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Artikel vom 27. Oktober 2022

Gründerstory: Die Geschichte hinter der Schokoladentafel

Schokolade

Marvin Coböken und Lisa Sanders sind die Gründer:innen von „once upon a bean“ – der Plattform für faire & nachhaltige bean-to-bar Schokolade. Foto: once upon a bean

Direkthandel, eigene Röstung, faire Preise – alles Dinge, die heute für Kaffeegenießer:innen wichtig sind. Nur beim Kakao, stellte Marvin fest, interessierte das buchstäblich nicht die Bohne. Da hatte der studierte Nachhaltigkeitsmanager gerade seine erste Stelle im Development Management bei der Kaffeerösterei Elbgold angetreten und machte sich fit im Bereich „Direct Trade“. So fit, dass der 31-Jährige zwei Jahre später mit Freundin Lisa „Once upon a bean“ gründete, eine Plattform, auf der die beiden ambitionierte „Bean-to-Bar“-Pionier:innen vorstellen, die den gesamten Prozess von der Bohne bis zur Schokoladentafel kontrollieren.

Ende 2020 habt ihr gegründet, jetzt fahrt ihr mit dem Bulli durch Europa. Klingt nach einem entspannten Geschäftsmodell…

Lisa: Man glaubt es kaum – auch das ist Arbeit. Wir besuchen Hersteller:innen und suchen neue Lieferant:innen. In den Niederlanden und Belgien waren wir im letzten Jahr, nun sind wir in Oberitalien, Tschechien, Litauen und Schweden unterwegs. Die Besuche vor Ort sind wichtig, weil wir mit „Once upon a bean“ die Geschichte hinter der Tafel erzählen wollen – wer sind die Leute, wie arbeiten sie? Das dokumentieren wir auch. Marvin ist Vollzeit dabei, ich bin Bauingenieurin und arbeite drei Tage in Teilzeit. Aber weil eine Gründung immer mehr Arbeit ist, als man denkt, habe ich auf ein Sabbathalbjahr gespart, das gerade anfing. Meine Mutter übernimmt Versand und Logistik, wir können also von überall arbeiten.

Was war die Initialzündung für die Gründung?

Marvin: Als wir entdeckten, dass es das, was Elbgold im Bereich Kaffee macht, auch bei Schokolade gibt, wurde klar, dass die Lieferkettenprobleme bei Kakao noch größer sind. In den Hauptanbaugebieten Elfenbeinküste und Ghana arbeiten 1,5 Millionen Kinder in der Kakaobranche, Regenwald wird für Monokulturen gerodet. Trotzdem achten wir beim Kauf nur auf die nette Verpackung und einen günstigen Preis. Dazu muss es eine Alternative geben! So kamen wir auf die Idee. Denn es strömen immer mehr kleine Schokoladen-Manufakturen auf den Markt, die verantwortungsvoll produzieren. Wenn auch die Qualität stimmt, sind sie bei uns richtig.

bean-to-bar

Die beiden Gründer:innen möchten sich mit „once upon a bean“ für einen bewussten Schokoladen-Genuss einsetzen. Und erzählen daher die jeweilige Produktionsgeschichte der Schokolade von der Bohne bis zur fertigen Tafel – handgefertigt von kleinen Manufakturen in kleinen Mengen. Foto: once upon a bean

Was zeichnet eure Plattform für Schokolade aus? Und wie verdient man damit Geld?

Lisa: Wir sind eine Informations- und Vertriebsplattform. Für jede Tafel gibt es einen Kriterienkatalog: Von welcher Farm kommen die Bohnen? Wie wurden sie fermentiert und weiterverarbeitet? Zu welchem Preis wurde eingekauft? Wie man das von Specialty Coffee-Läden kennt. Für Kakao und Schokolade gibt es das in Deutschland bislang noch nicht. Unsere Lieblingstafeln von den Hersteller:innen unseres Vertrauens kann man bei uns im Shop bestellen, einzeln oder im Abo, dann bekommt man monatlich vier Überraschungstafeln. Außerdem haben wir Probierpakete, Geschenksets und kooperieren mit Kaffeeröstereien, das funktionierte an Weihnachten super.

Und wie habt ihr die Gründung eurer GbR gestemmt?

Marvin: Einen Teil mit angespartem Eigenkapital. Ich bekam den Gründerzuschuss und Lisa ist ja noch in Teilzeit angestellt. Zum Markteintritt wählten wir ein Crowdfunding, das ging von März bis April 2021. Das Ziel waren 200 Bestellungen bzw. 11.500 Euro; am Ende kamen wir sogar auf über 400 Bestellungen. Das Geld nutzten wir, um das Lager einzurichten, die Schokoladen einzukaufen und die Website samt Logo aufzubauen. Außerdem hat uns die Hamburg Kreativgesellschaft ein professionelles Crowdfunding-Video finanziert. So konnten wir die Plattform direkt mit 12 Bean-to-Bar-Hersteller:innen starten.

Schokolade

IM Shop von „Once upon a bean“ kann man nicht nur einzelne Tafeln bestellen, sondern auch hochwertig verpackte Probier- oder Geschenkpakete auswählen. Foto: Once upon a bean

Habt ihr euch im Vorfeld beraten lassen?

Lisa: Eine Freundin, die zusammen mit ihrer Schwester die „Faire Fritzi“ gegründet hat, empfahl uns die hei.-Seminare. Der Kurs „Logoentwicklung und Brand Design“ war super, um Gefühl für das Kreative zu bekommen. Marvin gestaltete im WordPress Seminar die erste Website. Über das hei.-Netzwerk haben wir uns dann weiter vorgetastet. Die Vielfalt, die die hei. mit ihren Seminaren und Angeboten anbietet, von Social Media über Buchhaltung und Steuerberatung, ist der Wahnsinn. Da wird einem viel abgenommen!

Marvin: Die Seminare sind abgestimmt auf das, was man wirklich braucht. Genial war zusätzlich auch die Gründungswerkstatt der Handelskammer Hamburg. Das nutzte ich intensiv, um Struktur in den Businessplan zu bringen. Im Onlinetool sind alle Positionen, wo Kosten anfallen könnten, schon angelegt, an viele denkt man selbst nicht, das ist super vorformuliert. Beim Crowdfunding hat uns die hei. dann auch nochmal supportet und auf Social Media auf unsere Kampagne hingewiesen. Außerdem war ich schon oft im Impact Hub Hamburg, es gibt in Hamburg einfach eine sehr aktive Gründerszene.

Wie geht’s jetzt weiter?

Marvin: Im B2C-Bereich wollen wir wachsen, bei B2B sehen wir langfristig sogar noch größeres Potential. Bei Google hochrutschen und Geld für Google Ads und Instagram in die Hand nehmen, steht als nächstes auf dem Plan, und wir haben eine lange Liste mit Unternehmen, die wir direkt ansprechen möchten. Aber wir haben Zeit und lassen uns nicht von Zahlen treiben. Wichtig ist uns, dass die Kakao-Branche zu einem besseren Ort wird, denn wir sehen uns als Social Business.

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