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Artikel vom 14. Juli 2021

hei.gründerinnen: Interview mit Nicole Bachmann & Silke Eschrich-Steidle von der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative

Frauennetzwerk

FRAUENPOWER: die hei.Hamburger ExistenzgründungsInitivative hat ein eigenes Netzwerk – die hei.gründerinnen – für Frauen ins Leben gerufen. Als Plattform, damit Frauen die Möglichkeit haben, sich gezielt zu den Themen auszutauschen, die sie besonders bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit bewegen. Foto: Cowomen via Unsplash

Die hei.Hamburger ExistenzgründungsInitiative bietet im eigenen Veranstaltungsangebot ein neues Netzwerk an – die hei.gründerinnen. Ein – derzeit noch digitaler – Ort, an dem Gründerinnen die Möglichkeit haben, sich schon während ihrer Vorbereitung oder in der Anfangsphase ihrer Gründung gezielt miteinander zu vernetzen. Nicole Bachmann und Silke Eschrich-Steidle sind Beraterinnen bei der hei. Auf die Nachfrage und den Wunsch vieler Gründerinnen aus ihren Beratungsgesprächen nach einem Netzwerk, das sich ausschließlich an Frauen richtet, haben die zwei direkt reagiert. Und die hei.gründerinnen ins Leben gerufen. Als Plattform, damit Frauen die Möglichkeit haben, sich gezielt zu den Themen auszutauschen, die sie besonders bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit bewegen.

Wir haben Nicole und Silke zu einem kurzen Interview getroffen.

Wenn man sagt „Frauen gründen anders“ – was heißt das konkret? Inwiefern unterscheiden sich Gründerinnen und Gründer aus eurer Sicht in ihrer Art, sich selbstständig zu machen?

Silke: Obwohl die generellen Fragestellungen zum Thema Gründen letztlich für die meisten Gründer_innen die gleichen sind, stellen wir bei den Gründerinnen eine andere Art der Herangehensweise fest. Sie sind oft vorsichtiger in ihren ersten unternehmerischen Entscheidungen wie bspw. der Preisfindung oder auch der Auslagerung von Aufgaben. Wollen alles möglichst zu 100% „richtig“ vorbereiten und umsetzen. Und  treten in der Kundenakquise oder Verhandlungen deutlich zurückhaltender auf als männliche Gründer. Zudem lassen sie sich vermehrt von außen verunsichern. Sei es von vermeintlichen Rückschlägen oder kritischen Bemerkungen anderer. Zusammengefasst kann man vielleicht sagen, dass sie sich insgesamt immer noch mehr zurücknehmen.

Nicole: Die meisten Gründerinnen schrecken vor Krediten zurück und versuchen, ihre Gründung dann eher im Nebenerwerb auf die Beine zu stellen. Oder, wenn sie aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen, mit Hilfe des Gründungszuschusses der Agentur für Arbeit.

Was genau bietet mir das Netzwerk?

Silke: Die hei.gründerinnen sollen Gründerinnen und gründungsinteressierten Frauen die Möglichkeit bieten, sich untereinander mit ihrem Know-how und ihren Fähigkeiten zu vernetzen. Und sich auf diese Weise gegenseitig zu unterstützen. Der Austausch, das geballte Wissen, aber auch die Erkenntnis, nicht allein mit verschiedenen Fragestellungen und Entscheidungen konfrontiert zu sein, hilft dabei, den Weg in die eigene Gründung ein Stück weit gelassener zu gehen. Wir als hei. unterstützen die Teilnehmerinnen dabei natürlich auch mit unserem Gründungswissen. Und sorgen für den organisatorischen Rahmen.

Einmal im Monat treffen wir uns für zwei Stunden – aktuell noch in einem virtuellen Rahmen – mit den hei.gründerinnen. Zunächst tauschen wir uns alle gemeinsam aus. Dann geht es in Kleingruppen mit maximal zehn Teilnehmerinnen, in denen Raum und Zeit für intensiveren Austausch ist. Zum Ende werden dann in der großen Gruppe noch einmal Tipps und Insights ausgetauscht. Neben diesen Treffen ermuntern wir unsere hei.gründerinnen natürlich auch, sich privat weiter miteinander zu vernetzen. Und stellen mit großer Freude fest, dass das auch fleißig getan wird und sich dadurch schon tolle Kontakte gefunden haben. So soll es sein!

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, das Netzwerk ins Leben zu rufen?

Nicole: Frauen sind oft an uns herangetreten mit der Frage, ob wir auch ein Netzwerk für Frauen anbieten. Natürlich gibt es auch einige andere Frauennetzwerke, die sehr gut sind. Aber wir wollten bewusst den Frauen, die sich in den ersten Schritten ihrer Gründung befinden, die Möglichkeit geben, sich in kleinen Gruppen gegenseitig zu unterstützen.

Silke: Genau. Und die Corona-Pandemie hat einmal mehr gezeigt, wie notwendig Austausch, Unterstützung und Netzwerken mit anderen Gründer_innen ist. Viele Präsenzformate sind weggefallen, die meisten Gründer_innen haben plötzlich allein vor ihrer Gründungsidee gesessen. Vor allem Frauen haben den fehlenden Austausch als erschwerend für ihren Start in eine mögliche Selbstständigkeit empfunden. Zudem ähnelten sich die Fragestellungen der Frauen immer mehr. Für uns wurde es schnell offensichtlich, dass wir hier möglichst zügig eine Möglichkeit schaffen möchten, die den potenziellen Gründerinnen eine gemeinsame, unkomplizierte Austauschplattform bietet. So sind die hei.gründerinnen mitten in der Pandemie entstanden. Und die regelmäßigen Treffen erfreuen sich einer großen Beliebtheit!

Und aus eurem eigenen Beratungsschatz: Welchen Rat gebt ihr besonders Frauen häufig mit auf den Weg in die Selbstständigkeit?

