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Artikel vom 24. Februar 2022

Gründerstory: Vorhang auf für die virtuelle Theaterwelt

Virtual Reality Experience Design

Virtual Reality Experience Designerin: Um sich diesen Traum zu verwirklichen, ließ sich Lena Biresch zunächst zur Spieleprogrammiererin ausbilden. Mittlerweile entwirft die Gründerin nicht nur virtuelle Welten fürs Theater, sie arbeitet auch als VR-Künstlerin. Foto: Carlos Bank

Für Lena Biresch war es ein echtes Aha-Erlebnis: „Sobald ich die VR-Brille aufgesetzt hatte, wusste ich: Das will ich machen!“ Einziger Haken: Eine spezielle Ausbildung für Virtual Reality-Designer gab es damals nicht. Also musste die 42-Jährige einen Umweg nehmen. Sie ließ sich zur Spieleprogrammiererin ausbilden. Schließlich arbeitete man dort mit der gleichen Software, mit der auch Virtual Reality programmiert wird. Heute entwirft die Gründerin nicht nur virtuelle Welten fürs Theater, sie arbeitet auch als VR-Künstlerin. Und kann davon gut leben.

Als bekennender Star Trek-Fan hatte Lena immer den Traum, irgendwann ein eigenes Holodeck zu bauen. Aber: Wenn sie Virtual Reality erschaffen wollte, musste sie lernen, wie die Sprache dahinter funktionierte. Das SAE-Institut schien ihr hierfür der beste Ort. „Das ist ein Privatanbieter, der nach dem Hands-on-Prinzip arbeitet. Also viel Praxis. Innerhalb von 18 Monaten lernt man unheimlich viel.“ Nach vielen Jahren im Theaterbereich als Regieassistentin, Stückautorin und Regisseurin und kurzen Intermezzi als Veranstalterin und Kuratorin holte die studierte Literaturwissenschaftlerin das Arbeitsamt ins Boot. Das ihr dank ihrer Hartnäckigkeit die Umschulung finanzierte.

Lena Biresch

An der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund arbeitete Lena Biresch an ihrem kooperativen Spiel „HoloPy³“, das Virtual und Augmented Reality (letzteres in Form einer Hologrammpyramide) im Theaterkontext miteinander verbindet. Foto: Meike Gerstenberg

Der Lockdown als Chance

Nach dem Abschluss war ihr bereits eine Festanstellung bei einer Firma sicher, die u.a. interaktive Erlebniswelten für Museen baut. Doch dann kam Corona. Und der Job lag auf Eis. „Es folgten zwei Monate Schockstarre“, erzählt Lena, „und dann, plötzlich, kamen Aufträge. Alle aus dem künstlerischen Bereich. Und nach dem dritten war klar: Es läuft.“ Parallel erhielt sie ein fünfmonatiges Forschungsstipendium an der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund. „Da ging es um Virtual Reality im Theaterbereich – und zack, hatte ich meine Nische, auch wenn ich da noch gar nicht vorhatte, mich selbständig zu machen.“ Durch Corona boomte der digitale Theaterbetrieb. Und sie nutzte ihre Chance: Am 1. August 2020 gründete sie „Lena Biresch – Virtual Reality – Games – Theater“.

Mittlerweile bezeichnet sich Lena als „Virtual Reality Experience Designerin“. „Ich mache eigene Kunstprojekte, beteilige mich an Ausstellungen wie dem PAD Festival, entwickle aber auch mit Theatern Konzepte für die digitale Bühne. Da gibt es ja noch keine Vorbilder und die Grenzen verschwimmen. Ist das mehr ein Game oder eine Website? Die Entwicklung ist sehr offen…“ Was ihr besonders gefällt: die Aufbruchstimmung. „Von Anfang an dabei zu sein, mit der Technik zu wachsen, die Erzähltechniken zu lernen und zu formen, das hat mich total gereizt. Und in der Virtual Reality-Szene herrscht ein toller Zusammenhalt!“

Lena Biresch

Lena Bireschs Work in progress heißt „Me, Myself & My Avatars (or remapping the homunculus)“ und verwendet neben den herkömmlichen Trackern der VR-Brille auch Muskel- und Pulssensoren zur Steuerung von Avataren. Foto: Lena Biresch, Tore Nobiling und Nico Parisius

„Die Gründungsberaterin pochte auf den Businessplan, und sie hatte recht“

Heute kann die Freiberuflerin von ihren Projekten leben. Und sogar auf Akquise verzichten. Zur Gründung hatte sie dennoch jede Menge Beratungsbedarf und wandte sich an die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. „Bei dem Gespräch mit Frau Eschrich-Steidle kam heraus, dass viel Arbeit vor mir liegt. Das hat mich erstmal erschlagen. Ich wollte keinen Businessplan schreiben. Aber sie pochte darauf. Heute muss ich sagen: Sie hatte recht. Planung und Finanzen sind enorm wichtig. Und mit meinem Business-Plan habe ich einen Meilenstein geschafft.“

Ein Netzwerk allein genügt nicht

Mit dem hei.scheckheft besuchte sie Seminare wie „Souverän verhandeln“, „AGBs und Verträge“ und „Buchführung für Freiberuflerinnen und Kleingewerbetreibende“. Und sie begann mit gezieltem Netzwerken. „Beim Austausch bei den hei.gründerinnen erkannte ich: Anderen geht es genauso! Wir geben uns Tipps und stärken uns den Rücken. Das ist echte Hilfe zur Selbsthilfe!“ Aber: Ein Netzwerk allein genügte nicht. „Die hei.gründerinnen sind super, aber alle machen etwas anderes, deshalb habe ich parallel dazu ein Künstler-Netzwerk. Für unterschiedliche Fragen braucht man einfach verschiedene Netzwerke.“ Bei Hackathons oder Konferenzen knüpft sie weitere Kontakte. Vieles, sagt sie, laufe über Empfehlungen. „Und online gibt es quasi keine Grenzen, das nutze ich.“

Lena Biresch

Im Rahmen des Places_VR Festivals 2020 in Gelsenkirchen war Lena Biresch Teil der Künstler-WG Creative_Places und entwickelte mit ihren mitbewohnenden Kollegen eine Social VR Performance. Foto: Frank Vinken

Den Berg an Arbeit in Stücke schlagen

„Aktuell werden meine Projekte größer, ich habe jetzt zwei Mitstreiter_innen, die mir zuarbeiten“, erzählt sie. Für ihr aktuelles Projekt erhielt sie gleich zwei Förderungen. „Wenn wir das im Frühjahr abschließen, möchte ich es gerne in Galerien, an Theatern und bei Indie Game-Festivals vorstellen.“ Mit unterschiedlichen Künstlern zusammenzuarbeiten, immer wieder neue kreative Teams zu bilden und dennoch sein eigener Herr zu sein, das schätzt sie an ihrer Selbstständigkeit besonders. „Jeder kann es schaffen“, ist sie überzeugt. „Man kann den Berg an Aufgaben wie einen Eisblock zerschlagen und einzelne Stücke abarbeiten. Dann sieht das auch nicht mehr so bedrohlich aus.“

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