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Artikel vom 26. April 2021

Gründerstory: Lektorieren mit Herz

Lektoratsbüro

Birte Spreng gründete Ende 2020 ihr eigenes Lektoratsbüro „Herz und Zeile“. Durch ein starkes Netzwerk und gute Akquise ist sie für das nächste Halbjahr schon gut gebucht und muss sich wenig Sorgen um die Auftragslage machen. Foto: Behr in mind Photography & Design

Der Wunsch, Lektorin zu werden, war immer da. Doch Birte Spreng wurde gewarnt. Es sei schwierig, eine Stelle zu finden. Sie wagte es trotzdem. Und ergatterte eine der begehrten Volontariatsstellen. Zwei Verlage und viele Bücher später fragte sich die 32jährige: Darf ich das hier wirklich aufgeben? Am 1. Dezember 2020 gründete die Lektorin schließlich „Herz und Zeile“, ihr eigenes Lektoratsbüro  – und muss sich um die Auftragslage wenig Sorgen machen.

Birte, du hast dich auf Umwegen zur Lektorin gemausert. Warum?

Im Nachhinein würde ich sagen, ich traute mir das lange nicht zu. Während meines Kultur- und Literaturwissenschaftsstudiums in Lüneburg habe ich einiges ausprobiert: Uniradio, Redaktionspraktika – da deutete noch alles auf Journalismus hin. Bei einem Praktikum im Literaturbüro Lüneburg kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit Autoren, bei der Edition Körber mit dem Büchermachen – und fing Feuer. Ich setzte in Leipzig noch einen Master in Buchwissenschaften darauf und jobbte bei verschiedenen Verlagen, u.a. im Vertrieb. Ich dachte, ich müsste andere Wege finden, um den Büchern nahe zu sein – weil mich viele warnten, ich würde als Lektorin keine Stelle finden. Aber immer, wenn ich mit Lektoratsvolontären sprach, regte sich ganz viel in mir. Da dachte ich: „Wenn du es nicht probierst, wirst du es bereuen.“ Zum Glück klappte es mit einem Volontariat bei meinem Lieblingsverlag, dem Kinder- und Jugendbuchverlag Carlsen. Ich fühlte mich sofort pudelwohl und wusste: Das ist es!

Lektoratsbüro

Bücher sind ihre große Leidenschaft: Nach Stationen in unterschiedlichen Verlagen schaffte Birte erst nach einer persönlichen Krise und einer kleinen beruflichen Auszeit den Sprung in die Selbstständigkeit. Foto: Behr in mind Photography & Design

Wie ging es weiter?

Nach dem Volontariat arbeitete ich im Lektorat des Aladin Verlags, wo ich viel über Bilderbücher und Illustration lernte, allerdings nur halbtags. Nachmittags lektorierte ich freiberuflich für andere Verlage, begleitete ein Leseförderprojekt, schrieb Rezensionen. Das war mein erster Kontakt mit der Selbstständigkeit und mir hat es super gefallen. Aber da ich die Sicherheit der Festanstellung hatte und mich von allem so begeistern ließ, verkaufte ich meine Leistungen oft unter Wert. Das ist immer noch meine Baustelle. 2018 bekam ich die Chance, bei HarperCollins in Vollzeit den Launch eines neuen Kinder- und Jugendbuchimprints zu begleiten, da habe ich wieder viel von tollen Vorbildern gelernt. Den Sprung in die Selbstständigkeit schaffte ich erst nach einer persönlichen Krise und einer kleinen beruflichen Auszeit, in der ich meine Träume und Prioritäten neu ordnete.

Hast du dich vor diesem wichtigen Sprung beraten lassen, um Baustellen wie die Honorarverhandlung besser in den Griff zu kriegen?

