Sie möchten ein kostenfreies Beratungsgespräch?
Bitte füllen Sie unser Kontaktformular aus!

Bei Fragen rufen Sie uns gern an: Tel 040 611 7000

Artikel vom 01. April 2021

Online-Marketing für Anfänger_innen: Interview mit Axel Hoops vom Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg

Kurzinterview

Online-Marketing geht auch mit kleinen Mitteln und Einsteiger-Know How. Und kann besonders für Gründer_innen ein effektives Mittel sein, um Aufmerksamkeit und Reichweite für Marke, Produkt oder eine Dienstleistung zu schaffen. Foto: Adam AY via Unsplash

Online-Marketing ist ein weites Feld mit vielen Schlagworten. Kein Wunder also, dass Gründer_innen schnell den Überblick verlieren, welche Tools für sie wirklich zielführend sind. Gerade wenn der Budgetrahmen klein ist. Richtig genutzt, kann Online-Marketing aber ein effektives Mittel sein, um Aufmerksamkeit und Reichweite für seine Marke, sein Produkt oder seine Dienstleistung zu schaffen. Auch ohne riesengroßes Investment und umfangreiches IT-Wissen.

Wir haben mit Axel Hoops ein Kurzinterview zum Thema „Online-Marketing“ geführt. Hoops ist Projektmanager des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums Hamburg. Ein Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), welches kleine und mittelständische Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützt. Nebenbei unterrichtet Herr Hoops als Dozent an der Nordakademie Hochschule der Wirtschaft und der ADG Business School die Module: E-Commerce, Zukunftsmanagement und Einkauf & Logistik im Handel.

Außerdem ist Axel Hoops als Referent mit einem Impulsvortrag zum Thema „Online-Marketing für Anfänger_innen“ beim diesjährigen Hamburger Gründertag digital dabei. Vorab verrät er uns schon im Interview, warum Online-Marketing gerade für Gründer_innen ein wichtiges Themengebiet ist. Und mit welchen Maßnahmen man am besten durchstartet.

Warum ist aus deiner Sicht gerade für Gründer_innen der Bereich des Online-Marketings ein sehr wichtiges Themenfeld?

Eine der wohl größten Herausforderungen für Gründer_innen ist die „Startphase“. Gerade die Themenwelt des Online-Marketings kann hierbei sehr hilfreich sein. Im Online-Marketing geht es einfach gesagt um die Sichtbarkeit im Netz. Also deine virtuelle „Visitenkarte“. Diese Sichtbarkeit im Netz ist für Gründer_innen essenziell, da du hierbei deine eigene Marke aufbauen kannst. Und durch gutes Marketing neue Kunden gewinnst. Aus diesem Grund solltest du dich vorher bereits damit beschäftigen und überlegen, über welche Kanäle und mit welchen Marketing-Kampagnen du deine Zielgruppe am besten erreichst.

Online-Marketing ist ja ein Schlagwort für ein breites Themenfeld ….wo setzt man da als Anfänger_in überhaupt am besten an und wie geht man weiter vor?

Online-Marketing ist in der Tat ein extrem breites Themenfeld. Als Anfänger_in sollte ich zunächst überlegen, wo meine potenziellen Kund_innen / Zielgruppe im Netz „zu finden“ ist. Sprich: Sind meine Kund_innen eher auf Social-Media-Kanälen wie z.B. Facebook und/oder Instagram unterwegs. Oder nutzen meine Kund_innen hauptsächlich Suchmaschinen wie Google oder Bing. Nach der Zielgruppenanalyse solltest du dort, wo deine potenziellen Kunden auffindbar sind,  z.B. eine eigene Unternehmensseite auf Facebook oder einen Google My Business-Eintrag mit allen relevanten Informationen (Adresse, E-Mail, Telefonnummer, Bewertungen etc.) platzieren.

Was sind die grundlegenden Basics, die jede(r) Gründer_in für sich entdecken sollte?

Als Gründer_in ist es besonders wichtig zu verstehen, wie die unterschiedlichen Online-Marketing Plattformen (Google, Facebook, Instagram usw.) funktionieren. Warum sind z.B. Unternehmen auf Google Seite 1 zu finden und andere nicht. Was ist der Unterschied zwischen den Begriffen SEO  (Search Engine Optimization) und SEA (Search Engine Advertising). Und wie kannst du dies für dein Unternehmen nutzen. Auch bei Social-Media Plattformen gilt es zunächst zu verstehen, wie diese funktionieren. Was muss ich als Gründer_in tun, damit ich dort mehr Reichweite erzielen kann. Und was machen erfolgreiche Unternehmen dort anders als weniger erfolgreiche.

Und muss man als Gründer_in direkt ein großes Budget für solche Maßnahmen einplanen oder kann man in diesem Bereich auch tatsächlich erstmal low budget durchstarten?

Hamburger Gründertag digital

Axel Hoops ist Projektmanager des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums Hamburg und unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen bei der digitalen Transformation. Foto: Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg

Gerade beim Online-Marketing gibt es diverse kostenlose Tools und „Low-Budget-Maßnahmen“, die gerade in der Startphase genutzt werden können. Vor allem im Bereich der Suchmaschinenoptimierung (SEO) lässt sich durch den Einsatz von eigener Zeit für die Erstellung von Texten und Inhalten (sogenannter „Content“) bereits sehr viel erreichen. Es empfiehlt sich ebenfalls, mit einem kleinen Budget für Online-Marketing Kampagnen zu starten, um erste Erfahrungen mit der Erstellung von Werbeanzeigen zu sammeln. Hierbei ist es vor allem wichtig, die Maßnahmen zu messen und zu analysieren. Ein Beispiel hierfür könnte die (steigende) Anzahl der Seitenbesucher sein. Oder ob die Seitenbesucher_innen eher mit dem Desktop oder Smartphone deine Homepage aufsuchen. Das Ziel sollte es am Ende sein, den Erfolg der Maßnahmen genau zu ermitteln, um die Kosten für die Marketing-Maßnahmen mit den jeweiligen Erlösen ins Verhältnis zu setzen.

Lieben Dank für das Interview! Wir freuen uns schon auf deinen Impulsvortrag beim Hamburger Gründertag digital, der vom 3. bis 7. Mai 2021 stattfinden wird.

Infos hierzu findet ihr unter: www.gruendertag.hamburg. Und falls ihr euch kostenfrei registrieren möchtet, könnt ihr das hier tun.