Nicole Bachmann und Silke Eschrich-Steidle von der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative beraten und begleiten Hamburger Existenzgründer_innen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit

Nicole: Nutzt die Kontakte, die ihr sammeln könnt! Andere Gründer_innen sind nicht immer Konkurrent_innen, nur weil sie vielleicht in der gleichen Branche gründen. Empfehlungsmarketing ist das halbe Leben. Und analysiert die Zielgruppe möglichst genau. Vor allem: Legt irgendwann auch los und lasst euch nicht durch innere Widerstände daran hindern.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Nicole und Silke.

 

Wenn euer Interesse geweckt wurde bei den hei.gründerinnen selbst dabei zu sein, dann nutzt am besten unser Kontaktformular oder ruft uns an. Wir freuen uns auf den Austausch mit euch!

 

Artikel vom 08. Juli 2021

Podcast „Gründung in Sicht“: Interview mit Gründungsberaterin Brit Tiedemann zum Umgang mit inneren Widerständen

Wie löse ich innere Widerstände, um mit voller Überzeugung den Weg der Existenzgründung zu wagen?

Podcast Gründung in Sicht

Manchmal blockieren innere Widerstände den Weg in die Selbstständigkeit. Brit Tiedemann erzählt im Interview wie man diese aber auch als positive Warnsignale sehen kann. Foto: hello i`m nik via unsplash

In dieser Folge spricht Gründungsberaterin & Coach Brit Tiedemann über den Umgang mit inneren Widerständen im Laufe der Existenzgründung. Wie findet man als Gründer_in überhaupt heraus, ob es etwas gibt, das einen blockiert oder zurückhält? Und woher weiß man, was es genau ist? Wie kann man lernen, innere Widerstände zu überwinden? Und welche Methoden gibt es hierfür? Brit Tiedemann erklärt auch, warum innere Widerstände als Warnsignale auch positiv gesehen werden können. Und warum die Auseinandersetzung mit den eigenen Widerständen den Gründzungsprozess bereichert.

Wenn ihr mehr über Brit Tiedemann, ihr Angebot und ihre Beratung erfahren wollt, dann schaut doch auch auf ihrer Website vorbei. Und wenn ihr Interesse habt, ein Interview mit Brit Tiedemann zu lesen, dann findet ihr in diesem Blogbeitrag hilfreiche Tipps von ihr zum Start in die Selbstständigkeit.

Podcast Gründung in Sicht

Brit Tiedemann ist Unternehmenscoach und Gründungsberaterin seit über 18 Jahren. Foto: Brit Tiedemann

Podcast „Gründung in Sicht“

In unserem Podcast geben regelmäßig bereits erfolgreiche Hamburger Gründer_innen Einblicke in ihren Unternehmensalltag. Sie berichten ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen und ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Glücksmomenten. Denn wir wollen wissen: Wie fühlt es sich an, selbstständig zu sein, komplett eigenverantwortlich, aber selbstbestimmt? Wie sind die Gründer_innen durch gestartet, welche Unterstützung und Angebote bietet das Hamburger Gründungsnetzwerk? Außerdem kommen in manchen Folgen Expert_innen zu Wort, um wichtige Infos und Tipps rund um alle Themen der Gründung zu geben. So wie in dieser Folge Brit Tiedemann uns Rede und Antwort gestanden hat.

DANKE an Brit Tiedemann für dieses spannende Interview und den richtigen Motivationsschub, sich von den eigenen Gründungsplänen durch innere Blockaden nicht abbringen zu lassen. Sondern diese zu lösen und dran zu bleiben an den eigentlichen Plänen.

Wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden spannenden Gespräche mit Gründer_innen und Expert_innen rund um alle wichtigen Themen der Existenzgründung! Stay tuned 🙂

Artikel vom 16. Juni 2021

„Kein Startup kann sich heute leisten, nicht nachhaltig zu gründen“ – Interview mit Elina Artis

nachhaltig gründen

Kunden werden zunehmend kritischer und fordern Nachhaltigkeit ein, weiß Elina Artis, Expertin zum Thema Nachhaltigkeit. Foto: priscilla du preez via Unsplash

Das Thema Nachhaltigkeit gleich von Anfang an in seine Gründungsidee, sein Produkt oder seine Dienstleistung mit einzuflechten, ist absolut sinnvoll. Denn: Immer mehr Gründer_innen haben den Wunsch und den Willen, Nachhaltigkeit auch im beruflichen Kontext zu leben und umzusetzen. Aber: Wie fängt man an und baut überhaupt ein nachhaltiges Business auf? Welche Ansätze und Tools gibt es, um nachhaltig als Unternehmer_in zu agieren? Und welche Chancen und Vorteile bieten sich beim nachhaltig Gründen? Elina Artis ist Coach, Expertin und Dozentin, u.a. bei der Kreativgesellschaft Hamburg sowie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Macromedia Hochschule in Hamburg. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit dem Thema Nachhaltigkeit, auch im Kontext der Modeindustrie. Sie hat eine eigene Business-Online-Plattform für nachhaltige Geschäftsmodelle in der Modebranche aufgebaut und berät Gründer_innen und Selbstständige. Im hei. Live-Chat wird sie darauf eingehen, worauf es bei der Gründung eines nachhaltigen Unternehmens ankommt. Wir haben sie vorab schon einmal für ein kurzes Interview befragt. Weiterlesen

Artikel vom 27. Mai 2021

Gründerstory: In lässiger Atmosphäre Keramik bemalen

Malbucht

Zusammen mit seiner Frau Kerstin betreibt Det Martens seit Ende 2017 einen eigenen Laden, in dem man Keramik selbst bemalen kann – die Malbucht in Hamburg-Hamm. Foto: Lucas Martens

Für Det Martens war es genau der richtige Zeitpunkt: Nach 30 Jahren in der IT konnte er mit einer Abfindung aus seiner alten Firma aussteigen. Die Idee, einen eigenen Laden zu eröffnen, in dem Keramik bemalt wird, hatte er schon länger. Und durch die Abfindung war auch die Finanzierung gesichert. Seit September 2017 betreibt der Hamburger in HH-Hamm “Die Malbucht – Keramik selbst bemalen“, mittlerweile ist auch seine Frau Kerstin eingestiegen. Doch kreativ sein muss der Gründer jetzt in vielerlei Hinsicht, denn die Corona-Pandemie setzt auch seinem Geschäftsmodell zu.

