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Artikel vom 30. November 2016

Gründerstory: Sozial trifft köstlich – in Valentinas BackSalon vereint Kuchen die Generationen

Existenzgründerin mit Begeisterung für das Backen: Katrin Rauser

Tradition, beste Zutaten und Liebe zum Backen – das ist das Erfolgsrezept von Gründerin Katrin Rauser und „Valentinas BackSalon“. Foto: Nadja Hansen WHY

Wo andere über den demografischen Wandel klagen, sieht Katrin Rauser Himbeer-Streuselkuchen und Preiselbeer-Mohn-Torten. Drei Seniorinnen zaubern in der Backstube von Valentinas BackSalon köstliche Kuchen und Kekse nach alten, oft geheimen Rezepten und verdienen sich so etwas zur Rente dazu. Die Gäste freut’s: Vier Wochen nach der Eröffnung hat sich das gemütliche Café in der Schlüterstraße 79 bereits zu einem echten Nachbarschaftstreff entwickelt. Die hei. hat mit Katrin Rauser über ihre Existenzgründung gesprochen.

Katrin, wie kamst Du als gelernte Buchhändlerin auf die Idee, Dich mit einem Café selbstständig zu machen?

Ich habe immer schon gern mit Menschen gearbeitet, sei es im Buchhandel, während meiner Zeit in der Hamburger Volkshochschule oder im sozialpädagogischen Bereich. Mit Valentinas BackSalon kann ich nun ziemlich viel verbinden: meine beruflichen Erfahrungen und den Wunsch nach einer Arbeit, die Gesellschaftliches, Altbewährtes, Vergnügliches und Köstliches zusammenbringt.

Ist Valentinas BackSalon denn jetzt ein Café oder ein Sozialprojekt?

Ich denke beides – wobei wir keine öffentliche Förderung bekommen. Ich habe mich einfach gefragt, wie es sein kann, dass in einer immer älter werdenden Gesellschaft das Wissen und Können von Senioren so wenig genutzt wird. In Valentinas BackSalon nutzen wir das Potenzial der Älteren, und die bekommen dafür nicht nur eine Entlohnung auf Mini-Job-Basis, sondern auch jede Menge Lob von unseren Gästen. Die kommen nämlich nicht zu uns, weil sie etwas Gutes tun wollen, sondern weil die Kuchen super schmecken. Das liegt auch an den Zutaten: Wir nutzen beispielsweise ein gutes Mehl aus der Lüneburger Heide und Bio-Eier.

Valentinas BackSalon nutzt das Potenzial der Älteren.

Ein Ort zum Wohlfühlen: „Valentinas BackSalon“ ist Café und Sozialprojekt in Einem. Foto: Nadja Hansen WHY

Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zur Realisierung?

Meine ursprüngliche Idee war es, die Kuchen als Catering für Firmen und den Außer-Haus-Verkauf anzubieten. Aber dann habe ich Mitte August gesehen, dass das Ladenlokal in der Schlüterstraße 79 leerstand. Der Makler hatte gerade eine Stunde vorher das „Zu vermieten“-Schild reingehängt, und hatte bereits 80 Interessenten. Er fand dann aber meine Idee so gut, dass er mir den Laden überlassen hat. Den hab ich in nur fünf Wochen komplett renoviert und als gemütliches Café eingerichtet. Zum Glück habe ich von Freunden Möbelspenden bekommen und musste keinen Bankkredit aufnehmen – mein Startkapital habe ich mir privat geliehen.

Wie kam es zu dem Namen Valentina?

Mir war es wichtig, dass der Name etwas Wertiges hat und ein Gefühl vermittelt für die Idee, die dahinter steht. Als ich meine lange Liste in der Datenbank der Handelskammer überprüfte, blieb leider kein einziger Name übrig. Alle waren bereits vergeben, zum Teil an Lebensmittelkonzerne wie Dr. Oetker, die den Marken- und Namensschutz ziemlich ernst nehmen. Schließlich bin ich bei Valentina gelandet – mein inoffizieller Spitzname. Und „BackSalon“ bringt rüber, dass das Café ein echter Treffpunkt ist, an dem Menschen gepflegt miteinander ins Gespräch kommen.

Warum hast Du gerade jetzt mit 50 den Start in die Selbstständigkeit gewagt?

Ich hatte mich schon länger mit der Senioren-Idee beschäftigt und sogar schon einmal in einem Café in München hospitiert, das ein ähnliches Konzept verfolgt. Als ich dann zum 1. Januar 2016 arbeitslos wurde, habe ich einen Antrag auf Gründungszuschuss gestellt, der ziemlich schnell bewilligt wurde. Mein Alter habe ich dabei nie als Hinderungsgrund gesehen. Im Gegenteil: Ich glaube, dass ich vor zehn Jahren noch nicht reif gewesen wäre für eine Existenzgründung.

Seminare aus dem hei.scheckheft haben bei der Existenzgründung geholfen

Aus dem hei.scheckheft besuchte Katrin Rauser Basisseminare und weitere Schulungen zum Thema Vertrieb und Gastronomie. Foto: Nadja Hansen WHY

Wie hat Dir die hei. bei Deiner Existenzgründung helfen können?

Vor meiner Selbstständigkeit bin ich zur Existenzgründungsberatung der hei. gegangen und habe ein sehr freundliches und informatives Gespräch mit Frau Bachmann geführt. Ich habe sie gebeten, mir aus ihrer Erfahrung heraus ganz ehrlich zu sagen, ob sie meint, die Idee könnte funktionieren. Ihr „ja“ hat mich dann sehr bestärkt. Sie hat mir auch vom hei.scheckheft erzählt, aus dem ich die Basisseminare und weitere Schulungen zum Thema Vertrieb und Gastronomie besucht habe. Auch das hei.gründerfrühstück fand ich toll, weil man hier auf andere Gründerinnen und Gründer trifft, mit denen man sich austauschen kann.

Ein Ort zum Wohlfühlen

Seniorinnen zaubern mit Wissen und Können in der Backstube köstliche Kuchen und Kekse nach alten, oft geheimen Rezepten. Foto: Nadja Hansen WHY

Was sind Deine Zukunftspläne für Valentinas BackSalon?

Ideen für die Zukunft habe ich auf jeden Fall genug! Ab sofort gibt es an jedem zweiten Sonntag im Monat ab 10 Uhr ein Frühstück mit vielen selbstgemachten Sachen, Marmeladen von meiner Mutter zum Beispiel. Ende November wird eine Opernsängerin im Café Lieder aus den 20er und 30er Jahren singen. Und dann will ich die Räumlichkeiten auch verstärkt für Abendveranstaltungen vermieten. So langsam komme ich jetzt dazu, Werbung zu machen. Wenn das Geschäft weiter anzieht, werde ich sicherlich auch Leute einstellen.

Eine Frage zum Abschluss: Wie erklärst Du Dir den Erfolg Deines Cafés?

Ich finde, dass heutzutage alles so schematisch ist, die meisten Innenstädte sehen mit ihren Shopping-Meilen inzwischen gleich aus. Da gibt es ein großes Bedürfnis nach etwas Echtem, das Leib und Seele anspricht. Die Leute wollen nicht nur coole Coffeshops, sondern auch Orte, an denen sie sich einfach wohlfühlen und mit anderen in Kontakt kommen. Und Valentinas BackSalon scheint einer dieser Wohlfühl-Orte zu sein.

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