Artikel vom 26. März 2021

Gründerstory: Edle Bohnen und eine große Portion Mindfulness

Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas

Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas ist Gründer von “Leo´s Mindful Beans”. Deutschlands erstem klimaneutral hergestellten und plastikfrei verpackten Kaffee. Foto: Nadja Hansen WHY

Kaffee und Achtsamkeit? Das gehört einfach zusammen, findet Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas. Mit “Leo´s Mindful Beans” möchte der studierte Geologe aus Salvador de Bahia nicht nur den besten Bio-Kaffee der Welt anbieten. Er will auch zu einem bewussteren Kaffeegenuss inspirieren. Und mit dem ersten klimaneutral hergestellten und plastikfrei verpackten Kaffee Deutschlands eine Marke aufbauen, die für soziale und ökologische Verantwortung steht.

Sein Anspruch ist hoch. Dennoch gelingt es Leonardo, Ehrgeiz und Tiefenentspannung irgendwie zusammenzubringen. Als der Sohn eines Brasilianers und einer Deutschen 2017 mit Frau und zwei Kindern nach Hamburg zog, war das eine harte Entscheidung. Doch mit Meditation lernte er, wieder Klarheit und einen Fokus für sein Leben zu gewinnen – die er jetzt auch für sein Unternehmertum nutzt. “`Leo’s Mindful Beans` bringt mein Wissen und meine Lebenserfahrung in einem Projekt zusammen“, sagt er.

Dabei schien zunächst nichts auf eine Karriere im Kaffeemarkt hinzudeuten. Nach dem Geologie-Studium in Bahia hatte er für NGOs im Umweltbereich gearbeitet. 2007 setzte er in Bonn noch seinen Master in Landwirtschaft- und Naturresourcenmanagement drauf und arbeitete in Brasilien im Bereich nachhaltige Entwicklung. „Da wurde viel geplant, aber wenig umgesetzt. Das war enttäuschend, weil ich mit meinem Wissen etwas Konkretes bewirken wollte“, so Leonardo. Seine Liebe zum Kaffee hatte er zu dieser Zeit gerade entdeckt – in Bonn. „Meinen ersten guten Kaffee trank ich tatsächlich in Deutschland. In Brasilien schmeckte er bitter und verbrannt, die besten Qualitäten werden ja exportiert.“

Kaffeeanbau

In seinem Heimatland Brasilien hat Leonardo 2009 selbst Bio-Kaffee angebaut. Bis die größte Dürre des Jahrhunderts kam und Leonardo dazu veranlasste nach Hamburg umzusiedeln. Foto: Privat / Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas

Erste Erfolge in Brasilien – mit Verkostungen

2009 überzeugte er seinen Vater, auf einem Stück Land in der Region Chapada Diamantina, das der Familie gehörte, Bio-Kaffee anzubauen. Bis nach drei Jahren die erste Ernte anstand, kaufte er die Bohnen bei anderen Farmern. Wurde Röster. Erhielt den Q-Grader, das internationale Zertifikat für Verkoster_innen und machte sich in der Branche einen Namen. Und er beriet die Bauern, wie sie die Qualität ihrer Ernten verbessern konnten. Als seine ersten eigenen Bohnen erntereif waren, galt Leonardo bei den Spitzenköchen und Feinschmeckern des Landes bereits als Geheimtipp. Doch die schlimmste Dürre des Jahrhunderts, gefolgt von einer Familienkrise, machte dem Jungunternehmer zu schaffen. Schweren Herzens siedelte er nach Hamburg über und nahm eine Stelle bei einem Kaffeehändler an.

Doch im März letzten Jahres kam wieder die Gründerlust durch. Die Geschäftsidee: Ein exklusiver, aber fairer Kaffeehandel. Bei dem die brasilianischen Landwirte, mit denen er dank guter Kontakte direkt verhandelt, dreimal mehr verdienen, weil unter anderem die Zwischenhändler wegfallen. Der frisch geröstete Kaffee wird in kleinen Mengen in einer 100% plastikfreien Papierverpackung verkauft und kommt dann – wie bei Oma – in die wiederverwendbare Dose. Und für jedes verkaufte Kilo Röstkaffee wird ein Baum gepflanzt. Klimaneutraler Less Waste-Kaffee vom Feinsten also.

Über die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative zum Crowdfunding

Aber wie etabliert man sich im deutschen Markt? Beim ersten Googeln stieß Leonardo auf die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Besorgte sich das hei.scheckheft und besuchte Seminare zu Buchführung, Steuer, PR und Videoproduktion mit dem Smartphone. Über die hei. kam auch der Kontakt zu Unternehmensberaterin Brit Tiedemann zustande. Sie riet zum Crowdfunding. „Das war für mich der Sprung in die Öffentlichkeit. Ich fing ja bei Null an und hatte keinerlei Startkapital. Ohne ihren Rat hätte ich das nicht geschafft“, sagt der Gründer. Für den Start der Kampagne und das notwendige Marketing erhielt er außerdem 5.000 Euro von der Hamburger Kreativgesellschaft. Und der Gründungszuschuss, den er seit August 2020 bekam, hielt ihm erstmal den Rücken frei.

Gründerstory

Der frisch geröstete Kaffee von „Leo`s Mindful Beans“ wird in kleinen Mengen in einer 100% plastikfreien Papierverpackung verkauft. Foto: Nadja Hansen WHY

Die gezielt umgesetzten Tipps zahlten sich aus. 15.000 Euro kamen durch das Crowdfunding zusammen. „Einen Teil investiere ich in Design und Kommunikation, in Aktionen zum Launch des Shops, bei dem mich eine Agentur unterstützt, und natürlich in den Rohkaffee. Aber das Geld ist schnell weg“, sagt Leonardo. Den Online-Shop stellt er deshalb mit „Shopify“ selbst auf die Beine. Vertrieb und Kommunikationskanäle müssen aufgebaut werden – aber mit Mindfulness. „Wichtig ist mir Klarheit, was ich anbiete. Wie die Verpackung aussehen soll. Wie wir die Bäume pflanzen. Mein Ziel ist es, erst die Marke aufzubauen. Und wenn die Nachfrage da ist, kann ich weiter wachsen und Mitarbeiter_innen einstellen.“

„Suche ein Ziel, das auch für andere sinnvoll ist“

„Unternehmertum hat mit dem inneren Mindset zu tun“, sagt der begeisterte Yogi, der genau weiß, wie sich mutlose Phasen anfühlen. Aber auch, wie man sich aus ihnen befreit. „Glaube an dich selbst. Suche ein Ziel, das auch für andere Menschen sinnvoll ist und verfolge deinen Traum“, rät er anderen Gründer_innen. „Ich kann die Welt nicht komplett ändern, aber mein Produkt kann etwas dazu beitragen, dass die Welt besser wird. Ich kann dann sagen, ich habe etwas Vernünftiges in meinem Leben gemacht. Das motiviert mich.“

Artikel vom 19. März 2021

Gründen in der Gastronomie: Kurz-Interview mit Björn Grimm von Grimm Consulting

Existenzgründung

Aus dem Traum vom eigenen Restaurant Wirklichkeit werden lassen: Grimm Consulting berät Hotel- und Gastronomie-Betriebe aus dem Mittelstand und begleitet diese auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Foto: Artem Beliaikin via Unsplash

Einen eigenen gastronomischen Betrieb gründen – ein eigenes Restaurant oder Café eröffnen. Für viele Gründer_innen ein echter Lebenstraum. Der aber auch sehr viele Herausforderungen mit sich bringt – gerade in diesen für die Gastronomie so unsicheren Zeiten.

