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Artikel vom 26. Oktober 2020

Gründerstory: Ein Pizzawagen als zweite Bühne

Gründung Pizzawagen

Bei „Chriss Kross Pizza“ geht es nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Zudem stehen außergewöhnliche Eigenkreationen auf dem Programm der „Pizzawagen-Bühne“. Christopher Ammann selbst ist Schauspieler, seine zweite Pizzabäckerin auch Musicaldarstellerin. Foto: Privat

Christopher Ammanns Pizzakreationen tragen Namen wie „Ätna, die Sonnige“ oder „Großglockner, die Alpine“. Seine Gründung „Chriss Kross Pizza“ hat er nach dem (fast) gleichnamigen Rap-Duo benannt. Und damit ist schon eine Menge gesagt über den geborenen Kärntner, Bergliebhaber und bekennenden 90er Jahre-Fan. Dabei ist sein Pizzawagen mehr als eine Snackbar: Er ist seine Bühne. Denn eigentlich ist der 37-jährige Schauspieler, stand unlängst für den „Tatort“ und die „SOKO Kitzbühel“ vor der Kamera, und seine Gründung sollte „nur“ sein zweites Standbein sein. Doch dann kam Corona.

Christopher, dein Timing ist erstaunlich: Kaum hattest du die ersten Schritte in die Wege geleitet, kam der Shutdown. Und aus dem zweiten Standbein wurde eine Vollzeitbeschäftigung.

Stimmt! Im März hatte ich noch eine Theaterproduktion in Österreich, dann wurde alles abgesagt. Am 10. Juli gründete ich offiziell als Cateringunternehmer. Die Zeit davor nutzte ich, um alles startklar zu machen: Pferdewagen fertig umbauen, Logo und Website erstellen, Hängerführerschein machen. Im Moment arbeite ich in Vollzeit, es hätte nicht besser anlaufen können. Aber die Geschäftsidee hatte mit Corona nichts zu tun. Als freischaffender Künstler habe ich schon lange überlegt, wie ich ein zweites Standbein aufbauen und die spielfreie Zeit nutzen kann.

Wie bist du auf die Gastronomie gekommen?

Mein Vorbild ist der Wiener Schauspieler und Gastronom Hanno Pöschl. Der hat sich eine Kneipe gekauft und beides wunderbar miteinander verbunden. Meine Großeltern hatten auf dem Land ein Gasthaus, da habe ich oft gekellnert, mir war die Gastro also nie fremd. Zur Pizza kam ich über einen 25 kg schweren Steinofen, den ich mir vor 4 Jahren mehr aus Spaß gekauft habe. Im Internet habe ich einen Caterer in Portugal gefunden, der Pizza aus dem Pferdeanhänger verkauft. Genau so wollte ich das auch machen.

Gründung Pizzawagen

Schauspieler Christopher Ammann hat mit seinem Pizzawagen ein zweites Standbein gegründet – und sich eine zweite Bühne geschaffen. Foto: Privat

Wie hebst du dich als Seiteneinsteiger, der mit 19 seine erste Pizza probiert hat, von der – gerade im Pizzasegment – stattlichen Konkurrenz ab?

Bei mir geht es nicht nur um die Pizza, sondern um die Dramaturgie, das Pizzaerlebnis. Ich backe auf neopolitanische Art, da fliegt der Teig auch mal, meine Mitarbeiterin ist Musicaldarstellerin. Statt des Vorhangs geht jetzt eben die Klappe auf. Und es gibt außergewöhnliche Eigenkreationen. Im Wagen ist wenig Platz, da muss ich vereinfachen. Meine Sommerpizza hatte z.B. nur vier Zutaten: gebratenen Salbei, Caciocavallokäse, frisch gemahlenen Pfeffer und Zitronenabrieb. In Kombination mit den aufwendigeren Pizzen war das ein perfektes Programm. Am Ende ist es wie im Theater: Viele Dinge passen plötzlich extrem gut zusammen.

Wie hast du dich für die geschäftlichen Dinge fit gemacht?

Der Motivationsschub schlechthin war der Hamburger Gründertag. Du triffst dort Förderer, Experten und natürlich auch andere Gründer_innen, die dir erzählen, wie sie es geschafft haben. Jennie von Rho Kombucha z.B. oder Phillip von FirstLoveCoffee, die waren total offen, ich habe denen Löcher in den Bauch gefragt. Im Vorfeld hatte ich auch einen 30-minütigen Time Slot gebucht, um meine Idee den Gründungsberaterinnen von der hei. zu präsentieren. Das Feedback war positiv! Ich wurde nicht als kleiner Fisch betrachtet, sondern absolut ernst genommen. Für spezifische Fragen haben sie mich an Expert_innen verwiesen, die sich z.B. mit Hygienevorschriften auskannten, dazu gab es sogar einen Workshop der Handelskammer Hamburg. Auch das hei.scheckheft war toll, ich habe gleich ein Seminar zu Steuern gemacht. Davon hatte ich keine Ahnung.

Gründung Pizzawagen

Auf beiden Bühnen stehen: Christopher Ammann will zwar weiterhin auch Schauspieler bleiben, aber seine Gründung „Chriss Kross Pizza“ um einen zusätzlichen Pizzawagen vergrößern. Foto: Privat

Hast du einen Gründerzuschuss in Anspruch genommen?

Nein. Deshalb war es großartig, dass ich im Budget geblieben bin und die Annahmen aus dem Business-Plan 1:1 gepasst haben. Das habe ich der unglaublichen Hilfe meiner Freunde und Bekannten zu verdanken. Für den Pferdeanhänger habe ich 500 Euro bezahlt – ein Foodtruck hätte mich 25.000 Euro gekostet.

Wie geht es weiter?

Dieses Jahr sammle ich Erfahrungen und optimiere Arbeitsabläufe, teste Standorte und übe mich in der Kunst des neapolitanischen Pizzabackens. Die möchte ich auch an meine Mitarbeiter_innen weitergeben. Gerade habe ich die ersten beiden auf 450-Euro-Basis angemeldet. Mein Ziel ist es, zu wachsen und einen zweiten Wagen auszubauen. Dann könnte ich einen für Märkte und vor Cafés einsetzen und den anderen flexibel für Caterings verplanen. Und zum echten 90er-Pferdeanhänger gehört natürlich auch eine Konsole, auf der man Super Mario spielen kann…

Was rätst du anderen Gründer_innen?

Innehalten und schauen, was man geschafft hat. Das vergisst man immer, weil noch so viel zu tun ist. Man braucht Freunde oder Familie, die einen unterstützen, weil der Arbeitsumfang immer größer ist, als gedacht. Abends bin ich oft erst um 22 Uhr zu Hause und muss dann noch den Wagen fit machen für den nächsten Einsatz. Aber wenn du das für dein eigenes Geschäft machst, fühlt sich das trotzdem gut an. Eins ist aber klar: Im nächsten Jahr möchte ich wieder auf beiden Bühnen stehen!

 

 

 

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