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Artikel vom 11. March 2026

hei.gründer:innenstory: Liliya Pavlova – die Markenentwicklerin

Eine gute Dienstleistung oder ein gutes Produkt allein ist kein Garant für Erfolg. Damit potentielle Kunden erreicht werden, bedarf es einer ganzheitlichen Markenentwicklung. Ganz gleich, ob es sich um ein größeres Unternehmen oder um einen Solo-Selbstständigen handelt: Als Inhaberin der Liliia Pavlova Kreativagentur kümmert sich Liliya als Branding-Expertin um Markenentwicklung, Corporate Design, Webdesign und Social-Media-Gestaltung.

In diesem Blogartikel erzählt Liliya von ihrem Weg, der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Ländern und ihren Hürden als Zugewanderte.

Foto: Alexander Bentheim

 

Das Interview mit Liliya, Liliia Pavlova Kreativagentur:

 

Liliya, wie wird man Branding-Expertin? Wie war Dein beruflicher Weg bis hin zur Inhaberin einer Kreativagentur?

„Ich war immer schon sehr kreativ. Als Kind wollte ich Sängerin werden, habe auch sehr gerne gemalt. Als Jugendliche hat der Beruf der Modezeichnerin mein Interesse geweckt, und ich habe Gedichte geschrieben. Nach der Schule habe ich ein Studium an der Universität meiner Heimatstadt Odessa begonnen, musste es jedoch abbrechen, um arbeiten zu gehen, weil ich selbst für meinen Unterhalt sorgen musste.

Als Freiberuflerin habe ich dann bei einem US-amerikanischen Kosmetik-Konzern im Verkauf ein großes Team geführt. Später hatte ich ein Geschäft für Kinderspielzeug- und bekleidung. Mittlerweile arbeite ich schon seit mehr als zehn Jahren im Bereich Design, Marketing und Branding. Seit 2024 bin ich als Unternehmerin in Deutschland tätig. Ich unterstütze andere Unternehmen dabei, starke und einzigartige Marken zu schaffen.

Ich habe zahlreiche Online-Kurse und Weiterbildungen belegt, um mir meine jetzigen Kenntnisse und Fähigkeiten anzueignen. So gehe ich immer vor: Ich habe ein Ziel vor Augen und überlege, was ich brauche, um es zu erreichen. Und dann eigne ich mir das an. Mein ganzes Leben lang lerne ich schon – auch jetzt noch. Viele Projekte kann ich deshalb selbst erledigen. Bei einigen arbeite ich mit Freelancern aus den Bereichen Design, Text und Fotografie zusammen. Für mich ist Teamarbeit eine bewusste Zusammenarbeit mit Menschen, denen ich vertraue.“

 

Du arbeitest für Auftraggeber in Europa, den USA und der Ukraine. Unterscheiden sich die Wünsche und Geschmäcker der Auftraggeber für beispielsweise ein Corporate Design in den einzelnen Ländern stark voneinander?

„Die Unterschiede liegen nicht in den Ländern, sondern darin, dass Menschen und Unternehmen unterschiedliche Ziele und Tätigkeitsbereiche haben. Außerdem haben Unternehmerinnen und Unternehmer verschiedene Geschmäcker. Ich beachte die Farbpsychologie, also welche Assoziationen mit welchen Farben verbunden werden. Für jede Branche passt eine bestimmte Farbpalette.  Diese Assoziationen gelten in den meisten Ländern, in denen ich mit jemandem zusammengearbeitet habe – auch, wenn es natürlich Ausnahmen geben kann.
Ich arbeite für die verschiedensten Branchen, von der Industrie über Logistik, die Energiebranche und die Beauty-Branche. Ich liebe die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen und kreative Ideen umzusetzen, liebe es, mir Projekte auszusuchen, die zu meinen Werten passen, zum Beispiel ökologische Projekte wie das von mir für die Windenergiebranche umgesetzte.”