Wir haben Björn Grimm zu einem kurzen Interview getroffen. Grimm ist Inhaber von Grimm Consulting, einem Unternehmen, das auf die Beratung von Hotel- und Gastronomie-Betrieben aus dem Mittelstand spezialisiert ist und sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Zudem ist Björn Grimm als Referent und Experte bei unserem diesjährigen Hamburger Gründertag digital dabei und hält einen Impulsvortrag zum Thema „Gründen in der Gastronomie“. Vorab gibt er im Interview schon ein paar hilfreiche Tipps….

Lieber Björn, Was sind aus deiner Sicht die drei wichtigsten Voraussetzungen, die man mitbringen sollte, wenn man sich in der Gastronomie erfolgreich selbstständig machen möchte?

1. Du liebst Menschen – ganz gleich ob Gast, Mitarbeiterin oder Mitarbeiter!

2. Du liebst das Geld!

3. Du liebst dein Konzept – feile solange mit professioneller Unterstützung daran, bis es richtig funktioniert.

Und welche Fähigkeiten würdest du als die drei wichtigsten bezeichnen?

Zu allererst: sich in Menschen und deren Bedürfnisse empathisch rein denken zu können. Zudem würde ich sagen, dass es sehr wichtig ist, Beharrlichkeit in der inhaltlichen und monetären Zielverfolgung mitzubringen. Und man sollte spontan auf komplexe Situationen reagieren können, ohne gleich den Kopf zu verlieren.

Wie bewertest du die aktuelle Pandemiesituation in Bezug auf geplante Neugründungen im Bereich der Gastronomie? Sollten Gründer_innen sich trotzdem auch zu dieser Zeit trauen?

Wir sind allesamt auf der Ebene des Glaubens unterwegs – wie in der Kirche. Wirklich wissen tun wir alles erst in der Nachbetrachtung. Ich rate dazu, die Zeit für eine effektive Planung, eventuelle Weiterbildung und Konzeptphase zu nutzen. Wer plant, der gewinnt. Dann auf eine gute Chance warten und zum richtigen Zeitpunkt zugreifen!

Welchen Rat möchtest du Gründer_innen aus dem Gastronomiebereich mit auf den Weg geben, die kurz vor der Corona-Krise gegründet haben und ausgebremst wurden, bevor ihr Business erst so richtig durchstarten konnte?

Referent Hamburger Gründertag digital

Großer Erfahrungsschatz: Björn Grimm, Inhaber von Grimm Consulting ist bereits seit 20 Jahren auf die operative und betriebswirtschaftliche Beratung der Hotellerie und Gastronomie spezialisiert.

Verliert nicht den Glauben an eure Gründung und bleibt in Gedanken positiv! Achtet darauf, die eigene Liquidität zu planen und sicher zu stellen. Macht euch schlau, welche gesetzlichen und förderrechtlich nutzbaren Angebote euch zur Verfügung stehen, nehmt diese wahr und ganz wichtig: bleibt im Dialog mit euren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denn die haben auch Angst!

Lieben Dank für das Interview! Wir freuen uns schon auf deinen Impulsvortrag beim Hamburger Gründertag digital, der vom 3. bis 7. Mai 2021 stattfinden wird.

Infos hierzu findet ihr unter: www.gruendertag.hamburg. Und falls ihr euch kostenfrei registrieren möchtet, könnt ihr das hier tun.

Artikel vom 23. Februar 2021

Gründerstory: Umstandsmode zum Mieten

Mutterkleid

Jantje Warnken und Kathrin Ingelmann von Mutterkleid vermieten Umstandsmode für den besonderen Anlass – in hoher Qualität, aber zu fairen Preisen. Foto: melaniehammerphotography

Jantje Warnken und Kathrin Ingelmann sind nicht nur seit 25 Jahren befreundet, die PR-Beraterinnen wurden auch zeitgleich schwanger. Und fragten sich beide, wie sie ihrem Stil treu bleiben konnten, ohne ein Vermögen für Kleider auszugeben, die maximal vier Wochen passten. Die Lösung: Mutterkleid. Ein Online-Shop, der Umstandsmode für den besonderen Anlass vermietet – in hoher Qualität, aber zu fairen Preisen.

Ihr beide habt ja offenbar ein ziemlich gutes Timing, was eure Lebensplanung angeht. Trotzdem ist es ungewöhnlich, in der Elternzeit zu gründen. Wie kam es dazu?

Kathrin: Die Grundidee für Mutterkleid entstand, als wir beide – ich mit meinem ersten, Jantje mit ihrem zweiten Kind schwanger – auf drei Hochzeiten im gleichen Freundeskreis eingeladen waren. Trotz Babybauch wollten wir gut angezogen sein und nicht immer das Gleiche tragen. Aber wir merkten, dass uns 1. die Auswahl fehlte und dass es 2. sehr teuer und nicht nachhaltig ist, für Abendmode, die einen so kurzen Lebenszyklus hat, viel Geld auszugeben. So eine Art von Umstandsmode müsste man doch auch mieten können, dachten wir. Haben aber nichts Passendes gefunden. Deshalb haben wir kurzerhand entschieden: Dann machen wir das selbst!

Wie sahen die ersten Schritte aus?

Jantje: Von der Idee bis zur Gründung der GbR am 1. August 2020 verging immerhin ein Jahr. Am 25. November ging Mutterkleid.de dann live. Klar, es gab viel Vorarbeit. Das Miet-Modell kannten wir zwar von hochwertiger Kinderkleidung, aber einer der ersten Schritte war eine klassische Marktrecherche, um den Bedarf abzulesen. Bis Konzept und Businessplan standen, haben wir viel recherchiert, den Austausch mit anderen Gründern gesucht. So sind wir auch auf die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative aufmerksam geworden.

