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Artikel vom 22. April 2021

Existenzgründung im Nebenerwerb – Kurzinterview mit Gundula Zierott

Nebenerwerb

Gründer_innen im Nebenerwerb brauchen ein gutes Händchen für das Thema Zeitmanagement: Welche Zeiten stehen für die Teilzeit-Gründung zur Verfügung? Was bleibt für Familie und Freunde? Foto: mpho mojapelo via Unsplash

Wer nicht gleich mit vollem Risiko in die Selbstständigkeit starten will, finanziell abgesichert bleiben möchte durch eine (Teilzeit)-Festanstellung oder auch erst einmal herausfinden muss, ob die Selbstständigkeit überhaupt zur eigenen Persönlichkeit passt, der gründet im Nebenerwerb. Eine Entscheidung, die Gründer_innen immer häufiger für sich treffen – unabhängig davon, ob die Selbstständigkeit dann zu einem späteren Zeitpunkt in Vollzeit fortgeführt wird. Die Gründungsberaterin Gundula Zierott berät seit vielen Jahren auch zum Thema Existenzgründung im Nebenerwerb. Als Referentin beim Hamburger Gründertag digital vom 3. bis 7. Mai wird sie zu diesem Thema auch einen Live-Chat anbieten und neben einem Impulsvortrag auch direkt Fragen dazu beantworten. Wir haben sie vorab für ein Interview zum Thema befragt.

Was ist aus Deiner Sicht die besondere Herausforderung bei einer Existenzgründung, die nicht in Vollzeit gestartet wird?

Eine wesentliche Herausforderung besteht nach meiner Erfahrung darin, eine gute Balance zwischen verschiedenen Lebensbereichen zu finden. Für den Start in eine Selbstständigkeit braucht es neben einer guten Idee und einer ausreichenden Portion Motivation natürlich auch Zeit und Durchhaltevermögen. Für Teilzeitgründer_innen bedeutet das, sich realistisch zu überlegen: Welche Zeiten können für meine Selbstständigkeit zur Verfügung stehen? Und zwar nicht nur in den ersten Wochen und Monaten, in denen ich mit viel Euphorie an den Start gehe, sondern über einen längeren Zeitraum. Gerade wenn ich in Teilzeit oder im Nebenerwerb starte, werde ich mehr Zeit benötigen, bis sich sichtbare Erfolge einstellen. Sich das bewusst zu machen und es bei den Planungen mit einzubeziehen, kann helfen, durchzuhalten und regelmäßig am eigenen Business zu arbeiten.

Daneben ist es außerdem wichtig – bei aller Begeisterung für die Selbständigkeit – auch immer wieder Freiräume zum Auftanken im privaten Bereich zu schaffen. So können wir unsere Motivation und Arbeitsfähigkeit erhalten und auch die Akzeptanz von Familie und Freund_innen. Und die brauchen wir nicht nur am Start, sondern auch um Menschen zu haben, die uns unterstützen, wenn Schwierigkeiten auftauchen, und die sich mit uns freuen, wenn es richtig gut läuft.

Sollte man als Gründer_in die Gründung im Nebenerwerb nur als „Testphase“ und „Vorstufe“ betrachten oder kann eine Gründung im Nebenerwerb aus Deiner Sicht dauerhaft erfolgreich sein ohne in den Vollzeitmodus zu wechseln? Und wenn ja, wie gelingt das am besten?

Ich habe immer wieder Gründungen begleitet, wo die Gründer_innen eigentlich eine Vollzeitselbstständigkeit anstrebten, und bei denen von vornherein klar war, dass das Ziel war, die Selbstständigkeit mit einem überschaubaren Risiko an den Start zu bringen. In diesen Fällen kann die Gründung im Nebenerwerb in der Tat eine gute Möglichkeit sein, den Markt erst einmal zu testen, oder sich wirtschaftlich abzusichern, wenn schon klar ist, dass die Gründung erst nach einer längeren Anlaufphase tragfähig sein wird.