Am Anfang stand die Lust, etwas zu machen, das sie vorher noch nicht gemacht hatten, erklärt Det. „Nach dem Motto: Du weißt erst, ob es funktioniert, wenn du es ausprobiert hast. Das Keramikmalen anders zu machen als andere, das trieb mich an.“ „Anders“ hieß: Dem Gewerbe das typisch Weibliche zu nehmen. „Dass ein Kerl hinter dem Tresen steht und wir rustikal mit Paletten eingerichtet sind, ist schon ein Unterschied“, grinst Det. „Wir nehmen den Männern die Schwellenangst und ermutigen auch die, die nicht aus kreativen Berufen kommen, den Pinsel zu schwingen.“

Offenbar gelingt ihm das. Ob Junggessell_innen-Abschied oder Kindergeburtstag, Team-Event oder Malstunde mit Freund_innen – in der Malbucht gibt es jede Menge Raum zum Ausprobieren. „Viele sind erstmal skeptisch und sagen, sie hätten zuletzt in der Schule gemalt. Aber wenn wir sehen, wie glücklich sie am Ende sind und sich freuen, dass sie eine neue Seite an sich kennengelernt haben, ist das total erfüllend“, findet Kerstin, die die ersten gemeinsamen Malerfahrungen mit ihrem Mann während einer Reha gemacht hat. Dass sie ausgerechnet kurz vor dem ersten Corona-Lockdown ihren Job in einer Kita aufgab, um Vollzeit bei ihrem Mann einzusteigen, macht die aktuelle Situation allerdings zu einer echten Bewährungsprobe.

Gründerstory

Ob Junggesell_innen-Abschied oder Kindergeburtstag, Team-Event oder Malstunde mit Freund_innen – in der Malbucht gibt es jede Menge Raum zum Ausprobieren. Det war von Anfang an besonders wichtig, alle und jeden anzusprechen – das Keramikmalen anders zu machen als andere und dem Gewerbe das „typisch Weibliche“ zu nehmen. Foto: Lucas Martens

„Die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative legt den Finger in die Wunde“

„Wäre Corona nicht gewesen, hätten wir unseren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr sicher noch gesteigert“, glaubt Det. Allein die zentrale Lage des Ladens an einer großen Kreuzung in Hamm-Mitte brachte von Anfang an jede Menge Laufkundschaft und Kunden aus dem Quartier. Doch ohne eine gründliche Beratung im Vorfeld, da ist sich der Jungunternehmer sicher, hätte das solide Wirtschaften kaum geklappt. „Bei der hei. wird man mit offenen Armen aufgenommen, man kümmert sich. Und die legen den Finger in die Wunde, wenn sie sehen, dass etwas noch nicht ausgereift ist – das war vor der Gründung extrem wichtig“, sagt Det.

Auch für das „Monstrum Businessplan“ und die Beantragung des Gründerzuschusses stand ihm eine Beraterin von der hei. zur Seite. „Ich rate jedem, seinen Businessplan zu nutzen. Mir half das, alles zu strukturieren, von der Markt- über die Wettbewerbsanalyse bis hin zu den erwarteten Zahlen. Daraus habe ich die Sicherheit gewonnen, dass es funktioniert“, sagt der Gründer. Viel Unsicherheit steckte vor allem in den unbekannten Faktoren: Wie groß muss das Studio sein, damit es den Lebensunterhalt trägt? Wie viele Sitzplätze braucht man? Welchen Brennofen? Wie hoch sind die Energiekosten? Wieviel Geld lässt der Durchschnittskunde im Laden? „Dieses Wissen früh an die Hand zu bekommen, ist super wichtig“, sagt er, „aber weil man das nicht googeln kann, habe ich vor der Gründung ein mehrtägiges Seminar für angehende Studiobesitzer besucht.“ Mit dem hei.scheckheft erarbeitete er sich zusätzliches Wissen in den Bereichen „Finanzplan“, „Businessplan“ und „Papierloses Büro”.

Kreativ durch den Lockdown

Rücklagen helfen dem Paar momentan, durch die Lockdown-Zeit zu kommen. Kerstin und eine weitere Mitarbeiterin, die in Teilzeit angestellt wurde, um das Paar in Stoßzeiten zu entlasten, sind in Kurzarbeit. Aber die unternehmerische Kreativität ist ungebrochen. Mit einer To go-Tüte, Click & Collect und dem Aufbau eines Online-Shops entwickeln sie ihr Geschäftsmodell weiter.

„Bestimmt führen wir das ein oder andere auch nach der Pandemie fort“, so Det. Bei Google ist die Website der Malbucht, die ein Grafikbüro entwickelt hat, unter den Top 3 im Bereich Keramikmalen in Hamburg gelistet. „Das ist meine Werbung nach außen, deshalb lohnt es sich, dafür Geld in die Hand zu nehmen“, findet er. Die Pflege der Seite übernimmt der Gründer allerdings inzwischen selbst, so bleibt er flexibel und spart weitere Kosten. Kontakt zur Kundschaft hält er über Instagram. Und das Telefon ist mittlerweile nach Hause umgeleitet, so dass Interessent_innen sie jederzeit erreichen. Dass sie nach wie vor hinter ihrem Laden stehen, ist für das Paar keine Frage.