Wie konnte euch die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative unterstützen?

Jantje: Das hei. Beratungsgespräch zum Auftakt war super hilfreich, weil uns mit dem hei.ideenplan ein Schema aufgezeigt wurde, eine Art großes Brainstorming-Board, mit dem wir unsere Ideen strukturieren und das Konzept professionalisieren konnten. Außerdem erhielten wir das hei.scheckheft und besuchten jede Menge Seminare. Zum Thema Recht, was im E-Commerce wirklich wichtig ist, um nicht gleich an einer Abmahnung zu scheitern. „Keine Angst vor Zahlen“ und „Wie erstelle ich einen Finanzplan“ waren ebenfalls super. Und natürlich „Onlinehandel“ bei Stefan Knecht von Fleet [40], da haben wir wichtige Impulse bekommen. Eine andere Teilnehmerin riet uns zum Beispiel, erstmal die Labels zu kontaktieren, um zu schauen, wie unser Konzept bei potentiellen Partnern ankommt. Denn ohne die geht es ja nicht.

Online-Shop

Selbstständig und unabhängig. Jantje und Kathrin von Mutterkleid haben sich zum Start ihrer Gründung auch technisch fit gemacht – um ihren Online-Shop selbst zu erstellen und zu betreuen. Fotos: inlytics | LinkedIn Analytics Tool via Unsplash; melaniehammerphotography

Und? Wie war die Reaktion der Modemarken?

Kathrin: Wir haben drei Marken ausgewählt, die uns besonders gefielen. Die haben wir angesprochen und superpositives Feedback bekommen. Alle drei waren offen für die Vermietung. Wichtig war uns, dass die Qualität stimmt – umso höher ist auch der Lebenszyklus. Und natürlich ein außergewöhnlicher Stil, denn wir setzen nicht auf Basics, die man überall bekommt, sondern auf kuratierte Einzelstücke. Da muss man sich nicht erst durch 20 Seiten klicken. Wegen Corona haben wir unser Angebot etwas angepasst in Richtung hohe Qualität und Office-Mode, auf Events wie Hochzeiten kann man ja gerade nicht setzen.

Unabhängigkeit ist euch offenbar besonders wichtig – gilt das auch für Technik und Finanzen?

Kathrin: Absolut. Wir wollten den Shop selbst erstellen, einfach um uns mit dem Produkt in ganzer Tiefe auseinanderzusetzen und später nicht vom Support anderer abhängig zu sein. Als wir den Shop aufbauten, waren das viele Nachtschichten. Ein guter Freund, den wir aus Abi-Zeiten kennen, hat uns toll unterstützt. Wenn es jetzt Probleme gibt – wie den Fehler 404, der Albtraum aller Shopbetreiber – können wir das selbst lösen. Das spart Geld, Zeit und Nerven. Auch zu finanziellen Förderungen haben wir uns beraten lassen, aber gemerkt, dass wir lieber mit Eigenkapital gründen und auf organisches Wachstum setzen.

Versandverpackung

Dass Mutterkleid keine Basics verleiht, sondern kuratierte Einzelstücke mit außergewöhnlichem Stil, merkt man auch an der liebevoll gestalteten Verpackung, mit der die Umstandsmode verschickt wird. Foto: Mutterkleid

Wo steht ihr jetzt mit Mutterkleid – und wie geht es weiter?

Jantje: Seit Januar sind wir im klassischen Order-Zyklus, Bestellungen haben ja 6 bis 10 Monate Vorlauf. Wir haben jetzt 40 bis 50 Artikel im Shop, er wächst. Werbung läuft vor allem Mund-zu-Mund über die Mama-Community, aber natürlich planen wir auch Social Media Kooperationen, posten Stories auf Instagram, machen PR in Elternmagazinen. Und verteilen Flyer in Praxen und Familienbildungsstätten, wo wir unsere Zielgruppe gut erreichen. Dass wir in Hamburg in der gleichen Straße wohnen, macht vieles einfacher. Ein Riesenvorteil der Selbstständigkeit ist ja, dass man die Termine so legen kann, wie es passt. Und wenn eine ausfällt, ist die andere da. Mit kleinen Kindern ist das enorm wichtig.

Habt ihr Tipps für andere Gründer_innen?

Kathrin: Ideal ist natürlich, wenn man zu zweit gründet. Man braucht jemanden, der ein echter Sparringspartner ist und einen auch mal schubst, wenn man zu viel grübelt. Wir sind zwischendurch an unserem Perfektionismus fast verzweifelt. Irgendwann muss man einfach raus und live gehen mit seinem Angebot. Marktrecherche im Vorfeld ist zwar wichtig, aber für das Finetuning braucht man das Echo aus dem Markt und konstruktives Feedback, sonst schießt man am Ziel vorbei. Wir wachsen sozusagen mit unseren Kundinnen.

Artikel vom 14. Dezember 2020

Interview: „mit einer klaren Vision das eigene Personal Branding kreieren“

Interview Dr. Brunner

Authentisch und ehrlich eine bestimmte Vision für die eigene Gründung zu haben und zu leben, schafft Vertrauen bei Kund_innen und Konsument_innen. Foto: Brett Jordan via Unsplash

Als Gründer_in für seine eigene Idee und sein Produkt zu brennen und mit Leidenschaft davon zu erzählen, ist das Eine. Sich selbst aber mit seinen Fähigkeiten, seiner individuellen Persönlichkeit als „Marke“ zu verkaufen, eine ganz andere Herausforderung. Doch gerade im stark besetzten Markt der Coaches, Trainer_innen und Berater_innen kommt es darauf an, mit einer einzigartigen Personenmarke – dem eigenen „Personal Branding“ – aufzufallen. Und im Gedächtnis potenzieller Kund_innen zu bleiben. Neben Authentizität spielen dabei vor allem Faktoren wie Werte und Persönlichkeit eine große Rolle.

Dr. Christian Boris Brunner hat über 15 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Positionen in der Markenforschung, als Manager für Marketing und als Markenberater. Er beschäftigte sich mit den Themen Business Modelling, Persönlichkeitsentwicklung und Positiver Psychologie, bevor er vor einigen Jahren sein eigenes Unternehmen gründete. Im hei.scheckheft bietet er ab Januar 2021 u. a. ein Seminar zum Thema „Personal Branding“ an. Vorab gibt er schon einmal einen Einblick in das Thema.

