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Artikel vom 29. März 2018

Gründerstory: Bewusst einkaufen – ganz „Ohne Gedöns“!

Maren und Pemmy haben sich mit einem Unverpackt-Laden selbstständig gemacht.

Alles lose und „ohne Gedöns“ – dieses Prinzip steckt hinter dem Unverpackt-Laden von Maren Schöning und Peymaneh Nottbohm. Foto: Nadja Hansen (WHY)

In der letzten Gründerstory haben wir gezeigt, wie sich Zero Waste im Alltag umsetzen lässt. Die Gründerinnen Peymaneh Nottbohm und Maren Schöning setzen an der gleichen Stelle an: beim täglichen Lebensmitteleinkauf. Kakao, Öl oder Bohnen – im Unverpackt-Laden „Ohne Gedöns“ gibt es seit August 2017 alles lose. Wiederverwendbare Behältnisse, so man sie nicht mitbringt, gibt es gleich dazu. Nur eins nicht: Lebensmittel in Plastikverpackungen.

Peymaneh und Maren, eure Räume wirken einladend wie ein moderner Tante Emma-Laden. Allerdings kann man nicht schnell durchflitzen und den Wagen füllen. Was gefällt den Kunden an eurem Konzept?

Peymaneh: Sie schätzen in der Tat das Tante-Emma-Erlebnis, und sie nehmen sich Zeit. Viele probieren etwas und lassen sich beraten: Wie lagere ich etwas? Wie benutze ich das Shampoo, das aussieht wie ein Seifenstück? Wie wiege ich meine Behälter ab? Im Gegensatz zu anderen Unverpackt-Läden haben wir ein großes Sortiment und bieten auch Objekte Hamburger Designer und Eco-Fashion an. Letztlich kannst du fast dein ganzes Leben verpackungsfrei gestalten. Und wir stehen für regionalen, nachhaltigen Konsum, das kommt an!

Obst, Gemüse, Eco-Fashion und Kosemtika ohne Verpackung gibt es im "Ohne Gedöns"

Ein moderner Tante Emma-Laden: Im „Ohne Gedöns“ erhalten Kunden neben unverpackten Lebensmitteln auch Eco-Fashion und Kosmetika. Foto: Nadja Hansen (WHY)

Beratungsintensive Produkte bedeuten für euch eine Menge Mehrarbeit. Wie sieht ein typischer Arbeitstag in Eurem Unverpackt-Laden aus?

Maren: Wir arbeiten ca. 50 Stunden in der Woche, jeder zwei Vormittage und zwei Nachmittage, mittwochs sind wir beide im Laden. Zum Tagesgeschäft gehört Obst und Gemüse prüfen, Ware nachordern und Behälter auffüllen. Drei Aushilfen helfen uns nachmittags stundenweise beim Verkaufen und Packen. Abends steht dann Büroarbeit an: Pemmy macht die Buchhaltung, Überweisungen, Lohnabrechnungen, ich bearbeite die Lieferungen, kümmere mich um das Marketing und aktualisiere Facebook und unsere Website.

Nach einem längeren Angestellten-Leben im Büro klingt das nach einer bewussten Umkehr ins Handfeste. Wie kamt ihr auf die Idee, euch mit dem Laden selbstständig zu machen?

Maren: Nach dem Soziologiestudium habe ich als Projektleiterin in der Marktforschung gearbeitet, zuletzt im Bereich Marketing und PR. Aber ein eigener Laden war schon immer mein Traum. Beim Googeln bin ich auf Marie Delapièrre gestoßen, die den ersten Unverpackt-Laden Deutschlands in Kiel führt und Workshops für Gründer anbietet. Als ich 2016 einen ihrer Workshops besucht habe, war das ein totales Aha-Erlebnis: Das wollte ich machen!
Peymaneh: Ich habe lange im Projekt-Controlling gearbeitet, konnte mir aber immer gut vorstellen, selbstständig zu sein. Maren und ich kennen uns seit sieben Jahren über unsere Söhne, haben eine freundschaftliche Basis und ich wusste von Marens Plänen. Als es konkret wurde und sie für die Gründung eine Partnerin suchte, habe ich keine Sekunde gezögert. Und weil das Teilzeit nicht ging, habe ich kurzerhand gekündigt.

Im Unverpackt-Laden "Ohne Gedöns" gibt es auch Kosmetika

Konservatives Rechnen und ein fundierter Businessplan erzielten bei der Bank Erfolg. Foto: Nadja Hansen (WHY)

Aber so spontan, wie das klingt, war die Umsetzung sicher nicht, oder?

Maren: Nein, von Oktober 2016 bis Januar 2017 haben wir uns Vollzeit um die Planung gekümmert und einen fundierten Businessplan geschrieben, der hat sogar unseren Bank-Berater begeistert. Pemmy übernahm die Finanzen, ich das Textliche. Wir haben konservativ gerechnet und hatten alle Details im Blick, sogar wie viele Schaufeln wir brauchen. Das war gut so, bis heute ist der Plan unsere Grundlage, und wenn wir irgendwo sparen, freuen wir uns! Ohne Pemmy hätte ich das nicht geschafft.

Wie konnte euch die hei. bei den Planungen unter die Arme greifen?

Maren: Die hei. kannte ich schon und habe mich direkt dort gemeldet. Das Gespräch mit Frau Bruns war sehr offen, da wollte uns wirklich jemand helfen, ohne eine eigene Agenda zu haben. Auch die Seminare waren toll, allen voran Gründen im Einzelhandel, wir hatten ja keine Ahnung. Auch das Seminar zum Erstellen des Business-Plans war hilfreich. Das Gründerfrühstück haben wir gleich mehrmals besucht, die Vorträge dort sind knackig auf den Punkt und man kann sich super austauschen.

Ihr wolltet ja von Anfang an nicht nur einen Laden, sondern auch eine Mission weitergeben. Gelingt euch das? Und wie geht es weiter?

Peymaneh: Da wir den Kredit der Sparkasse Holstein und den Förderkredit der KfW abrufen und schnell starten wollten, haben wir übergangsweise diese Fläche hier in Lemsahl-Mellingstedt bezogen. Leider gibt es kaum Parkmöglichkeiten und weniger Laufkundschaft, aber wir konnten für unser Konzept werben und schon einen großen Kundenstamm aufbauen. Im Sommer 2018 ziehen wir um in unsere favorisierte Fläche in Volksdorf. Verpackungsfreies Einkaufen sollte zur Normalität werden und kein Trend mehr sein. Seit unserer Eröffnung Anfang August haben wir mit unseren Kunden über 7000 Verpackungen gespart. Das ist ein Wahnsinnserfolg und macht uns sehr glücklich!

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