Gründerstory

In Corona-Zeiten ist unternehmerische Kreativität besonders gefragt: Mit einer To go-Tüte, dem „Malbüdel“, Click & Collect und dem Aufbau eines Online-Shops entwickeln Det und Kerstin ihr Geschäftsmodell weiter. Foto: WHY / Nadja Hansen

Auch in Krisenzeiten dran bleiben

„Uns kommt zugute, dass wir für unsere Sache brennen und das Feuer haben, das durchzuziehen“, sagt Det. „Und dass wir keine Höhenflüge machen, uns erden und der Zukunft ins Gesicht gucken.“ Dass man sich als Paar so gut versteht, dass man es 24 Stunden 7 Tage die Woche miteinander aushält und die ganze Familie dahinter steht, war für beide die Voraussetzung. „Unsere Kinder sind schon 25 und 22, das gibt uns Freiraum – neben der Tatsache, dass wir das Startkapital zur Verfügung hatten“, ergänzt Kerstin. Gibt es ein Rezept für eine gute Zusammenarbeit? Kerstin lacht: „Es ist wichtig, dass es mit Det einen Chef gibt. Aber wir entscheiden trotzdem alles zusammen, so dass wir zu 100 Prozent dahinter stehen. Das war von vornherein klar.“

Artikel vom 26. April 2021

Gründerstory: Lektorieren mit Herz

Lektoratsbüro

Birte Spreng gründete Ende 2020 ihr eigenes Lektoratsbüro „Herz und Zeile“. Durch ein starkes Netzwerk und gute Akquise ist sie für das nächste Halbjahr schon gut gebucht und muss sich wenig Sorgen um die Auftragslage machen. Foto: Behr in mind Photography & Design

Der Wunsch, Lektorin zu werden, war immer da. Doch Birte Spreng wurde gewarnt. Es sei schwierig, eine Stelle zu finden. Sie wagte es trotzdem. Und ergatterte eine der begehrten Volontariatsstellen. Zwei Verlage und viele Bücher später fragte sich die 32jährige: Darf ich das hier wirklich aufgeben? Am 1. Dezember 2020 gründete die Lektorin schließlich „Herz und Zeile“, ihr eigenes Lektoratsbüro  – und muss sich um die Auftragslage wenig Sorgen machen.

Birte, du hast dich auf Umwegen zur Lektorin gemausert. Warum?

Im Nachhinein würde ich sagen, ich traute mir das lange nicht zu. Während meines Kultur- und Literaturwissenschaftsstudiums in Lüneburg habe ich einiges ausprobiert: Uniradio, Redaktionspraktika – da deutete noch alles auf Journalismus hin. Bei einem Praktikum im Literaturbüro Lüneburg kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit Autoren, bei der Edition Körber mit dem Büchermachen – und fing Feuer. Ich setzte in Leipzig noch einen Master in Buchwissenschaften darauf und jobbte bei verschiedenen Verlagen, u.a. im Vertrieb. Ich dachte, ich müsste andere Wege finden, um den Büchern nahe zu sein – weil mich viele warnten, ich würde als Lektorin keine Stelle finden. Aber immer, wenn ich mit Lektoratsvolontären sprach, regte sich ganz viel in mir. Da dachte ich: „Wenn du es nicht probierst, wirst du es bereuen.“ Zum Glück klappte es mit einem Volontariat bei meinem Lieblingsverlag, dem Kinder- und Jugendbuchverlag Carlsen. Ich fühlte mich sofort pudelwohl und wusste: Das ist es!

Lektoratsbüro

Bücher sind ihre große Leidenschaft: Nach Stationen in unterschiedlichen Verlagen schaffte Birte erst nach einer persönlichen Krise und einer kleinen beruflichen Auszeit den Sprung in die Selbstständigkeit. Foto: Behr in mind Photography & Design

Wie ging es weiter?

Nach dem Volontariat arbeitete ich im Lektorat des Aladin Verlags, wo ich viel über Bilderbücher und Illustration lernte, allerdings nur halbtags. Nachmittags lektorierte ich freiberuflich für andere Verlage, begleitete ein Leseförderprojekt, schrieb Rezensionen. Das war mein erster Kontakt mit der Selbstständigkeit und mir hat es super gefallen. Aber da ich die Sicherheit der Festanstellung hatte und mich von allem so begeistern ließ, verkaufte ich meine Leistungen oft unter Wert. Das ist immer noch meine Baustelle. 2018 bekam ich die Chance, bei HarperCollins in Vollzeit den Launch eines neuen Kinder- und Jugendbuchimprints zu begleiten, da habe ich wieder viel von tollen Vorbildern gelernt. Den Sprung in die Selbstständigkeit schaffte ich erst nach einer persönlichen Krise und einer kleinen beruflichen Auszeit, in der ich meine Träume und Prioritäten neu ordnete.

Hast du dich vor diesem wichtigen Sprung beraten lassen, um Baustellen wie die Honorarverhandlung besser in den Griff zu kriegen?

Natürlich! In Hamburg gibt es ein großes Angebot für Gründer_innen, aber nichts ist so kompakt wie die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Den ersten Kontakt hatte ich schon während meiner Teilzeitselbstständigkeit, diesen Faden nahm ich wieder auf. Bei einem Gruppenvideomeeting mit Frau Bachmann konnte ich die drängendsten Fragen loswerden. Danach hatte ich ein Einzelgespräch mit ihr, den Businessplan gab es schon und sie konnte mir direkt Feedback geben. Das war auch deshalb wichtig, weil ich den Gründungszuschuss beantragen wollte. Auch ihr Hinweis auf das Gründerinnen-Netzwerk war super. Unter den hei.gründerinnen herrscht eine sehr unterstützende Atmosphäre und echte Aufbruchstimmung – eine besondere Art der Verbundenheit.

Hast du auch Seminare mit dem hei.scheckheft besucht?

Ja, „Buchführung für Freiberuflerinnen“ und ein Seminar zu SEO, da muss ich noch die Balance zwischen guten Texten und Suchmaschinenoptimierung finden. Zwei Social Media Seminare von Freibeuter waren für mich auch sehr interessant, weil ich einen Instagram-Buchblog begonnen habe. Dort erzähle ich über Bücher und das Büchermachen. Außerdem habe ich mich für Seminare zu den Themen „Innere Widerstände“ und „Verhandeln“ angemeldet, weil ich nicht erneut den Fehler machen will, mich vor lauter Begeisterung unter Wert zu verkaufen. Der Businessplan war für mich eine gute Übung, um zu schauen, was ich verlangen muss, um von meinem Lektoratsbüro leben zu können.