Mit einer Idee rund um das Thema Coaching oder Beratung zu gründen, ist seit Jahren sehr beliebt. Für Außenstehende ist es deshalb häufig schwer, die Unterschiede in den Angeboten zu erkennen. Welche ersten Schritte sollte man also als Gründer_in selbst erstmal gehen, um sein „Personal Branding“ bzw. seine Einzigartigkeit mit Blick auf das eigene Angebot zu entdecken?

Oh ja, das stimmt absolut: Unterschiede deutlich herauszustellen und als einzigartig in der Fülle von nahezu austauschbaren Produkten oder Services wahrgenommen zu werden, ist eine wahre Herausforderung. Doch es kann gelingen. Viele Gründer_innen, mit denen ich über ihr Vorhaben spreche, denken sehr häufig direkt über ihr Produkt oder ihre Dienstleistung nach. „Ich möchte Coaching anbieten, um …“ höre ich da oft. Und dann möchten sie gleich mit Social Media Marketing anfangen. Weil aktuell fast alle davon sprechen, dass man sein eigenes Personal Branding damit aufbauen muss.

Ich empfehle in dieser Situation Gründer_innen gedanklich erstmal einen Schritt zurück zu gehen und stelle Ihnen folgende Frage: Warum gehst du zu Deiner Hausärztin? Kannst du beurteilen, ob ihre Leistung wirklich gut ist? Natürlich können wir das nicht. Aber wir gehen zu einer Ärztin, weil wir Vertrauen zu ihr haben. Und sicher sind, dass sie in unserem Sinne handelt. Und uns nichts verschreibt, weil sie vielleicht höhere Krankenkassen-Sätze damit abrechnen kann. Um das Produkt selbst geht es also nicht. Sondern um Vertrauen.

„Was ist deine Vision?“ Das ist das Zentrale, warum jede(r) Gründer_in überhaupt starten möchte. Und wenn Kunden wissen, dass du eine bestimmte Vision hast und auch lebst, dann baut das Vertrauen auf. Es wirkt ehrlich. Authentisch. Ich weiß, eine Vision ist oft zu Beginn einer Selbständigkeit nicht leicht zu benennen und ein längerer Prozess. Nichtsdestotrotz sehen wir, dass Gründer wie Walt Disney es geschafft haben, ihre Vision umzusetzen. Und viele andere Menschen und Mitarbeiter damit zu begeistern. So träumte Walt Disney von einem “place where the whole family could have fun and escape from the stresses of the real world”. Dabei ist die Vision niemals erreichbar. Sie gibt aber ganz klar eine Richtung vor. Gerade bei Coaches und Beratern ist die Persönlichkeit zentral. Wenn wir es schaffen, natürlich und authentisch nach außen zu sein, bauen wir Vertrauen auf. Unsere Mitmenschen spüren es, ob es Wirklichkeit ist oder aufgesetzt.

Deshalb empfehle ich in einem zweiten Schritt, die eigenen Werte herauszubilden. Das kann bspw. in Marken-Workshops geschehen. Zudem empfehle ich immer andere Menschen zu befragen, wie sie einen selbst wahrnehmen. Einerseits Freunde, die einen gut kennen. Andererseits flüchtige Bekannte. Frage sie konkret, welche Assoziationen sie mit mir als Person verbinden. Bei welchen Themen sie dich um Rat fragen würden. Und wo du wahrscheinlich die letzte Person wärst, die sie fragen. Hilfreich ist zudem in deiner Vergangenheit nach Mustern zu suchen. Die aufdecken, welche Themen sich bei dir im Leben wiederholen. Wofür du vielleicht gekämpft hast. Oder bei welchen Themen du dich für andere Personen besonders eingesetzt hast. Ich habe für meine Arbeit selbst diesen Prozess vollzogen und festgestellt, dass für mich die Werte „Leidenschaft“, „Freiheit“ und „Empathie“ immer sehr zentral sind.

Erst nachdem du die eigenen Werte für dein Personal Branding herausgestellt hast, solltest du dich mit deinem Angebot und der Kommunikation beschäftigen. Denn im Gegensatz zum Produktmarketing, bei dem ich ein Angebot nahezu genauso gestalten kann wie ich will, sind bspw. Berater oder Coaches eingeschränkter. Sie haben bestimmte Fähigkeiten und Skills sowie eine Persönlichkeit, die sie nicht groß ändern können. Deshalb sind die Fähigkeiten, Skills und persönlichen Werte die Basis und geben vor, wie ein Coach oder Berater_in auch später wahrgenommen wird. Ansonsten wirkt die aufgesetzte Kommunikation wie die Fassade eines schönen Hauses von außen. Das sobald man hineingeht jedoch noch im Rohbau ist oder ein komplett anderes Interior hat.

Die eigenen Werte stellen also die Leitplanken für das eigene Handeln und das zukünftige Angebot sowie das gesamte Marketing dar. Wenn ich bspw. Freiheit als Wert meiner eigenen Arbeit habe, dann sollten auch meine Bildsprache in den sozialen Netzwerken, meine Website und die gesamte Kommunikation dies ausstrahlen. Ebenso sollte mein Angebot flexibel sein. Und ohne Abhängigkeiten für meine Kunden. Damit ich den Wert auch wirklich in der täglichen Arbeit „lebe“.

Interview Personal Branding

Dr. Christian Brunner empfiehlt, sich authentisch in den Social Media Kanälen zu präsentieren. So wie man ist und mit den Themen, die einen persönlich beschäftigen. Dadurch zieht man automatisch ähnlich tickende Follower an, die sich verstanden fühlen. Foto: Dole 777 via Unsplash

Manchen Menschen fällt es schwer, ihre eigenen positiven Seiten und Fähigkeiten so richtig offensiv nach außen zu tragen. Oft sind die eigenen kritischen Stimmen im Kopf ja viel lauter. Was rätst du jenen, denen es eher schwer fällt, sich offensiv und gut nach außen zu „verkaufen“?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Gerade Gründer_innen, die introvertiert sind, müssen sich hier oft überwinden. Hier ist aus meiner Sicht die Content-Planung sehr wichtig. Zu Beginn denken viele Gründer_innen daran, wie sie auf ihr Angebot hinweisen können. Doch das ist an der falschen Ecke angesetzt.

Wichtig ist, dass du dich in die Situation deiner User Persona bzw. eines(r) typischen Wunschkund_in hineinversetzt. Welches Problem hat er/sie? Wie fühlt er/sie sich? Welche Themen beschäftigen ihn/sie im Alltag? Darauf aufbauend kann man Themenfelder bilden, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Angebot zu tun haben. Aber genau darum geht es. Menschen wollen verstanden werden und „nichts verkauft bekommen“. Meine Empfehlung ist deshalb bspw. auf Instagram oder Facebook sich ganz normal zu zeigen. Wie man ist und was einen beschäftigt. Dadurch zieht man automatisch ähnlich tickende Follower an, die sich verstanden fühlen. Man beschäftigt sich also quasi mit Themenfeldern um das eigene Leben herum. Die kritische Stimme im Kopf hat somit keine Chance durchzudringen.