Genauso erlebe ich aber viele Nebenerwerbsgründungen, die gar nicht darauf ausgerichtet sind, irgendwann in einen Haupterwerb umgewandelt zu werden. Diese Gründungen erfolgen meist mit einer vollkommen anderen Motivation: Gründer_innen wollen ein Talent nutzen, das im Haupterwerb nicht so zum Tragen kommt, sie wollen eine Idee umsetzen, die sie spannend finden, ohne von deren Erfolg wirtschaftlich abhängig zu sein. Oder sie haben in ihrer aktuellen Lebensphase nur eingeschränkte zeitliche Ressourcen für eine Erwerbstätigkeit zur Verfügung, zum Beispiel weil Familien- und Erziehungsarbeit im Vordergrund stehen.

Das kann dann auch über längere Zeiträume sehr erfolgreich funktionieren, vorausgesetzt, die Gründer_innen und auch ihr Umfeld gehen mit realistischen Erwartungen an die Selbstständigkeit heran.

Welchen generellen, ultimativen Tipp kannst Du aus Deiner jahrelangen Beratungserfahrung Gründer_innen zum Start in ihre Selbstständigkeit mitgeben?

Machen Sie sich in der Planungsphase mit den Rechten und Pflichten für Selbständige in Deutschland vertraut. Wer Bescheid weiß, was in Sachen Steuern, Buchführung, Sozialversicherung auf ihn oder sie zukommt, kann in diesen Bereichen gute Entscheidungen treffen: Was will ich selbst erledigen, wo will ich mich ggf. von Fachleuten unterstützen lassen? Dazu gehört auch, sich mit den kaufmännischen Grundlagen vertraut zu machen: Welche Kosten habe ich eigentlich? Wie kalkuliere ich meine Preise? Wieviel Gewinn muss ich machen, damit sich die Gründung für mich lohnt?

Das erscheint vielleicht zunächst anstrengend, lohnt sich aber mittel- und langfristig. Wenn es wirklich losgeht, haben gut vorbereitete Gründer_innen die Energie frei, um sich auf das „eigentliche Geschäft“ zu konzentrieren: Kontakt zu den potenziellen Kund_innen aufzubauen, die eigenen Dienstleistungen und Produkte am Markt bekannt zu machen und mit Erfolg zu verkaufen.

Was macht für Dich eine Gründerpersönlichkeit aus?

Nach meiner Erfahrung gibt es nicht die eine „Gründerpersönlichkeit“. Dennoch lassen sich einige persönliche Faktoren benennen, die erfolgreiche Gründer_innen auszeichnen: Sie verfügen über ein gesundes Bewusstsein für eigene Kompetenzen. Sie sind motiviert, weil sie die Chancen, die die Selbstständigkeit bietet, hoch bewerten. Sie kalkulieren Risiken realistisch und bringen eine gewisse Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen mit für Phasen mit, in denen es mal nicht so läuft.

Existenzgründung im Nebenerwerb

Berät seit über 15 Jahren Gründer_innen in Hamburg – lange Jahre auch bei der Lawaetz-Stiftung: Gundula Zierott, Referentin beim Hamburger Gründertag digital 2021. Foto: privat

Forscher_innen haben gezeigt, dass Gründer_innen, deren Eltern bereits erfolgreich selbständig waren, häufiger als andere erfolgreich gründen. Das liegt oft daran, dass sie von klein auf gesehen haben, dass es Freude macht, selbst zu entscheiden, dass man auch mal Fehler machen und diese korrigieren kann. Und sie haben meist die Erfahrung gemacht, dass auch mal Rückschläge zu verkraften sind. Menschen aus Unternehmerhaushalten haben also immer schon Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Das heißt aber auch: Angehende Gründer_innen können sich Vorbilder suchen und die Eigenschaften, die noch nicht so ausgeprägt sind, trainieren, getreu dem Motto der hei.: „Selbstständigkeit kann man lernen!“

Herzlichen Dank für das Interview! Wir freuen uns schon auf den Live-Chat mit Dir beim Hamburger Gründertag digital (3.-7. Mai) am Mittwoch, den 5. Mai von 10 bis 11 Uhr! Anmeldungen sind kostenfrei möglich unter www.gruendertag.hamburg

 

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