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Artikel vom 30. Januar 2018

Gründerstory: Zwischen zwei tollen Jobs die Herzensangelegenheit gewählt

Fotografin Asja Caspari hat sich mit der Selbstständigkeit ihren Herzenzwunsch erfüllt

Fotografin Asja Caspari „behind the Scenes“ bei der Portrait Session mit einem deutschen Offshore Windenergie Ingenieur im Hamburger Hafen im Juni 2017. Foto: Katrin Schöning

„Ich frage mich, wie sich mein Leben entwickelt hätte, wenn ich früher in die Szene eingetaucht wäre“, sagt Asja Caspari. Mit 37 Jahren zählt sie unter den talentierten Jungfotografen zu den Älteren. In ihrem „anderen Leben“ hat sie als Projektleiterin in der Internationalen Zusammenarbeit für die Bundesregierung gearbeitet. Ein Traumjob mit Karriereaussicht. Die Existenzgründerin entschied sich für ein neues Leben. Und für ihre große Leidenschaft: das Fotografieren. „Wahnsinnig“, sagten die Kollegen. „Na endlich“ ihre Freunde.

Während des Studiums Fotokurse in Buenos Aires

Es war keine ausgemachte Sache, dass die Fotografie im Kampf zwischen Herz und Verstand gewinnen würde. In einer Akademikerfamilie aufgewachsen, studierte Asja Interkulturelle Kommunikation, Erwachsenenbildung und Psychologie in Chemnitz – das passte zu ihrer Neugier auf fremde Kulturen. Kreativ war man nur „in der Freizeit“. Immerhin mit vier bekam Asja eine Kamera geschenkt, die sie überallhin begleitete: ins Auslandsjahr nach Brasilien, nach Kanada, nach Schweden. Während eines Studienjahres in Buenos Aires besuchte sie erstmals eine Fotoschule und absolvierte einige Kurse.

Berufseinstieg aus Geldnot – die Kunst muss warten

Nach dem Studium wollte Asja es wissen und bewarb sich beim Lette Verein, einer renommierten Fotoschule in Berlin. Der Auswahlprozess zog sich, das Geld wurde knapp. Als die Zusage kam, war es zu spät: Asja hatte gerade die Stelle bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit angenommen. Weiterbildungsprogramme konzipieren, Expertenpools leiten, das klang für die polyglotte Hamburgerin vielversprechend – war aber eine Vernunftentscheidung. Wann immer es ging, fotografierte sie weiter und machte erste Porträts gegen Honorar. Als ihr nach vier Jahren ein Sabbatical verwehrt wurde, kündigte sie und machte an der Fotoschule in Argentinien ihren Master in Werbe- und Modefotografie.

Seit 2016 unter dem Label "Asja Caspari Photography" selbstständig

Noch kurz selber Hand anlegen bei der Portrait Session mit Shalisha in London, März 2017. Foto: Inna Kirioglo

Durchstarten mit Mitte Dreißig

Zurück in Deutschland beantragte Asja den Gründungszuschuss. Ihre Mutter hatte als Gründungsberaterin bei der Lawaetz-Stiftung gearbeitet, hier half man ihr beim Erstellen des Business-Plans. Ihre Mutter empfahl ihr auch das hei.gründerfrühstück und das hei.scheckheft. „SEO-Optimierung“, „AGB-Entwicklung“ und „Meine Gründerpersönlichkeit“ standen auf Asjas Agenda, „super Seminare und extrem hilfreich auf dem Weg in die Selbstständigkeit“. Bei der Hamburger Kreativgesellschaft fand sie ihren Gründercoach – eine Frau –, mit der sie eine Positionierungs- und Akquisestrategie entwickelte. Im Februar 2016 gründete sie Asja Caspari Photography.

Über Empfehlungen und Netzwerken kamen die ersten Aufträge: Künstler, Musiker, Jungunternehmer und Politiker ließen sich portraitieren. Und dann der Ritterschlag: die Aufnahme in den BFF, den großen deutschen Verband für Werbefotografie. Endlich hatte sie ihr kreatives Umfeld gefunden. Die Verbindung von Mode- und Porträtfotografie ist heute ihr großes Faible. „Ich verausgabe mich bei meinen Shootings total, gestern habe ich eine Modestrecke gemacht und bin heute total erledigt.“

Auf Augenhöhe kommunizieren – in sechs Sprachen

Doch ohne Brot- und Butterjobs geht es nicht. In der Unternehmensfotografie hat Asja ein zweites Standbein gefunden. Für Kunden wie Google oder Procter&Gamble fotografiert sie Mitarbeiter, begleitet Veranstaltungen und produziert PR-Fotos. Dabei profitiert sie von ihren Erfahrungen als interkultureller Kommunikationsprofi: „Ich kommuniziere auf Augenhöhe, weil ich weiß, dass die Wertschätzung des Gegenübers überall wichtig ist, auch in Unternehmen.“ Dass sie sechs Sprachen spricht, eröffnet ihr ein fast unbegrenztes Einsatzfeld.

Existenzgründung als freiberufliche Fotografin

Portrait von Fotografin Asja Caspari. Foto: Santiago Salazar

Die eigene Marktlücke finden

Auch ihre Schwächen kennt die Gründerin: „Beim Marketing bin ich noch nicht gut aufgestellt, ich verkaufe mich nicht gern.“ Regelmäßige Mappentermine aber gehören zum Job, wofür Hamburg als Standort ideal ist: „Die Verlage und Agenturen haben Geld für kreative Leistungen und die Szene ist angenehm überschaubar.“ Auch die Medienpräsenz muss stimmen: „Die Leute schauen zuerst auf die Website und auf Instagram, bevor ich einen Termin bekomme.“ Dass ihre Follower unter den Entscheidern stetig zunehmen, freut sie riesig. Anfang 2018 werden neue Fotostrecken publiziert, auch ein Newsletter steht an. Und geschäftliche Effizienz: „Ich habe Preise, hinter denen ich stehe, dank meiner Stundenerfassung weiß ich, wie lange ich für ein Projekt brauche und wie hoch mein Stundenlohn ist.“

Um den eigenen Weg zu gehen, braucht es jetzt vor allem einen langen Atem. „Ein alter Hase beim BFF sagte zu mir: `Du musst dir deinen Markt schaffen, Helmut Newton hatte auch keinen – oder brauchte damals einer nackte Frauen in Hotelfluren?´“ Was zählt, sind Wille und Leidenschaft, und davon hat Asja reichlich.

 

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