Zu Beginn kann man dadurch bspw. bei Instagram oder Facebook die eigene Sicherheit gewinnen und über diese Themen diskutieren. Mit der Zeit ist es dann sinnvoll nebenbei darauf hinzuweisen, was man anbietet. Aus meiner Sicht sind dabei diejenigen die besten Verkäufer, die nie offensiv übers Verkaufen sprechen. Sondern über die Inhalte, die sie und ihre Zielgruppe betreffen. Aber ich gebe natürlich zu: In die Kamera sprechen und eine Story zu machen ist meistens erstmal Überwindung. Doch die eigenen Themen faszinieren die meisten Menschen so sehr, dass sie mit der Zeit dann diese als „künstlich“ wahrgenommen Situationen schnell vergessen.

Stichwort Authentizität. Gibt es klassische Fehler bei der Entwicklung der eigenen Personenmarke, die man unbedingt vermeiden sollte?

Der größte Fehler ist aus meiner Sicht der Folgende: Jemanden nach außen darstellen zu wollen, der du nicht bist! Und so zu tun, als hättest du keine Schwächen. Studien im Marketing haben bspw. ergeben, dass eine Marke, die eigene Fehler gegenüber ihren Kunden eingesteht und sich dafür entschuldigt, als sympathisch wahrgenommen wird. Bei Produktfehlern war teilweise die Bindung zur Marke sogar nachher höher (als im Falle von keinen Produktfehlern), wenn die Marke klar den Fehler zugab. Und bemüht war, eine Lösung für den Kunden zu finden. Wir dürfen menschlich sein, unsere Fehler zeigen! Denn genau darin, dass wir uns verletzlich und nicht perfekt zeigen, steigt die Sympathie von anderen Menschen zu uns. Denn ähnliche Menschen ziehen sich an. Und kein Mensch von uns ist perfekt! Darüber hinaus baut es Vertrauen auf. Denn andere Menschen wissen, dass du ehrlich zu ihnen bist, wenn mal etwas nicht optimal läuft.

Personal Branding

Dr. Christian Boris Brunner hat über 15 Jahre Berufserfahrung in verschiedenen Positionen in der Markenforschung, als Manager für Marketing und als Markenberater. Als selbstständiger Coach unterstützt er u. a. dabei das eigene Personal Branding zu kreieren. Foto: Jan Wassmuth, 2020

Abgesehen von Coaches, Trainer_innen oder Berater_innen: Empfiehlst du auch Gründer_innen mit anderen Vorhaben und Ideen, ein „personal branding“ zu entwickeln? Wenn ja, warum?

Absolut. Steve Jobs ist eines der besten Beispiele. Oder Lea-Sophie Cramer, die Gründerin von AMORELIE. Gründer_innen prägen ganz klar die Markenwerte eines Startups. Egal ob es Coaches, Trainer_innen, Berater_innen oder Startups sind, die physische Produkte darstellen. Wir alle kennen wahrscheinlich die Situation eines Bewerbungsgespräches. Selbst wenn man die Marke, für die man arbeiten soll, toll findet, denkt man trotzdem darüber nach, welche(n) Chef_in man zukünftig haben wird. Denn diese(r) prägt sehr stark unsere tägliche Arbeit. Genauso wichtig ist es, sich als Gründer_in authentisch zu zeigen. Sprich konkret die Werte zu leben. Als Gründer_in eines Startups hat man jedoch einen Vorteil. Man hat die tolle Möglichkeit, selbst die Werte im Umgang mit Unternehmenspartnern, zukünftigen Mitarbeiter_innen und Kund_innen zu bestimmen. Und ganz nebenbei: Kund_innen nehmen die Angebote eines Startups auch individueller wahr, wenn die Persönlichkeit der Gründer_in oder des Gründer-Teams sichtbar ist.

Und hast du einen Tipp für Gründer_innen, den du mit auf den Weg geben möchtest – vielleicht auch aus eigener Erfahrung?

Am Anfang einer Gründung wollen viele Gründer_innen perfekt starten. Das wollten wir mit unserem eigenen Startup ebenso. Meine Empfehlung ist hier aber vom Lean-Startup Gedanken zu lernen. Nicht perfekt sein wollen. Sondern sich Schritt für Schritt zu entwickeln. Das bedeutet viele kleine Schritte zu machen. Und kontinuierlich diese Schritte schnell zu gehen. Diese Methode kennen wir aus dem Design Thinking. Man justiert ständig und ist agil.

Genauso ist meine Empfehlung von Beginn an, klar die eigenen Werte herauszubilden und eine Strategie zu entwickeln. Dann aber bspw. mit der Kommunikation in einem sozialen Netzwerk zu starten. Und aus dem Feedback zu lernen. Stets zu optimieren und die User besser zu verstehen. Anschließend kann man dann einen weiteren Kanal nutzen. Auch ich wollte am Anfang zuviel auf einmal und habe gemerkt, dass „weniger“ am Anfang mehr ist.

Info: Ab 2021 bietet Dr. Christian Boris Brunner zwei Seminarthemen im hei.scheckheft an: „Personal Branding: Wie Sie als Coach oder Expert_in selbst zur Marke werden“ und „Brand Launch & Marketing-Plan: Der perfekte Start für Ihre Marke“. Der Antrag für eine Förderung durch das hei.scheckheft ist ab dem 1. Januar auf der Website der hei. abrufbar.

Das erste Seminar zum Thema „PERSONAL BRANDING“ findet bereits am 21. Januar 2021 statt und kann hier gebucht werden.

