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Artikel vom 12. May 2026

hei.expert:inneninterview: Mit Marco Habschick von der Gründerplattform

Wir freuen uns sehr, dass wir Marco Habschick für ein hei.experteninterview gewinnen konnten!

Gründen kann sich manchmal wie ein riesiger Berg anfühlen und genau hier kommt Marco Habschick ins Spiel. Als Mitgründer der Gründerplattform und Partner bei EVEREST beschäftigt er sich seit Jahren damit, wie Menschen schneller, klarer und selbstbewusster ins eigene Business starten können. Statt komplizierten Buzzwords geht’s bei ihm um echte Orientierung: Was brauche ich wirklich? Wie teste ich meine Idee? Und welcher nächste Schritt bringt mich wirklich weiter?

Im Interview gibt uns Marco Antworten, die Gründenden in Hamburg Rückenwind geben.

Marco Habschick - Gründerplattform

Marco Habschick – Gründerplattform, Foto: EVEREST GmbH

Hi, ich bin Marco Habschick von der Gründerplattform.

Ein schneller Kopf ist mein Markenzeichen – ich liebe es, mich in Geschäftsideen und die Macher:in dahinter einzudenken.

Komplexes einfach erklären können ist mein Erfolgsfaktor – ich glaube fest daran, dass man alles hinbekommt, wenn man den Zusammenhang versteht.

Meine Superkraft wäre, in die Zukunft zu sehen – um immer die besten Entscheidungen für mein Leben und die Welt zu treffen.

 

Das Interview mit Marco Habschick von der Gründerplattform:

 

Die Gründerplattform bündelt Wissen, Tools und Kontakte an einem Ort. Welche Funktion oder welches Feature wird deiner Meinung nach am stärksten unterschätzt – und wie kann es Gründer:innen konkret Zeit, Geld oder Nerven sparen?

Da gäbe es einige. Wir haben seit Start der Gründerplattform so viel entwickelt, dass wir manchmal hinterherhinken, alles ordentlich zu vermarkten – wir sind also auch gar nicht immer besser als die vielen Gründerinnen und Gründer, die diesen Fehler machen.

Zu meinen liebsten versteckten Perlen der Gründerplattform gehört der Businessplan-Check. Er gibt kurz und knackig einen Eindruck davon, wie ein Finanzierer auf meinen Businessplan schauen würde.

Auch der Förderfinder der Gründerplattform wird manchmal unterschätzt. Ich kenne kein anderes Tool, das in einer einfachen Ampellogik anzeigt, wie gut ich in die Förderbedingungen eines Programms passen würde.

Als drittes würde ich das Tool „Finanzierungsmöglichkeiten“ nennen – da versteht man sofort, was einen Mikrokredit von einem Business Angel unterscheidet.

 

Du arbeitest seit Jahren an digitalen Lösungen für Gründungen. Welche Veränderung im Gründungsverhalten hast du in den letzten fünf Jahren am deutlichsten beobachtet?

Zwei Dinge würde ich nennen: Erstens kommen wir in Deutschland Stück für Stück weg vom Fokus auf den Businessplan. Er ist natürlich wichtig, aber auch auf der Gründerplattform empfehlen wir, vorab das Geschäftsmodell zu entwickeln und zu verproben. Zahlen braucht man zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber man gewinnt an Sicherheit, dass das Ganze wirklich auf Interesse im Markt stößt. Danach kann man sich im Businessplan um so besser um Zahlen, Standort oder Rechtsform kümmern.

Die zweite aktuelle Veränderung betrifft natürlich die KI. Sie ist extrem hilfreich bei der Entwicklung von Geschäftsmodell und Businessplan. Aber wenn ich ChatGPT jetzt bitte, mir einen kompletten Businessplan zu schreiben, ist natürlich die Frage, ob das Ergebnis irgendwem hilft. Auf der Gründerplattform experimentieren wir mit dem Mittelweg: Ich kann mit einem Chatbot diskutieren, aber die Entscheidungen und die große Linie kommt von mir als Gründer oder Gründerin.

 

Viele Gründer:innen ringen mit der Frage: „Wie finde ich heraus, ob meine Idee wirklich jemanden interessiert?“ Welche schnellen, einfachen Tests empfiehlst du, bevor man überhaupt Geld investiert?

Die Frage ist mir zumindest schon mal lieber, als wenn die Leute als erstes fragen „In welcher Rechtsform sollte ich gründen?“. Auf der Gründerplattform sortieren wir den gedanklichen Weg zum eigenen Angebot und können damit auch die persönliche Beratung in der Region ideal vorbereiten.

Ich habe auch selbst viel über diese entscheidende Phase der Geschäftsmodellentwicklung gelernt. Zum Beispiel, dass große theoretische Herleitungen von Marktdaten einem gar nicht viel helfen: In die Gedankenwelt meines ersten echten Kunden einzutauchen ist viel hilfreicher als die Aussage „In der Gesamtbevölkerung sind x Prozent aller Frauen potenzielle Kundinnen für mein Angebot.“

 

Businesspläne wirken oft wie ein notwendiges Übel. Was macht aus deiner Sicht einen richtig hilfreichen Businessplan aus – einen, der nicht in der Schublade landet, sondern echte Entscheidungen erleichtert?

