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Artikel vom 06. Juni 2018

Green Economy: „Konsumenten müssen bereit sein, grüne Produkte zu kaufen und anzuwenden“

Vernetzen, Know-how vermitteln und Bekanntheit schaffen - das ist das Ziel von gruene-startups.de

Ziel von gruene-startups.de ist es, die grüne Gründerszene zu vernetzen und bekannter zu machen. Foto: Viktor Kern via Unsplash

Die sogenannte Green Economy wächst rasant. Schlagworte wie Ressourcenknappheit, Klimawandel und Billiglohn sind nicht nur medial in aller Munde, sondern längst in vielen Wirtschaftsbereichen ein großes Thema. Gerade junge Gründer und Unternehmer stellen sich immer häufiger der Hausforderung, Lösungsansätze zu finden, Konsum sozialer und ökologischer zu gestalten. Dabei unterscheiden sich „grüne“ Gründer nicht nur durch ihre nachhaltige Lebenseinstellung von konventionellen Unternehmern, sondern vor allem auch durch ihre Überzeugung, mit grünen Produkten und Dienstleistungen die Welt ein bisschen besser zu machen. Die Plattform Gruene-Startups.de setzt sich seit 2016 mit der Green Economy auseinander, vernetzt sie und gibt ihr eine Bühne. Ihr Ziel ist es, den Trend hin zu nachhaltigen Geschäftsideen weiter zu beflügeln und grünen Gründern das nötige Handwerkszeug zu liefern, um auf diesem noch jungen, aber stark wachsenden Markt Fuß zu fassen. Wir haben uns mit Romek Vogel, einem der Gründer der Plattform, unterhalten.

Viele grüne Gründer verfolgen ein Ziel: Die Welt nachhaltiger und somit besser machen.

Mit grünen Produkten und Dienstleistungen die Welt ein bisschen besser machen – das Ziel vieler „grüner“ Gründer. Foto: Lisa Fotos via Unsplash

Green Economy ist zu einem Buzz Word geworden. Viel wird darüber geredet, doch was wird wirklich gemacht? Sind grüne Gründungen im Gründungsgeschehen angekommen oder ist es eher noch eine Nische?

Insgesamt und aus dem Blickwinkel der meisten Investoren betrachtet, werden grüne Gründungen leider sehr häufig als grüne Nischen belächelt mit wenig Aussicht auf (schnellen) Profit. Trotzdem kommt es immer auf die jeweilige Branche an. Im Food Bereich starten beispielsweise viele grüne Gründer erfolgreich durch, teilweise auch gehyped in TV-Gründershows. Fakt ist, dass bereits jede 6. Gründung in Deutschland „grün“ ist und mit ihren Produkten, Technologien oder Dienstleistungen den grünen Wandel mitgestaltet. Wenn Deutschland vor allem im Technologiebereich wieder Spitzenpositionen in grünen Schlüsseltechnologien besetzen möchte, muss insbesondere auch die Politik grünere Rahmenbedingungen setzen und noch mehr in Vorleistung gehen, was beispielsweise spezielle Förderprogramme betrifft.

Wir würdest du die grüne Gründerszene in Deutschland im internationalen Vergleich beschreiben? Welche Besonderheiten gibt es? Mit welchen Hürden haben grüne Startups hier in Deutschland zu kämpfen?

Die wichtigste Herausforderung für grüne Gründer hierzulande ist die Kapitalbeschaffung. Vielen Investoren mangelt es leider an Mut, Vorreiter zu sein und in grüne Ideen zu investieren.

Der „peinliche“ Niedergang der zuvor hoffnungsvoll beschworenen deutschen Solarindustrie trug sicherlich dazu bei, dass das Geschäftsmodell Energiewende erstmal an Attraktivität verloren hatte und sich viele Akteure die Finger daran verbrannt haben. Glücklicherweise gibt es im Markt der Erneuerbaren Energien wieder positive Entwicklungen und Learnings. Eventuell geprägt durch diese ersten negativen Erfahrungen überträgt sich die zögerliche Haltung auch auf andere Green Tech Bereiche wie den Mega-Zukunftsmarkt E-Mobilität.

Trotzdem sehe ich die Entwicklung positiv. Es entstehen immer mehr Vernetzungsangebote für grüne Startups, um ihnen zu mehr Know-how, besserer Performance und mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Weiterhin gibt es mittlerweile auch einige VC’s, die ihren Investment-Fokus auf grüne Startups legen.

Der Markt für erneuerbare Energien entwickelt sich weiter. Foto: rawpixel via Unsplash

Im Markt der erneuerbaren Energien gibt es wieder positive Entwicklungen und Learnings. Foto: rawpixel via Unsplash

Grüne Gründungen – das impliziert soziale und ökologische Verträglichkeit. Ist das auch immer wirtschaftlich? Oder scheitern grüne Gründer häufig am eigenen Idealismus?