Artikel vom 24. November 2020

Jahresrückblick hei.gründerstorys 2020

Gründerstorys 2020

Optimistisch nach vorne blicken: Die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative fühlt sich durch den ungebrochenen Hamburger Gründergeist motiviert fürs neue Jahr. Foto: Morgan Sessions via Unsplash

Was für ein Jahr! Seit März hält uns alle die Corona-Pandemie auf Trab. Aber dennoch: den Willen zur Gründung in der Stadt Hamburg hat das nicht geschwächt. Ganz im Gegenteil. Er bleibt weiterhin stark. Auch 2020 konnten wir euch in unseren zahlreichen Gründerstorys wieder die unterschiedlichsten Gründer-Persönlichkeiten und ihren jeweiligen individuellen Weg in die Selbstständigkeit vorstellen. Und so sehr sich die Gründer_innen von ihren Ausrichtungen auch unterscheiden, eint sie alle: Mut, Ausdauer und der positive Blick nach vorn. Die Dinge in die Hand zu nehmen. Aus einer Idee Realität werden zu lassen. Und dabei auch Hürden und Herausforderungen in Kauf zu nehmen. Auch wenn wir euch am liebsten alle Storys nochmal ans Herz legen wollen würden, kommt hier unser Jahresrückblick hei.gründerstorys 2020 für euch. Durch den wir optimistisch nach vorne schauen…

hei. gründerstorys 2020

Ein lebenswertes Zuhause für Senioren – das ist die Motivation von besser zuhause, der Gründung von Hans Nolte (r.) und seinem Geschäftspartner Leif Lewinski. Foto: besser zuhause

besser zuhause

Die besser zuhause GmbH ist bereits die vierte Gründung von Hans Nolte. Seit seinem Startup Pflegebox, das er 2011 ins Leben rief, steht für ihn der „Social Impact“ im Fokus seiner Gründungen. Mit besser zuhause will er das Leben für pflegebedürftige Menschen in den eigenen vier Wänden so angenehm wie möglich gestalten. Mit Blick auf die Wohnungsgestaltung, soziale Kontakte und die Anbindung an smarte Technologien. Wie sein Service funktioniert und wie es ihm gelungen ist, ein harmonisches Team für seine Gründung zusammen zu stellen, verrät Nolte in seiner Gründerstory.

 

Gründerstorys 2020

Sonia Schilling-Dauvergne gründete die Sprachschule Cocorico, damit Kinder von klein auf Französisch auf Native-Speaker-Niveau erlernen können. Foto: Cocorico

Cocorico

Aufgewachsen in Frankreich mit Wurzeln in Deutschland. Sonia Schilling-Dauvergne kennt das Gefühl in zwei Sprachheimaten zu Hause zu sein. Dies zu vermitteln und kleinen Menschen im besonders aufnahmefähigen Alter die französische Sprache auf Native-Speaker-Niveau beizubringen, das ist das Ziel ihrer vor drei Jahren gegründeten Sprachschule Cocorico. Das Besondere: Cocorico ist mobil unterwegs und findet in der gewohnten Umgebung der Kinder im Kindergarten oder in der Schule statt. Wie Sonia selbst zur Sprachlehrerin wurde und ihre Idee in die Tat umgesetzt hat, erzählt sie in ihrem Interview.

Gründerstorys 2020

Die Gründerin Lisett Kretzschmann von Between Waves fühlt sich auf dem Wasser am wohlsten und sticht für unterschiedliche Forschungsprojekte in See. Foto: Lisett Kretzschmann, Between Waves.

Between Waves

Lisett Kretzschmann hat keine Angst vor hohen Wellen. Und weder der Seegang noch die Herausforderungen einer Selbstständigkeit schreckten sie ab, ihre eigene Idee Between Waves umzusetzen. Ihr neuer Schreibtisch ist seitdem mit Blick aufs Meer. Mit wechselnden Crews sticht sie für unterschiedliche Forschungsprojekte in See und untersucht beispielsweise Ursachen und Folgen von Umweltverschmutzung. Wie Lisett zur Seefahrt kam und was sie am Meer fasziniert, erfahrt ihr in ihrer Gründerstory.

Gründerstorys 2020

Gründerin Abina Ntim von JONA findet, es sollte keine Modefrage sein, ob man seinen Afro zeigt. Dafür setzt sie sich mit ihren Produkten und Workshops ein. Foto: Laura von Troschke

JONA

„Mein Ziel ist, dass Afrohaare zur Norm werden und das Exotische verlieren.“ Dieses Ziel motiviert Abina Ntim jeden Tag auf Neue, Ihre Gründung JONA weiter voran zu bringen. Sie hat mit JONA einen Space erschaffen, in dem es um Beratung, Austausch und das gemeinsame Ausprobieren von Produkten für naturkrauses Haar geht. Und darum, gemeinsam eine Haltung einzunehmen. Mit ihren Produkten und ihren Workshops will Abina das Selbstbewusstsein von Menschen mit naturkrausen Haaren stärken. Und da sie noch keine eigene Website hat, nutzt sie Plattformen wie Etsy und Instagram für Verkauf und Networking. Ihr Interview findet ihr hier.

Gründerstorys 2020

Gründerin Michelle Euzet arbeitet mit Unternehmen an den Themen „Kulturwandel“ und „Vielfalt“. Foto: René Sievert

EUZET CONSULTING

Für Michelle Euzet sind Kulturwandel und die Förderung von Frauen kein Zeichen von Gutmenschentum. Sondern einfach kluge unternehmerische Haltungen. „Studien belegen, dass Frauen in Führungspositionen und Diversity die Unternehmen weiterbringen.“ Deshalb entschied sie sich, EUZET CONSULTING zu gründen. Und als Unternehmensberaterin, Keynote-Speakerin und Sparringspartnerin mit Schwerpunkt Diversity mit Unternehmen an einem grundlegenden Kulturwandel zu arbeiten. Ein sehr wichtiges Thema, das deshalb auch in unserem Jahresrückblick hei.gründerstorys 2020 nicht fehlen darf. Wie der Kulturwandel gelingen kann und welche Ansätze Michelle mit ihrer Selbstständigkeit verfolgt, lest ihr hier.

Gründerstorys 2020

Schauspieler und Gründer von Chriss Kross Pizza Christopher Ammann mit seiner zweiten Pizzabäckerin, die auch Musicaldarstellerin ist. Foto: Privat

Chriss Kross Pizza

Christopher Ammann stand als Schauspieler schon auf vielen Bühnen. Mit seinem zweiten Standbein und seiner Gründung von Chriss Kross Pizza nutzt er nun einen Pizzawagen für ein ganz besonderes Schauspiel. Bei Chriss Kross Pizza geht es nämlich nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Zudem stehen außergewöhnliche Eigenkreationen auf dem Programm der „Pizzawagen-Bühne“. Als krönender, Appetit-machender Abschluss für unseren Jahresrückblick findet ihr hier das Interview mit Christoph.