Natürlich! In Hamburg gibt es ein großes Angebot für Gründer_innen, aber nichts ist so kompakt wie die hei. Hamburger ExistenzgründungsInitiative. Den ersten Kontakt hatte ich schon während meiner Teilzeitselbstständigkeit, diesen Faden nahm ich wieder auf. Bei einem Gruppenvideomeeting mit Frau Bachmann konnte ich die drängendsten Fragen loswerden. Danach hatte ich ein Einzelgespräch mit ihr, den Businessplan gab es schon und sie konnte mir direkt Feedback geben. Das war auch deshalb wichtig, weil ich den Gründungszuschuss beantragen wollte. Auch ihr Hinweis auf das Gründerinnen-Netzwerk war super. Unter den hei.gründerinnen herrscht eine sehr unterstützende Atmosphäre und echte Aufbruchstimmung – eine besondere Art der Verbundenheit.

Hast du auch Seminare mit dem hei.scheckheft besucht?

Ja, „Buchführung für Freiberuflerinnen“ und ein Seminar zu SEO, da muss ich noch die Balance zwischen guten Texten und Suchmaschinenoptimierung finden. Zwei Social Media Seminare von Freibeuter waren für mich auch sehr interessant, weil ich einen Instagram-Buchblog begonnen habe. Dort erzähle ich über Bücher und das Büchermachen. Außerdem habe ich mich für Seminare zu den Themen „Innere Widerstände“ und „Verhandeln“ angemeldet, weil ich nicht erneut den Fehler machen will, mich vor lauter Begeisterung unter Wert zu verkaufen. Der Businessplan war für mich eine gute Übung, um zu schauen, was ich verlangen muss, um von meinem Lektoratsbüro leben zu können.

Lektoratsbüro

Um ihr Lektoratsbüro in den Sozialen Medien zu präsentieren, hat Birte einen eigenen Instagram-Buchblog begonnen. Dort erzählt sie über Bücher und das Büchermachen. Die Blogbeiträge sind zudem auf der Website von „Herz und Zeile“ integriert. Foto: XPS via Unsplash

Und? Wie ist die Auftragslage?

Im Januar startete ich in die Akquise und kontaktierte Verlage und Literaturagenturen, die mich schon kannten. Schnell war ich bis August ausgebucht. Es ist ein großartiges Gefühl, dass mir so viele Menschen nach wie vor ihr Vertrauen schenken und das Netzwerk so super trägt.

Was gefällt dir an deinem Leben als selbstständige Lektorin?

Ich kann mich wieder mehr auf die Arbeit an Texten und Bildern und die Zusammenarbeit mit den Urheber_innen konzentrieren. Gerade für kleine Tausendsassa wie mich ist die Vielfalt der Aufgaben im Verlag großartig. Aber wenn ich ehrlich bin: Weniger Meetings in Riesenrunden und dafür mehr kreative Anteile, das ist schon schön. Ich hatte etwas Sorge, die Nähe zu den Büchern zu verlieren. Aber mit der Überarbeitung von Texten für Verlage und Literaturagenturen, dem Projektmanagement vom Manuskript zum Buch, der Begutachtung von Skripten und der Autoren-Beratung kann ich sie auch als Freie mit meinem eigenen Lektoratsbüro ein großes Stück ihres Weges begleiten. Das Beste an der Freiberuflichkeit ist, dass ich mehr Freiheiten habe. Ich versuche auch, auf meine Bedürfnisse zu achten und habe schon potenzielle Jobs abgesagt, damit ich wirtschaftlich arbeiten kann.

Hast du einen Tipp für andere, die gründen wollen?

Traut euch, es lohnt sich! Und: Ihr seid nicht allein! Das tolle Angebot der hei. als Ausgangspunkt sollte man auf jeden Fall nutzen. Sucht euch Berufsverbände, in denen ihr euch mit Leuten aus eurer Branche austauschen könnt – und wenn’s nur um eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung geht. Ich bin z.B. im „Verband Freier Lektorinnen und Lektoren“. Vor allem: Schüttelt die Angst vor dem Scheitern ab. Es ist viel anstrengender, die Angst davor über Jahre mit sich herumzutragen, als einmal mutig zu sein.

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