Leider ist häufig Letzteres der Fall, wobei ich auch hier einen positiven Wandel erkenne. Viele grüne Gründer sind extrem intrinsisch motiviert und möchten ihre Grundidee oft 1:1 und manchmal mit der Brechstange durchsetzen. Hier fehlt ein wenig die Kompromissbereitschaft, damit Produkte auch zur Marktreife gebracht werden und im harten Wettbewerb bestehen können. Ein Versäumnis von vielen grünen Gründern ist auch ein rechtzeitiger Markenschutz. Das führt beispielsweise im Food Bereich oft dazu, dass große Supermarktketten innovative und nachhaltige Snackangebote von heute auf morgen kopieren und der eigentliche Erfinder am Ende leer ausgeht. Hier tut manchmal ein bisschen mehr Vorgehen nach dem BWL-Lehrbuch ganz gut. Eine Gratwanderung ist auch der Bereich „Social Startups“. Hier verfolgen zwar viele Gründer einen wirklich guten Ansatz, aber schaffen es leider nicht, ein nachhaltig tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln.

Mut, Kapital, Durchhaltevermögen: Das brauchen grüne Gründer in Deutschland.

Die wichtigste Herausforderung für grüne Gründer in Deutschland ist die Kapitalbeschaffung. Foto: Kristian Egelund via Unsplash

Was genau bietet eure Plattform Gruene-startups.de Gründern? Wie finanziert ihr euch?

Gruene-Startups.de steckt noch in den Anfängen. Unser Ziel ist es, die grüne Gründerszene zu vernetzen, bekannter zu machen und Know-how speziell für grüne Gründerthemen zu vermitteln. Aktuell stellen wir grüne Startups in Form von Interviews und in unserem Startup-Verzeichnis vor. Weiterhin bieten wir spannende Beiträge für grüne Gründer oder informieren über grüne Startup-Events oder auch grüne Studiengänge. Derzeit finanzieren wir uns zum Teil über Unternehmenspräsenzen, den Hauptteil aber noch quer über unsere „Mutterplattform“ LifeVERDE.de und unsere grüne Jobplattform JOBVERDE.de.

Ein Blick in die Glaskugel der Green Economy: Womit können wir in den nächsten Jahren rechnen? Was sind deiner Meinung nach Trends, die die Zukunft gestalten werden?

Schaut man sich den aktuellen Stand an, so findet fast die Hälfte aller grünen Gründungen im Bereich Energieeffizienz statt. Auch die Digitalisierung nimmt bei grünen Gründungen eine zentrale Rolle ein. Clevere Startup-Entrepreneure verbinden beides, wie zum Beispiel bei Tado, das mit seiner smarten Heizungssteuerung durchgestartet ist. Solche Apps bieten einen sehr hohen persönlichen Nutzen indem sie helfen, bares Geld zu sparen und „ganz nebenbei“ das Klima schützen.

Beim Thema Food verhält es sich genauso wenn man sich den Bio-Boom der letzten Jahre anschaut. Da es hier um die eigene Gesundheit geht und direkt ein persönlicher Vorteil mit einem nachhaltig produzierten oder fair gehandelten Produkt kombiniert ist, sind die Menschen viel eher bereit, oft deutlich mehr zu bezahlen.

Ich glaube , dass Produkte & Dienstleistungen, die Nachhaltigkeit mit einem starken persönlichen Anreiz kombinieren, es am schnellsten schaffen, mainstream-fähig zu werden und sich durchzusetzen. Ansonsten sehe ich generell noch viel Potenzial im Bereich der Kreislaufwirtschaft, oder für nachhaltige Mobilitätskonzepte. Wichtiges Schlagwort auch hier wieder die Digitalisierung mit beispielsweise vielen nützlichen Apps.

Ausschlaggebend für den Erfolg von Green Economy Startups sind jedoch die Konsumenten. Sie müssen bereit sein, grüne Produkte und Dienstleistungen zu kaufen oder anzuwenden und gegebenenfalls einen Aufpreis zu bezahlen. Damit dies gelingt, muss noch ein größeres Verantwortungsbewusstsein geschaffen werden, um nachhaltige Ideen und Produkte im Mainstream durchzusetzen. Ich sehe hier auch ganz stark die Politik gefordert.

Mit Gruene-Startups.de bieten die beiden Gründer Romek und Marcus der grünen Gründerszene eine Plattform.

Romek Vogel ist Mit-Gründer der Plattform Gruene-Startups.de. Die Plattform soll grünen Gründern das Handwerkszeug für wirtschaftlichen Erfolg liefern. Foto: Gruene-Startups.de

Vielen Dank für das Interview, Romek.

 

 

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