Artikel vom 26. Oktober 2020

Gründerstory: Ein Pizzawagen als zweite Bühne

Gründung Pizzawagen

Bei „Chriss Kross Pizza“ geht es nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Zudem stehen außergewöhnliche Eigenkreationen auf dem Programm der „Pizzawagen-Bühne“. Christopher Ammann selbst ist Schauspieler, seine zweite Pizzabäckerin auch Musicaldarstellerin. Foto: Privat

Christopher Ammanns Pizzakreationen tragen Namen wie „Ätna, die Sonnige“ oder „Großglockner, die Alpine“. Seine Gründung „Chriss Kross Pizza“ hat er nach dem (fast) gleichnamigen Rap-Duo benannt. Und damit ist schon eine Menge gesagt über den geborenen Kärntner, Bergliebhaber und bekennenden 90er Jahre-Fan. Dabei ist sein Pizzawagen mehr als eine Snackbar: Er ist seine Bühne. Denn eigentlich ist der 37-jährige Schauspieler, stand unlängst für den „Tatort“ und die „SOKO Kitzbühel“ vor der Kamera, und seine Gründung sollte „nur“ sein zweites Standbein sein. Doch dann kam Corona.

Christopher, dein Timing ist erstaunlich: Kaum hattest du die ersten Schritte in die Wege geleitet, kam der Shutdown. Und aus dem zweiten Standbein wurde eine Vollzeitbeschäftigung.

Stimmt! Im März hatte ich noch eine Theaterproduktion in Österreich, dann wurde alles abgesagt. Am 10. Juli gründete ich offiziell als Cateringunternehmer. Die Zeit davor nutzte ich, um alles startklar zu machen: Pferdewagen fertig umbauen, Logo und Website erstellen, Hängerführerschein machen. Im Moment arbeite ich in Vollzeit, es hätte nicht besser anlaufen können. Aber die Geschäftsidee hatte mit Corona nichts zu tun. Als freischaffender Künstler habe ich schon lange überlegt, wie ich ein zweites Standbein aufbauen und die spielfreie Zeit nutzen kann.

Wie bist du auf die Gastronomie gekommen?

Mein Vorbild ist der Wiener Schauspieler und Gastronom Hanno Pöschl. Der hat sich eine Kneipe gekauft und beides wunderbar miteinander verbunden. Meine Großeltern hatten auf dem Land ein Gasthaus, da habe ich oft gekellnert, mir war die Gastro also nie fremd. Zur Pizza kam ich über einen 25 kg schweren Steinofen, den ich mir vor 4 Jahren mehr aus Spaß gekauft habe. Im Internet habe ich einen Caterer in Portugal gefunden, der Pizza aus dem Pferdeanhänger verkauft. Genau so wollte ich das auch machen.

Gründung Pizzawagen

Schauspieler Christopher Ammann hat mit seinem Pizzawagen ein zweites Standbein gegründet – und sich eine zweite Bühne geschaffen. Foto: Privat

Wie hebst du dich als Seiteneinsteiger, der mit 19 seine erste Pizza probiert hat, von der – gerade im Pizzasegment – stattlichen Konkurrenz ab?

Bei mir geht es nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Ich backe auf neopolitanische Art, da fliegt der Teig auch mal, meine Mitarbeiterin ist Musicaldarstellerin. Statt des Vorhangs geht jetzt eben die Klappe auf. Und es gibt außergewöhnliche Eigenkreationen. Im Wagen ist wenig Platz, da muss ich vereinfachen. Meine Sommerpizza hatte z.B. nur vier Zutaten: gebratenen Salbei, Caciocavallokäse, frisch gemahlenen Pfeffer und Zitronenabrieb. In Kombination mit den aufwendigeren Pizzen war das ein perfektes Programm. Am Ende ist es wie im Theater: Viele Dinge passen plötzlich extrem gut zusammen.

Wie hast du dich für die geschäftlichen Dinge fit gemacht?

Der Motivationsschub schlechthin war der Hamburger Gründertag. Du triffst dort Förderer, Experten und natürlich auch andere Gründer_innen, die dir erzählen, wie sie es geschafft haben. Jennie von Rho Kombucha z.B. oder Phillip von FirstLoveCoffee, die waren total offen, ich habe denen Löcher in den Bauch gefragt. Im Vorfeld hatte ich auch einen 30-minütigen Time Slot gebucht, um meine Idee den Gründungsberaterinnen von der hei. zu präsentieren. Das Feedback war positiv! Ich wurde nicht als kleiner Fisch betrachtet, sondern absolut ernst genommen. Für spezifische Fragen haben sie mich an Expert_innen verwiesen, die sich z.B. mit Hygienevorschriften auskannten, dazu gab es sogar einen Workshop der Handelskammer Hamburg. Auch das hei.scheckheft war toll, ich habe gleich ein Seminar zu Steuern gemacht. Davon hatte ich keine Ahnung.

Gründung Pizzawagen

Auf beiden Bühnen stehen: Christopher Ammann will zwar weiterhin auch Schauspieler bleiben, aber seine Gründung „Chriss Kross Pizza“ um einen zusätzlichen Pizzawagen vergrößern. Foto: Privat

Hast du einen Gründerzuschuss in Anspruch genommen?

Nein. Deshalb war es großartig, dass ich im Budget geblieben bin und die Annahmen aus dem Business-Plan 1:1 gepasst haben. Das habe ich der unglaublichen Hilfe meiner Freunde und Bekannten zu verdanken. Für den Pferdeanhänger habe ich 500 Euro bezahlt – ein Foodtruck hätte mich 25.000 Euro gekostet.

Wie geht es weiter?

Dieses Jahr sammle ich Erfahrungen und optimiere Arbeitsabläufe, teste Standorte und übe mich in der Kunst des neapolitanischen Pizzabackens. Die möchte ich auch an meine Mitarbeiter_innen weitergeben. Gerade habe ich die ersten beiden auf 450-Euro-Basis angemeldet. Mein Ziel ist es, zu wachsen und einen zweiten Wagen auszubauen. Dann könnte ich einen für Märkte und vor Cafés einsetzen und den anderen flexibel für Caterings verplanen. Und zum echten 90er-Pferdeanhänger gehört natürlich auch eine Konsole, auf der man Super Mario spielen kann…

Was rätst du anderen Gründer_innen?

Innehalten und schauen, was man geschafft hat. Das vergisst man immer, weil noch so viel zu tun ist. Man braucht Freunde oder Familie, die einen unterstützen, weil der Arbeitsumfang immer größer ist, als gedacht. Abends bin ich oft erst um 22 Uhr zu Hause und muss dann noch den Wagen fit machen für den nächsten Einsatz. Aber wenn du das für dein eigenes Geschäft machst, fühlt sich das trotzdem gut an. Eins ist aber klar: Im nächsten Jahr möchte ich wieder auf beiden Bühnen stehen!

 

 

 

Facebook Twitter Newsletter abonnieren