Lektoratsbüro

Um ihr Lektoratsbüro in den Sozialen Medien zu präsentieren, hat Birte einen eigenen Instagram-Buchblog begonnen. Dort erzählt sie über Bücher und das Büchermachen. Die Blogbeiträge sind zudem auf der Website von „Herz und Zeile“ integriert. Foto: XPS via Unsplash

Und? Wie ist die Auftragslage?

Im Januar startete ich in die Akquise und kontaktierte Verlage und Literaturagenturen, die mich schon kannten. Schnell war ich bis August ausgebucht. Es ist ein großartiges Gefühl, dass mir so viele Menschen nach wie vor ihr Vertrauen schenken und das Netzwerk so super trägt.

Was gefällt dir an deinem Leben als selbstständige Lektorin?

Ich kann mich wieder mehr auf die Arbeit an Texten und Bildern und die Zusammenarbeit mit den Urheber_innen konzentrieren. Gerade für kleine Tausendsassa wie mich ist die Vielfalt der Aufgaben im Verlag großartig. Aber wenn ich ehrlich bin: Weniger Meetings in Riesenrunden und dafür mehr kreative Anteile, das ist schon schön. Ich hatte etwas Sorge, die Nähe zu den Büchern zu verlieren. Aber mit der Überarbeitung von Texten für Verlage und Literaturagenturen, dem Projektmanagement vom Manuskript zum Buch, der Begutachtung von Skripten und der Autoren-Beratung kann ich sie auch als Freie mit meinem eigenen Lektoratsbüro ein großes Stück ihres Weges begleiten. Das Beste an der Freiberuflichkeit ist, dass ich mehr Freiheiten habe. Ich versuche auch, auf meine Bedürfnisse zu achten und habe schon potenzielle Jobs abgesagt, damit ich wirtschaftlich arbeiten kann.

Hast du einen Tipp für andere, die gründen wollen?

Traut euch, es lohnt sich! Und: Ihr seid nicht allein! Das tolle Angebot der hei. als Ausgangspunkt sollte man auf jeden Fall nutzen. Sucht euch Berufsverbände, in denen ihr euch mit Leuten aus eurer Branche austauschen könnt – und wenn’s nur um eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung geht. Ich bin z.B. im „Verband Freier Lektorinnen und Lektoren“. Vor allem: Schüttelt die Angst vor dem Scheitern ab. Es ist viel anstrengender, die Angst davor über Jahre mit sich herumzutragen, als einmal mutig zu sein.

Artikel vom 15. April 2021

Hamburger Gründertag digital 2021: Eine Woche voller Infos, Tipps & Inspiration

Hamburger Gründertag digital

Der Hamburger Gründertag digital 2021 findet vom 3. bis 7. Mai statt. Foto: Mongta Studio via Shutterstock

Am 3. Mai ist es soweit: Der Hamburger Gründertag digital geht in seine zweite Runde. Eine Woche lang – also vom 3. bis 7. Mai – haben Gründungsinteressierte sowie Gründer_innen in der Startphase dann die Gelegenheit, sich virtuell fit zu machen für die Selbstständigkeit und die Gründung des eigenen Unternehmens. Und die hei. als Veranstalterin legt gemeinsam mit den Partner_innen aus dem Hamburger Gründungsnetzwerk diesmal noch eine Schippe drauf: Neben den bekannten Formaten wie Live-Chats mit Expert_innen und Impulsvorträgen gibt es diesmal auch Gründer-Talks und neue Podcast-Folgen – allesamt verfügbar auf der zentralen Website des Hamburger Gründertags digital: www.gruendertag.hamburg. Weiterlesen

Artikel vom 08. April 2021

Podcast „Gründung in Sicht“: Interview mit Judith Glatzer von Milk Made Ice Cream

Sollte man als Gründer_in mit Freunden zusammen arbeiten oder besser strikt Privates und Berufliches trennen?

Diese Fragen hat sich auch Judith Glatzer während ihrer Gründung gestellt und arbeitet mittlerweile mit einigen Freunden in ihrem Team täglich und eng zusammen. Und es funktioniert!

In dieser Folge von unserem Podcast „Gründung in Sicht“ berichtet Judith von Milk Made Ice Cream über ihre Selbstständigkeit. Neben einer eigenen Eismanufaktur und einem Eis-Catering betreibt sie seit März 2020 auch ihren eigenen Eisladen in der Eppendorfer Landstraße in Hamburg. Neu hinzugekommen ist gerade kürzlich ein zweiter Ice Cream Shop im Stadtteil Ottensen.

Die studierte Sozialpädagogin erzählt uns, wie es zu ihrer beruflichen Wendung hin zum Eis kam. Wie es ist, mit Freunden zu arbeiten. Wie es sich anfühlt, wenn die Geschäftspartnerin aussteigt und man allein weitermacht und an der Idee festhält. Und welche Herausforderungen, aber auch welche ganz besonderen Glücksmomente eine eigene Gründung mit sich bringt.

Alle weiteren Informationen zu Judiths Gründung findet ihr unter milkmadeicecream.de
Und wenn ihr Interesse habt, ein Interview mit Judith zu lesen und zu erfahren, wie sie durch die Corona-Krise kommt, findet ihr hier einen Blogbeitrag mit ihr.

Milk Made Ice Cream

Claudia-Marie Dittrich, Julia Penkert und Judith Glatzer (v.l.n.r.) nach dem Podcast-Interview bei der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Alle hatten sichtlich Spaß! Foto: Privat

Podcast „Gründung in Sicht“

In unserem Podcast geben regelmäßig bereits erfolgreiche Hamburger Gründer_innen Einblicke in ihren Unternehmensalltag. Sie berichten ehrlich von ihren eigenen Erfahrungen und ihren ganz unterschiedlichen Herausforderungen und Glücksmomenten. Denn wir wollen wissen: Wie fühlt es sich an, selbstständig zu sein, komplett eigenverantwortlich, aber selbstbestimmt? Wie sind die Gründer_innen durch gestartet, welche Unterstützung und Angebote bietet das Hamburger Gründungsnetzwerk? Außerdem kommen in manchen Folgen Experten zu Wort, um wichtige Infos und Tipps rund um alle Themen der Gründung zu geben.

