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Artikel vom 27. April 2022

Gründerstory: Spezialitätenkaffee im Hosentaschenformat

Kaffee

Die beiden Gründer Edgar Kirst und Luis Herget haben mit BLAEK einen Instant-Kaffee kreiert, der nicht nur convenient ist, sondern auch das Zeug zum anspruchsvollen Specialty Coffee hat. Foto: Gayeon Lee

Instant Kaffee? Findet sich wohl eher auf dem Bau als im Haushalt eines Kaffee-Gourmets. Umso mutiger war der Plan von Edgar Kirst und Luis Herget: Einen Instant-Kaffee zu kreieren, der nicht nur convenient ist, sondern auch das Zeug zum anspruchsvollen Specialty Coffee hat. Und das, obwohl sich die beiden Betriebswirtschaftler, die gerade ihr Studium beendet hatten, an die Herstellung erst herantasten mussten. Doch ihr „BLAEK Specialty Instant Coffee“ überzeugt auch die Zweifler_innen.

Ihr beide habt euch an der Copenhagen Business School kennengelernt. War es der schlechte Uni-Kaffee, der euch auf die Geschäftsidee gebracht hat?

Edgar: Ja, und der war dazu noch richtig teuer! Es musste doch möglich sein, dachten wir, einen schnellen Kaffee zuzubereiten, der mit der Qualität im Café mithalten konnte. In Kopenhagen entwickelte sich gerade die sogenannte „Specialty Coffee“-Szene. Man bezog den Kaffee direkt, röstete die Bohnen sanfter, legte mehr Fokus auf Qualität und Geschmack. Aber klar: Bei Instant Kaffee denkt jeder erstmal an goldene Deckel und ein angestaubtes Image.

Und das hat euch nicht abgeschreckt, einen eigenen Instant Kaffee zu kreieren?

Luis: Aus unserer Sicht lief das Produkt weit unter seinem Potenzial. Aber wir mussten erstmal verstehen, wie Instant-Kaffee hergestellt wird – und ob da mehr ging. Dafür brauchten wir Expertenrat, zum Glück kannten wir einen Röstmeister. Wir kauften einen Gefriertrockner,  starteten erste Versuche – und waren überrascht, wie toll das Ergebnis war, wenn man ein ausgezeichnetes Konzentrat herstellt. Die nächste große Herausforderung war dann die Produktion…

Kaffee

BLAEK entspricht einem Specialty Coffee durch hochwertige Bohnen, eine schonende Röstung und eine neue Extraktionsmethode, die weniger Hitze benötigt. Kaffee auf Rösterei-Niveau im Hosentaschenformat, schnell zubereitet nur unter Zugabe von heißem Wasser. Daher auch ideal z.B. auch für alle Naturliebhaber, die unterwegs nicht auf guten Kaffee verzichten wollen. Foto: Gayeon Lee

Habt ihr gleich die Branchenriesen angesprochen?

Edgar: Indem wir kleine Mengen produzieren, stellen wir sicher, dass die Prozesse für unser Produkt optimiert sind. Das wäre mit den Großen unmöglich. Als Seiteneinsteiger die gesamte Industriedienstleistung zu durchblicken war allerdings eine echte Herausforderung. Über „Wer liefert was.de“ findet man aber B2B-Unternehmen, die sonst im Hintergrund agieren, das war super. Viele haben offene Ohren für neue Idee und helfen mit Kontakten, da war kein Wettbewerb – auch wenn es Überzeugungsarbeit brauchte, erstmal kleinere Mengen zu verarbeiten. Unsere Partnerrösterei sitzt im Raum Hannover, ein anderes Unternehmen übernimmt das Extrahieren und Konzentrieren, ein drittes die Gefriertrocknung und ein viertes die Verpackung. Wichtig ist, dass alle Prozesse zeitnah aufeinanderfolgen.

Die Konkurrenz ist allerdings riesig. Wie setzt Ihr euch davon ab?

Luis: Unser Kaffee entspricht einem Specialty Coffee und ist trotzdem super easy gemacht. Das ist bislang einzigartig im Markt. Wir punkten durch hochwertige Bohnen, eine schonende Röstung und eine neue Extraktionsmethode, die weniger Hitze benötigt, so schmeckt der Kaffee runder. Wir bieten quasi die Rösterei im Hosentaschenformat – ideal z.B. für alle, die wie Edgar und ich Outdoor-Freaks sind. Edgar segelt, ich klettere, fahre Rad, da passen die Sachets perfekt. Wichtig ist uns auch Nachhaltigkeit: Anders als die Pad-Hersteller verwenden wir kein Aluminium, sondern eine reine Mono-PE-Verpackung. Das war zunächst schwierig, weil für kleine Mengen keine eigene Produktion gestartet wurde und wir erstmal auf Standards zurückgreifen mussten.

Kaffee

Wichtig ist den Gründern von BLAEK auch das Thema Nachhaltigkeit. Beispielsweise wird für die Verpackung – anders als bei Pad-Herstellern – kein Aluminium verwendet. 67% des Verpackungsmaterials besteht aus erneuerbaren Ressourcen wie Holzresten, Zuckerohr und pflanzlichen Ölen. Foto: Gayeon Lee

Habt ihr euch vor der GmbH-Gründung betriebswirtschaftlich beraten lassen?

Edgar: Klar! Die erste Anlaufstelle war ein Netzwerktreffen der hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative, da kamen wir direkt in den Austausch mit anderen Gründer_innen. Mit dem hei.scheckheft besuchten wir dann Seminare über grundlegendes Wissen zur Gründung, Rechtsformen, Steuern und Kund_innenumfragen. Auch wenn wir aus dem Studium viel Hintergrundwissen mitbrachten, fehlte doch der Blick dafür, wie man das in der eigenen Gründung umsetzt. Deshalb war das eine tolle Einstiegshilfe! Bei der Finanzierung unterstützten uns Freunde und Familie, das Produkt  sollte stehen, ohne dass uns andere reinreden. Aber perspektivisch wollen wir uns über einen Business Angel mehr Möglichkeiten erschließen.

Was sind eure nächsten Ziele?

Luis: Instant Kaffee soll ein akzeptierter Kaffeegenuss werden – und wir wollen eine starke Marke etablieren. Bislang verdienen wir 50 Prozent über den eigenen Webshop und 50 Prozent über rund 150 Concept Stores, Delikatess- und Outdoorläden. Ende des Jahres wollen wir im Biofachhandel vertreten sein, da geht es dann um ganz andere Mengen. Das muss finanziert und mit Marketing begleitet werden, da ist unser sechsköpfiges Team voll ausgelastet. Wir planen aber auch Kooperationen mit bekannten Röstereien in Hamburg und Berlin. Unser Traum ist es, in Flugzeugen und Hotels angeboten zu werden. Da kann es ein Vorteil sein, wenn z.B. eine Marke wie Elbgold dahinter steht, da weiß jeder, das ist guter Kaffee.

Was ratet ihr anderen, die in Hamburg gründen wollen?

Edgar: Berufserfahrung ist gut, weil man Prozesse kennt und ein finanzielles Polster aufbauen kann, dann hat man weniger Druck. Wer wie wir direkt nach dem Studium gründet, ist allerdings auch bescheidener. Außerdem sollte man am Anfang nicht zu perfektionistisch zu sein…

Luis: Genau! Einfach loslegen und mit kleinem Risiko starten. Klar, ein Businessplan ist wichtig, aber am Ende muss man es testen. Wir sind noch nicht perfekt, aber hätten wir das sein wollen, hätten wir bis heute kein Produkt auf dem Markt.

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