Zunächst mal entsteht dieser Businessplan zur richtigen Zeit – nicht zu spät, aber eben auch nicht zu früh. Das Geschäftsmodell, also die grundsätzliche Mechanik des Ganzen, sollte stehen und erprobt sein. Insbesondere wenn man dann Geld von Dritten braucht, kommt der große Auftritt des Businessplans, wo man die Details weiterdenkt und vor allem mal eine Zahlensimulation für die ersten Jahre macht. In dieser Reihenfolge überzeugt man auch die Geldgeber am besten.

Und damit der Businessplan nicht in der Schublade landet, gibt es einen einfachen Trick: Man kann den Zahlenteil als ideale Vorarbeit für das Controlling betrachten und die Werte weiterschreiben, wenn man gestartet hat. Warum sollte man sich doppelt Arbeit machen?

 

Du hast schon unzählige Gründungsgeschichten gesehen. Welche Entscheidung am Anfang trennt aus deiner Sicht langfristig erfolgreiche Gründer:innen von denen, die irgendwann die Luft verlieren?

Am Ende des Tages gibt es für mich nur zwei Arten von Unternehmerinnen und Unternehmern: Diejenigen, die sich helfen lassen, und diejenigen, die versuchen, auf alles selbst eine Antwort zu finden. Letzteres kommt irgendwann unweigerlich an seine Grenzen. Alle erfolgreichen Unternehmer:innen, die ich kenne, bauen sich ein Netzwerk auf, das sie hinzuziehen können zu jedem einzelnen Aspekt ihres Alltags.

 

Viele unterschätzen das Thema Zusammenarbeit. Woran erkenne ich, ob jemand ein:e gute:r Co-Founder:in, Freelancer:in oder Partner:in für mein Vorhaben ist – und welche Warnsignale sollte ich ernst nehmen?

Ein ordentlicher Teil aller Gründungen scheitern daran, dass es im Team nicht funktioniert. Auch meine eigene Erfahrung passt dazu. Empirisch ist es eher unwahrscheinlich, dass man Leute findet, mit denen es nicht nur von den Fähigkeiten her, sondern auch in den Persönlichkeitsstrukturen so gut matcht, dass es dauerhaft produktiv wird. Um so mehr Fokus sollte man auf das Team legen. In der Business Model Canvas der Gründerplattform ist das nicht umsonst ein eigener Punkt – und gerade am Anfang ist ja auch noch gar nichts vorhanden außer dem Gründungsteam.

Mit dem Co-Founder-Matching der Gründerplattform kann man versuchen, die richtigen Leute um sich zu scharen. Als Warnsignal könnte z.B. dienen, wenn man im Team sehr langsam zu Entscheidungen kommt – wobei das Gegenteil auch richtig ist: Hektisches Entscheiden, weil es in der Teamchemie nicht stimmt, hat auch noch niemand geholfen.

 

Digitalisierung klingt riesig – gerade für kleine Gründungen. Welche ganz konkreten digitalen Schritte sollten Solo-Selbstständige oder kleine Teams als erstes gehen, um nicht zu überfordern, sondern zu erleichtern?

In der Frage liegt schon die Antwort: Digitalisierung ist kein Selbstzweck – sie muss mir das Leben irgendwo erleichtern. Ein pragmatischer Blick dafür, wo Prozesse vereinfacht oder beschleunigt werden können, ist wahrscheinlich der sinnvollste Weg, mit der Dynamik der Entwicklung Schritt zu halten.

Im Gründungsgeschehen etabliert sich aktuell die Unterscheidung zwischen Solo-Selbstständigen und Solopreneuren: Letztere skalieren ihr Geschäftsmodell, indem sie so viel wie möglich mit digitalen Services abwickeln, angefangen bei den Sales-Prozessen und noch lange nicht aufgehört bei KI-Tools, die ihre Social-Kanäle bespielen.

 

Zum Abschluss ein Blick nach vorn: Welche Entwicklung im Bereich Gründung, Digitalisierung oder Finanzierung wird aus deiner Sicht die größten Chancen für Gründer:innen in den nächsten Jahren schaffen?

Als Gründerplattform versuchen wir aktuell, mit unserer Reichweite Einfluss zu nehmen auf die Digitalisierung des Gründungsprozesses. In Berlin zum Beispiel ist jetzt die Unternehmensanmeldung bei Finanzamt und Gewerbeamt end-to-end digital aus der Gründerplattform-App heraus möglich – ein echter Meilenstein, dem hoffentlich viele andere Regionen folgen.

Die größte Chance fürs Unternehmertum sehe ich darin, dass durch neue technische Möglichkeiten Geschäftsmodelle immer kreativer, intelligenter und flexibler entstehen können. Dazu müssen wir aber unsere Hausaufgaben machen und alle Kraft auf die Frage richten „Wo kann ich ein Problem lösen, das tatsächlich besteht?“ Unser Geschäftsmodellexperte Patrick Stähler hat mal darauf hingewiesen, dass mit den ganzen digitalen Services, die rund um ein Elektroauto herumgebaut werden können, mutmaßlich mehr Geld zu verdienen ist als mit dem Auto selbst. Das inspiriert mich immer noch. Man muss eben den Blick weiten, um auf die richtigen Ideen zu kommen. Für die Umsetzung haben wir dann heute ganz andere Instrumente zur Verfügung als die Generationen vor uns. Das ist doch toll, oder?

 

Vielen Dank an Marco Habschick von der Gründerplattform für das tolle Interview.

 

Mehr Informationen:
Gründerplattform
Marco Habschick

 

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