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Artikel vom 31. Januar 2017

„Gründer unterschätzen häufig das raue Geschäftsumfeld“

Über 900 Jahre Berufserfahrung: Die Wirtschaftssenioren sind als Verein eine feste Institution im Hamburger Gründungsnetzwerk

Seit 31 Jahren beraten erfolgreiche Unternehmer, Berater und Geschäftsführer im Ruhestand branchenübergreifend im Verein WIRTSCHAFTS-SENIOREN-BERATEN e.V. Gründungsinteressierte und Jungunternehmer. Mit zusammen über 900 Jahren gesammelter Berufserfahrung stehen sie als Sparringspartner auch in der Nachgründungsphase mit ihrem Erfahrungsschatz, ihrem Wissen und ihrem Netzwerk zur Seite. Anlässlich ihres Website-Relaunches haben wir mit Helmut Burmeier, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, über das Thema Selbstständigkeit, die damit verbundenen Herausforderungen und konkrete Tipps für Gründer gesprochen.

Helmut, seit sechs Jahren bist Du als Berater bei den Wirtschaftssenioren tätig und hast eine Menge Ideen, Produkte und Konzepte zu Gesicht bekommen. Inwiefern hat sich das Thema Gründungen in den vergangenen Jahren verändert?

Bis zum Jahr 2012 hat die Politik das Gründungsgeschehen wesentlich beeinflusst. Das Gründungsgeschehen wurde als ein Weg gesehen, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Das führte in den Jahren bis 2012 zu einer hohen Zahl an Notgründungen. Diese Gründer, von außen in die Selbstständigkeit gedrängt, treffen wir heute eher selten. Derzeit wird das Gründergeschehen eher von „Überzeugungstätern“ gestimmt. Sie möchten Unternehmer auf Basis eigener Ideen werden. Das ist eine grundsätzlich andere Klientel als vor fünf Jahren. Das führt natürlich zu einer rückläufigen Zahl an Gründerberatungen. Die Menschen, die gedrängt wurden, haben Masse gebracht. Heute ist es eher die Qualität, die das Gründergeschehen bestimmt.

Und welche Themenbereiche bleiben im Zusammenhang mit der Selbstständigkeit – zeitunabhängig – immer gleich?

Das Fokusthema in der Beratung ist schon immer der Umgang mit Zahlen, also die Planung des eigenen Geschäfts. Das ist ein Thema, mit dem sich die Mehrheit der Gründer enorm schwertut. Sie wissen genau was sie machen möchten. Sie sehen sich aber nicht in der Lage, das in Zahlen zu fassen. Und auch das, was ich das „raue Geschäftsumfeld“ nenne, ist als Thema für Gründer gleich geblieben. Der Umgang mit dem gesamten Marktumfeld oder die Kunden, welche das Angebot des Gründers nicht verstehen, sind für viele Jungunternehmer mehr als irritierend. Ein Gründer, der sich über Jahre mit seiner Idee beschäftigt hat, kann häufig gar nicht nachvollziehen, dass andere Personen seine Idee möglicherweise etwas kritisch betrachteten. So etwas ist für ihn unvorstellbar und sprengt sein Weltbild. Auf der anderen Seite sind es ganz profane Dinge im Geschäftsleben, die immer wieder zu Schwierigkeiten führen. Ob Schreiben von Mahnungen für offene Rechnungen oder die Einladung zum kritischen Bankgespräch. Das sind beispielhafte Themen, die wir als Wirtschaftssenioren bei der Begleitung in der Nachgründungsphase häufig erleben. Bei manchen Jungunternehmern bricht dann auch schon mal Panik aus.

Welches sind aus Deiner Sicht die größten Herausforderungen, die ein Gründer heutzutage zu meistern hat?

Die größte Herausforderung ist die Suche nach unbesetzten Nischen oder Märkten. Gute Ideen sind vorhanden. Aber eine Idee ist vergleichsweise wertlos, wenn sie einen Markt adressiert, der überbesetzt ist. Oder wenn ich mir als Gründer keinerlei Gedanken darüber gemacht habe, was es denn eigentlich schon gibt. Häufig erleben wir auch Gründer, welche sich sehr schwer tun, ihre Alleinstellungsmerkmale (USPs) zu definieren. Was ist meine Stärke? Wo liegt meine Schwäche? Welche Chancen bietet die Marktentwicklung und welche Veränderungen könnten zu einer Bedrohung für mein Geschäftsmodell werden? Häufig wird die SWOT Analyse, mit der sich all diese Fragen vergleichsweise leicht beantworten lassen, von den Gründern als zu kompliziert betrachtet. In nahezu allen Beratungen arbeiten wir gemeinsam mit dem Gründer daran, die eigenen Stärken und Schwächen zu identifizieren. Wir empfehlen, das sowohl für sich selber zu machen, als auch Familienangehörige, Partner oder gute Freunde darum zu bitten. Dabei sollte es sich immer um Menschen handeln, von denen man ehrliche Antworten erwarten kann. Die Abweichungen zwischen Selbstbild und Fremdbild überraschen die Gründer immer wieder. Oft tun sich Gründer, die von ihrer Idee überzeugt sind, auch schwer damit, zu verstehen, dass andere die Idee einfach nicht verstehen.