DANKE an Judith für dieses spannende Interview! Und allen Leser_innen, die sich bald in Judiths Läden auf ein Eis blicken lassen – lasst es euch schmecken 🙂

Wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden spannenden Gespräche mit Gründer_innen und Expert_innen in diesem Jahr! Zu unserem Hamburger Gründertag digital, der vom 3. bis 7. Mai 2021 stattfinden wird, erwarten euch ebenfalls brandneue Folgen!

Artikel vom 01. April 2021

Online-Marketing für Anfänger_innen: Interview mit Axel Hoops vom Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg

Kurzinterview

Online-Marketing geht auch mit kleinen Mitteln und Einsteiger-Know How. Und kann besonders für Gründer_innen ein effektives Mittel sein, um Aufmerksamkeit und Reichweite für Marke, Produkt oder eine Dienstleistung zu schaffen. Foto: Adam AY via Unsplash

Online-Marketing ist ein weites Feld mit vielen Schlagworten. Kein Wunder also, dass Gründer_innen schnell den Überblick verlieren, welche Tools für sie wirklich zielführend sind. Gerade wenn der Budgetrahmen klein ist. Richtig genutzt, kann Online-Marketing aber ein effektives Mittel sein, um Aufmerksamkeit und Reichweite für seine Marke, sein Produkt oder seine Dienstleistung zu schaffen. Auch ohne riesengroßes Investment und umfangreiches IT-Wissen.

Wir haben mit Axel Hoops ein Kurzinterview zum Thema „Online-Marketing“ geführt. Hoops ist Projektmanager des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums Hamburg. Ein Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), welches kleine und mittelständische Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützt. Nebenbei unterrichtet Herr Hoops als Dozent an der Nordakademie Hochschule der Wirtschaft und der ADG Business School die Module: E-Commerce, Zukunftsmanagement und Einkauf & Logistik im Handel.

Außerdem ist Axel Hoops als Referent mit einem Impulsvortrag zum Thema „Online-Marketing für Anfänger_innen“ beim diesjährigen Hamburger Gründertag digital dabei. Vorab verrät er uns schon im Interview, warum Online-Marketing gerade für Gründer_innen ein wichtiges Themengebiet ist. Und mit welchen Maßnahmen man am besten durchstartet.

Warum ist aus deiner Sicht gerade für Gründer_innen der Bereich des Online-Marketings ein sehr wichtiges Themenfeld?

Eine der wohl größten Herausforderungen für Gründer_innen ist die „Startphase“. Gerade die Themenwelt des Online-Marketings kann hierbei sehr hilfreich sein. Im Online-Marketing geht es einfach gesagt um die Sichtbarkeit im Netz. Also deine virtuelle „Visitenkarte“. Diese Sichtbarkeit im Netz ist für Gründer_innen essenziell, da du hierbei deine eigene Marke aufbauen kannst. Und durch gutes Marketing neue Kunden gewinnst. Aus diesem Grund solltest du dich vorher bereits damit beschäftigen und überlegen, über welche Kanäle und mit welchen Marketing-Kampagnen du deine Zielgruppe am besten erreichst.

Online-Marketing ist ja ein Schlagwort für ein breites Themenfeld ….wo setzt man da als Anfänger_in überhaupt am besten an und wie geht man weiter vor?

Online-Marketing ist in der Tat ein extrem breites Themenfeld. Als Anfänger_in sollte ich zunächst überlegen, wo meine potenziellen Kund_innen / Zielgruppe im Netz „zu finden“ ist. Sprich: Sind meine Kund_innen eher auf Social-Media-Kanälen wie z.B. Facebook und/oder Instagram unterwegs. Oder nutzen meine Kund_innen hauptsächlich Suchmaschinen wie Google oder Bing. Nach der Zielgruppenanalyse solltest du dort, wo deine potenziellen Kunden auffindbar sind,  z.B. eine eigene Unternehmensseite auf Facebook oder einen Google My Business-Eintrag mit allen relevanten Informationen (Adresse, E-Mail, Telefonnummer, Bewertungen etc.) platzieren.

Was sind die grundlegenden Basics, die jede(r) Gründer_in für sich entdecken sollte?

Als Gründer_in ist es besonders wichtig zu verstehen, wie die unterschiedlichen Online-Marketing Plattformen (Google, Facebook, Instagram usw.) funktionieren. Warum sind z.B. Unternehmen auf Google Seite 1 zu finden und andere nicht. Was ist der Unterschied zwischen den Begriffen SEO  (Search Engine Optimization) und SEA (Search Engine Advertising). Und wie kannst du dies für dein Unternehmen nutzen. Auch bei Social-Media Plattformen gilt es zunächst zu verstehen, wie diese funktionieren. Was muss ich als Gründer_in tun, damit ich dort mehr Reichweite erzielen kann. Und was machen erfolgreiche Unternehmen dort anders als weniger erfolgreiche.

Und muss man als Gründer_in direkt ein großes Budget für solche Maßnahmen einplanen oder kann man in diesem Bereich auch tatsächlich erstmal low budget durchstarten?

Hamburger Gründertag digital

Axel Hoops ist Projektmanager des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums Hamburg und unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen bei der digitalen Transformation. Foto: Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg

Gerade beim Online-Marketing gibt es diverse kostenlose Tools und „Low-Budget-Maßnahmen“, die gerade in der Startphase genutzt werden können. Vor allem im Bereich der Suchmaschinenoptimierung (SEO) lässt sich durch den Einsatz von eigener Zeit für die Erstellung von Texten und Inhalten (sogenannter „Content“) bereits sehr viel erreichen. Es empfiehlt sich ebenfalls, mit einem kleinen Budget für Online-Marketing Kampagnen zu starten, um erste Erfahrungen mit der Erstellung von Werbeanzeigen zu sammeln. Hierbei ist es vor allem wichtig, die Maßnahmen zu messen und zu analysieren. Ein Beispiel hierfür könnte die (steigende) Anzahl der Seitenbesucher sein. Oder ob die Seitenbesucher_innen eher mit dem Desktop oder Smartphone deine Homepage aufsuchen. Das Ziel sollte es am Ende sein, den Erfolg der Maßnahmen genau zu ermitteln, um die Kosten für die Marketing-Maßnahmen mit den jeweiligen Erlösen ins Verhältnis zu setzen.