 

Was hast Du als zu Zugewanderte auf Deinem Weg in die Selbstständigkeit erlebt? Wo lagen die größten Hürden, die Du überwinden musstest?

„Der Weg war nicht einfach. Auf viele Fragen musste ich erst Antworten suchen. Ich musste nicht nur ein neues Business aufbauen, sondern ein ganz neues Leben – mit einer neuen Sprache, neuen Regeln und einer anderen Kultur. Das System hier ist ganz anders als in der Ukraine – sowohl was die Bürokratie angeht, als auch die Mentalität der Menschen. Auch meine Integration war eine Herausforderung: Ich hatte keine Kontakte, kein Netzwerk, und musste alles Schritt für Schritt aufbauen – auch ein soziales Umfeld für mich und meine zwei Kinder. Aber ich bin sehr dankbar, dass mir in Deutschland auf diesem Weg viele gute, unterstützende Menschen begegnet sind.

Durch die viele Bürokratie konnte ich nicht so schnell in meine Selbstständigkeit starten wie ich gedacht hatte. Ich bin auch für die Unterstützung auf meinem Weg zur Gründung dankbar. In der Handelskammer Hamburg hatte ich auf einer Veranstaltung auf Ukrainisch Informationen zu Steuern, Recht und anderen Dingen erhalten. Seit 2023 berät mich Aikaterini Koletsou vom Projekt „Migrant Female Business“ bei der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten e. V.. Die Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation fördert das Projekt. Von Aikaterini erhielt ich weitere wichtige Informationen und Tipps. Ich habe die vom Projekt organisierten Webinare und Veranstaltungen besucht bei denen ich viele Unternehmerinnen kennengelernt habe – viele von ihnen sind mittlerweile meinen Freundinnen und Kundinnen geworden.”

Foto: Alexander Bentheim

 

Und zum Schluss: Aufgrund Deiner eigenen gemachten Erfahrungen: Denkst Du, dass Netzwerke von Frauen eine entscheidende Bedeutung in Bezug auf die Motivation zum Schritt in die Selbstständigkeit und die Bereitschaft zur Gründung spielen?

„Ja, natürlich sind Netzwerken und Austausch sehr wichtig. Frauennetzwerke motivieren, inspirieren und helfen Frauen, den Mut zu finden, ihren eigenen Weg zu gehen. Unterstützung und gegenseitiger Erfahrungsaustausch geben Kraft. Ich hatte nach unserer Flucht keinerlei geschäftliche Kontakte, hatte auch kein Netzwerk.

Auf Instagram habe ich eine Seite erstellt, auf der ich nützliche Informationen für Frauen teile mit Informationen über persönliche und berufliche Entwicklung, Markenaufbau, Kommunikation und das Leben in Deutschland. Ich richte mich damit nicht nur an Frauen aus der Ukraine, sondern an alle Frauen, die sich weiterentwickeln möchten, aber aus verschiedenen Gründen manchmal an sich zweifeln. Mir ist wichtig zu sagen, dass alles möglich ist – wenn man an sich glaubt und Schritt für Schritt vorangeht.

Für meinen Insta-Kanal habe ich schon eine Frau interviewt, die nach Deutschland eingewandert ist. So erkläre ich Schritt für Schritt, wie man sich hier ein Leben aufbauen kann. Daraufhin haben mir viele Frauen geschrieben, dass das motivierend für sie ist. Ich plane, daraus eine Serie zu machen – mit Frauen, die ganz unterschiedliche Wege gegangen sind, ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Jede Frau zeigt mit ihrem Beispiel, wie vielfältig der Weg zum Erfolg sein kann.“

 

Vielen Dank für das tolle Interview und auch an Susanne Dorn, die für die Öffentlichkeitsarbeit bei asm zuständig ist.

Mehr Informationen findet ihr unter https://www.l-pavlova.com/.

 

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