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Artikel vom 28. Juni 2016

Gründerstory: Existenzgründung mit Joghurt-Fliederbeer-Geschmack

Julia Tarazi startet mit dem Café Eisliebe in ihre erste Eis-Saison

Das Café Eisliebe ist nicht nur in Ottensen eine Institution: Sobald die Sonne rauskommt, pilgern Eisliebhaber aus ganz Hamburg zu dem kleinen Laden Bei der Reitbahn 2.
Existenzgründerin Julia Tarazi hat das Café übernommen und ist im Frühjahr in ihre erste Eis-Saison gestartet. Die hei. hat mit Julia über ihre Existenzgründung gesprochen.

Inhaberin Julia Tarazi vom Café Eisliebe

Existenzgründerin Julia Tarazi startet mit Café Eisliebe in ihre erste Eis-Saison

Julia, früher hast du Industriedesign studiert, heute designst du Eissorten und Eistorten – wie kam’s dazu?

Ich hab bereits seit 2003 neben dem Studium bei Eisliebe gejobbt. Das Studium war schon irgendwie okay, aber ganz anders als ich’s mir vorgestellt hatte. Man sitzt den ganzen Tag vorm Rechner. Bei Eisliebe kann ich viel kreativer arbeiten. Da hab ich das Studieren einfach irgendwann gelassen.

Stattdessen hast du 2010 eine Ausbildung zur Speiseeis-Herstellerin begonnen. Wann wusstest du, dass du dich damit selbstständig machen willst?

Mit meinem damaligen Chef, dem Eisliebe-Gründer Franz Hansert, habe ich abends beim Feierabendbier schon immer rumgesponnen, so à la „Eines Tages werde ich auch ein eigenes Eiscafé haben“. Es war immer klar, dass er nicht ewig weitermachen würde. Ende vergangenen Jahres wurde es dann konkret: Er hat den Stamm-Laden in Ottensen an mich übergeben, die Filiale im Eppendorfer Weg führt ein ehemaliger Kollege von mir.

Du hast kein typisches Ein-Frau-Start-up gegründet, sondern ein erfolgreiches Konzept übernommen – welche Vorteile hat das?

Dass ich den Laden und seine Abläufe schon seit 12 Jahren kannte, hat die Existenzgründung natürlich einfacher gemacht. Ich hatte deshalb auch keine Angst, gleich mit drei Festangestellten und rund 15 Aushilfen zu starten. Außerdem kann ich nach wie vor auf meinen ehemaligen Chef bauen, gibt’s zum Beispiel mal ein Problem mit den Geräten, rufe ich erst einmal ihn an.

Existenzgründung: Eis, Eistorten, Eisbomben und Eispralinen im Café Eisliebe

Im Café Eisliebe in Hamburg-Ottensen wird das Eis täglich frisch zubereitet. Fotos: WHY Nadja Hansen

Wie lief das finanziell mit der Übernahme?

Die Betriebsübernahme läuft auf Basis einer Rentenpacht. Das heißt, dass ich nicht zur Bank musste, um für die Eismaschine oder die Kühltheke einen Kredit aufzunehmen. Stattdessen zahle ich monatlich die Rentenpacht-Summe.

Während der Ausbildung hast du das Eis-Handwerk gelernt. Aber woher hast du dein betriebswirtschaftliches Wissen?

Ich bin erst zur Agentur für Arbeit gegangen, um Gelder zu beantragen, aber die fördern nur bei Neugründung, nicht bei einer Betriebsübernahme. Dort bekam ich aber den Tipp, mich an die hei. zu wenden – und habe gleich ein Grundlagenseminar „Buchhaltung“ aus dem Scheckheft belegt. Als nächstes werde ich mich da zum Thema Steuern weiterbilden.

Was glaubst du: Warum ist Eisliebe so beliebt? Was macht ihr anders als andere?

Ich glaube, das ist ein Mix aus mehreren Dingen: Erst einmal können wir garantieren, dass unsere Eis-Sorten immer frisch sind, denn wir stellen sie jeden Morgen selbst her. Und das aus Zutaten, die wir saisonal einkaufen, teilweise hier auf dem Markt in Ottensen. Im Frühsommer gibt’s Rhabarber- und Holunderblüten-Eis, später Joghurteis mit selbstgekochter Roter Grütze, im Herbst dann Zimt-Pflaume. Wir versuchen gar nicht, hip zu sein oder mega experimentierfreudig, sondern sind relativ klassisch. Diese entspannte Atmosphäre scheint den Leuten auch zu gefallen.

Eure Eistorten für Hochzeiten oder Geburtstage kommen aber auch sehr gut an, oder?

Ja, auch die Eistorten, Eisbomben und Eispralinen produzieren wir immer frisch in unserer Küche. Wer spontan etwas braucht, findet einzelne Spezialitäten in unserer kleinen Tiefkühlvitrine, größere Sachen gibt’s auf Vorbestellung.

Im Café Eisliebe wird alles frisch und von Hand hergestellt

Neben Eis stellt Julia Tarazi auch Eispralinen und Eistorten her.

Hast du dabei eigentlich selber noch Lust auf’s Eisessen?

Absolut! Am liebsten probier ich’s frisch aus der Maschine. Pistazieneis zum Beispiel oder Roseneis. Aus Myanmar habe ich jetzt Erdnussblätter-Krokant mitgebracht, mal sehen, was sich daraus Leckeres machen lässt.

Hast du einen Erfolgstipp, den du anderen Hamburger Existenzgründern weitergeben würdest?

Ein eigenes Unternehmen zu führen, ist eine Menge Arbeit. Deshalb ist es wichtig, dass man seine Arbeit gerne macht. Bei mir ist der Name „Eisliebe“ wirklich Programm – es gibt keinen Tag, an dem ich nicht gerne in den Laden gehe.
Und: Ohne ein gutes Team, auf das man sich verlassen kann, und einen Partner, der voll hinter einem steht, ist man aufgeschmissen. Ich habe das Glück, mit tollen Leuten zusammenzuarbeiten, denen die Arbeit genauso viel Spaß macht wie mir. Nur so kann man viele Stunden auf engem Raum verbringen, ohne dass man sich nervt.

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