Engagiert für Gründer in Hamburg: Helmut Burmeier, stellvertretender Vorsitzender der Wirtschaftssenioren

Vor dem Hintergrund hat sich in unseren Beratungen das Canvas Tool herauskristallisiert, mit dem sich Ideen gemeinsam in einer strukturierten Form entwickeln lassen. Wenn man allein ist als Gründer, hat man es natürlich schwer. Man hat die Idee und von der ist man überzeugt. Man stellt sie nicht kritisch auf den Prüfstand. Dafür braucht man einen Sparringspartner. Man braucht jemanden, der auch mal eine verquere Frage stellt. Eine Frage, deren Beantwortung im Kopf des Gründers Denkprozesse auslöst. Denkprozesse, die das ehemals gegossen-fertige Konzept nochmal in Teilbereichen in Frage stellt. Genau wie eine gründliche SWOT-Analyse sehen wir, dass die Canvas-Methode sich etabliert. Sie ist aber kein Ersatz für Businesspläne. Man überzeugt einen Investor mit Canvas, um in weiterführende Gespräche einzutreten. Aber man überzeugt ihn mit Canvas noch nicht, dass er Geld auf das Konto überweist. Dafür braucht man einen Businessplan. Auch der hei.p – der Hamburger Existenzgründungs Ideenplan der hei. – ist im Grunde genommen ja der Versuch, Canvas und den Businessplan noch näher zusammenzurücken. Die Struktur von Canvas wird genutzt, um auch das Zahlenwerk mit in die strukturierte Form zu übernehmen.

Was zeichnet die Wirtschaftssenioren als Berater für Gründer in Hamburg aus?

Die Wirtschaftssenioren gehören schon seit über 30 Jahren zum Gründungsnetzwerk in Hamburg.  Klassische Gründer haben in der Beratung andere Ansprüche als zum Beispiel technologiegeprägte Startups. In unserem Verein haben wir inzwischen einige Kollegen, die praktisch ausschließlich in diesem technologiegetriebenen Umfeld tätig sind. Generell beraten wir aber branchenübergreifend, genau wie die hei. Wir geben allerdings keine Rechts- und Steuerberatung. Aber aufgrund der eigenen Berufserfahrung gibt es natürlich schon mal den einen oder anderen Tipp von uns. Unsere Stärke ist die Kombination aus langjähriger Berufs- und Gründerberatungserfahrung. Wir werden immer wieder gefragt, warum wir im Ruhestand noch Beratung machen. Die Antwort darauf ist relativ einfach:  Uns bringt es Spaß, unsere eigenen Erfahrungen weiterzugeben und wir lernen mit jedem Gründerfall immer wieder gerne dazu. Immer nur auf Reisen gehen oder Golf spielen würde keinen von uns ausfüllen 😉

Die neue Website der Wirtschaftssenioren bietet einen Überblick über Angebote und Beratungsservice des Vereins

Welchen „Unternehmertipp“ würdest Du jedem Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben? Womit machst Du Gründern Mut?

Als erstes empfehlen wir wirklich, sich gegenüber modernen Methoden zu öffnen. Egal ob Canvas oder SWOT, solche Methoden gilt es ernst zu nehmen. Der Businessplan ist mehr als ein Plan, der einem hilft, an Finanzmittel zu kommen bzw. zu einer fachkundigen Stellungnahme für die Agentur für Arbeit zu kommen. Der Businessplan sollte nach der Gründung das Kontrollinstrument des Unternehmers sein. In der Schule sind es die Hausaufgaben, die als lästige Pflicht betrachtet werden. Manch ein Gründern hat zum Businessplan eine ähnliche Einstellung. Erfolgreiche Gründer haben für sich aber realisiert, dass sie auch gute Controller sein müssen. Die kennen ihre  Zahlen – und zwar monatsaktuell.

Das zweite: Um seine Gründungsidee wirklich auf den Prüfstand zu stellen, sollte ein Gründer frühzeitig Marktstudien betreiben. Marktstudien macht jedes große Unternehmen. Aber als Gründer muss es gar nicht so groß ausfallen. Eine Marktstudie kann die Befragung von Freunden und Bekannten oder der gesamten Familie sein. Auch in Firmen werden erste Marktstudien über Fragen in der eigenen Belegschaft gemacht. Es ist nicht zu glauben, welch unterschiedliche Meinungen man zu hören bekommt. Dabei kann einem auch klar werden, dass man vielleicht die eigenen Überzeugungen noch nicht richtig rüberbringen kann. Marktstudien sind das A und O für die Akzeptanz. Sie geben Anstöße, Ideen zu Dienstleistungen bzw. Produkten erneut zu überdenken.

Auf den Punkt gebracht: Für seine eigenen Ideen zu brennen und für deren Umsetzung zu kämpfen. Wer für seine Ideen brennt, hat in der Regel auch Erfolg!

Vielen Dank, Helmut, für das Gespräch!

Auf der neuen Website https://wirtschafts-senioren-beraten.de/ findet ihr alle Beratungsangebote, Informationen und Services zum Verein sowie weitere aktuelle Informationen zum Thema Gründungen in Hamburg.

 

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