Lieben Dank für das Interview! Wir freuen uns schon auf deinen Impulsvortrag beim Hamburger Gründertag digital, der vom 3. bis 7. Mai 2021 stattfinden wird.

Infos hierzu findet ihr unter: www.gruendertag.hamburg. Und falls ihr euch kostenfrei registrieren möchtet, könnt ihr das hier tun.

Artikel vom 26. März 2021

Gründerstory: Edle Bohnen und eine große Portion Mindfulness

Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas

Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas ist Gründer von “Leo´s Mindful Beans”. Deutschlands erstem klimaneutral hergestellten und plastikfrei verpackten Kaffee. Foto: Nadja Hansen WHY

Kaffee und Achtsamkeit? Das gehört einfach zusammen, findet Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas. Mit “Leo´s Mindful Beans” möchte der studierte Geologe aus Salvador de Bahia nicht nur den besten Bio-Kaffee der Welt anbieten. Er will auch zu einem bewussteren Kaffeegenuss inspirieren. Und mit dem ersten klimaneutral hergestellten und plastikfrei verpackten Kaffee Deutschlands eine Marke aufbauen, die für soziale und ökologische Verantwortung steht.

Sein Anspruch ist hoch. Dennoch gelingt es Leonardo, Ehrgeiz und Tiefenentspannung irgendwie zusammenzubringen. Als der Sohn eines Brasilianers und einer Deutschen 2017 mit Frau und zwei Kindern nach Hamburg zog, war das eine harte Entscheidung. Doch mit Meditation lernte er, wieder Klarheit und einen Fokus für sein Leben zu gewinnen – die er jetzt auch für sein Unternehmertum nutzt. “`Leo’s Mindful Beans` bringt mein Wissen und meine Lebenserfahrung in einem Projekt zusammen“, sagt er.

Dabei schien zunächst nichts auf eine Karriere im Kaffeemarkt hinzudeuten. Nach dem Geologie-Studium in Bahia hatte er für NGOs im Umweltbereich gearbeitet. 2007 setzte er in Bonn noch seinen Master in Landwirtschaft- und Naturresourcenmanagement drauf und arbeitete in Brasilien im Bereich nachhaltige Entwicklung. „Da wurde viel geplant, aber wenig umgesetzt. Das war enttäuschend, weil ich mit meinem Wissen etwas Konkretes bewirken wollte“, so Leonardo. Seine Liebe zum Kaffee hatte er zu dieser Zeit gerade entdeckt – in Bonn. „Meinen ersten guten Kaffee trank ich tatsächlich in Deutschland. In Brasilien schmeckte er bitter und verbrannt, die besten Qualitäten werden ja exportiert.“

Kaffeeanbau

In seinem Heimatland Brasilien hat Leonardo 2009 selbst Bio-Kaffee angebaut. Bis die größte Dürre des Jahrhunderts kam und Leonardo dazu veranlasste nach Hamburg umzusiedeln. Foto: Privat / Leonardo Maximiliano Bittner de Freitas

Erste Erfolge in Brasilien – mit Verkostungen

2009 überzeugte er seinen Vater, auf einem Stück Land in der Region Chapada Diamantina, das der Familie gehörte, Bio-Kaffee anzubauen. Bis nach drei Jahren die erste Ernte anstand, kaufte er die Bohnen bei anderen Farmern. Wurde Röster. Erhielt den Q-Grader, das internationale Zertifikat für Verkoster_innen und machte sich in der Branche einen Namen. Und er beriet die Bauern, wie sie die Qualität ihrer Ernten verbessern konnten. Als seine ersten eigenen Bohnen erntereif waren, galt Leonardo bei den Spitzenköchen und Feinschmeckern des Landes bereits als Geheimtipp. Doch die schlimmste Dürre des Jahrhunderts, gefolgt von einer Familienkrise, machte dem Jungunternehmer zu schaffen. Schweren Herzens siedelte er nach Hamburg über und nahm eine Stelle bei einem Kaffeehändler an.

Doch im März letzten Jahres kam wieder die Gründerlust durch. Die Geschäftsidee: Ein exklusiver, aber fairer Kaffeehandel. Bei dem die brasilianischen Landwirte, mit denen er dank guter Kontakte direkt verhandelt, dreimal mehr verdienen, weil unter anderem die Zwischenhändler wegfallen. Der frisch geröstete Kaffee wird in kleinen Mengen in einer 100% plastikfreien Papierverpackung verkauft und kommt dann – wie bei Oma – in die wiederverwendbare Dose. Und für jedes verkaufte Kilo Röstkaffee wird ein Baum gepflanzt. Klimaneutraler Less Waste-Kaffee vom Feinsten also.

Über die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative zum Crowdfunding

Aber wie etabliert man sich im deutschen Markt? Beim ersten Googeln stieß Leonardo auf die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Besorgte sich das hei.scheckheft und besuchte Seminare zu Buchführung, Steuer, PR und Videoproduktion mit dem Smartphone. Über die hei. kam auch der Kontakt zu Unternehmensberaterin Brit Tiedemann zustande. Sie riet zum Crowdfunding. „Das war für mich der Sprung in die Öffentlichkeit. Ich fing ja bei Null an und hatte keinerlei Startkapital. Ohne ihren Rat hätte ich das nicht geschafft“, sagt der Gründer. Für den Start der Kampagne und das notwendige Marketing erhielt er außerdem 5.000 Euro von der Hamburger Kreativgesellschaft. Und der Gründungszuschuss, den er seit August 2020 bekam, hielt ihm erstmal den Rücken frei.

