Vor Wendepunkten im eigenen Leben stehen – ob durch Jobwechsel, Neuanfang oder Wiedereinstieg – kann Menschen in Erklärungsnöte bringen. Wie gut, wenn man dann neue Worte für alte Erfahrungen findet und anderen überzeugend von seiner Lebensgeschichte berichten kann. In den Online-Kursen von „Story of Your Life“ lernen Teilnehmende, wie sie „anderen ihre Geschichte mit Feuer erzählen können“, wie Gründerin Kamila Lichtenstein es ausdrückt.
In diesem Blogartikel spricht Kamila über ihren Weg in die Selbstständigkeit.

Foto: Alexander Bentheim
Das Interview mit Kamila, Story of Your Life.
Kamila, war es schon immer Dein Ziel, selbstständig zu arbeiten?
„Ich bin in Polen geboren und weil meine Mutter Diplomatin war, habe ich meine Schulzeit in Kanada und Schweden verbracht. Nach meinem Master-Abschluss in Schottland habe ich zunächst in einer Werbeagentur im Bereich E-Commerce gearbeitet. Dann hat mich eine Freundin nach Malta gelockt, wo wir als Freiberuflerinnen gemeinsam Kunden betreut haben im Bereich Online-Marketing, bei Veranstaltungen und im B2B-Marketing. Ich hatte also schon Erfahrungen mit der Selbstständigkeit, bevor ich mich im August 2025 in Hamburg im Bereich Marketing & Communications selbstständig gemacht habe. Dennoch hatte ich große Angst, als Freelancer in Deutschland anzufangen. Ich habe mich gefragt, ob ich das schaffe, ob ich Kunden in Deutschland gewinnen kann, denn ich lebe erst seit fünf Jahren hier.
Derzeit habe ich drei Kunden, die aus verschiedenen Branchen kommen, z. B. aus dem Bereich innovative Nachhaltigkeit und Tiernahrung. Unterschiedlich sind meine Kunden auch hinsichtlich ihrer Unternehmensgröße: vom Start-up bis zum Großkonzern ist alles dabei. Durch meine breite Expertise und Erfahrung in verschiedenen Marketing-Bereichen liegt mein Schwerpunkt auf Marketing. Ich unterstütze meine Kunden in unterschiedlichsten Marketing Communications Projekten – von Strategie bis zu Content Erstellung. Mein Slogan ist „I make your projects fly!“
Einer meiner Kunden ist übrigens die Anwaltskanzlei, für die ich schon auf Malta gearbeitet hatte. Die haben mich auf dem Portal „LinkedIn“ wiedergefunden. Es ist schön zu sehen, dass auch meine frühere harte Arbeit immer noch Früchte trägt. Zurzeit arbeite ich außerdem mit meinem Mann Marvin intensiv daran, dass noch Ende 2025 der erste Online-Storytelling-Kurs von unserem neu gegründeten Unternehmen „Story of Your Life“ starten kann.“
Hinter Eurer Gründung steckt eine nicht ganz alltägliche Geschäftsidee mit der ihr das in Deutschland noch nicht sehr bekannte Geschäftsfeld des Storytellings betretet. Wie kamt Ihr auf diese Geschäftsidee?
„Ich hatte im Bereich Corporate Communications bei einem großen Hamburger Konzern gearbeitet. Nach fünf Monaten dort hatte ich gekündigt und war auf einmal arbeitslos. Ich fühlte mich ausgebrannt und hatte das Gefühl, dass alles zusammengebrochen ist. Trotz meines internationalen Erfolgs und meiner langjährigen Berufserfahrung wusste ich plötzlich nicht mehr, welche Fähigkeiten und Erfahrungen ich besitze, wusste nicht mehr, wie ich an meine eigene Geschichte glauben kann. Dabei war ich vorher immer sehr selbstbewusst. Ich wusste auch immer, wie ich mich präsentieren sollte. Ich habe meine Kündigung damals als Schwäche angesehen. Marvin ist Business Storytelling-Coach und bringt Führungskräften und Marketing-Managern bei, wie sie andere motivieren und von einer Idee und einem Produkt überzeugen können. Er dachte sich, Storytelling müsste doch auch für die persönliche Geschichte von Menschen funktionieren.
Bei mir hat das sehr schnell funktioniert. Da wussten wir, dass wir das professionell aufziehen wollen. Wir möchten Menschen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen, beibringen, wie sie ihre Lebensgeschichte voller Überzeugung, mit Feuer erzählen.“
Wo haben Sie sich Unterstützung beim Schritt in die Selbstständigkeit gesucht und erhalten?
„Ich hatte zufällig von der Möglichkeit erfahren, dass man bei der einen Agentur für Arbeit einen Gründerzuschuss beantragen kann. Als ich dann dort einen Termin hatte erfuhr ich, dass ich für einen Antrag zehn Tage zu spät dran war. (Anmerkung der Red.: Zu Beginn der Selbstständigkeit muss noch ein Anspruch auf Arbeitslosengeld für mindestens 150 Tage bestehen.) Das fand ich sehr ärgerlich. Ich habe bei der Agentur für Arbeit mehrmals gefragt, wo ich nach Hilfe suchen kann. Ich bekam dann 20 links gemailt. Die führten zu Webseiten mit sehr kompliziertem Deutsch. Das war eine Herausforderung für mich. Dann fand ich das Projekt „Migrant Female Business“ bei der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten. Der Name hat mich angesprochen. Ich dachte mir: Ja, ich bin Migrant, weiblich bin ich auch und selbstständig will ich ja werden“. Ich habe dann an den angebotenen Online-Workshops teilgenommen und an Treffen mit anderen Gründerinnen in Präsenz. Auch mein Mann konnte mir helfen, weil er schon Erfahrung mit einer Gründung gemacht hatte. Und mit einer ehemaligen Kollegin, die sich zum gleichen Zeitpunkt selbstständig machte, habe ich mich über Themen wie Steuern und Rechnungen erstellen ausgetauscht.“

Foto: Alexander Bentheim
Und zum Schluss: Welches Potential sehen Sie in Ihrer Geschäftsidee? Soll „Story of Your Life“ immer ein Teil Ihrer Arbeit sein neben anderen Aufgaben oder sehen Sie ein größeres Potential in der Gründung des Unternehmens?
„Wir sehen eine große Zielgruppe für unsere Geschäftsidee: Menschen, die sich beruflich verändern wollen oder müssen, Menschen, die ein Burn out hatten und auch Gründerinnen und Gründer. Coachings-Sessions in Präsenz in größeren Gruppen sollen später einmal auch zum Angebot gehören. Vielleicht wollen irgendwann auch Firmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit des Storytellings bieten. Wir werben auf „LinkedIn“ und Instagram, zukünftig auch auf Google Ads. Marvin arbeitet hautberuflich festangestellt in der Flugbranche, aber er hat sich zum Experten für Storytelling entwickelt und ihm gefällt der Bereich sehr gut. Und ich kann jetzt sagen: Gut, dass mir das damals passiert ist. Ich bin für meine Gesundheit und meine Werte eingestanden. Jetzt habe ich tolle Kunden und Spaß an dem, was ich tue.“
Vielen Dank für das tolle Interview und auch an Susanne Dorn, die für die Öffentlichkeitsarbeit bei asm zuständig ist und auch das Interview geführt hat.
Mehr Informationen findet ihr unter https://www.storyofyourlife.de/.


