echo aus dem Markt und konstruktives Feedback, sonst schießt man am Ziel vorbei. Wir wachsen sozusagen mit unseren Kundinnen.

Facebook Twitter Newsletter abonnieren