Gründerstory

Der frisch geröstete Kaffee von „Leo`s Mindful Beans“ wird in kleinen Mengen in einer 100% plastikfreien Papierverpackung verkauft. Foto: Nadja Hansen WHY

Die gezielt umgesetzten Tipps zahlten sich aus. 15.000 Euro kamen durch das Crowdfunding zusammen. „Einen Teil investiere ich in Design und Kommunikation, in Aktionen zum Launch des Shops, bei dem mich eine Agentur unterstützt, und natürlich in den Rohkaffee. Aber das Geld ist schnell weg“, sagt Leonardo. Den Online-Shop stellt er deshalb mit „Shopify“ selbst auf die Beine. Vertrieb und Kommunikationskanäle müssen aufgebaut werden – aber mit Mindfulness. „Wichtig ist mir Klarheit, was ich anbiete. Wie die Verpackung aussehen soll. Wie wir die Bäume pflanzen. Mein Ziel ist es, erst die Marke aufzubauen. Und wenn die Nachfrage da ist, kann ich weiter wachsen und Mitarbeiter_innen einstellen.“

„Suche ein Ziel, das auch für andere sinnvoll ist“

„Unternehmertum hat mit dem inneren Mindset zu tun“, sagt der begeisterte Yogi, der genau weiß, wie sich mutlose Phasen anfühlen. Aber auch, wie man sich aus ihnen befreit. „Glaube an dich selbst. Suche ein Ziel, das auch für andere Menschen sinnvoll ist und verfolge deinen Traum“, rät er anderen Gründer_innen. „Ich kann die Welt nicht komplett ändern, aber mein Produkt kann etwas dazu beitragen, dass die Welt besser wird. Ich kann dann sagen, ich habe etwas Vernünftiges in meinem Leben gemacht. Das motiviert mich.“

Artikel vom 19. März 2021

Gründen in der Gastronomie: Kurz-Interview mit Björn Grimm von Grimm Consulting

Existenzgründung

Aus dem Traum vom eigenen Restaurant Wirklichkeit werden lassen: Grimm Consulting berät Hotel- und Gastronomie-Betriebe aus dem Mittelstand und begleitet diese auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Foto: Artem Beliaikin via Unsplash

Einen eigenen gastronomischen Betrieb gründen – ein eigenes Restaurant oder Café eröffnen. Für viele Gründer_innen ein echter Lebenstraum. Der aber auch sehr viele Herausforderungen mit sich bringt – gerade in diesen für die Gastronomie so unsicheren Zeiten.

Wir haben Björn Grimm zu einem kurzen Interview getroffen. Grimm ist Inhaber von Grimm Consulting, einem Unternehmen, das auf die Beratung von Hotel- und Gastronomie-Betrieben aus dem Mittelstand spezialisiert ist und sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Zudem ist Björn Grimm als Referent und Experte bei unserem diesjährigen Hamburger Gründertag digital dabei und hält einen Impulsvortrag zum Thema „Gründen in der Gastronomie“. Vorab gibt er im Interview schon ein paar hilfreiche Tipps….

Lieber Björn, Was sind aus deiner Sicht die drei wichtigsten Voraussetzungen, die man mitbringen sollte, wenn man sich in der Gastronomie erfolgreich selbstständig machen möchte?

1. Du liebst Menschen – ganz gleich ob Gast, Mitarbeiterin oder Mitarbeiter!

2. Du liebst das Geld!

3. Du liebst dein Konzept – feile solange mit professioneller Unterstützung daran, bis es richtig funktioniert.

Und welche Fähigkeiten würdest du als die drei wichtigsten bezeichnen?

Zu allererst: sich in Menschen und deren Bedürfnisse empathisch rein denken zu können. Zudem würde ich sagen, dass es sehr wichtig ist, Beharrlichkeit in der inhaltlichen und monetären Zielverfolgung mitzubringen. Und man sollte spontan auf komplexe Situationen reagieren können, ohne gleich den Kopf zu verlieren.

Wie bewertest du die aktuelle Pandemiesituation in Bezug auf geplante Neugründungen im Bereich der Gastronomie? Sollten Gründer_innen sich trotzdem auch zu dieser Zeit trauen?

Wir sind allesamt auf der Ebene des Glaubens unterwegs – wie in der Kirche. Wirklich wissen tun wir alles erst in der Nachbetrachtung. Ich rate dazu, die Zeit für eine effektive Planung, eventuelle Weiterbildung und Konzeptphase zu nutzen. Wer plant, der gewinnt. Dann auf eine gute Chance warten und zum richtigen Zeitpunkt zugreifen!

Welchen Rat möchtest du Gründer_innen aus dem Gastronomiebereich mit auf den Weg geben, die kurz vor der Corona-Krise gegründet haben und ausgebremst wurden, bevor ihr Business erst so richtig durchstarten konnte?

Referent Hamburger Gründertag digital

Großer Erfahrungsschatz: Björn Grimm, Inhaber von Grimm Consulting ist bereits seit 20 Jahren auf die operative und betriebswirtschaftliche Beratung der Hotellerie und Gastronomie spezialisiert.

Verliert nicht den Glauben an eure Gründung und bleibt in Gedanken positiv! Achtet darauf, die eigene Liquidität zu planen und sicher zu stellen. Macht euch schlau, welche gesetzlichen und förderrechtlich nutzbaren Angebote euch zur Verfügung stehen, nehmt diese wahr und ganz wichtig: bleibt im Dialog mit euren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denn die haben auch Angst!

Lieben Dank für das Interview! Wir freuen uns schon auf deinen Impulsvortrag beim Hamburger Gründertag digital, der vom 3. bis 7. Mai 2021 stattfinden wird.

Infos hierzu findet ihr unter: www.gruendertag.hamburg. Und falls ihr euch kostenfrei registrieren möchtet, könnt ihr das hier tun.

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